SIS ausfüllen: Anleitung für Pflegekräfte

Erfahre, wie du die strukturierte Informationssammlung (SIS) effizient ausfüllst und Zeit in der Pflege sparst. Tipps und Beispiele für den Alltag.
In der stationären Altenpflege ist der Zeitdruck allgegenwärtig: Der Fachkräftemangel, wachsende Dokumentationspflichten und steigende Anforderungen der Qualitätsprüfungen durch den Medizinischen Dienst (MD) setzen Einrichtungen unter enormen Druck. In diesem Kontext bietet die strukturierte Informationssammlung (SIS) eine transformative Lösung, die nicht nur den Dokumentationsaufwand reduziert, sondern auch eine bessere Personenzentrierung in der Pflege ermöglicht. Doch wie funktioniert die SIS genau und wie kann sie den Pflegealltag revolutionieren? Dieser Artikel liefert eine fundierte Einführung und praktische Tipps für die Umsetzung.
Was ist die strukturierte Informationssammlung (SIS)?
Die SIS gehört zum Strukturmodell, das nach einem Praxistest 2013/2014 ab Juli 2014 bundesweit eingeführt wurde (Ein-STEP, Historie). Ziel ist, den bürokratischen Aufwand in der Altenpflege zu verringern und gleichzeitig die Qualität der Pflege zu verbessern. Ihre Themenfelder lehnen sich an die Module des Begutachtungsinstruments an (§ 15 SGB XI), das auch zur Einstufung in einen Pflegegrad genutzt wird (Ein-STEP, Strukturen). Zentral dabei ist die Umstellung von zahlreichen Einzelformularen auf ein einziges, klar strukturiertes Dokument. Dies spart Zeit und sorgt für einen effizienteren Ablauf.
Die SIS teilt sich in vier zentrale Bereiche auf:
- Stammdaten: Basisinformationen wie Name und Geburtsdatum der Person.
- Anliegen der Person: Hier werden die Wünsche und Bedürfnisse der pflegebedürftigen Person im eigenen Wortlaut dokumentiert.
- Sechs Themenbereiche: Diese umfassen die zentralen Aspekte der Pflege.
- Risikomatrix: Eine Einschätzung potenzieller Risiken wie Dekubitus oder Sturzgefahr.
Ein weiteres Assessment ist nur dann nötig, wenn ein Risiko festgestellt wird und die Pflegefachkraft weiteren Einschätzungsbedarf sieht. Dies macht die Dokumentation gezielt und effizient.
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Die sechs Themenbereiche der SIS im Detail
Die sechs Themenfelder der SIS bilden die Grundlage für eine ganzheitliche und personenzentrierte Pflegeplanung. Sie umfassen:
1. Kognition und Kommunikation
Hier werden die kognitiven Fähigkeiten der Person (z. B. Orientierung, Entscheidungsfähigkeit) sowie ihre Kommunikationsmöglichkeiten bewertet.
2. Mobilität und Bewegung
Dieser Bereich analysiert, wie mobil die Person ist, ob sie Hilfsmittel benötigt und ob etwaige Einschränkungen bestehen.
3. Krankheitsbezogene Anforderungen
Hier geht es um spezielle pflegerische Maßnahmen, die durch Krankheiten erforderlich werden, z. B. bei Diabetes oder chronischen Schmerzen.
4. Selbstversorgung
Dieser Punkt bewertet die Selbstständigkeit in den Bereichen Ernährung, Körperpflege, Ankleiden und Ausscheidungen.
5. Leben in sozialen Beziehungen
Der Fokus liegt hier auf sozialen Kontakten, Hobbys und dem Wunsch nach Freizeitaktivitäten.
6. Haushaltsführung und Wohnen
Dieser Bereich unterscheidet je nach pflegerischem Setting und analysiert, wie eigenständig die Person Aufgaben im häuslichen Umfeld bewältigen kann.
Beispiele zu jedem Themenfeld finden Sie in eigenen Beiträgen:
- Kognitive und kommunikative Fähigkeiten
- Mobilität und Beweglichkeit
- Krankheitsbezogene Anforderungen und Belastungen
- Selbstversorgung
- Leben in sozialen Beziehungen
- Wohnen und Häuslichkeit
Effizienter arbeiten mit der Risikomatrix
Ein Kernstück der SIS ist die Risikomatrix, die Pflegekräfte bei der Einschätzung von Risiken wie Dekubitus, Sturz, Inkontinenz, Schmerzen oder Mangelernährung unterstützt. Der Vorteil: Nur wenn ein Risiko identifiziert wird und die Pflegefachkraft weiteren Einschätzungsbedarf sieht, ist ein ergänzendes Assessment notwendig. Das spart wertvolle Zeit und ermöglicht, den Fokus auf die wirklich relevanten Aspekte zu legen.
Ausgefüllte Beispiele zeigt der Beitrag SIS-Risikomatrix richtig ausfüllen.
Praktische Umsetzung im Pflegealltag
Die Einführung und Nutzung der SIS erfordert eine Umstellung, bietet jedoch zahlreiche Vorteile für Pflegekräfte und Bewohner. Hier einige praxisnahe Tipps für die Anwendung:
1. Sorgfältige Vorbereitung
Vor jedem SIS-Gespräch sollte eine strukturierte Vorbereitung erfolgen. Überlegen Sie sich Fragen zu den zentralen Themenbereichen und erstellen Sie gegebenenfalls eine Kurznotiz, um den Überblick zu behalten.
2. Vertrauensvolle Gesprächsführung
Ein ungestörtes Gespräch in ruhiger Atmosphäre ist entscheidend. Beginnen Sie mit einer kurzen Vorstellung, um Vertrauen aufzubauen. Zeigen Sie durch Blickkontakt und aktives Zuhören, dass Sie die Person ernst nehmen.
3. Sensibler Umgang mit intimen Themen
Bei heiklen Themen wie Inkontinenz oder Ausscheidungen können vorbereitete Formulierungen helfen, Hemmungen abzubauen. Beispielsweise: "Viele Menschen haben Probleme mit dem Wasserlassen. Wie ist das bei Ihnen?"
4. Teamarbeit und Austausch
Gerade bei Unsicherheiten ist der Austausch mit Kolleginnen und Kollegen unerlässlich. Eine gemeinsame Reflexion kann helfen, neue Perspektiven zu gewinnen und die Qualität der SIS-Dokumentation zu verbessern.
5. Digitale Unterstützung nutzen
Digitale Dokumentationssysteme, die SIS-konform gestaltet sind, bieten erhebliche Vorteile: Sie minimieren Übertragungsfehler, erinnern automatisch an Aktualisierungen und sparen zusätzlich Zeit.
Beispiel aus der Praxis: Frau Janke
Stellen wir uns Folgendes vor: Frau Janke, eine neue Bewohnerin, zieht in ein Pflegeheim ein. Statt mit einem Stapel von Formularen zu beginnen, wird ein SIS-Gespräch geführt. Frau Janke berichtet, dass sie früher gerne spazieren ging, aber aufgrund mehrerer Stürze Angst davor hat, erneut hinzufallen. Diese Information fließt direkt in den Bereich "Mobilität und Bewegung" ein, wo ein Sturzrisiko markiert wird. Ein weiteres Assessment kann daraufhin gezielt für diesen Punkt erfolgen.
Darüber hinaus teilt Frau Janke mit, dass sie gerne liest und sich für Vorlesenachmittage interessiert. Diese Information kann für Biografiearbeit und soziale Aktivitäten genutzt werden. Dieses Beispiel zeigt, wie die SIS nicht nur Risiken erfasst, sondern auch zur Lebensqualität der Bewohner beiträgt.
Die SIS als Grundlage für personenzentrierte Pflege
Die SIS ist weit mehr als ein Dokument. Sie dient als Gesprächsgrundlage, um die Bedürfnisse und Wünsche pflegebedürftiger Menschen besser zu verstehen. Sie kombiniert deren Selbsteinschätzung mit der fachlichen Expertise der Pflegekraft und schafft so ein ganzheitliches Bild. Durch diese Methodik wird nicht nur die Qualität der Pflege verbessert, sondern auch die Beziehung zwischen Pflegekräften und Bewohnern gestärkt.
Key Takeaways
- Reduzierter Dokumentationsaufwand: Dank der SIS entfällt die Nutzung zahlreicher Einzelformulare, wodurch wertvolle Zeit eingespart wird.
- Vier klar strukturierte Bereiche: Stammdaten, Anliegen der Person, sechs Themenbereiche und die Risikomatrix sorgen für Übersichtlichkeit.
- Personenzentrierung im Fokus: Die Selbsteinschätzung der Pflegebedürftigen wird in den Mittelpunkt gestellt.
- Effizienz durch gezielte Assessments: Zusätzliche Bewertungen sind nur bei identifizierten Risiken mit weiterem Einschätzungsbedarf nötig.
- Praktische Gesprächsführung: Gute Vorbereitung und aktives Zuhören verbessern die Qualität der Gespräche.
- Digitale Tools: Digitale Systeme erleichtern die Umsetzung und minimieren Fehler.
- Ganzheitliche Pflegeplanung: Die Kombination aus fachlicher Expertise und den Wünschen der Bewohner führt zu einer individuellen Pflegeplanung.
Die strukturierte Informationssammlung ist ein Schlüsselwerkzeug für die Zukunft der stationären Pflege. Sie vereint Effizienz und Menschlichkeit und bietet eine praxisnahe Lösung für die Herausforderungen moderner Pflegeeinrichtungen.
Source: "Die strukturierte Informationssammlung (SIS): Wie füllst du sie am besten aus?" - Novaheal, YouTube, May 19, 2025 - https://www.youtube.com/watch?v=jeI1dqrrj5g






