PYSA-Studie der Charité: Sprachassistent spart Pflegekräften fast 30 % Dokumentationszeit

17.01.2026

Die PYSA-Studie der Charité hat den Sprachassistenten voize in 14 Pflegeheimen untersucht: rund 15 Minuten weniger Dokumentation pro Frühdienst. Ergebnisse und Grenzen im Überblick.

Pflegekräfte in der stationären Langzeitpflege verbringen einen großen Teil ihrer Arbeitszeit mit Dokumentation. Eine Studie aus dem Forschungsprojekt PYSA hat untersucht, wie sich ein mobiler KI-Sprachassistent auf diese Zeit auswirkt. Das Ergebnis: Im Frühdienst sank die beobachtete Dokumentationszeit um rund 15 Minuten. Das entspricht etwa 28 %.

Die Studie in Kürze:

  • Untersucht: der Sprachassistent voize, im Rahmen des Forschungsprojekts PYSA
  • Teilnehmende: 52 Pflegefachkräfte aus 14 Einrichtungen der Langzeitpflege
  • Beobachtung: 770 Stunden, jeweils ganze Frühdienste, vor und nach der Einführung
  • Ergebnis: rund 15 Minuten weniger Dokumentationszeit pro Frühdienst, etwa 28 %
  • Grenze: keine Kontrollgruppe. Die Studie zeigt einen Zusammenhang, die Ursache lässt sich damit nicht sicher belegen.

Was wurde untersucht?

Das Forschungsprojekt PYSA

PYSA steht für "Pflegedokumentation mit hybridem Sprachassistenten". Das Bundesministerium für Bildung und Forschung hat das Projekt von März 2022 bis Januar 2025 gefördert. Verbundkoordinator war die voize GmbH. Partner waren die Charité (Universitätsmedizin Berlin), das Deutsche Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI), die Connext Communication GmbH sowie zwei Pflegeeinrichtungen [1].

Aufbau der Studie

Die Auswertung stammt von Katja Schwabe, Drin Ferizaj, Susann Neumann und Nils Lahmann. Sie erschien 2026 im Journal of Medical Internet Research [2]. Die Daten wurden zwischen September 2024 und Juli 2025 erhoben.

Geschulte Beobachterinnen und Beobachter begleiteten die Pflegekräfte über ganze Frühdienste und erfassten jede Dokumentationstätigkeit mit Zeitstempel. Die erste Messung fand vor der Einführung des Sprachassistenten statt, die zweite danach. Zusätzlich beantworteten die Teilnehmenden Fragebögen zu Aufwand, Unterbrechungen und Zufriedenheit.

Die Ergebnisse

Messgröße Ergebnis
Beobachtete Dokumentationszeit pro Frühdienst rund 15 Minuten weniger (95 %-Konfidenzintervall: 8 bis 22 Minuten), etwa 28 %
Selbst eingeschätzte Dokumentationszeit gesunken
Unterbrechungen seltener
Zufriedenheit mit dem Dokumentationssystem gestiegen
Zufriedenheit mit dem Arbeitsplatz keine signifikante Veränderung
Bedienbarkeit als akzeptabel bewertet

Die Angaben stammen aus der Studie [2]. In manchen Berichten ist von 27 % die Rede. Diese Zahl stammt aus einer früheren Fassung. Die veröffentlichte Studie nennt etwa 28 %.

Wie belastbar sind die Ergebnisse?

Die Studie liefert Daten aus dem normalen Pflegealltag. Das ist selten und wertvoll. Für die Einordnung sind 4 Punkte wichtig:

  • Keine Kontrollgruppe: Alle Teilnehmenden wurden vorher und nachher gemessen. Andere Einflüsse im gleichen Zeitraum lassen sich damit nicht ausschließen. Die Autorinnen und Autoren sprechen deshalb von einem Zusammenhang.
  • Nur Frühdienste: Spät- und Nachtdienste wurden nicht beobachtet.
  • Ein Produkt: Untersucht wurde ausschließlich voize. Die Ergebnisse lassen sich nicht auf andere Sprachassistenten übertragen.
  • Beteiligung des Herstellers: Die Erstautorin ist bei der voize GmbH angestellt. Die Studie legt das offen.

Weitere Studie: Spracherkennung in der Klinik

Eine randomisierte Studie an einer deutschen Universitätsklinik hat 2015 Spracherkennung bei ärztlichen Berichten untersucht [3]. 28 Ärztinnen und Ärzte erstellten 1.455 Berichte, teils mit und teils ohne Spracherkennung. Mit Spracherkennung schrieben sie im Schnitt 26 % schneller und ihre Berichte waren länger. Die Stimmung der Teilnehmenden war besser.

Methode Zeichen pro Minute Zeichen pro Bericht Stimmung (1 = gut, 3 = schlecht)
Nur Tastatur 173 356 1,6
Mit Spracherkennung 217 649 1,3

Die Studie betraf ärztliche Dokumentation in der Klinik. Auf die Pflege lässt sie sich nur bedingt übertragen.

Was das für die Auswahl einer Sprachdokumentation bedeutet

Die Studien zeigen, dass Sprachdokumentation Zeit sparen kann. Wie viel, hängt vom System und von der Einführung ab. Bei der Auswahl helfen diese Fragen:

  • Freigabe: Prüft und bestätigt die Pflegekraft jeden Eintrag, bevor er gespeichert wird?
  • Anbindung: Landen die Einträge direkt in Ihrer Pflegesoftware, ohne doppelte Eingabe?
  • Offline-Betrieb: Funktioniert die App auch in Bereichen mit schwachem WLAN?
  • Fachsprache: Versteht das System Pflegebegriffe, Dialekte und Akzente?
  • Datenschutz: Wo werden die Daten verarbeitet, und gibt es einen Vertrag zur Auftragsverarbeitung?
  • Belege: Welche Erfahrungen gibt es mit genau diesem System in vergleichbaren Einrichtungen?

dexter.mobile ist eine Sprachdokumentation für die stationäre Langzeitpflege. Die hier beschriebene Studie hat dexter nicht untersucht. Wie dexter.mobile arbeitet, lesen Sie auf der Seite dexter.mobile.

Quellen

  1. PYSA: Miteinander durch Innovation. Projektseite, Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt. interaktive-technologien.de/projekte/pysa
  2. Schwabe K, Ferizaj D, Neumann S, Lahmann N u. a.: Time Savings Through an AI Speech Assistant for Nursing Documentation: Pre-Post Time-Motion Study in German Long-Term Care. Journal of Medical Internet Research, 2026. doi.org/10.2196/86078
  3. Vogel M, Kaisers W, Wassmuth R, Mayatepek E: Analysis of Documentation Speed Using Web-Based Medical Speech Recognition Technology: Randomized Controlled Trial. Journal of Medical Internet Research, 2015;17(11):e247. jmir.org/2015/11/e247

FAQs

Was hat die PYSA-Studie untersucht?

Die Studie hat gemessen, ob sich die Dokumentationszeit in der Langzeitpflege verändert, wenn Pflegekräfte einen mobilen KI-Sprachassistenten nutzen. Untersucht wurde das System voize in 14 Einrichtungen mit 52 Pflegefachkräften. Die Auswertung stammt von Forschenden der Charité und der voize GmbH.

Wie viel Zeit haben die Pflegekräfte gespart?

Im Frühdienst sank die beobachtete Dokumentationszeit im Schnitt um rund 15 Minuten. Das entspricht etwa 28 %. Andere Dienste wurden nicht untersucht.

Gelten die Ergebnisse für alle Sprachassistenten?

Nein. Die Studie hat ein einzelnes Produkt untersucht. Für andere Systeme braucht es eigene Erfahrungswerte oder Studien. Fragen Sie Anbieter nach Ergebnissen aus Einrichtungen, die Ihrer ähnlich sind.

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