ATL in der Pflege: 12 Aktivitäten nach Juchli

Die 12 ATL nutzen, um Pflegeplanung und Dokumentation am Alltag der Bewohner*innen praktisch und individuell auszurichten.
Die 12 ATL nach Liliane Juchli helfen Ihnen, in der stationären Langzeitpflege Fähigkeiten, Wünsche und Unterstützungsbedarf einzuordnen. Für die Pflegeplanung zählt dabei nicht das Ausfüllen aller Lebensbereiche, sondern die Frage: Was gelingt der Bewohnerin oder dem Bewohner selbst, und welche Hilfe ist nötig?
Ich zeige Ihnen, wie Sie die ATL für eine individuelle Pflegeplanung nutzen und von ABEDL und der SIS-Pflegeplanung unterscheiden. Im Mittelpunkt stehen konkrete Maßnahmen und eine Dokumentation, die Ihrem Team im Pflegealltag Orientierung gibt.
Wie ATL mit Roper, Logan und Tierney sowie Krohwinkel zusammenhängen
Liliane Juchli übertrug das Activities-of-Living-Modell von Roper, Logan und Tierney in den deutschsprachigen Pflegekontext. Dabei bezog sie auch Virginia Henderson ein. [2][3] Den Lebensbereich „Sterben“ ersetzte sie durch „Sinn finden im Werden, Sein, Vergehen“. So erhalten Fragen nach Sinn und Spiritualität mehr Raum in der Pflegeplanung. [1][2]
Monika Krohwinkel entwickelte daraus die 13 AEDL, später ABEDL. Die Abkürzung ABEDL steht für „Aktivitäten, Beziehungen und existenzielle Erfahrungen des Lebens“. Das Modell legt besonderen Wert auf Beziehungen und existenzielle Erfahrungen. Mehr dazu lesen Sie im Beitrag zum ABEDL-Modell nach Krohwinkel. [2]
Die Strukturierte Informationssammlung (SIS) ist hingegen kein weiteres ATL-Modell, sondern ein Dokumentationsverfahren mit sechs Themenfeldern. [2] Im nächsten Abschnitt erfahren Sie, wie Sie die zwölf ATL in der Pflegepraxis nutzen können.
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1. Wach sein und schlafen
Diese Aktivität des täglichen Lebens (ATL) umfasst Schlaf, Ruhe und den Tag-Nacht-Rhythmus. [3][4] Für die Pflegeplanung ist wichtig, welche Gewohnheiten im Alltag bestehen und was den Schlaf stört. Berücksichtigen Sie dabei die persönlichen Schlafgewohnheiten und wie die Bewohnerin oder der Bewohner den eigenen Schlaf erlebt. [2]
Erfragen Sie Schlafenszeiten, Abendrituale, Ruhepausen und belastendes nächtliches Erwachen. Beobachten Sie auch die Wachheit am Tag. Prüfen Sie, wie Abweichungen vom gewohnten Rhythmus einzuordnen sind, und erfassen Sie dabei sowohl die Selbstständigkeit als auch den Unterstützungsbedarf. [2]
Leiten Sie daraus die passende Unterstützung ab. Unterstützen Sie den gewohnten Tag-Nacht-Rhythmus durch abgestimmte Zubettgehzeiten sowie wenig Licht und Lärm. Achten Sie auf eine bedarfsgerechte Positionierung mit passenden Lagerungs- und Unterstützungshilfen. [2][4]
Praxisbeispiel aus der stationären Langzeitpflege: Eine Bewohnerin schläft gewöhnlich ab 22 Uhr und wird durch Flurgeräusche geweckt. Sie zieht sich selbstständig um, benötigt aber Hilfe beim Zubettgehen. Vereinbaren Sie diese Hilfe für 22 Uhr und schließen Sie auf ihren Wunsch die Zimmertür. Fragen Sie im Verlauf, ob sie dadurch besser schläft.
Dokumentieren Sie Ressourcen, Beschwerden, Maßnahmen und deren Wirkung knapp und vergleichbar. Diese Angaben bilden die Grundlage für die Verlaufskontrolle und die nächste Pflegeplanung. Halten Sie auch unauffälligen Schlaf ohne Unterstützungsbedarf fest. [2][4]
2. Sich bewegen
Nach Ruhe und Schlaf steht die Mobilität im Alltag im Mittelpunkt. Die ATL „Sich bewegen“ umfasst Körperposition, Positionswechsel, Transfers und Fortbewegung. Prüfen Sie diese Bereiche getrennt. Eine Bewohnerin oder ein Bewohner kann die Position im Bett selbst verändern, beim Aufstehen aber Hilfe benötigen. [2][4]
Dokumentieren Sie für jede Teilhandlung – etwa Drehen im Bett, Aufstehen oder Gehen – den Unterstützungsgrad: selbstständig, mit Anleitung, teilübernommen oder vollständig übernommen. Beziehen Sie vorhandene Fähigkeiten, Schmerzen und Gewohnheiten ein. [2]
Passen Sie die Bewegungsunterstützung und geeignete Lagerungshilfen an die Fähigkeiten der Bewohnerin oder des Bewohners an. Je nach Bedarf kommen aktive, assistierte oder passive Bewegungen, Mobilisation und Physiotherapie infrage. Berücksichtigen Sie auch den Bedarf an Dekubitus-, Kontraktur- und Thromboseprophylaxe. [4]
Halten Sie in der Pflegeplanung fest, welche Teilhandlungen gelingen, welche Hilfe benötigt wird und welches Mobilitätsziel die Bewohnerin oder der Bewohner im Alltag erreichen möchte. Dokumentieren Sie im Verlauf, ob die vereinbarte Unterstützung ausreicht. [2][4] Weitere Hinweise finden Sie im Praxisbeitrag zur Pflegeplanung mit ATL.
3. Sich waschen und kleiden
Nach der Mobilität steht die Selbstpflege im Mittelpunkt. Die Aktivität des täglichen Lebens (ATL) „Sich waschen und kleiden“ umfasst Körperpflege, An- und Auskleiden sowie Mund-, Zahn- und Prothesenpflege. Prüfen und dokumentieren Sie, welche Handgriffe die Bewohnerin oder der Bewohner selbstständig ausführt und wobei Unterstützung nötig ist. [2][4]
Beziehen Sie persönliche Gewohnheiten ein. Fragen Sie nach der bevorzugten Wassertemperatur, Kleidung und vertrauten Pflegeritualen. Klären Sie auch, welche Hilfe gewünscht ist: Der fachlich eingeschätzte Hilfebedarf kann von der Unterstützung abweichen, die jemand annehmen möchte. [2]
Erfassen Sie den Hilfebedarf so, dass sich daraus konkrete Pflegemaßnahmen planen lassen:
Praxisbeispiel aus der stationären Langzeitpflege: Eine Bewohnerin wäscht morgens Gesicht und Oberkörper selbst, wenn die Pflegekraft die Materialien vorbereitet. Unterstützung benötigt sie beim Waschen des Rückens, bei der Mundpflege und beim Anziehen. Die Planung hält diese Teilleistung fest statt eine vollständige Übernahme zu dokumentieren. [2][4]
Eine passende Formulierung lautet:
„Wäscht Gesicht und Oberkörper nach Bereitstellen der Materialien selbstständig. Unterstützung beim Rückenwaschen, bei der Mundpflege und beim Ankleiden vereinbart.“
Dokumentieren Sie relevante Hautbeobachtungen gesondert. Lehnt eine Bewohnerin oder ein Bewohner Hilfe ab, prüfen Sie die persönlichen Gewohnheiten und die Pflegesituation. Halten Sie die Ablehnung sachlich fest. [2][4]
4. Essen und Trinken
Die ATL „Essen und Trinken“ umfasst die Nahrungs- und Flüssigkeitsaufnahme sowie die Vorbereitung der Mahlzeit. Halten Sie fest, wie viel Unterstützung Bewohnerinnen und Bewohner dabei benötigen. Im Mittelpunkt stehen ihre Selbstständigkeit und eine sichere Nahrungsaufnahme.
Erfassen Sie getrennt, was die Bewohnerin oder der Bewohner selbst kann und welche Vorlieben bestehen. Dazu gehören der Umgang mit Besteck, Trinkgefäßen und Verpackungen sowie das Zerkleinern der Speisen. Berücksichtigen Sie auch bevorzugte Essenszeiten, Lieblingsspeisen und Getränke. Dokumentieren Sie, wie die Person ihren Unterstützungsbedarf selbst einschätzt.
Beobachten Sie die Nahrungs- und Flüssigkeitsaufnahme und erfassen Sie das Gewicht. Die Körpergröße erheben Sie einmalig für die Erstbewertung. Hinweise auf Mangelernährung oder Schluckstörungen erfordern eine ergänzende pflegefachliche Abklärung. Orientierung bietet der DNQP-Expertenstandard zum Ernährungsmanagement.
Praxisbeispiel aus der stationären Langzeitpflege: Eine Bewohnerin kann selbstständig essen, benötigt aber Hilfe beim Zerkleinern der Speisen und beim Öffnen einer Flasche. Die Maßnahme lautet: „Speisen vor der Mahlzeit zerkleinern und Getränkeverpackung öffnen. Bewohnerin isst und trinkt anschließend selbstständig. Weiteren Hilfebedarf während der Mahlzeit beobachten.“
Im nächsten Abschnitt geht es um das Ausscheiden und die passende Unterstützung im Alltag.
5. Ausscheiden
Nach Essen und Trinken gehört das Ausscheiden zu den weiteren Grundbedürfnissen. Die ATL „Ausscheiden“ umfasst Urin, Stuhl und Erbrechen. Erfassen Sie, ob Bewohnerinnen und Bewohner den Toilettengang selbstständig bewältigen, Anleitung oder teilweise Hilfe benötigen oder eine vollständige Übernahme nötig ist. Beschreiben Sie den Hilfebedarf so, dass vorhandene Fähigkeiten gezielt erhalten bleiben.
Berücksichtigen Sie gewohnte Ausscheidungszeiten und biografische Angaben. Dokumentieren Sie Häufigkeit, Urinfarbe, Stuhlkonsistenz und Auffälligkeiten. Halten Sie auch fest, wie sich diese auf den Alltag und das Wohlbefinden auswirken und ob Schamgefühle auftreten.
Stimmen Sie Maßnahmen bei Inkontinenz und Obstipation auf den individuellen Bedarf ab. Bewegung und ausreichende Flüssigkeitsaufnahme unterstützen die Obstipationsprophylaxe. Wahren Sie beim Toilettengang und bei der Intimpflege die Intimsphäre. Übernehmen Sie nur die Schritte, bei denen Hilfe nötig ist.
6. Körpertemperatur regulieren
Die ATL „Körpertemperatur regulieren“ beschreibt das Bedürfnis, die Körpertemperatur stabil im Normbereich zu halten. Prüfen Sie, ob Bewohnerinnen und Bewohner Kleidung und Bettdecke selbst an ihr Wärmeempfinden anpassen können oder Unterstützung benötigen. [2][3][4]
Beurteilen Sie Temperaturwerte immer zusammen mit dem Befinden. Achten Sie auf Schwitzen, Frösteln, Hautfarbe und Hautfeuchte. Bei Fieber oder einem Infekt sind Temperaturkontrollen und eine angepasste Pflege erforderlich. Dokumentieren Sie die Temperatur in °C und das subjektive Befinden. [2][3][4]
Praxisbeispiel aus der stationären Langzeitpflege: Eine Bewohnerin schwitzt und empfindet ihre Bettdecke als zu warm. Nach dem Wechsel zu einer leichteren Decke fühlt sie sich wohler; dokumentieren Sie Maßnahme und Wirkung.
Richten Sie die Unterstützung nach Ihren Beobachtungen aus: Helfen Sie bei Bedarf beim Wechsel in leichtere Kleidung, passen Sie die Bettdecke an und bieten Sie Getränke an. Lassen Sie die Bewohnerin oder den Bewohner möglichst selbst handeln. Halten Sie die Unterstützung und ihre Wirkung knapp fest. [2][3][4] Im nächsten Abschnitt geht es um die Atmung.
7. Atmen
Die ATL „Atmen“ umfasst die Atmung, Atemnot und Risiken für die Atemwege und die Lunge. Erfassen Sie Atemfrequenz, Atemtiefe, Atemgeräusche sowie Beschwerden in Ruhe oder bei Belastung. Fragen Sie auch, wie die Bewohnerin oder der Bewohner die eigene Atmung erlebt. Beurteilen Sie Messwerte und empfundene Atemnot gemeinsam. [1][2][4]
Bei immobilen Bewohnerinnen und Bewohnern ist die Atmung Teil der täglichen Beobachtung. Prüfen Sie, was die Person selbst übernehmen kann: etwa eine atemerleichternde Position einnehmen oder eine verordnete Inhalation durchführen. Planen Sie bei eingeschränkter Mobilität passende Maßnahmen zur Pneumonieprophylaxe. Unterstützen Sie nur dort, wo die Person Hilfe benötigt. [2][4]
Dokumentieren Sie knapp, ob ein Positionswechsel die Atmung aus Sicht der Bewohnerin oder des Bewohners erleichtert hat und welche Unterstützung nötig war. Halten Sie auch unauffällige Befunde kurz fest. [1][2][4] Danach folgt die ATL „Für Sicherheit sorgen“.
8. Für Sicherheit sorgen
Nach der Atmung steht die Sicherheit im Alltag im Mittelpunkt. Die ATL „Für Sicherheit sorgen“ umfasst Gefahren im Wohnumfeld, die Medikation, sterile Materialien und die Vorbeugung nosokomialer Infektionen – also Infektionen, die im Zusammenhang mit medizinischen oder pflegerischen Maßnahmen erworben werden. Sicherheit soll die Selbstständigkeit nicht unnötig einschränken. [4]
Prüfen Sie die vorhandenen Fähigkeiten und individuellen Risiken der Bewohnerinnen und Bewohner. Fragen Sie, welche Gefahren sie selbst wahrnehmen, und berücksichtigen Sie Hinweise aus ihrer Biografie. [2] Unterstützen Sie nur so weit wie nötig. Dokumentieren Sie knapp die Fähigkeiten, den Hilfebedarf, die vereinbarten Maßnahmen und deren beobachtete Wirkung.
Im nächsten Abschnitt geht es um Raum, Zeit und Beschäftigung.
9. Raum und Zeit gestalten, arbeiten und spielen
Nach Schlaf, Bewegung und Grundversorgung stehen Tagesstruktur und Beschäftigung im Mittelpunkt. Diese ATL umfasst auch vertraute Räume und Arbeit. Die Tätigkeit soll für die Bewohnerin oder den Bewohner sinnvoll sein und die Selbstständigkeit erhalten. [2][4]
Erfragen Sie frühere Berufe, Interessen und Rituale. Klären Sie, was die Person selbst wählen und gestalten möchte und wobei sie Unterstützung braucht. Halten Sie für jede Tätigkeit fest, ob sie selbstständig gelingt oder Anleitung, Teilhilfe oder eine vollständige Übernahme nötig ist. Auch bei Demenz richtet sich die Auswahl nach der Biografie, den aktuellen Wünschen und den vorhandenen Fähigkeiten. Dokumentieren Sie dabei, was die Bewohnerin oder der Bewohner selbst wählen und gestalten kann. [2][4]
Die Ablehnung eines Gruppenangebots allein begründet keinen Unterstützungsbedarf. Fragen Sie, ob die Person mit ihrer Tagesgestaltung zufrieden ist oder sich etwas anderes wünscht. Dokumentieren Sie ihre Entscheidung und gegebenenfalls, dass kein Unterstützungsbedarf besteht. [2] Diese Angaben erleichtern die anschließende Dokumentation der ATL Kommunikation. Der nächste Abschnitt beschreibt, wie Sie diese Inhalte im Gespräch dokumentieren.
10. Kommunizieren
Die ATL „Kommunizieren“ umfasst Sprechen, Verstehen und nonverbale Zeichen.[1] Für die Pflegeplanung ist wichtig, ob Bewohnerinnen und Bewohner Wünsche, Beschwerden und Ablehnung verständlich mitteilen können. Ziel ist, dass sie ihre Bedürfnisse und Schmerzen möglichst selbst ausdrücken.[4]
Erfassen Sie, wie die Person Wünsche äußert, Informationen versteht und welche Unterstützung sie dabei braucht. Halten Sie bei Demenz, Aphasie oder Hörbeeinträchtigungen fest, welche Ausdrucksmöglichkeiten erhalten sind.[2] Die Diagnose oder Einschränkung allein reicht für die Pflegeplanung nicht aus.[1]
Sprechen Sie bei Hörbeeinträchtigungen der Person zugewandt und in kurzen Sätzen. Prüfen Sie Sitz und Funktion der Hörgeräte.[4] Dokumentieren Sie knapp, welche Unterstützung nötig ist und woran Sie erkennen, dass die Verständigung gelingt – etwa daran, dass die Person Durst oder Schmerzen mitteilt.[2][4] Halten Sie Kommunikationswege und Hilfsmittel so fest, dass sich deren Nutzung im Verlauf vergleichen lässt.
11. Kind, Frau, Mann sein
Im Mittelpunkt steht das Selbstbild der Bewohnerin oder des Bewohners im Alltag. Diese ATL umfasst Geschlechtsidentität, biografisch geprägte Rollenbilder und sexuelle Ausdrucksformen. „Kind sein“ meint einen biografischen Bezug, keine infantilisierende Ansprache. Feste Rollenvorgaben passen nicht dazu.[2][3]
Fragen Sie, welche Bedürfnisse oder Probleme die Person selbst wahrnimmt. Achten Sie auf Kleidung, Pflegegewohnheiten und das äußere Erscheinungsbild. Berücksichtigen Sie auch Wünsche zur Intimpflege. Maßgeblich ist das Selbstbild der Person, nicht die Wahrnehmung der Pflegekraft.[2][4]
Vertraute Routinen können dieses Selbstbild im Alltag ausdrücken.
Praxisbeispiel aus der stationären Langzeitpflege: Ermöglichen Sie einem Bewohner seine biografisch wichtige tägliche Rasur mit der benötigten Unterstützung.[2]
Dokumentieren Sie nur pflegerelevante Gewohnheiten und den tatsächlichen Unterstützungsbedarf. Wird kein Bedarf benannt, halten Sie dies kurz fest.[2]
12. Sinn finden im Werden, Sein und Vergehen
Nach Selbstbild und Rolle geht es um Halt, Sinn und den Umgang mit Verlust, Krankheit und Sterben. Diese ATL ist keine Checkliste.
Fragen Sie die Bewohnerinnen und Bewohner, ob sie ihre aktuelle Situation im Alltag als Belastung, Sinnverlust oder Unsicherheit erleben. Was gibt ihnen Halt – etwa Familie, Glaube oder Natur? Führen Sie das Gespräch ruhig, zugewandt und offen. Übertragen Sie die Beobachtungen in die Pflegeplanung, etwa beim SIS ausfüllen.
Dokumentieren Sie Sinnverlust, Verluste, Rollenwechsel, Ängste und Schmerzen knapp. Halten Sie auch die vereinbarten Maßnahmen zur Unterstützung, Angstbewältigung und zum Schmerzmanagement fest. Wenn kein weiterer Klärungsbedarf besteht, vermerken Sie dies kurz.
ATL in Pflegeplanung und Dokumentation nutzen
ATL-Pflegeplanung in 4 Schritten
Übertragen Sie die fachliche Einschätzung anhand der ATL in die Pflegeplanung und Verlaufsdokumentation. Die Einträge sollen im Pflegealltag nutzbar und für die stationäre Langzeitpflege prüfbar sein. Nutzen Sie die 12 ATL als Struktur und dokumentieren Sie zusammengehörige Informationen an einer Stelle. Wenn Sie mit der Strukturierten Informationssammlung (SIS) arbeiten, ordnen Sie die Inhalte den Themenfeldern zu.
Kurzer Ablauf in 4 Schritten:
- Erfassen Sie Wünsche und Beobachtungen.
- Benennen Sie Fähigkeiten und Hilfebedarf: Anleitung, Teilhilfe oder vollständige Übernahme.
- Begründen Sie Risiken fachlich. Leiten Sie diese nicht allein aus einer einzelnen Einschränkung ab.
- Legen Sie Ziel, Maßnahme, Zuständigkeit, Zeitpunkt, Frequenz und Überprüfung fest.
Weitere Arbeitsschritte finden Sie unter Pflegeplanung mit ATL.
Formulierungshilfe:
Bewohnerwunsch: …; Selbstständig möglich: …; Beobachtung: …; Hilfe nötig bei: …; Fachlich begründetes Risiko: …; Ziel: …; Maßnahme: …; Zuständig: …; Zeitpunkt und Frequenz: …; Überprüfung: …
Kurzcheck: Prüfen Sie, ob die Perspektive der Bewohnerinnen und Bewohner, ihre Fähigkeiten, der Hilfebedarf und fachlich begründete Risiken erkennbar sind. Sind die Einträge vollständig und die Maßnahmen eindeutig umsetzbar? Vermeiden Sie pauschale Angaben wie „Hilfe bei Körperpflege“, wenn nur einzelne Handgriffe Unterstützung erfordern.
Die Pflegeprozessverantwortung liegt bei der Pflegefachperson. Nach § 4 PflBG zählen die Erhebung und Feststellung des individuellen Pflegebedarfs sowie die Planung, Organisation, Steuerung und Evaluation des Pflegeprozesses zu ihren vorbehaltenen Aufgaben.
Die folgenden Dokumentationschecks zeigen, ob die Einträge für Pflegefachpersonen, Pflegedienstleitung (PDL) und Qualitätsmanagement (QM) fachlich belastbar sind.
Dokumentationschecks für PDL und QM
Nach der pflegefachlichen Dokumentation prüfen Pflegedienstleitung (PDL) und Qualitätsmanagement (QM), ob Einschätzung, Maßnahmen und Verlauf für die jeweilige Bewohnerin oder den jeweiligen Bewohner zusammenpassen. ATL ist kein offizieller Prüfkatalog und kein gesetzlich vorgeschriebenes Dokumentationsformat. Externe Prüfungen richten sich nach den Qualitätsprüfungs-Richtlinien des Medizinischen Dienstes (MD, früher MDK).
Die folgenden Prüfpunkte beziehen sich auf die 12 ATL. Sie helfen Ihnen, die Dokumentation auf ihre Nutzbarkeit im Pflegealltag zu prüfen. Die Tabelle ist eine interne Arbeitshilfe: Sie verpflichtet nicht dazu, jedes ATL-Feld einzeln zu dokumentieren. Halten Sie auch nachvollziehbar fest, wenn kein Handlungsbedarf besteht.
| Prüfkriterium | Dokumentierter Nachweis | Typische Lücke | Nächster Schritt |
|---|---|---|---|
| Einzelfallbezogene Einschätzung | Körperliche, psychische und soziale Bedürfnisse sind nachvollziehbar dokumentiert. | Kommunikation oder existenzielle Bedürfnisse bleiben unklar. | Die zuständige Pflegefachperson ergänzt offene Angaben. |
| Ressourcen und Selbstbestimmung | Fähigkeiten und gewünschte Unterstützung passen zu den dokumentierten Maßnahmen. | Tätigkeiten werden vollständig übernommen, obwohl die Bewohnerin oder der Bewohner sie teilweise selbst ausführen kann. | Die zuständige Pflegefachperson prüft den Unterstützungsumfang und passt die Planung an. |
| Biografischer Bezug | Relevante Gewohnheiten und Wünsche begründen individuelle Maßnahmen. | Standardtexte lassen den persönlichen Bezug offen. | Die zuständige Pflegefachperson erfragt relevante Wünsche und konkretisiert die Maßnahmen. |
| Risiken und Maßnahmen | Fachlich eingeschätzte Risiken sind mit umsetzbaren Maßnahmen verknüpft. | Risiken sind benannt, passende Maßnahmen fehlen. | Die zuständige Pflegefachperson ergänzt Maßnahmen und einen Überprüfungstermin. |
| Aktualität und Konsistenz | Die aktuelle Planung berücksichtigt dokumentierte Veränderungen. | Neue Einschränkungen stehen nur im Pflegebericht. | Die zuständige Pflegefachperson gleicht Einschätzung und Planung ab und korrigiert veraltete Angaben. |
Legen Sie im QM-Verfahren fest, welche Stichproben Sie prüfen, in welchen Abständen und wer dafür zuständig ist. Ergänzen Sie die Stichproben durch anlassbezogene Prüfungen, etwa nach dem Einzug oder einer wesentlichen Zustandsänderung.
QM dokumentiert jede Feststellung mit Zuständigkeit und Frist. Die verantwortliche Pflegefachperson bewertet den fachlichen Handlungsbedarf. PDL und QM prüfen, ob die erforderlichen Anpassungen in Planung und Versorgung umgesetzt wurden. Sie dokumentieren das Ergebnis und gegebenenfalls weitere Schritte.
Fazit: ATL an der Bewohnerin und am Bewohner ausrichten
Die 12 ATL nach Juchli helfen, die pflegerische Einschätzung zu strukturieren. Sie greifen ineinander, ersetzen aber nicht das pflegefachliche Urteil. [1][2][4]
Klären Sie anhand der ATL-Beispiele, was eine Einschränkung im Alltag für die Bewohnerin oder den Bewohner bedeutet. Richten Sie Ihre Unterstützung an den persönlichen Wünschen und vorhandenen Ressourcen aus. Übernehmen Sie nur, was notwendig ist.
Prüfen Sie bei der nächsten Evaluation gemeinsam mit der Bewohnerin oder dem Bewohner, ob Umfang und Form der Hilfe weiterhin passen. Die Pflegeplanung dient dabei als Grundlage für individuelle Pflege, nicht als Checkliste. [2]
FAQs
Wie übertrage ich ATL-Inhalte in die SIS?
Die Aktivitäten des täglichen Lebens (ATL) helfen Ihnen, den individuellen Pflegebedarf strukturiert zu erfassen. Dokumentieren Sie die erkannten Pflegeprobleme und Ressourcen in der Strukturierten Informationssammlung (SIS). Auf dieser Grundlage leiten Sie Pflegeziele und Maßnahmen für die Pflegeplanung ab.
Nutzen Sie die ATL als Orientierung, nicht als starre Checkliste. Berücksichtigen Sie, wie die einzelnen Aktivitäten einander beeinflussen. So behalten Sie die Bewohnerinnen und Bewohner mit ihren Bedürfnissen und Fähigkeiten als ganzen Menschen im Blick.
Wann muss ich eine ATL-Pflegeplanung aktualisieren?
Überarbeiten Sie die ATL-Pflegeplanung, sobald sich der individuelle Pflegebedarf, die Pflegeprobleme oder die Ressourcen einer Bewohnerin oder eines Bewohners verändern. Passen Sie Pflegeziele und Maßnahmen an den veränderten Unterstützungsbedarf an.
Wie gehe ich mit abgelehnter Pflegehilfe um?
Der Text gibt keine Hinweise zum Umgang mit abgelehnter Pflegehilfe. Er beschreibt die zwölf Aktivitäten des täglichen Lebens (ATL) nach Liliane Juchli als Orientierung für eine ganzheitliche Pflegeplanung – nicht als starre Checkliste. Ein konkretes Vorgehen bei abgelehnter Pflegehilfe lässt sich daraus nicht ableiten.
