Expertenstandard Delir: Stand, Screening und Prävention

Konkrete Schritte für Screening, Prävention und Dokumentation bei Delirverdacht im Pflegeheim: Meldewege, Instrumente und Pflegeplanung.
Stand Oktober 2026 liegt noch kein gültiger DNQP-Expertenstandard zum Delirmanagement vor. Die Vorstellung des Entwurfs ist für den 26. Februar 2027 geplant. Für Ihre stationäre Pflegeeinrichtung heißt das: Sie können Screening, Prävention und ärztliche Kontaktwege bereits jetzt anhand bestehender Leitlinien regeln.
Wir empfehlen, besonders auf plötzliche Veränderungen gegenüber dem gewohnten Zustand zu achten – auch bei ungewöhnlicher Ruhe oder Rückzug. Ein Screening liefert Hinweise, ersetzt aber keine ärztliche Diagnose. Bei Delirverdacht sollten Sie umgehend eine ärztliche Beurteilung veranlassen.
Was ist ein Delir?
Ein Delir ist eine akute Störung von Aufmerksamkeit und Bewusstsein. Es entwickelt sich innerhalb von Stunden oder Tagen und kann im Pflegealltag leicht übersehen werden. Betroffene Bewohnerinnen und Bewohner können Gesprächen schlechter folgen, wirken desorientiert oder reagieren anders auf ihre Umgebung als gewohnt.
Beim hyperaktiven Delir stehen starke Unruhe und manchmal Halluzinationen im Vordergrund. Beim hypoaktiven Delir wirken Betroffene schläfrig, ziehen sich zurück und reagieren verlangsamt. Die gemischte Form zeigt einen Wechsel zwischen beiden Zuständen.
Das hypoaktive Delir wird häufig übersehen. Rückzug, langsame Antworten oder geringe Aktivität können wie Müdigkeit oder eine Depression wirken. Vergleichen Sie diese Beobachtungen deshalb mit dem gewohnten Verhalten der betroffenen Person.
Eine Demenz entwickelt sich meist schleichend, ein Delir dagegen akut. Bei einer Depression stehen gedrückte Stimmung und verminderter Antrieb im Vordergrund. Akut schwankende Aufmerksamkeit und Veränderungen des Bewusstseins sind dafür untypisch. Ein Delir kann auch zusätzlich zu einer Demenz auftreten. Achten Sie beim Delir-Screening in der Pflege daher besonders auf plötzliche Veränderungen gegenüber dem gewohnten Zustand.
Expertenstandard Delirmanagement: Stand und Zeitplan
Das DNQP entwickelt den Expertenstandard „Delirmanagement in der Pflege“. Eine 16-köpfige Expertenarbeitsgruppe hat den Entwurf erarbeitet. Das DNQP stellt ihn am 26.02.2027 auf der 12. Konsensuskonferenz in Osnabrück vor. Die genauen Inhalte sind noch nicht veröffentlicht. [1]
Konsensuskonferenz und weitere Schritte
Auf der Konferenz wird der Entwurf diskutiert. Angemeldete Teilnehmende erhalten die Arbeitstexte vier Wochen vor der Veranstaltung. Sie können auf der Konferenz und im Anschluss schriftlich Stellung nehmen. Bis zur Verabschiedung folgen erfahrungsgemäß die fachliche Abstimmung und eine modellhafte Implementierung, also die Erprobung in ausgewählten Einrichtungen. [1]
Bis der Entwurf vorliegt, können Sie Ihre Abläufe an bekannten Empfehlungen ausrichten. Aktuelle klinische Empfehlungen finden Sie in der S3-Leitlinie „Delir im höheren Lebensalter“. Diese Leitlinie ist nicht mit dem künftigen DNQP-Expertenstandard gleichzusetzen. [2]
Legen Sie fest, welche Risiken, Hinweise aus dem Screening und Präventionsmaßnahmen Sie berücksichtigen. Versehen Sie interne Verfahrensanweisungen mit Quelle und Versionsstand. Sobald der DNQP-Entwurf zugänglich ist, prüfen Sie die Anweisungen erneut. Grundlagen finden Sie in unserem Überblick zu Expertenstandards in der Pflege.
Warum Delir im Pflegeheim ein Thema ist
Bei einem Delir im Pflegeheim kommen oft mehrere Risiken zusammen: höheres Alter, Demenz sowie Seh- und Hörbeeinträchtigungen.
Infektionen, Flüssigkeitsmangel, Schmerzen, Medikamentenänderungen, Schlafstörungen und Immobilität können ein Delir begünstigen. Auch ein Ortswechsel, etwa die Rückkehr nach einem Krankenhausaufenthalt, kann dazu beitragen.
Achten Sie auf Abweichungen vom gewohnten Zustand. Wirken Bewohnerinnen und Bewohner innerhalb von Stunden oder Tagen unaufmerksamer, unruhiger oder ungewöhnlich ruhig und zurückgezogen, ist eine zeitnahe ärztliche Abklärung erforderlich. Schreiben Sie diese Veränderungen nicht vorschnell einer bestehenden Demenz zu. Ein hypoaktives Delir, das sich etwa durch auffällige Ruhe und Rückzug zeigt, wird häufig übersehen.
Vergleichen Sie Ihre Beobachtungen mit dem üblichen Verhalten der betroffenen Person. Beziehen Sie vertraute Pflegekräfte und Angehörige ein. Prüfen Sie auch, ob Brille und Hörgerät vorhanden und funktionsfähig sind. So können Sie Veränderungen der Orientierung und Aufmerksamkeit besser einordnen.
Diese Beobachtungen bilden die Grundlage für das Delir-Screening im Pflegealltag.
Delir erkennen: Screening im Pflegealltag
Für ein Delir-Screening in der Pflege benötigen Sie einen dokumentierten Ausgangszustand: Wie aufmerksam, wach und gesprächsfähig ist die Bewohnerin oder der Bewohner üblicherweise? Halten Sie neue Abweichungen vom gewohnten Verhalten fest – auch wenn die Person ruhig oder zurückgezogen wirkt. Dokumentieren Sie Datum, Uhrzeit und Verlauf. Anschließend folgt ein strukturiertes Screening.
Beobachtung, Screening und Diagnose sind getrennte Schritte. Ihre Beobachtung liefert Hinweise. Ein standardisiertes Screening-Instrument hilft, diese einzuordnen. Die ärztliche Abklärung dient dazu, die Diagnose zu stellen und nach Ursachen zu suchen.
Die NICE-Leitlinie CG103 nennt den 4AT bei Hinweisen auf ein Delir. Daraus ergibt sich keine Pflicht, alle Bewohnerinnen und Bewohner routinemäßig zu screenen. Legen Sie intern fest, wer Beobachtungen meldet, welche geschulte Pflegefachkraft das Screening durchführt und wer die ärztliche Abklärung organisiert.
4AT, CAM und Nu-DESC im Vergleich
Die Instrumente unterscheiden sich im Vorgehen und im Schulungsbedarf. Sie wurden im klinischen Umfeld auf ihre Aussagekraft geprüft; die Ergebnisse lassen sich nicht unverändert auf Pflegeheime übertragen. Im Pflegealltag kommt es vor allem darauf an, das gewählte Instrument einheitlich anzuwenden.
| Instrument und Primärquelle | Zweck und erfasste Bereiche | Ursprüngliches Validierungssetting | Schulungsbedarf |
|---|---|---|---|
| 4AT | Kurze Einschätzung von Wachheit, Orientierung, Aufmerksamkeit sowie akuter Veränderung oder wechselnder Ausprägung der Symptome | Notaufnahme und Akutmedizin | Für die Anwendung ohne spezielle Schulung konzipiert; sichere Anwendung dennoch einüben |
| CAM | Entscheidungsschema zu akutem Beginn oder wechselnder Symptomausprägung, Unaufmerksamkeit, desorganisiertem Denken und verändertem Bewusstseinsniveau | Krankenhaus und klinische Forschung | Gezielte Schulung und strukturierte Befunderhebung erforderlich |
| Nu-DESC | Pflegerische Beobachtung von Desorientierung, unangemessenem Verhalten, unangemessener Kommunikation, Illusionen oder Halluzinationen und psychomotorischer Verlangsamung | Aufwachraum und Onkologie | Einweisung in die Bewertung und einheitliche Anwendung |
Was Sie bei Delirverdacht tun sollten
Dokumentieren Sie, seit wann die Veränderung besteht und wann die Bewohnerin oder der Bewohner zuletzt im gewohnten Zustand war. Informieren Sie die zuständige Pflegefachkraft und veranlassen Sie umgehend eine ärztliche Beurteilung. Warten Sie bei begründetem Verdacht nicht ab.
Übermitteln Sie Ihre Beobachtungen, das Screening-Ergebnis und Angaben zu Infektzeichen, Medikamentenänderungen, Trinkmenge, Schmerzen, Verstopfung und Schlaf. Wenn Angaben zum Ausgangszustand fehlen, beziehen Sie vertraute Personen ein.
Delir vorbeugen: Maßnahmen, die Sie jetzt umsetzen können
Zur Delirprävention kombinieren Sie mehrere nicht medikamentöse Maßnahmen im Pflegealltag. [2][3] Ziel ist, Auslöser zu reduzieren und Orientierung, Flüssigkeitsversorgung, Schlaf, Mobilität und Schmerzerfassung fest im Alltag zu verankern. Was der Entwurf genau vorsieht, ist noch nicht veröffentlicht. Klare Präventionsroutinen können Sie schon jetzt festlegen.
Geben Sie Orientierung und erhalten Sie Vertrautes. Achten Sie auf gut erkennbare Uhren, Kalender und eine angemessene Beleuchtung. Erklären Sie, wer Sie sind und was als Nächstes geschieht. Behalten Sie vertraute Tagesabläufe möglichst bei und beziehen Sie Bezugspersonen ein, wenn dies gewünscht ist. Sprechen Sie ruhig, kurz und klar.
Unterstützen Sie bedarfsgerecht beim Trinken, Essen und Bewegen. Stellen Sie Getränke in Reichweite bereit und helfen Sie bei Bedarf beim Trinken. Stimmen Sie eine begrenzte Trinkmenge ärztlich ab. Sorgen Sie auch beim Essen für passende Unterstützung. Hinweise dazu finden Sie im Ernährungsmanagement in der Pflege. Fördern Sie die Mobilisation und sicheres Gehen mit den vorhandenen Hilfsmitteln.
Schützen Sie Schlaf und Sinneswahrnehmung. Verringern Sie nachts Lärm und bündeln Sie Versorgungsmaßnahmen, um vermeidbare Schlafunterbrechungen zu reduzieren. Die notwendige Versorgung bleibt dabei gewährleistet. Halten Sie Brille und Hörgerät funktionsfähig bereit. Unterstützen Sie deren Nutzung so, wie es die Bewohnerin oder der Bewohner gewohnt ist.
Erfassen Sie Schmerzen und melden Sie neue Auffälligkeiten nach Medikamentenänderungen. Achten Sie im Rahmen des pflegerischen Schmerzmanagements auch auf nonverbale Schmerzzeichen. Geben Sie neue Auffälligkeiten mit Zeitangabe an die verordnende Ärztin oder den verordnenden Arzt weiter.
Halten Sie die Maßnahmen in der Strukturierten Informationssammlung (SIS) und im Maßnahmenplan fest und berücksichtigen Sie diese bei Übergaben.
Delir in der Pflegeplanung: SIS und Maßnahmenplan
Übertragen Sie nach der Beobachtung und dem Delir-Screening die Auffälligkeiten in die Pflegeplanung. Halten Sie im Themenfeld „Kognitive und kommunikative Fähigkeiten“ den gewohnten Zustand und die Abweichungen fest: Wann traten sie auf, wie verliefen sie und wie lange dauerten sie an? Die Flüssigkeitsversorgung dokumentieren Sie im Themenfeld „Selbstversorgung“.
Ein Verdacht ist keine Diagnose. Legen Sie im Maßnahmenplan fest, wer zuständig ist, bei welchen Anlässen gehandelt wird und wann die Maßnahmen überprüft werden. Diese Angaben dienen auch als Grundlage für Übergaben.
4 kurze Formulierungsbeispiele zur individuellen Anpassung
Passen Sie die Beispiele an Ihre tatsächlichen Beobachtungen und den Unterstützungsbedarf der jeweiligen Bewohnerin oder des jeweiligen Bewohners an.
Risiko und Ressource in der SIS:
Die Aufmerksamkeit schwankt im Tagesverlauf. Ruhige Ansprache und kurze Sätze erleichtern das Gespräch.
Verwenden Sie diese Formulierung nur bei beobachteten Auffälligkeiten. Ergänzen Sie, ob die Veränderungen neu oder bereits bekannt sind.
Orientierung im Maßnahmenplan:
Bei der morgendlichen Pflege Uhr und Kalender einbeziehen.
Richten Sie die Unterstützung danach aus, welche Orientierungshilfen die Bewohnerin oder der Bewohner versteht und nutzen möchte.
Flüssigkeit im Maßnahmenplan:
Bevorzugte Getränke zu vereinbarten Zeiten in Reichweite bereitstellen und beim Trinken individuell unterstützen.
Ergänzen Sie Zeiten, Zuständigkeiten und gegebenenfalls eine ärztlich festgelegte Trinkmengenbegrenzung. Übernehmen Sie keine pauschale Trinkmenge.
Beobachtung und Weitergabe:
Bei neuen oder schwankenden Veränderungen von Aufmerksamkeit, Wachheit und Verhalten sofort die zuständige Pflegefachkraft informieren und ärztliche Abklärung veranlassen.
Legen Sie den Meldeweg innerhalb Ihrer Einrichtung fest. Warten Sie nicht bis zur nächsten regulären Überprüfung der Pflegeplanung.
Dokumentation und Übergaben
Dokumentieren Sie den Verlauf beim Delir-Screening so, dass die nächste Schicht Veränderungen gegenüber dem Ausgangszustand sofort erkennt. Halten Sie Aufmerksamkeit, Orientierung und Wachheit sowie Beginn und Schwankungen der Auffälligkeiten fest. Erfassen Sie auch mögliche Auslöser wie Infektzeichen oder Medikamentenänderungen. Trennen Sie dabei eigene Beobachtungen, Ihre Einschätzung und Angaben von Angehörigen klar voneinander.
Notieren Sie das eingesetzte Screening-Instrument, Ergebnis und Punktwert mit Datum und Uhrzeit. Dokumentieren Sie durchgeführte Maßnahmen und anschließende Beobachtungen. Halten Sie außerdem fest, welche Ärztin oder welchen Arzt Sie wann informiert haben, welche Rückmeldung Sie erhalten haben und welche Abklärung noch aussteht. [2][3]
Vereinbaren Sie bei der Schichtübergabe, wer welche Aufgabe bis wann übernimmt. Benennen Sie ausstehende ärztliche Rückmeldungen und die Maßnahmen aus der Pflegeplanung, die weiterlaufen sollen. Dazu gehört auch die vereinbarte Unterstützung durch Angehörige. [2][4]
Ergänzen Sie bei einer Verlegung ins Krankenhaus bekannte frühere Delire und Hinweise von Angehörigen zum gewohnten Zustand. Gleichen Sie nach der Rückkehr Entlassungsbericht, Diagnosen und Medikamentenänderungen ab. Dokumentieren Sie Aufmerksamkeit, Orientierung und Wachheit erneut. Klären Sie fehlende Informationen sowie die weitere Beobachtung und Nachsorge mit dem Krankenhaus. [2][3]
Checkliste: So bereiten Sie Ihre Einrichtung auf den Standard vor
Delirmanagement: In 6 Schritten auf den Expertenstandard vorbereiten
Diese interne Prüfliste bündelt die bisherigen Schritte. Sie dient ausschließlich der Vorbereitung Ihrer Einrichtung.
- Verantwortlichkeiten benennen: Benennen Sie eine verantwortliche Person aus dem Qualitätsmanagement (QM) oder der Pflegedienstleitung (PDL). Beziehen Sie Pflegefachkräfte sowie ärztliche und zuständige therapeutische Fachpersonen ein.
- Bestand und Schulungsbedarf prüfen: Prüfen Sie Ihre Abläufe für Screening, Prävention, Pflegeplanung und Übergaben. Klären Sie, wo der gewohnte Zustand von Aufmerksamkeit und Verhalten dokumentiert wird. Wählen Sie ein Screening-Instrument, etwa 4AT, CAM oder Nu-DESC. Legen Sie fest, wann es eingesetzt wird, wer zuständig ist und wo die Ergebnisse dokumentiert werden. Ermitteln Sie den Schulungsbedarf zur Anwendung und zum Erkennen hypoaktiver Delirverläufe, die durch verminderte Aktivität und Teilnahmslosigkeit auffallen können. Orientieren Sie sich an der S3-Leitlinie Delir im höheren Lebensalter.[2][4]
- Vorgehen bei Verdacht festlegen: Erstellen Sie eine Verfahrensanweisung mit ärztlichen Kontaktwegen, Vertretungsregelungen und dem Vorgehen bei Nichterreichbarkeit. Legen Sie fest, wie die ärztliche Abklärung und die Suche nach möglichen Auslösern erfolgen.[2][3]
- Präventionsroutinen prüfen: Prüfen Sie, ob Maßnahmen zur Orientierung, ausreichendes Trinken, Mobilisation, Schlaf sowie die Nutzung von Sehhilfen und Hörgeräten im Alltag verankert sind. Binden Sie Bezugspersonen ein und stellen Sie die Schmerzerfassung sicher.[2][3]
- Schnittstellen verbindlich organisieren: Legen Sie fest, wer offene Aufgaben beim Schichtwechsel nachverfolgt und fehlende Informationen nach Krankenhausaufenthalten beschafft. Prüfen Sie, ob Überleitungsunterlagen Felder für Delirverdacht, Screening und Verlauf enthalten.
- Abgleich beauftragen: Sobald der Entwurf veröffentlicht ist, gleichen QM und PDL ihn mit den internen Abläufen ab. Nach Veröffentlichung der Endfassung prüfen sie diese erneut.[1] Halten Sie Änderungsbedarf, Zuständigkeiten und interne Prüftermine fest. Verfolgen Sie dazu die Veröffentlichungen des DNQP.
<!-- Redaktionsaufgabe nach Veröffentlichung: Auf /blog/expertenstandards-pflege-grundlagen-beispiele einen Absatz „In Entwicklung: Delirmanagement“ mit Link auf diesen Artikel ergänzen. -->
dexter
Mit dexter.mobile können Pflegekräfte Beobachtungen zur Aufmerksamkeit oder zum Verhalten direkt nach dem Kontakt mit Bewohnerinnen und Bewohnern sprachgestützt im Pflegeverlauf dokumentieren.
dexter.mobile erkennt kein Delir und führt kein Screening durch. Die Dokumentation ersetzt weder ein strukturiertes Delir-Screening noch die ärztliche Abklärung.
FAQs
Gibt es schon einen Expertenstandard Delir?
Einen gültigen Expertenstandard zum Delirmanagement gibt es noch nicht. Das Deutsche Netzwerk für Qualitätsentwicklung in der Pflege (DNQP) entwickelt derzeit den Expertenstandard „Delirmanagement in der Pflege“. Der Entwurf wird auf einer Konsensuskonferenz vorgestellt. Welche Vorgaben er im Einzelnen enthält, ist noch nicht veröffentlicht.
Sie können Ihre Einrichtung bereits vorbereiten: Schaffen Sie feste Abläufe für das Screening, also die gezielte Prüfung auf Anzeichen eines Delirs, und verankern Sie vorbeugende Maßnahmen im Pflegealltag.
Was ist der Unterschied zwischen Delir und Demenz?
Ein Delir ist eine akute Störung von Aufmerksamkeit und Bewusstsein. Die Symptome schwanken meist im Verlauf. Eine Demenz entwickelt sich dagegen schleichend. Beide Erkrankungen können gleichzeitig auftreten. Eine Demenz erhöht das Risiko für ein Delir.
Ein Delir kann sich durch Unruhe, auffällige Teilnahmslosigkeit oder einen Wechsel zwischen beidem zeigen. Die teilnahmslose Form, auch hypoaktives Delir genannt, wird häufig übersehen. Wenn Sie ein Delir vermuten, veranlassen Sie zeitnah eine ärztliche Abklärung.
Welches Screening-Instrument eignet sich im Pflegeheim?
Für das Delir-Screening in der Pflege können Sie Instrumente wie 4AT, Confusion Assessment Method (CAM) oder Nu-DESC nutzen. Damit erfassen Sie Hinweise auf einen akuten Verwirrtheitszustand. Wählen Sie ein Instrument, das für den Einsatz in der stationären Langzeitpflege geeignet ist.
Wer darf ein Delir feststellen?
Die Diagnose stellt eine Ärztin oder ein Arzt. Als Pflegefachkraft beobachten Sie Veränderungen der Aufmerksamkeit und des Verhaltens, führen ein Delir-Screening durch und dokumentieren die Ergebnisse. Besteht der Verdacht auf ein Delir, ist eine ärztliche Abklärung erforderlich, um mögliche Ursachen zu finden.
Ist der Expertenstandard verpflichtend?
Für das Delirmanagement liegt noch kein gültiger Expertenstandard vor. Das Deutsche Netzwerk für Qualitätsentwicklung in der Pflege (DNQP) entwickelt ihn derzeit. Expertenstandards bilden grundsätzlich den Stand des Wissens ab. Bei Qualitätsprüfungen wird erwartet, dass Einrichtungen sie kennen und umsetzen.
Sie können sich schon jetzt vorbereiten: Machen Sie Risikofaktoren im Team bekannt, führen Sie ein Screening zur strukturierten Einschätzung ein und verankern Sie vorbeugende Maßnahmen im Pflegealltag. Legen Sie außerdem fest, was dokumentiert und bei Übergaben weitergegeben werden soll.
