
Erfahre, wie du die strukturierte Informationssammlung (SIS) effizient ausfüllst und Zeit in der Pflege sparst. Tipps und Beispiele für den Alltag.
In der stationären Altenpflege ist der Zeitdruck allgegenwärtig: Der Fachkräftemangel, wachsende Dokumentationspflichten und steigende Anforderungen der Qualitätsprüfungen durch den Medizinischen Dienst (MD) setzen Einrichtungen unter enormen Druck. In diesem Kontext bietet die strukturierte Informationssammlung (SIS) eine transformative Lösung, die nicht nur den Dokumentationsaufwand reduziert, sondern auch eine bessere Personenzentrierung in der Pflege ermöglicht. Doch wie funktioniert die SIS genau und wie kann sie den Pflegealltag revolutionieren? Dieser Artikel liefert eine fundierte Einführung und praktische Tipps für die Umsetzung.
Die SIS wurde 2016 eingeführt, um den bürokratischen Aufwand in der Altenpflege zu verringern und gleichzeitig die Qualität der Pflege zu verbessern. Sie orientiert sich direkt am Begutachtungsassessment des Medizinischen Dienstes (§ 15 SGB XI), das auch zur Einstufung in einen Pflegegrad genutzt wird. Zentral dabei ist die Umstellung von zahlreichen Einzelformularen auf ein einziges, klar strukturiertes Dokument. Dies spart Zeit und sorgt für einen effizienteren Ablauf.
Die SIS teilt sich in vier zentrale Bereiche auf:
Zusätzlich wird nur dann ein erweitertes Assessment durchgeführt, wenn ein spezifisches Risiko festgestellt wird. Dies macht die Dokumentation gezielt und effizient.
Die sechs Themenfelder der SIS bilden die Grundlage für eine ganzheitliche und personenzentrierte Pflegeplanung. Sie umfassen:
Hier werden die kognitiven Fähigkeiten der Person (z. B. Orientierung, Entscheidungsfähigkeit) sowie ihre Kommunikationsmöglichkeiten bewertet.
Dieser Bereich analysiert, wie mobil die Person ist, ob sie Hilfsmittel benötigt und ob etwaige Einschränkungen bestehen.
Hier geht es um spezielle pflegerische Maßnahmen, die durch Krankheiten erforderlich werden, z. B. bei Diabetes oder chronischen Schmerzen.
Dieser Punkt bewertet die Selbstständigkeit in den Bereichen Ernährung, Körperpflege, Ankleiden und Ausscheidungen.
Der Fokus liegt hier auf sozialen Kontakten, Hobbys und dem Wunsch nach Freizeitaktivitäten.
Dieser Bereich unterscheidet je nach pflegerischem Setting und analysiert, wie eigenständig die Person Aufgaben im häuslichen Umfeld bewältigen kann.
Ein Kernstück der SIS ist die Risikomatrix, die Pflegekräfte bei der Einschätzung von Risiken wie Dekubitus, Sturz, Inkontinenz, Schmerzen oder Mangelernährung unterstützt. Der Vorteil: Nur wenn ein Risiko tatsächlich identifiziert wird, ist ein ergänzendes Assessment notwendig. Das spart wertvolle Zeit und ermöglicht, den Fokus auf die wirklich relevanten Aspekte zu legen.
Die Einführung und Nutzung der SIS erfordert eine Umstellung, bietet jedoch zahlreiche Vorteile für Pflegekräfte und Bewohner. Hier einige praxisnahe Tipps für die Anwendung:
Vor jedem SIS-Gespräch sollte eine strukturierte Vorbereitung erfolgen. Überlegen Sie sich Fragen zu den zentralen Themenbereichen und erstellen Sie gegebenenfalls eine Kurznotiz, um den Überblick zu behalten.
Ein ungestörtes Gespräch in ruhiger Atmosphäre ist entscheidend. Beginnen Sie mit einer kurzen Vorstellung, um Vertrauen aufzubauen. Zeigen Sie durch Blickkontakt und aktives Zuhören, dass Sie die Person ernst nehmen.
Bei heiklen Themen wie Inkontinenz oder Ausscheidungen können vorbereitete Formulierungen helfen, Hemmungen abzubauen. Beispielsweise: "Viele Menschen haben Probleme mit dem Wasserlassen. Wie ist das bei Ihnen?"
Gerade bei Unsicherheiten ist der Austausch mit Kolleginnen und Kollegen unerlässlich. Eine gemeinsame Reflexion kann helfen, neue Perspektiven zu gewinnen und die Qualität der SIS-Dokumentation zu verbessern.
Digitale Dokumentationssysteme, die SIS-konform gestaltet sind, bieten erhebliche Vorteile: Sie minimieren Übertragungsfehler, erinnern automatisch an Aktualisierungen und sparen zusätzlich Zeit.
Stellen wir uns Folgendes vor: Frau Janke, eine neue Bewohnerin, zieht in ein Pflegeheim ein. Statt mit einem Stapel von Formularen zu beginnen, wird ein SIS-Gespräch geführt. Frau Janke berichtet, dass sie früher gerne spazieren ging, aber aufgrund mehrerer Stürze Angst davor hat, erneut hinzufallen. Diese Information fließt direkt in den Bereich "Mobilität und Bewegung" ein, wo ein Sturzrisiko markiert wird. Ein spezifisches Assessment wird daraufhin nur für diesen Punkt durchgeführt.
Darüber hinaus teilt Frau Janke mit, dass sie gerne liest und sich für Vorlesenachmittage interessiert. Diese Information kann für Biografiearbeit und soziale Aktivitäten genutzt werden. Dieses Beispiel zeigt, wie die SIS nicht nur Risiken erfasst, sondern auch zur Lebensqualität der Bewohner beiträgt.
Die SIS ist weit mehr als ein Dokument. Sie dient als Gesprächsgrundlage, um die Bedürfnisse und Wünsche pflegebedürftiger Menschen besser zu verstehen. Sie kombiniert deren Selbsteinschätzung mit der fachlichen Expertise der Pflegekraft und schafft so ein ganzheitliches Bild. Durch diese Methodik wird nicht nur die Qualität der Pflege verbessert, sondern auch die Beziehung zwischen Pflegekräften und Bewohnern gestärkt.
Die strukturierte Informationssammlung ist ein Schlüsselwerkzeug für die Zukunft der stationären Pflege. Sie vereint Effizienz und Menschlichkeit und bietet eine praxisnahe Lösung für die Herausforderungen moderner Pflegeeinrichtungen.
Source: "Die strukturierte Informationssammlung (SIS): Wie füllst du sie am besten aus?" - Novaheal, YouTube, May 19, 2025 - https://www.youtube.com/watch?v=jeI1dqrrj5g