
Mobilitäts-, Hygiene-, Notruf- und Assistenztechnologien, die Pflegeheime entlasten, Selbstständigkeit fördern und teils von der Pflegeversicherung erstattet werden.
Pflegeheime stehen vor großen Herausforderungen: Immer mehr Menschen benötigen Pflege, während qualifiziertes Personal knapp ist. Technische Hilfsmittel können hier unterstützen, indem sie Arbeitsprozesse erleichtern, die Selbstständigkeit der Bewohner fördern und die Gesundheit stabilisieren.
Die Pflegeversicherung unterstützt viele dieser Hilfsmittel finanziell. Eine sorgfältige Auswahl und Integration in den Pflegealltag sind entscheidend, um die Vorteile voll auszuschöpfen.
Technische Hilfsmittel in der Altenpflege: 4 Hauptkategorien im Überblick
Rollatoren, Gehstöcke und Rollstühle sind unverzichtbare Begleiter, wenn es um Unterstützung bei der Mobilität geht. Ein Gehstock reicht oft aus, wenn nur leichte Gleichgewichtsprobleme vorliegen. Rollatoren hingegen bieten mit ihren vier Rädern und einer integrierten Sitzfläche mehr Stabilität und ermöglichen es, bei Erschöpfung eine Pause einzulegen [10][11]. Für längere Strecken oder bei eingeschränkter Kraft im Oberkörper sind elektrische Rollstühle eine hilfreiche Option [10].
Technische Transferhilfen wie Aufstehhilfen, Hebelifte, Transfergurte oder Badewannenlifter sorgen für einen sicheren Wechsel zwischen Bett und Stuhl. Sie beugen Stürzen vor und erleichtern körperlich anspruchsvolle Hebebewegungen – sowohl für die betroffenen Personen als auch für das Pflegepersonal [10][6].
Die Pflegeversicherung übernimmt nach ärztlicher Verordnung die Kosten für technische Mobilitätshilfen. Hierbei fällt lediglich eine Zuzahlung von 10 % an, die jedoch auf maximal 25 Euro begrenzt ist [6]. Eine persönliche Anpassung im Sanitätshaus ist dabei empfehlenswert, um eine optimale Nutzung zu gewährleisten [6].
„Mobilitätshilfen spielen eine zentrale Rolle für das Wohlbefinden von Menschen, die auf Unterstützung angewiesen sind." – Agentur für Haushaltshilfe [10]
Zusätzliche moderne Lösungen wie Sturzsensoren, intelligente Notrufsysteme und digitale Pflegeanwendungen (DiPA) bieten weitere Sicherheit. DiPA enthalten speziell entwickelte Übungen zur Sturzprävention, und die Pflegeversicherung erstattet hierfür monatlich bis zu 53 Euro [1][6].
Im nächsten Abschnitt werden weitere technische Hilfsmittel vorgestellt, die den Alltag in Pflegeheimen erleichtern.
Mobile Waschsysteme wie Duschwagen, Haarwaschwannen und WC-Aufsätze sind unverzichtbare Hilfsmittel, besonders für Menschen, die bettlägerig sind oder stark eingeschränkte Mobilität haben. Sie ermöglichen eine gründliche Körperpflege direkt am Bett und unterstützen die Selbstständigkeit bei der Intimpflege [9][12][14]. Neben diesen mobilen Lösungen sorgen moderne Technologien für Verbesserungen im Umgang mit Inkontinenz.
Ein Beispiel dafür sind intelligente Inkontinenzsysteme. Diese nutzen integrierte Sensoren, um den Feuchtigkeitsgrad in Echtzeit zu messen. Das Pflegepersonal wird nur dann per Mobilgerät benachrichtigt, wenn ein Wechsel tatsächlich notwendig ist. Solche bedarfsorientierten Systeme lösen die starren 4-Stunden-Wechselintervalle ab und helfen, Hautreizungen zu vermeiden [17].
Die Pflegeversicherung beteiligt sich an den Kosten für technische Pflegehilfsmittel, indem sie in der Regel 10 % der Kosten übernimmt – jedoch maximal 25 Euro pro Hilfsmittel. Pflegeheime sind hingegen verpflichtet, grundlegende Hygienehilfsmittel wie Badewannenlifter oder Duschrollstühle selbst bereitzustellen [7][8][9][12][13]. Neben finanzieller Unterstützung sorgt auch der Einsatz moderner Technologien für Entlastung im Pflegealltag.
Ein weiteres Beispiel für technologische Fortschritte in der Pflege ist die digitale Wunddokumentation. Diese Systeme automatisieren die Vermessung und Erfassung von Wunden und übertragen die Daten direkt in die digitale Bewohnerakte. Das spart Zeit und gewährleistet eine rechtssichere, DSGVO-konforme Dokumentation [16].
„Die Digitalisierung ist die einzige Chance, die wir haben, um die Pflegekrise abzuwenden. Sie ist der Schlüssel, um unnötige bürokratische Schleifen zu reduzieren." – Sandra Postel, Präsidentin der Pflegekammer Nordrhein-Westfalen [15]
Moderne Notrufsysteme setzen auf Technologien, die Pflegekräfte schnell und effizient alarmieren. Funkbasierte Geräte wie Armbänder, Anhänger oder Zugtaster ermöglichen Bewohnern, von jedem Ort im Gebäude Hilfe zu rufen – nicht nur aus ihrem Zimmer. Dank der Lokalisierungsfunktion kann das Pflegepersonal in Echtzeit sehen, wo sich die Person befindet, die den Alarm ausgelöst hat. Das sorgt für eine schnellere Reaktion und gezielte Unterstützung [18][19]. Zusätzlich gibt es spezialisierte Systeme, die auf die besonderen Bedürfnisse bestimmter Bewohnergruppen abgestimmt sind.
Für Menschen mit Demenz sind Systeme zum Weglaufschutz besonders wichtig. Sie definieren sogenannte „Schutzzonen“ und lösen automatisch einen Alarm aus, wenn ein Bewohner diese Bereiche verlässt. Eine praktische Ergänzung ist die „Begleitfunktion“: Begleitet eine Pflegekraft den Bewohner bewusst, wird der Alarm deaktiviert. So bleibt die Bewegungsfreiheit erhalten, ohne die Sicherheit zu gefährden [18][19]. Diese Schutzmechanismen lassen sich ideal mit Systemen zur frühzeitigen Sturzerkennung kombinieren.
Sturzprävention spielt eine zentrale Rolle und beginnt mit der rechtzeitigen Erkennung von Risiken. Tragbare Sensoren registrieren Unruhe oder Aufstehversuche und können so potenzielle Stürze verhindern [20][21]. Das ist besonders relevant, da in geriatrischen Abteilungen die Sturzrate bei etwa 9,1 bis 9,6 Stürzen pro 1.000 Pflegetagen liegt. Die Folgekosten eines sturzbedingten Oberschenkelhalsbruchs belaufen sich dabei auf durchschnittlich 25.000 Euro [20].
Ein Beispiel für den Einsatz moderner Technologien ist das ALADIEN-System, das seit 2017 von der Evangelischen Heimstiftung genutzt wird. Es kombiniert Sensoren zur Gefahrenanalyse mit automatischen Notrufmechanismen [22]. Ein weiteres innovatives Projekt ist das INBED-System, das am Peter L. Reichertz Institut für Medizinische Informatik entwickelt wurde. In einer einjährigen Pilotstudie mit 98 Patienten auf einer geriatrischen Station konnte das tragbare Sensorsystem Unruhe und Aufstehversuche zuverlässig erkennen – mit weniger als zwei Fehlalarmen pro Nacht [20].
„Das INBED-System kann dazu beitragen, das Pflegepersonal erheblich zu entlasten, während die persönliche Bewegungsfreiheit und die Privatsphäre der Patienten im Vergleich zu ähnlichen Systemen erhöht wird." – Peter L. Reichertz Institut für Medizinische Informatik [20]
Alle diese Systeme sollten der DIN VDE 0834-Norm entsprechen. Zudem ist es wichtig, dass Alarme direkt auf die mobilen Endgeräte des Pflegepersonals weitergeleitet werden, um die Reaktionszeiten so kurz wie möglich zu halten [18][20]. Solche digitalen Lösungen lassen sich zudem mit einer SIS-Pflegeplanung mit KI verknüpfen, um den Dokumentationsaufwand weiter zu senken.
Technologische Assistenzsysteme ergänzen Mobilitäts- und Hygienehilfen, indem sie den Alltag erleichtern und die Selbstständigkeit fördern. Digitale Pflegeanwendungen (DiPA) bieten interaktive Unterstützung im Alltag und helfen Bewohnern, ihre Selbstständigkeit beizubehalten. Beispiele dafür sind personalisierte Gedächtnisspiele für Menschen mit Demenz sowie Sturzpräventionsübungen, die die Mobilität verbessern können [1][3]. Damit solche Anwendungen genutzt werden dürfen, müssen sie vom Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) geprüft und im DiPA-Verzeichnis gelistet sein [1][24].
Darüber hinaus bieten integrierte Assistenzsysteme zusätzliche Vorteile: AS-Tra, ein System, das Tablet-Apps mit physischen Stationen kombiniert, hat in einer Studie, die im Januar 2026 veröffentlicht wurde, vielversprechende Ergebnisse gezeigt. Die Studie mit 11 Teilnehmern (Durchschnittsalter 80 Jahre) zeigte, dass Senioren nach visuellen Verbesserungen und Anleitungsvideos alle Bedienaufgaben erfolgreich bewältigen konnten. Der System Usability Scale (SUS)-Score stieg dabei von 70,63 auf 84,55 ± 13,55 [23][5].
Die Benutzerfreundlichkeit spielt eine zentrale Rolle für den Erfolg solcher Technologien. Funktionen wie größere Schriftarten und die Nutzung von Touchstiften machen die Bedienung für ältere Menschen einfacher. Zudem werden Anleitungsvideos oft besser verstanden als textbasierte Handbücher, was die Akzeptanz weiter erhöht [23].
Smart-Home-Technologien sind ein weiterer Bereich, der Sicherheit und Selbstständigkeit unterstützt. Dazu gehören sensorgesteuerte Wasserhähne, automatische Herdabschaltungen und Saugroboter [25]. Auch speziell angepasste Tablets mit haptischen Bedienelementen, wie das enna Dock, ermöglichen einfache Videoanrufe, ohne dass komplexe Touchmenüs verwendet werden müssen [25]. Diese Technologien ergänzen die bereits beschriebenen Hilfsmittel und tragen dazu bei, den Alltag sicherer und komfortabler zu gestalten.
Technische Hilfsmittel spielen eine zentrale Rolle dabei, die Lebensqualität von Pflegeheimbewohnern zu steigern und gleichzeitig das Pflegepersonal zu entlasten. Ob Mobilitätshilfen, Hygieneartikel, Notrufsysteme oder digitale Assistenztechnologien – jedes dieser Hilfsmittel trägt dazu bei, die Selbstständigkeit der Bewohner zu fördern und den Pflegealltag effizienter zu gestalten [1][3]. Diese Technologien kommen nicht nur den Bewohnern zugute, sondern verringern auch die Belastung des Pflegepersonals deutlich.
Damit diese Hilfsmittel ihren vollen Nutzen entfalten können, müssen sie fest in den Pflegealltag integriert werden [1]. Angesichts der wachsenden Zahl pflegebedürftiger Menschen und des Fachkräftemangels ist dies umso wichtiger [5]. Digitale Pflegedokumentation, Transferhilfen und intelligente Überwachungstechnologien bieten dabei eine spürbare Entlastung für das Pflegepersonal – sowohl körperlich als auch mental [4][5].
Die Pflegeversicherung unterstützt den Einsatz solcher Hilfsmittel finanziell: Bis zu 53 Euro monatlich für zugelassene digitale Pflegeanwendungen (DiPA) und bis zu 42 Euro für Verbrauchsmaterialien [1][6]. Voraussetzung für die Erstattung ist, dass digitale Anwendungen im offiziellen DiPA-Verzeichnis des BfArM gelistet sind, was ihre Qualität und Erstattungsfähigkeit sicherstellt [1][24].
„Digitale Pflegeanwendungen (DiPA) eröffnen vielfältige Möglichkeiten, den Gesundheitszustand von Pflegebedürftigen zu stabilisieren oder zu verbessern oder die Kommunikation mit Angehörigen und Pflegefachkräften zu verbessern." – BfArM (Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte) [2]
Damit technische Hilfsmittel erfolgreich eingeführt werden können, ist eine sorgfältige Auswahl und strukturierte Umsetzung entscheidend. Pflegeheime sollten das Personal frühzeitig einbinden, um Akzeptanz und Benutzerfreundlichkeit sicherzustellen [4][26]. Nur so können diese Technologien ihr volles Potenzial entfalten – für mehr Lebensqualität der Bewohner und bessere Arbeitsbedingungen in der Pflege. Die konsequente Integration dieser Lösungen trägt dazu bei, die Herausforderungen im Pflegesektor langfristig zu bewältigen.
Die Pflegeversicherung in Deutschland deckt die Kosten für technische Hilfsmittel, die den Pflegealltag erleichtern und die Selbstständigkeit von Pflegebedürftigen unterstützen. Dazu gehören beispielsweise Pflegebetten, Notrufsysteme oder Lagerungshilfen. Diese Hilfsmittel werden meist auf Leihbasis zur Verfügung gestellt, um die Ausgaben möglichst gering zu halten.
Voraussetzung für die Kostenübernahme ist ein anerkannter Pflegegrad sowie der Nachweis, dass die Hilfsmittel medizinisch notwendig sind. In der Regel ist hierfür eine ärztliche Verordnung oder eine entsprechende Bescheinigung erforderlich. Wer zu Hause gepflegt wird, kann außerdem finanzielle Unterstützung für Verbrauchsmaterialien wie Desinfektionsmittel oder Bettschutzeinlagen beantragen.
Die Pflegekasse prüft den Antrag und übernimmt die Kosten für geeignete Hilfsmittel, sofern alle Bedingungen erfüllt sind. Dadurch wird die Pflege für Betroffene und Pflegende deutlich erleichtert.
Intelligente Inkontinenzsysteme setzen auf digitale Technologien, um die Pflege sowohl effizienter als auch individueller zu gestalten. Sie erfassen kontinuierlich den Zustand der Betroffenen und informieren Pflegekräfte rechtzeitig über notwendige Maßnahmen. So können Pflegebedürftige schneller und gezielter unterstützt werden, was ihre Selbstständigkeit stärkt und den Arbeitsaufwand für das Pflegepersonal verringert.
Ein weiterer Vorteil dieser Systeme liegt darin, dass sie dazu beitragen, die Würde der Betroffenen zu schützen. Durch die Reduzierung invasiver Eingriffe und die Minimierung hygienischer Risiken wird nicht nur die Lebensqualität der Pflegebedürftigen verbessert, sondern auch die Arbeitsbedingungen des Pflegepersonals deutlich entlastet. Intelligente Inkontinenzsysteme fördern somit eine moderne, patientenorientierte Pflege, bei der Sicherheit und Wohlbefinden im Vordergrund stehen.
Digitale Pflegeanwendungen, auch bekannt als DiPA, können die Selbstständigkeit von Pflegeheimbewohnern spürbar unterstützen. Sie sind darauf ausgelegt, Fähigkeiten zu erhalten oder gezielt zu fördern. Beispiele hierfür sind Übungen zur Sturzprävention oder personalisierte Gedächtnisspiele, die speziell auf die Bedürfnisse von Menschen mit Demenz abgestimmt sind. Bewohner können diese Anwendungen entweder eigenständig nutzen oder gemeinsam mit Pflegekräften und Angehörigen, um ihre körperlichen und kognitiven Fähigkeiten aktiv zu trainieren.
Darüber hinaus verbessern digitale Pflegeanwendungen die Kommunikation zwischen Bewohnern, Angehörigen und Pflegepersonal. Das stärkt nicht nur die soziale Teilhabe, sondern vermittelt auch ein Gefühl von Kontrolle und Selbstbestimmung. Gleichzeitig erleichtern sie den Pflegealltag und tragen dazu bei, die Lebensqualität zu steigern und die Unabhängigkeit der Bewohner langfristig zu unterstützen.