Expertenstandard Mobilität: Erhaltung und Förderung

03.10.2026

Mobilität fördern heißt Unterstützung planen, Eigenbewegung erhalten und Ergebnisse konsequent prüfen.

Der Expertenstandard Mobilität hilft Ihnen, Eigenbewegung im Pflegealltag gezielt zu unterstützen – auch bei Bewohnerinnen und Bewohnern, die nicht gehen können. Entscheidend sind persönliche Bewegungsziele, passende Unterstützung und die Prüfung der Ergebnisse.

Ich empfehle Ihnen, zunächst einen Pflegefall durchzugehen: Passen Bewohnerwünsche, geplante Hilfe und tatsächliche Durchführung zusammen? So erkennen Sie, wo Ihr Team Absprachen oder Abläufe ändern sollte.

Stand 03.10.2026: Empfohlen wird die Fassung vom 19.11.2020. Daraus folgt keine gesetzliche Pflicht zur Einführung.

Expertenstandard Mobilität: Der Pflegeprozess im Überblick

Expertenstandard Mobilität: Der Pflegeprozess im Überblick

Was der Expertenstandard Mobilität verlangt

Der Standard verlangt einen nachvollziehbaren Pflegeprozess: Mobilität einschätzen, Ziele ableiten, Maßnahmen planen und umsetzen, die Ergebnisse überprüfen und bei Bedarf Anpassungen vornehmen. [2]

Als fachlicher Standard begründet er keine gesetzliche Einführungspflicht. Die Anwendungsempfehlung ersetzt auch keine einrichtungsspezifische Verfahrensregelung. [1][3]

Zuständigkeiten klären und Bewohnerwünsche beachten

Die Pflegefachkraft übernimmt die Einschätzung und Planung. Das Team setzt die Maßnahmen um. Die Pflegedienstleitung (PDL) sichert die Organisation. Legen Sie intern fest, wer Einschätzungen aktualisiert, wie Beobachtungen weitergegeben werden und wer die Ergebnisse überprüft. Das schafft klare Zuständigkeiten und macht die Umsetzung nachvollziehbar. [2][4]

Wünsche und Einverständnis der Bewohnerinnen und Bewohner gehören in die Planung. Klären Sie, welche Bewegungen der Person wichtig sind und welche Unterstützung sie annimmt. Besprechen Sie bei einer Ablehnung mögliche Alternativen. Beziehen Sie bei Bedarf Angehörige und die Physiotherapie ein. Dokumentieren Sie Wünsche, Beratung und Entscheidungen. Unterstützen Sie die Eigenbewegung, statt sie zu ersetzen. [2][4]

Mobilität einschätzen und beobachtbare Ziele festlegen

Schätzen Sie die Mobilität anhand der vereinbarten Wünsche systematisch ein. Erfassen Sie, welche Bewegungen selbstständig gelingen, wie die Bewohnerin oder der Bewohner sie ausführt und welche Unterstützung nötig ist. Dazu gehören Lagewechsel im Bett und im Sitzen, Aufstehen, Umsetzen sowie Stehen und Gehen mit oder ohne Hilfsmittel. [2]

Berücksichtigen Sie Schmerzen, Gleichgewicht, Sturzangst, Orientierung und Verständnis. Prüfen Sie, ob die Person Hilfsmittel sicher nutzt und Bewegungsabläufe versteht und umsetzt. Beschreiben Sie vorhandene Fähigkeiten genauso konkret wie Einschränkungen. [2]

Schätzen Sie die Mobilität erneut ein, sobald sich Beweglichkeit, Schmerzen, Sturzangst oder Unterstützungsbedarf verändern. Warten Sie damit nicht bis zum regulären Prüftermin. [2] Leiten Sie aus der Einschätzung die Ziele und Maßnahmen ab.

Beobachtung, Einschätzung und Ziele unterscheiden

Die Formulierung „Mobilität eingeschränkt“ reicht nicht.

Die Beobachtung beschreibt den sichtbaren Bewegungsablauf. Die Einschätzung bewertet Fähigkeiten, Probleme und Unterstützungsbedarf. Das Ziel benennt die Bewegung, die erhalten oder erreicht werden soll. Es muss zu den Fähigkeiten und Wünschen der Person passen und überprüfbar sein. [2]

Beispiel für die Dokumentation: Beobachtung: „Steht nach Anleitung auf und benötigt beim Umsetzen Unterstützung.“ Einschätzung: „Beteiligt sich aktiv am Aufstehen. Beim Umsetzen besteht weiterhin Unterstützungsbedarf.“ Vereinbartes Ziel: „Die Bewohnerin möchte zum Frühstück im Sessel sitzen und sich beim Transfer weiterhin aktiv beteiligen.“

Legen Sie fest, wann Sie prüfen, ob die vereinbarte Beteiligung gelingt und die Unterstützung noch zum Bedarf passt.

Mobilität im Pflegealltag fördern

Richten Sie die Unterstützung im Alltag an den vereinbarten Bewegungszielen aus. Lassen Sie Bewohnerinnen und Bewohnern beim Waschen, Ankleiden, Toilettengang, bei Mahlzeiten und Transfers Zeit für eigene Bewegungen. [2][4]

Achten Sie auf freie Wege, gute Beleuchtung, passende Sitzgelegenheiten und erreichbare Hilfsmittel. Prüfen Sie dabei, ob Ihre Unterstützung Eigenbewegung fördert oder sie ersetzt. [2]

Stimmen Sie die Maßnahmen bei Bedarf mit der Physio- und Ergotherapie sowie den ärztlichen Diensten ab, etwa wenn Bewegungsziele oder Hilfsmittel angepasst werden müssen. Halten Sie die vereinbarte Unterstützung in der Pflegeplanung fest. Pflegefachkräfte benötigen Bewegungskompetenz. Schulen Sie das Team deshalb regelmäßig in der Bewegungsunterstützung. [2][4]

Mobilitätsförderung mit Prophylaxen verbinden

Prüfen Sie bei jeder Maßnahme, welche Prophylaxe zusätzlich nötig ist. Für die Sturz- und Dekubitusprophylaxe gelten eigene Expertenstandards. [1][2]

Bereich Bezug zur Mobilitätsförderung Zusätzlich erforderlich
Sturzprophylaxe Bewegung allein verhindert keine Stürze. Sturzrisiko und Umfeld gesondert einschätzen.
Dekubitusprophylaxe Eigenbewegung kann zur Druckentlastung beitragen. Dekubitusrisiko und Hautzustand einschätzen sowie Positionswechsel und Druckentlastung individuell planen.

Halten Sie diese Abgrenzung in der Maßnahmenplanung fest. [1][2]

Maßnahmen dokumentieren und Ergebnisse prüfen

Halten Sie fest, welche Bewegung durchgeführt wurde, welche Hilfe nötig war, wer die Maßnahme durchgeführt hat, in welcher Pflegesituation sie stattfand und wie die Bewohnerin oder der Bewohner reagierte. Prüfen Sie das Ergebnis anhand des vereinbarten Ziels. Einschätzung, Maßnahmenplanung, Beratung, Durchführung und Evaluation gehören zum Prozess des Expertenstandards Mobilität.[2] So lässt sich die Wirkung der Maßnahme bei der nächsten Bewertung nachvollziehen.

Beispiel: Morgendliches Umsetzen vom Bett in den Stuhl mit verbaler Anleitung und teilweiser körperlicher Unterstützung. Die Bewohnerin beteiligt sich aktiv. Evaluation: Ziel „2 Minuten mit geplanter Unterstützung stehen“ erreicht. [2]

Ändern sich Mobilität, Schmerzen, Sicherheit oder Wünsche, schätzen Sie die Mobilität erneut ein und passen Sie Ziel und Unterstützung an. Dokumentieren Sie die Veränderung, die angepasste Maßnahme und den Zeitpunkt der nächsten Ergebnisprüfung. Ein nicht erreichtes Ziel erfordert eine Überprüfung, aber nicht automatisch mehr körperliche Hilfe.[2]

Angaben zur Mobilität konsistent halten

Im Strukturmodell dokumentieren Sie die Angaben in der SIS, im Maßnahmenplan und im Berichteblatt. Die Strukturierte Informationssammlung (SIS) beschreibt Fähigkeiten, Einschränkungen und Wünsche. Der Maßnahmenplan legt die Unterstützung fest. Im Berichteblatt halten Sie relevante Veränderungen, Abweichungen und Reaktionen fest. Bei der Evaluation vergleichen Sie Ergebnis und Ziel anhand derselben beobachtbaren Kriterien.[2]

Verwenden Sie kurze Formulierungen, die zur jeweiligen Person passen:

„Umsetzen mit verbaler Anleitung“, „Lagewechsel mit teilweiser körperlicher Unterstützung“ oder „Ziel erreicht, Unterstützung unverändert“. [2]

Ergänzen Sie jeweils die Situation und die beobachtete Reaktion. Diese Angaben bilden die Grundlage für die anschließende Qualitätsprüfung.

Pflegequalität prüfen und nächste Schritte festlegen

Nach Dokumentation und Evaluation prüfen Pflegedienstleitung (PDL) und Qualitätsmanagement (QM) den Mobilitätsprozess intern anhand einer Checkliste. Bewerten Sie jeden Punkt mit „Ja“, „Teilweise“ oder „Nein“. Die Checkliste dient der internen Qualitätsentwicklung, nicht der externen Prüfung.

PDL und QM prüfen damit im Einzelfall folgende Punkte:

Prüfbereich Prüffrage Ja / Teilweise / Nein
Einschätzung Sind Fähigkeiten, Einschränkungen und Unterstützungsbedarf aktuell erfasst? ☐ / ☐ / ☐
Ziele Sind die Ziele beobachtbar und mit den Wünschen der Bewohnerin oder des Bewohners abgestimmt? ☐ / ☐ / ☐
Maßnahmen Sind konkrete Bewegungsangebote und Beratung geplant und mit Prävention verknüpft? ☐ / ☐ / ☐
Zuständigkeiten Ist klar zugeordnet, wer Unterstützung, Beratung und Ergebnisprüfung übernimmt? ☐ / ☐ / ☐
Durchführung Stimmen Planung und tatsächliche Unterstützung überein? ☐ / ☐ / ☐
Evaluation Wird zum festgelegten Zeitpunkt geprüft, ob die Ziele erreicht wurden? ☐ / ☐ / ☐
Anpassung Werden Veränderungen und Zielabweichungen geprüft und die Maßnahmen angepasst? ☐ / ☐ / ☐

Prüfen Sie zunächst einen vollständigen Fall, bevor Sie Maßnahmen festlegen. Passen Mobilitätsziele, Unterstützung und Dokumentation im Alltag zu den Wünschen der Bewohnerin oder des Bewohners? Klären Sie bei jeder Lücke, ob die Ursache im Fachwissen, in der Zuständigkeit oder im Ablauf liegt.

Halten Sie für jede Korrektur den Handlungsbedarf, die Verantwortung, die Frist und die Nachprüfung fest. Prüfen Sie anschließend im Alltag, ob die vereinbarte Unterstützung umgesetzt wird.

Quellen und weiterführende Informationen

Als fachliche Grundlage dient der DNQP-Expertenstandard „Erhaltung und Förderung der Mobilität in der Pflege“.[2] Die gesetzliche Grundlage der externen Prüfung ist § 114 SGB XI.[1]

FAQs

Wie fördere ich Mobilität bei Bettlägerigkeit?

Fördern Sie die vorhandene Eigenbewegung der Bewohnerinnen und Bewohner und binden Sie Bewegungsförderung in den Pflegealltag ein. Schätzen Sie dafür die Mobilität systematisch ein. Berücksichtigen Sie auch kognitive Fähigkeiten, Erkrankungen, Medikamente und die Umgebung.

Planen und koordinieren Sie passende Maßnahmen. Beraten Sie die Bewohnerinnen und Bewohner, leiten Sie sie an und überprüfen Sie die Ergebnisse. Setzen Sie Hilfsmittel ein und passen Sie die Umgebung an. Mobilitätsförderung ergänzt die Sturz- und Dekubitusprophylaxe, ersetzt sie aber nicht.

Wie gehe ich mit abgelehnten Bewegungsangeboten um?

Berücksichtigen Sie abgelehnte Bewegungsangebote in der individuellen Maßnahmenplanung. Grundlage ist Ihre pflegefachliche Einschätzung der Mobilität. Beziehen Sie dabei Einflussfaktoren wie die kognitiven Ressourcen und die Umgebung ein. Bewegungsförderung umfasst gezielte Übungen ebenso wie Bewegung im Pflegealltag.

Dokumentieren Sie den Mobilitätsverlauf fachlich fundiert. Prüfen Sie bei Veränderungen, ob Sie Ihre Einschätzung anpassen müssen.

Was prüfe ich, wenn Mobilitätsziele nicht erreicht werden?

Prüfen Sie den aktuellen Mobilitätsstatus sowie Faktoren, die ihn beeinflussen: kognitive Ressourcen, die Umgebung und therapeutische Maßnahmen. Sehen Sie sich auch die individuelle Maßnahmenplanung und deren Umsetzung an. Prüfen Sie, ob gezielte Übungen und Bewegungsförderung in den Pflegealltag eingebunden sind.

Verfolgen Sie anhand der Pflegedokumentation, wie sich die Mobilität entwickelt hat. Berücksichtigen Sie dabei die Zusammenhänge mit der Sturz- und Dekubitusprophylaxe.

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