
Erfahren Sie die 6 Schritte des Pflegeprozesses im Detail: Pflegeanamnese, Problemerkennung, Zielsetzung, Maßnahmen, Durchführung und Evaluation.
Der Pflegeprozess ist eines der zentralen Instrumente, um die Pflegequalität in stationären Pflegeeinrichtungen zu sichern. Für Pflegefachkräfte, Pflegedienstleitungen und Qualitätsmanager ist es essenziell, diesen Prozess nicht nur zu verstehen, sondern ihn effizient und präzise umzusetzen – insbesondere angesichts des wachsenden Drucks durch Personalmangel, Zeitnot und Dokumentationsanforderungen. Dieser Artikel erläutert die sechs Schritte des Pflegeprozesses praxisnah und bietet wertvolle Einblicke, wie sich diese effektiv gestalten lassen.
Der Pflegeprozess dient als strukturierter Ansatz, um die Pflegebedürfnisse von Bewohnern systematisch zu erfassen, zu bewerten und zu erfüllen. Entwickelt nach den Konzepten von Fiechter und Meier, besteht der Prozess aus sechs essenziellen Schritten:
Im Folgenden werden diese Schritte detaillierter betrachtet.
Die Pflegeanamnese bildet den Grundstein des Pflegeprozesses. Hier werden alle relevanten Informationen über den Bewohner gesammelt, um ein umfassendes Bild von seiner aktuellen Situation, Biografie und gesundheitlichen Verfassung zu erhalten.
Ein professionelles Aufnahmegespräch ist hier entscheidend. Es sollte in ruhiger Atmosphäre auf Augenhöhe geführt werden, um Vertrauen aufzubauen und wertvolle Einblicke zu gewinnen.
Die Analyse der gesammelten Informationen zielt darauf ab, aktuelle und potenzielle Probleme sowie verfügbare Ressourcen zu identifizieren.
Ressourcen sind Fähigkeiten, die dem Bewohner zur Verfügung stehen und durch aktivierende Pflege gefördert werden können. Beispiele:
Das Ziel der Pflege ist es, diese Ressourcen maximal zu nutzen, um den Bewohner aktiv in den Pflegeprozess einzubinden und den Gesundungsverlauf positiv zu beeinflussen.
Anhand der identifizierten Probleme und Ressourcen werden individuelle Pflegeziele definiert. Diese Ziele sollten spezifisch, realistisch und überprüfbar sein. Ein Beispiel: "Frau Meier trinkt täglich mindestens 1,5 Liter Wasser, um eine Exsikkose zu vermeiden."
Auf Basis der Zielsetzung wird ein detaillierter Plan mit Pflegeinterventionen erstellt. Dabei sollte die Maßnahmenplanung klar und nachvollziehbar sein, sowohl für die Pflegefachkräfte als auch für externe Prüfer (z. B. den Medizinischen Dienst).
In diesem Schritt werden die geplanten Pflegeinterventionen in die Praxis umgesetzt. Dabei ist es entscheidend, die Maßnahmen dokumentationsgerecht zu erfassen und flexibel an Veränderungen anzupassen, falls neue Probleme auftreten oder sich Ziele ändern.
Der letzte Schritt umfasst die systematische Überprüfung aller vorangegangenen Schritte. Wurden die Ziele erreicht? Sind die Maßnahmen effektiv? Gibt es Anpassungsbedarf? Die Evaluation sichert nicht nur die Qualität der Pflege, sondern dient auch als Grundlage für zukünftige Planungen.
Der Pflegeprozess ist mehr als nur ein bürokratischer Ablauf – er ist die Basis für qualitativ hochwertige und individuelle Pflege. Eine präzise Umsetzung der sechs Schritte ermöglicht nicht nur eine bessere Betreuung der Bewohner, sondern trägt auch dazu bei, den Arbeitsalltag in Pflegeeinrichtungen effizienter zu gestalten. Für Pflegefachkräfte und Leitungen bedeutet dies: Der Pflegeprozess ist ein Werkzeug, das nicht nur Probleme löst, sondern auch Chancen schafft.
Es liegt in der Verantwortung jedes Einzelnen, den Pflegeprozess nicht nur zu verstehen, sondern ihn mit Professionalität und Engagement in die Praxis umzusetzen – denn die Qualität der Pflege beginnt mit einem strukturierten Ansatz.
Source: "Pflegeprozess - Die Schritte 1" - Pflege Kanal, YouTube, Apr 16, 2017 - https://www.youtube.com/watch?v=Qr0742Ahetk