interRAI LTCF im Pflegeheim: Assessment und CAPs

25.10.2026

Was interRAI LTCF erfasst, wie CAPs die Pflegeplanung unterstützen und wie Heime den Wechsel von BESA vorbereiten.

interRAI LTCF verbindet die strukturierte Bedarfserhebung mit Hinweisen für die Pflegeplanung. Die daraus abgeleiteten CAPs helfen Ihnen, Handlungsbedarf zu prüfen. Sie ersetzen weder Ihre pflegefachliche Einschätzung noch die Abstimmung mit den Bewohnerinnen und Bewohnern.

Für den Einsatz im Pflegeheim empfehlen wir, zuerst Zuständigkeiten und Schulungen zu klären und die Pflegedokumentation zu prüfen. Dabei zählt die Trennung zwischen beobachteten Fähigkeiten, fachlicher Einschätzung und vereinbarten Maßnahmen.

Die genannten Umstellungsfristen betreffen die Schweiz: BESA-Einrichtungen sollen spätestens bis Mitte 2028 wechseln. Für Einrichtungen in Deutschland lässt sich daraus keine entsprechende Verpflichtung ableiten.

Was interRAI LTCF erfasst

interRAI LTCF erfasst Funktionsfähigkeit, psychische und körperliche Gesundheit, soziale Unterstützung und die Inanspruchnahme von Leistungen.[2][4]

Dazu gehören etwa Alltagsfähigkeiten, Kognition und psychische Gesundheit.

Ergebnisse des Assessments: CAPs, Skalen und Qualitätsindikatoren

Aus den Assessmentdaten entstehen CAPs, Skalen und Qualitätsindikatoren.[4] CAPs heißen heute Collaborative Action Plans; früher war die Bezeichnung Clinical Assessment Protocols üblich.[3]

Status- und Ergebnisskalen fassen den erfassten Zustand zusammen und helfen, Veränderungen im Verlauf einzuordnen. Qualitätsindikatoren dienen dazu, die Qualität zu überwachen und Vergleiche vorzunehmen.[4]

Für Pflegeeinrichtungen in der Schweiz ist zudem wichtig: Die Assessmentdaten fließen in die medizinischen Qualitätsindikatoren (MQI) des Bundesamts für Gesundheit (BAG) ein.[1][4] Wie diese Daten erhoben werden, erläutert der BFS-Leitfaden zu den medizinischen Qualitätsindikatoren.

Wie CAPs die Pflegeplanung unterstützen

CAPs helfen Pflegefachpersonen, erhobene Informationen für die Pflegeplanung zu nutzen. Sie unterstützen die fachliche Entscheidung, ersetzen sie aber nicht.[3]

Von Beobachtungen zu Pflegeentscheidungen

Trennen Sie im Team drei Ebenen: die Beobachtung, die fachliche Einordnung und die daraus abgeleiteten Ziele und Maßnahmen. CAPs strukturieren die fachliche Einordnung, geben jedoch keine Intervention vor.[3]

Nutzen Sie CAPs als Gesprächsgrundlage im Pflegeteam und mit den Bewohnerinnen und Bewohnern. Klären Sie gemeinsam, welche Bedürfnisse und Ressourcen im Vordergrund stehen und ob und wie gehandelt werden soll. Beziehen Sie dabei die Wünsche und Präferenzen der Bewohnerinnen und Bewohner ein.

Den Umstieg von BESA auf interRAI LTCF in der Schweiz planen

BESA zu interRAI LTCF: Schweizer Umstellungsfristen

BESA zu interRAI LTCF: Schweizer Umstellungsfristen

ARTISET entschied im Januar 2023, BESA nicht weiterzuentwickeln und interRAI LTCF als Einheitsinstrument zu unterstützen (BESA QSys).[5] Für die Umsetzung brauchen Sie klare Termine und Zuständigkeiten sowie vollständige Beobachtungen in der laufenden Pflegedokumentation.

Kantonale Fristen und erste Abrechnung

Richten Sie Ihre Planung an den kantonalen Vorgaben aus.[1] Dabei gelten folgende Fristen und Empfehlungen:

  • BESA-Institutionen stellen spätestens bis Mitte 2028 um.[5]
  • Im Kanton Thurgau ist interRAI LTCF ab dem 01.01.2027 obligatorisch.[1]
  • Zwischen dem Entscheid und der ersten Abrechnung nach interRAI LTCF werden mindestens sechs Monate Vorlauf empfohlen.[6]

Legen Sie als Heimleitung gemeinsam mit der Pflegedienstleitung fest, wer den Umstieg koordiniert, Schulungen organisiert und die Vorbereitung der Dokumentation begleitet. Halten Sie die Zuständigkeiten und internen Meilensteine schriftlich fest.

Wechsel im laufenden Jahr: BESA2RAI für die SOMED-Statistik

Wenn Sie im laufenden Jahr umstellen, müssen Sie auch die SOMED-Statistik berücksichtigen. Dafür stellen ARTISET und BESA QSys BESA2RAI bereit.[1]

Für die Bedarfsabklärung ist eine lückenlose laufende Pflegedokumentation erforderlich.

Die Pflegedokumentation auf das Assessment vorbereiten

Nach der Umstellungsplanung benötigt das Team vollständige Verlaufsnotizen mit den Beobachtungen der letzten Tage. Eine vollständige laufende Dokumentation hilft, die Bedarfsabklärung vorzubereiten und zu begründen.[4]

Halten Sie fest, was Bewohnerinnen und Bewohner tatsächlich tun. Trennen Sie dabei Beobachtungen von Ihrer fachlichen Einschätzung.

Team-Checkliste vor dem Assessment

Nutzen Sie die folgenden Fragen als interne Arbeitshilfe:

  • Mobilität und Kognition: Sind Fähigkeiten, benötigte Hilfen und Veränderungen dokumentiert?
  • Schmerz: Sind Beschwerden, Maßnahmen und deren Wirkung festgehalten?
  • Ernährung und Stimmung: Sind Essen, Trinken und Stimmungsveränderungen erfasst?
  • Soziales und Versorgung: Sind Unterstützung, relevante Ereignisse und erbrachte Leistungen dokumentiert?
  • Klärung und Verantwortung: Welche Einträge fehlen oder widersprechen sich? Wer klärt diese Punkte vor dem Assessment?

Anhand dieser Fragen kann das Team die Dokumentation gezielt prüfen und Lücken schließen.

Nächste Schritte: Termine bestätigen, Rollen zuweisen und Einträge prüfen

Bestätigen Sie die Termine für das Assessment und die interne Dokumentationsprüfung. Benennen Sie eine Person, die für die Vorbereitung verantwortlich ist.

Prüfen Sie die Einträge gemeinsam. Klären Sie fehlende oder widersprüchliche Angaben mit den beteiligten Mitarbeitenden, damit für die Bedarfsabklärung verlässliche Aufzeichnungen vorliegen.

FAQs

Was ist interRAI LTCF?

interRAI LTCF ist ein international entwickeltes Instrument. Es erfasst die Bedürfnisse, Ressourcen und Präferenzen von Bewohnerinnen und Bewohnern in der Langzeitpflege. In der Schweiz löst es BESA ab. Einrichtungen, die BESA nutzen, stellen bis spätestens Mitte 2028 um.

Aus den erhobenen Informationen entstehen Collaborative Action Plans (CAPs), Skalen und Qualitätsindikatoren. CAPs unterstützen Pflegefachpersonen dabei, die Informationen fachlich einzuordnen und daraus die Pflegeplanung abzuleiten. Sie unterstützen die fachliche Entscheidung, ersetzen sie aber nicht.

Bis wann müssen BESA-Heime auf interRAI LTCF umstellen?

BESA-Institutionen müssen spätestens Mitte 2028 auf interRAI LTCF umstellen. Die Vorgaben für den Wechsel sind kantonal geregelt: Im Kanton Thurgau ist interRAI LTCF bereits ab dem 01.01.2027 obligatorisch.

Planen Sie zwischen dem Entscheid und der ersten Abrechnung mit interRAI LTCF mindestens sechs Monate ein. Dieser Zeitraum wird für die Umstellung empfohlen.

Für einen Wechsel im laufenden Jahr stellen ARTISET und BESA QSys das Excel-Hilfsmittel BESA2RAI für die SOMED-Statistik bereit.

Was sind CAPs?

CAPs steht für «Collaborative Action Plans». Früher war die Bezeichnung «Clinical Assessment Protocols» üblich. CAPs werden aus den Daten des interRAI-LTCF-Assessments abgeleitet. Sie helfen Ihnen als Pflegefachperson, die erhobenen Informationen einzuordnen und für die Pflegeplanung zu nutzen.

CAPs unterstützen Ihre fachliche Entscheidung, ersetzen sie aber nicht.

Wie bereitet sich ein Team auf den Umstieg vor?

Planen Sie zwischen der Entscheidung und der ersten Abrechnung mit interRAI LTCF mindestens sechs Monate ein. Beachten Sie dabei die kantonalen Vorgaben.

Dokumentieren Sie Mobilität, Kognition, Schmerz, Ernährung, Stimmung und Ereignisse fortlaufend und vollständig. Das Assessment stützt sich auf Beobachtungen aus den letzten Tagen.

CAPs (Clinical Assessment Protocols) helfen Pflegefachpersonen, die erhobenen Informationen einzuordnen und daraus die Pflegeplanung abzuleiten. Sie unterstützen die fachliche Entscheidung, ersetzen sie aber nicht.

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