
Praxisnahe Formulierungen für die SIS-Pflegeplanung mit Beispielen zu Demenz, Schmerz, Vollpflege, Isolation, Mangelernährung und digitalen Tools.
Die Strukturierte Informationssammlung (SIS) ist ein zentrales Werkzeug in der Pflegeplanung, das alle relevanten Informationen zu Bewohnern systematisch erfasst. Sie basiert auf fünf Themenfeldern wie Kognition, Mobilität, krankheitsbezogene Anforderungen, Selbstversorgung und soziale Beziehungen. Diese Bereiche helfen, individuelle Pflegepläne zu erstellen, die auf die Bedürfnisse der Bewohner abgestimmt sind.
Wichtige Punkte aus dem Artikel:
Die SIS erleichtert die Pflegeplanung und verbessert die Qualität der Versorgung, indem sie Bewohnerbedürfnisse präzise erfasst und Pflegekräfte entlastet.
SIS-Pflegeplanung: Die 5 Themenfelder und Dokumentationsstruktur im Überblick
Dieses Beispiel zeigt, wie die zuvor beschriebenen SIS-Themenfelder in der Praxis angewendet werden können.
Bereich B (Selbsteinschätzung) sollte immer in direkter Zitatform dokumentiert werden, um persönliche Interpretationen der Pflegekraft zu vermeiden [1]. Wenn ein Bewohner aufgrund fortgeschrittener Demenz keine Selbsteinschätzung abgeben kann, sollten Angehörige oder Betreuer einbezogen werden. Dies muss entsprechend vermerkt werden [1].
Beispiel für Bereich B:
„Ich möchte gerne mehr rausgehen, aber meine Beine machen nicht mehr so mit. Manchmal weiß ich nicht, wo ich bin."
Offene Fragen wie „Was beschäftigt Sie?" oder „Wie können wir helfen?" sind hilfreich, um die Selbsteinschätzung zu fördern [1].
Bereich C1 (Fachliche Einschätzung) erfordert eine strukturierte und prägnante Analyse, die sich auf sechs Bereiche konzentriert: kognitive/kommunikative Fähigkeiten, Mobilität, krankheitsbezogene Belastungen, Selbstversorgung, soziale Beziehungen sowie Wohnen/Haushalt [1]. Die Einschätzung sollte klar und ohne unnötige Ausschweifungen formuliert werden [4].
Beispiel für Bereich C1:
„Herr M. ist zeitlich und örtlich desorientiert, erkennt vertraute Personen nur noch gelegentlich. Der Bewegungsradius ist auf den Wohnbereich beschränkt. Er benötigt beim Hinsetzen Unterstützung, insbesondere beim Abstellen des Rollators. Nächtliche Unruhe mit Weglauftendenz wird beobachtet."
Die fachliche Einschätzung sollte den Grad der Selbstständigkeit und den spezifischen Unterstützungsbedarf klar benennen [1].
Eine sorgfältige Dokumentation ist entscheidend, um die Pflegequalität sicherzustellen und individuelle Pflegepläne gezielt umzusetzen.
Die Risikomatrix (Bereich C2) wird direkt aus der fachlichen Einschätzung abgeleitet [1]. Bei Bewohnern mit Demenz und eingeschränkter Mobilität sind Risiken wie Sturz, Dekubitus und Kontrakturen besonders zu beachten [1]. Die Dokumentation richtet sich nach den nationalen Expertenstandards gemäß § 113a SGB XI [1].
| Themenfeld | Risiko | Konkrete Pflegemaßnahme |
|---|---|---|
| Kognition & Kommunikation | Nächtliche Unruhe, Weglauftendenz | Feste Tagesstruktur etablieren; biografische Gespräche führen |
| Mobilität & Bewegung | Sturzgefahr, eingeschränkter Bewegungsradius, Gefahr von Dekubitus und Kontrakturen | Unterstützung beim Positionswechsel; kurze Gehstrecken mit Rollator fördern |
| Krankheitsbezogene Anforderungen | Medikamentenverweigerung | Regelmäßige Schmerzerfassung; strukturierte Unterstützung bei der Medikamenteneinnahme |
| Selbstversorgung | Abhängigkeit bei der Körperpflege | Bereitstellung eines Duschhockers; Unterstützung beim An- und Auskleiden |
Pflegemaßnahmen sollten präzise beschrieben werden, z. B. „Unterstützung beim Hinsetzen anbieten" oder „an die Medikamenteneinnahme erinnern" [1]. Im Tagesbericht sollten nur Abweichungen vom Pflegeplan dokumentiert werden, um die SIS übersichtlich zu halten [1].
Postoperative Schmerzen können viele Aspekte des täglichen Lebens beeinträchtigen. Eine präzise und strukturierte Dokumentation ist daher unerlässlich. Die SIS-Struktur bietet eine systematische Grundlage, um diese Zusammenhänge abzubilden. Hier finden Sie Beispiele für Formulierungen in den Bereichen Selbsteinschätzung und fachliche Bewertung.
Bereich B dient dazu, die subjektive Wahrnehmung der Schmerzen direkt aus Sicht des Bewohners zu erfassen. Offene Fragen wie „Wie stark belastet Sie der Schmerz nach Ihrer Operation?" oder „Was erwarten Sie von Ihrer Genesung in unserer Einrichtung?" helfen, die persönliche Perspektive besser zu verstehen [1].
Beispiel für Bereich B:
„Ich spüre ein Ziehen in der Hüfte, wenn ich versuche aufzustehen. Die Schmerztabletten helfen, aber ich möchte nicht den ganzen Tag im Bett liegen."
Bereich C1 (Fachliche Einschätzung) konzentriert sich bei chronischen Schmerzen insbesondere auf Themenfeld 3 (Krankheitsbezogene Anforderungen und Belastungen). Hier sollten Schmerzintensität, Medikation und der Verlauf der Wundheilung dokumentiert werden. Auch nicht-verbale Schmerzzeichen, vor allem bei kognitiv eingeschränkten Bewohnern, sind von großer Bedeutung [7].
Beispiel für Bereich C1:
„Frau K. berichtet über stechende Schmerzen im rechten Hüftgelenk (VAS 7/10) bei Mobilisation. Die postoperative Wundheilung verläuft komplikationslos, die Mobilität ist schmerzbedingt auf kurze Gehstrecken mit dem Gehwagen beschränkt. Analgetika werden gemäß Verordnung eingenommen. Der Gesichtsausdruck weist bei Mobilisation Spannungen auf."
Bereich C2 (Risikomatrix) sieht bei hoher Schmerzbelastung ein detailliertes Assessment vor. Die Risikobewertung erfolgt hierbei nach den DNQP-Expertenstandards, die als pflegewissenschaftlicher Standard anerkannt sind und vom Medizinischen Dienst (MD) überprüft werden [8].
Auf Grundlage der fachlichen Einschätzung können bereichsübergreifende Maßnahmen abgeleitet werden. Die S3-Leitlinie „GeriPAIN" (veröffentlicht im Oktober 2025) hebt die Bedeutung multimodaler Ansätze hervor, die pharmakologische und nicht-pharmakologische Interventionen kombinieren [6]. Diese interdisziplinäre Herangehensweise verdeutlicht die folgende Tabelle:
| Themenfeld | Schmerzbedingte Auswirkung | Konkrete Pflegemaßnahme |
|---|---|---|
| Kognition & Kommunikation | Nicht-verbale Schmerzzeichen (Grimassieren, Unruhe) | Systematische Beobachtung und Dokumentation von Verhaltensänderungen [7] |
| Mobilität & Bewegung | Eingeschränkte Gehfähigkeit, Vermeidung von Bewegung | Schmerzangepasste Mobilisation nach Analgetika-Gabe; Koordination von Physiotherapie-Terminen |
| Krankheitsbezogene Anforderungen | Polypharmazie-Risiko, Wundversorgung | Überwachung von Nebenwirkungen (z. B. Obstipation, kognitive Veränderungen); tägliche Wundkontrolle [6] |
| Selbstversorgung | Abhängigkeit bei Körperpflege und Ankleiden | Unterstützung bei der Hygiene unter Schonung der Operationsstelle; Bereitstellung von Hilfsmitteln |
Die zeitliche Abstimmung der Pflegeaktivitäten spielt eine zentrale Rolle: Maßnahmen, die körperliche Anstrengung erfordern, sollten mit dem Wirkungseintritt der Schmerzmedikation koordiniert werden. Eine Studie zur Entwicklung von Schmerzmanagement-Leitlinien für Pflegeheime zeigte eine 100%ige Übereinstimmung bei der Bewertung relevanter Empfehlungen [7].
„Appropriate, evidence-based pain assessment and management are essential to maintaining the physical and psychological well-being and optimal care of older adults." – Pain Management Nursing Journal [7]
Bei der Formulierung von Dokumentationen ist eine objektive und wertfreie Sprache wichtig. Statt „Bewohner klagt über Schmerzen" sollte es heißen: „Bewohner berichtet über stechende Schmerzen in der rechten Hüfte (VAS 7/10) während der Mobilisation" [3].
Bewohner, die vollständig auf Unterstützung bei der Selbstversorgung angewiesen sind, benötigen eine präzise und respektvolle Dokumentation, die ihre Würde bewahrt. Eine professionelle SIS-Dokumentation sollte klar und sachlich sein, dabei aber die individuellen Wünsche und Bedürfnisse der Bewohner einbeziehen [3]. Auch hier gilt: Eine wertfreie und genaue Dokumentation bildet die Grundlage für eine effektive Pflegeplanung.
Die Dokumentation sollte den Fokus auf die erforderliche Unterstützung legen, anstatt Defizite zu betonen. Statt etwa zu schreiben: „Bewohner kann sich nicht selbst waschen“, könnte man formulieren: „Bewohner benötigt vollständige Unterstützung bei der Körperpflege im Bett“ [9]. Diese Herangehensweise lenkt die Aufmerksamkeit auf die Pflegeleistung und nicht auf die Einschränkungen.
Beispiel für Bereich B:
„Ich möchte morgens mit warmem Wasser gewaschen werden. Der Waschlappen ist mir lieber als ein Schwamm. Bitte helfen Sie mir, meine Haare zu kämmen – das ist mir wichtig."
Beispiel für Bereich C1 (Themenfeld 4: Selbstversorgung):
„Herr M. ist bei allen Aktivitäten des täglichen Lebens vollständig auf pflegerische Unterstützung angewiesen. Die Körperpflege erfolgt im Bett mit einem Waschlappen und warmem Wasser. Herr M. bevorzugt die morgendliche Pflege zwischen 08:00 und 09:00 Uhr. Er reagiert positiv auf ruhige Ansprache während der Pflegehandlungen und zeigt durch Blickkontakt seine Zufriedenheit."
Auch kleine Beiträge des Bewohners sollten festgehalten werden, um seine Persönlichkeit und Teilhabe zu dokumentieren. Selbst wenn Herr M. nur durch Blickkontakt kommuniziert, ist dies ein bedeutender Aspekt seiner Mitwirkung [3]. Die Pflegeplanung dient nicht nur als rechtliche Dokumentation, sondern auch als zentrales Kommunikationsmittel zwischen den Pflegekräften, um eine durchgehende Versorgung sicherzustellen [9].
Neben der Beschreibung der Unterstützung bei der Selbstversorgung sollten auch potenzielle Risiken und tägliche Pflegeabläufe detailliert erfasst werden. Bei vollständiger Pflegebedürftigkeit ist es wichtig, Risiken wie Dekubitus, Stürze, Hygienemängel oder plötzliche Gesundheitsverschlechterungen systematisch zu dokumentieren [10]. Die Bewertung in Bereich C2 sollte mit standardisierten Instrumenten erfolgen und direkt mit den geplanten Maßnahmen verknüpft werden.
| Pflegebereich | Spezifische Maßnahme | Dokumentationshinweis |
|---|---|---|
| Körperpflege | Vollständige Ganzkörperwäsche im Bett, Mundpflege, Haarpflege | Eingesetzte Hilfsmittel und Reaktionen des Bewohners dokumentieren [9] |
| Ernährung | Unterstützung bei der Nahrungsaufnahme, angepasste Konsistenz | Aufgenommene Menge an Nahrung und Flüssigkeit festhalten [9] |
| Mobilität | Lagerung alle 2 Stunden, Einsatz von Liftern | Zeitpunkt und Lagerungsposition notieren [9] |
| Hautintegrität | Dekubitusprophylaxe durch Hautinspektion und Druckentlastung | Hautzustand täglich dokumentieren, insbesondere an gefährdeten Stellen [10] |
Die tägliche Dokumentation sollte auch alle verabreichten Medikamente samt Dosierung und mögliche Veränderungen im Zustand des Bewohners umfassen [9]. Bei Bewohnern mit eingeschränkter Kommunikationsfähigkeit sind non-verbale Signale besonders wichtig, um Schmerzen oder Unwohlsein frühzeitig zu erkennen [10]. Jede Pflegehandlung sollte regelmäßig auf ihre Wirksamkeit überprüft und bei Bedarf angepasst werden – ein fortlaufender und dynamischer Prozess [3].
Fast die Hälfte aller Pflegeheimbewohner zeigt depressive Symptome – ein deutlicher Unterschied zu den 10–30 %, die bei älteren Menschen zu Hause auftreten [13]. Eine sorgfältige SIS-Dokumentation hilft dabei, solche Fälle frühzeitig zu erkennen und gezielt darauf zu reagieren. Dabei spielen Themenfeld 1 (Kognition & Kommunikation) und Themenfeld 4 (Soziale Beziehungen) eine zentrale Rolle [1][2].
Die präzise Erfassung sozialer und emotionaler Bedürfnisse ist bei Bewohnern mit Kommunikationsschwierigkeiten besonders wichtig. Sie ermöglicht es, frühzeitig Maßnahmen zu planen, die Isolation und emotionale Belastungen verringern.
Ein guter Einstieg in die Dokumentation sind offene Fragen wie „Wie fühlen Sie sich in letzter Zeit?“ oder „Haben Sie regelmäßig Kontakt zu Ihrer Familie?“, um den Bewohner zum Sprechen zu ermutigen [1]. Bereich B hält die Antworten wörtlich fest. Bei Bewohnern, die Schwierigkeiten mit der verbalen Kommunikation haben, spielen non-verbale Signale wie Gestik, Mimik oder Rückzugsverhalten eine entscheidende Rolle [1].
Beispiel für Bereich B:
„Ich vermisse meine Tochter. Sie ruft manchmal an, aber das Telefon ist schwer zu bedienen. Oft sitze ich alleine im Zimmer und weiß nicht, was ich tun soll."
Beispiel für Bereich C1 (Themenfeld 1):
„Frau K. hat Probleme mit der verbalen Kommunikation. Sie spricht leise und zögerlich, braucht Zeit, um ihre Gedanken zu formulieren. Sie trägt ein Hörgerät, hat aber Schwierigkeiten, Gruppengesprächen zu folgen. Sie kann Personen erkennen und ist zeitlich sowie räumlich orientiert."
Beispiel für Bereich C1 (Themenfeld 4):
„Frau K. hat wenig Kontakt zu anderen Bewohnern. Sie nimmt nicht an Gruppenaktivitäten teil und verbringt 65–85 % ihrer Zeit allein im Zimmer [11][12]. Sie äußert den Wunsch nach mehr Austausch und sozialen Kontakten."
„Bewohner können ihre Bedürfnisse ausdrücken und tun dies eher, wenn die Gesprächspartner geduldig sind und sie ernst nehmen." – Roxana Schweighart, Forscherin am Institut für Gerontologie, Universität Vechta [13]
Wenn ein Bewohner äußert, „keine Bedürfnisse" zu haben, könnte dies ein Anzeichen von Resignation sein und sollte entsprechend dokumentiert werden. Angehörige oder Betreuer können dabei helfen, die soziale Biografie und frühere Vorlieben des Bewohners zu erfassen [1].
Auf Basis der erfassten Bedürfnisse lassen sich konkrete Maßnahmen zur sozialen Einbindung entwickeln. Diese sollten individuell angepasst sein, anstatt allgemeine Aktivitäten vorzuschlagen. Studien zeigen, dass vor der COVID-19-Pandemie nur 19,2 % der Einrichtungen Videotelefonie nutzten, während dieser Wert nach der Pandemie auf 52,8 % anstieg [11][12]. Allerdings berichteten 50,7 % der Pflegekräfte, dass sie keine Schulung im Umgang mit dieser Technologie erhalten hatten [11][12].
| Interventionsbereich | Konkrete Maßnahme | Ziel |
|---|---|---|
| Kommunikation | Videotelefonie mit der Tochter, einfach zu bedienendes Tablet mit großen Symbolen, Überprüfung des Hörgeräts | Familienkontakt fördern, Isolation verringern |
| Soziale Integration | Einzelgespräche mit einer vertrauten Pflegekraft (2× wöchentlich), Biografiearbeit, kleine Musikgruppe (max. 4 Personen) | Vertrauen stärken, Identität fördern, Gemeinschaft erleben |
| Emotionale Unterstützung | Reminiszenztherapie (gemeinsames Anschauen von Fotoalben), ruhige Gespräche ohne Zeitdruck | Depressionen vorbeugen, Selbstwertgefühl stärken |
Beispiel für Bereich C3 (Maßnahmen):
„Frau K. erhält Unterstützung bei der Nutzung von Videotelefonie, um mittwochs um 15:00 Uhr mit ihrer Tochter zu sprechen. Pflegekraft Frau Schmidt führt zweimal wöchentlich 15-minütige Einzelgespräche. Frau K. wird eingeladen, an kleinen Musikrunden (max. 4 Personen) teilzunehmen, ohne dass eine Teilnahme verpflichtend ist. In der Biografiearbeit erzählt sie gerne von ihrer Zeit als Schneiderin, während gemeinsam Fotoalben durchgesehen werden."
Technische Details sollten ebenfalls dokumentiert werden: Funktioniert das Hörgerät? Gibt es WLAN-Zugang? Wird Hilfe beim Bedienen des Tablets benötigt?
Digitale Musiktherapie hat sich in 81,3 % der Einrichtungen als wichtiges Werkzeug zur Förderung der sozialen und emotionalen Unterstützung etabliert [11][12].
„Technologiegestützte Lösungen zur Förderung der sozialen Gesundheit bei Pflegeheimbewohnern mit Demenz sollten in die Pflegeverfahren integriert werden." – Viktoria Hoel et al. [12]
In deutschen Pflegeheimen leiden zwischen 9 % und 38 % der Bewohner an Mangelernährung. Besonders gefährdet sind multimorbide Bewohner, da mehrere chronische Erkrankungen den Ernährungszustand negativ beeinflussen können (p < 0,0001) [14][15]. Basierend auf diesen Risiken werden hier praktische Ernährungsinterventionen und Anreicherungsstufen vorgestellt.
Um Ernährungsrisiken systematisch zu erfassen, kommen validierte Screening-Tools wie der MNA-SF oder die GLIM-Kriterien zum Einsatz [14][15]. In der Dokumentation (Themenfeld 4) sollten individuelle Vorlieben, die Häufigkeit der Mahlzeiten sowie physische Hürden wie Kau- oder Schluckbeschwerden (Dysphagie) berücksichtigt werden [15].
Beispiel für Bereich B:
„Das Essen schmeckt mir nicht mehr wie früher. Ich habe oft keinen Appetit und fühle mich schnell satt. Beim Kauen, vor allem bei Fleisch, habe ich Schwierigkeiten. Ich trinke wenig, weil ich nachts nicht aufstehen möchte, um zur Toilette zu gehen."
Beispiel für Bereich C1 (Themenfeld 4):
„Herr M. (86 Jahre, BMI 19,2 kg/m²) hat in den letzten drei Monaten unbeabsichtigt 4,5 kg abgenommen. Er nimmt täglich fünf Medikamente ein (u. a. gegen Diabetes Typ 2, Herzinsuffizienz und chronische Nierenerkrankung). Seine Mahlzeiten sind klein, oft lässt er sie stehen. Zudem hat er Probleme, feste Nahrung zu kauen, und trinkt weniger als 800 ml täglich. Er bevorzugt süße Speisen und mag keine bitteren Geschmacksrichtungen."
Für Herrn M. (62 kg) ergibt sich ein täglicher Bedarf von etwa 1.674 kcal und 74 g Protein. Aktuell nimmt er jedoch nur 1.200 kcal und 45 g Protein auf – eine Differenz von 474 kcal und 29 g Protein [17].
„Interventionen müssen individualisiert, umfassend und Teil eines multimodalen und multidisziplinären Teamansatzes sein." – ESPEN-Leitlinie [14]
Basierend auf den festgestellten Defiziten werden gezielte Maßnahmen eingeleitet. Statt pauschaler Nahrungsergänzungsmittel ist ein stufenweises Anreicherungsprogramm (Level 0–4) sinnvoll, das individuell angepasst wird [15].
Eine Untersuchung des Instituts für Biomedizin des Alterns (Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg) zeigte, dass ein personalisiertes Interventionssystem bei 55 Bewohnern die durchschnittliche Energieaufnahme um 207 kcal und die Proteinaufnahme um 14 g pro Tag steigern konnte [15][16].
| Anreicherungsstufe | Interventionsmodule | Geschätzte Ergänzung |
|---|---|---|
| Level 1 | 1× Proteincreme (süß oder herzhaft) | +125 kcal / +10 g Protein |
| Level 2 | 2× Proteincremes ODER 1× Drink | +220–250 kcal / +20–22 g Protein |
| Level 3 | 1× Drink + 1× Proteincreme | +345 kcal / +32 g Protein |
| Level 4 | 1× Drink + 2× Proteincremes | +470 kcal / +42 g Protein |
Beispiel für Bereich C3 (Maßnahmen):
„Herr M. erhält ein tägliches Anreicherungsprogramm (Level 3): Zum Frühstück trinkt er einen Protein-Energie-Drink (250 ml, 220 kcal, 22 g Protein), und zum Mittagessen bekommt er eine süße Proteincreme (40 g, 125 kcal, 10 g Protein). Feste Speisen werden bei Bedarf mithilfe von Silikonformen optisch ansprechender gestaltet. Um die Flüssigkeitsaufnahme zu fördern, wird Wasser mit Zitronen- oder Minzgeschmack angeboten. Ziel ist eine Gewichtszunahme auf einen BMI von mindestens 22 kg/m². Das Gewicht wird wöchentlich kontrolliert, und die Mahlzeitenpläne werden in Zusammenarbeit mit der Diätassistentin angepasst."
Die Dokumentation sollte die interdisziplinäre Zusammenarbeit hervorheben: Pflegekräfte führen das Screening durch und leisten Unterstützung bei den Mahlzeiten, Diätassistenten planen die Anreicherungen, Ärzte passen die Medikation an, und die Küche bereitet die angereicherten Speisen zu [17].
„Wenn der Darm funktioniert, nutze ihn!" – Baumgartner et al., Individualised nutritional support in medical inpatients [17]
Die Ernährungsziele sowie die Verträglichkeit sollten alle 24–48 Stunden überprüft werden. Zeigt sich nach fünf Tagen keine Verbesserung, muss die Strategie angepasst werden [17].

Setzen Sie die vorgestellten Funktionen direkt in Ihrer Arbeit ein – dank der KI-gestützten Tools von dexter health. Statt mühsam Bewohnerinformationen abzutippen, können Pflegekräfte ihre Beobachtungen direkt nach dem Kontakt per Sprachdiktat auf dem Smartphone festhalten. Die KI übernimmt die Transkription und überträgt die Daten automatisch in die Pflegesoftware [5]. Im Folgenden wird erläutert, wie diese Funktionen in verschiedenen Dokumentationsschritten angewendet werden können.
Mit der Sprachfunktion können Selbstaussagen aus Bereich B der SIS wörtlich erfasst werden. Gleichzeitig ermöglicht die Dokumentation direkt am Bett, die Pflegezeit effizienter zu nutzen [1].
Nach der Spracherfassung ordnet der KI-Assistent die Informationen automatisch den sechs Themenfeldern der SIS zu. Innerhalb von etwa zwei Minuten wird ein vollständiger SIS-Entwurf erstellt, den die Pflegefachkraft anschließend prüfen und freigeben kann [5]. Dabei unterscheidet das System zwischen der Perspektive des Bewohners (Bereich B) und der fachlichen Beurteilung (Bereich C1). Risiken und Maßnahmen werden korrekt zugeordnet.
„KI [kann] mittlerweile sogar die Strukturierte Informationssammlung (SIS) innerhalb von zwei Minuten automatisch erstellen und dabei viel Zeit sparen." – Marc Margulan, Geschäftsführer, dexter health [5]
| Dokumentationsschritt | Manueller Prozess | Mit dexter health |
|---|---|---|
| Dateneingabe | Handschrift oder Tippen, oft am Schichtende | Sprachdiktat per Smartphone während oder direkt nach dem Kontakt |
| SIS-Strukturierung | Manuelle Zuordnung zu sechs Themenfeldern und Risikoeinschätzung | Automatische Erstellung und Strukturierung in ca. 2 Minuten [5] |
| Genauigkeit bei Zitaten | Risiko von Interpretationsfehlern bei Aussagen | Präzise Transkription wörtlicher Zitate |
| Arbeitsablauf | Hoher Dokumentationsaufwand | Digitaler, schlanker Workflow mit TI-Integration |
Die KI erleichtert die Dokumentation, während Pflegekräfte weiterhin die Kontrolle behalten und alle Einträge vor der Freigabe überprüfen [10][18]. So entsteht eine Kombination aus Zeitersparnis und Qualität, die den MDK-Anforderungen entspricht.
Eine klar formulierte und individuell abgestimmte SIS-basierte Pflegeplanung ist entscheidend für die Qualität der Versorgung und die rechtliche Absicherung. Eine strukturierte Dokumentation sorgt für Transparenz, minimiert Missverständnisse und schafft eine zuverlässige Grundlage für die Kommunikation [3][9]. Dabei helfen bewährte Formulierungshilfen, um auch komplexe Pflegesituationen sicher und objektiv zu dokumentieren.
Die Beispiele zeigen deutlich, wie wichtig es ist, wertfrei und beobachtbar zu dokumentieren. Statt subjektiver Einschätzungen stehen hier konkrete Aussagen und messbare Fakten im Fokus [3]. Gleichzeitig sollte die Dokumentation die individuellen Vorlieben und Ressourcen der Bewohner berücksichtigen, um eine personenzentrierte Pflege zu garantieren.
Mit modernen digitalen Tools wird dieser Prozess noch effizienter. Ein Beispiel ist dexter health: Die Sprachdokumentation ermöglicht es, Bewohneraussagen direkt am Bett zu erfassen. Der KI-SIS-Assistent ordnet diese Informationen automatisch den sechs Themenfeldern zu. Innerhalb kürzester Zeit entsteht so ein vollständiger SIS-Entwurf, der den Anforderungen des MDK entspricht.
Strukturierte Dokumentation ist nicht nur eine gesetzliche Vorgabe gemäß § SGB XI [1], sondern auch ein wertvolles Instrument, um die Pflegequalität zu verbessern. Gleichzeitig entlastet sie Pflegekräfte und schafft mehr Zeit für die direkte Betreuung der Bewohnerinnen und Bewohner.
Die SIS-Dokumentation erleichtert eine maßgeschneiderte Pflegeplanung, indem sie systematisch die Bedürfnisse, Fähigkeiten und die Lebenssituation der pflegebedürftigen Person erfasst. Diese strukturierte Methode schafft eine solide Basis für eine Pflege, die genau auf die individuellen Anforderungen abgestimmt ist.
Dank der klaren Struktur der SIS werden alle wichtigen Informationen übersichtlich dargestellt. Das sorgt nicht nur für eine präzisere Planung, sondern verbessert auch die Kommunikation innerhalb des Pflegeteams. So wird die Pflege nicht nur effizienter, sondern auch zielgerichteter gestaltet.
Künstliche Intelligenz (KI) verändert die Pflegeplanung mit der Strukturierten Informationssammlung (SIS) grundlegend, indem sie Arbeitsabläufe effizienter und präziser gestaltet. Ein Beispiel: KI kann Daten automatisch erfassen, analysieren und in strukturierter Form bereitstellen. Das bedeutet, Pflegekräfte sparen wertvolle Zeit und minimieren potenzielle Fehlerquellen. So entstehen individuelle Pflegepläne, die genau auf die Bedürfnisse der Bewohner abgestimmt sind – in kürzerer Zeit und mit höherer Genauigkeit.
Ein weiterer Vorteil von KI liegt in ihrer Fähigkeit, datenbasierte Entscheidungen zu unterstützen. Sie hilft, komplexe Abläufe zu analysieren, Prioritäten zu setzen und fundierte Pflegeentscheidungen zu treffen. In einer Branche, die zunehmend unter Fachkräftemangel leidet, bietet KI eine spürbare Entlastung und trägt dazu bei, die Qualität der Pflege langfristig zu sichern. Damit wird die Pflegeplanung nicht nur einfacher, sondern auch effizienter und besser an die Herausforderungen der Zukunft angepasst.
Die Verringerung sozialer Isolation in Pflegeeinrichtungen erfordert gezielte Ansätze und ein aufmerksames Vorgehen. Frühe Warnsignale wie Einsamkeit, Depression oder Angst müssen erkannt werden, wofür sich Screening-Tools und die Zusammenarbeit mit psychologischen Fachkräften oder Sozialdiensten anbieten. Solche Maßnahmen helfen, rechtzeitig zu handeln, bevor sich die Situation verschlechtert.
Ein weiterer wichtiger Baustein ist die Förderung sozialer Aktivitäten und die Sicherstellung eines regelmäßigen Kontakts zu Angehörigen. Besonders in Zeiten, in denen Besuche eingeschränkt sind, können Technologien wie Videotelefonie oder digitale Plattformen eine Brücke schlagen und den Kontakt aufrechterhalten.
Auch die Einbindung von informellen Pflegepersonen, wie Familienmitgliedern, kann eine wertvolle Unterstützung bieten. Ergänzend dazu gewinnen innovative Lösungen wie soziale Roboter oder virtuelle Begegnungen zunehmend an Bedeutung. Sie eröffnen neue Wege, um soziale Interaktion zu ermöglichen.
Nicht zu unterschätzen ist die Rolle des Pflegepersonals. Durch gezielte Schulungen können sie besser auf Anzeichen sozialer Isolation reagieren und eine Umgebung schaffen, die Gemeinschaft und Austausch fördert. Der Schlüssel liegt darin, auf die individuellen Bedürfnisse der Bewohner einzugehen und soziale Kontakte aktiv zu stärken, um deren Lebensqualität zu verbessern.