Pflegeplanung mit ATL: Schritte und Beispiele

January 21, 2026

Erfahre, wie die Pflegeplanung mit Aktivitäten des täglichen Lebens (ATL) funktioniert. Schritten im Pflegeprozess und praktische Beispiele erklärt.

Die Pflegeplanung ist ein zentraler Bestandteil der Arbeit in stationären Pflegeeinrichtungen. Sie ermöglicht es, den individuellen Pflegebedarf strukturiert zu erfassen und effektive Maßnahmen zur Unterstützung der Pflegebedürftigen zu planen. Ein bewährtes Hilfsmittel in diesem Prozess sind die Aktivitäten des täglichen Lebens (ATL), die von der Schweizer Pflegewissenschaftlerin Liliane Juchli entwickelt wurden. In diesem Artikel erfahren Sie, wie die ATL im Pflegealltag angewendet werden können, wie sie Pflegeprobleme sichtbar machen und wie mit ihrer Hilfe eine professionelle Pflegeplanung gestaltet werden kann.

Was sind die Aktivitäten des täglichen Lebens (ATL)?

Die Aktivitäten des täglichen Lebens basieren auf der Annahme, dass alle Menschen grundlegende Bedürfnisse haben, die erfüllt werden müssen, um ein Leben in Wohlbefinden zu führen. Juchli identifizierte zwölf Kategorien, die diese Bedürfnisse und Aktivitäten abdecken:

  1. Atmen
  2. Sich bewegen
  3. Sich waschen und kleiden
  4. Essen und Trinken
  5. Ausscheiden
  6. Die Körpertemperatur regulieren
  7. Für Sicherheit sorgen
  8. Ruhen und schlafen
  9. Sich beschäftigen
  10. Kommunizieren
  11. Sich als Mann oder Frau fühlen und verhalten
  12. Sinn finden im Werden, Sein und Vergehen

Diese Kategorien helfen Pflegekräften dabei, den Zustand und die Bedürfnisse der Bewohner systematisch zu analysieren. Dabei sind die ATL nicht als starre Regeln zu verstehen, sondern als Orientierungshilfe, um Pflegeziele festzulegen und Maßnahmen abzuleiten.

Der Pflegeprozess: Struktur für die Pflegeplanung

Um die ATL effektiv in die Pflegeplanung zu integrieren, orientiert man sich am sechsstufigen Pflegeprozess nach Fiechter und Meier. Dieser Prozess umfasst die folgenden Schritte:

  1. Informationssammlung: Daten über die pflegebedürftige Person werden erhoben.
  2. Probleme und Ressourcen identifizieren: Einschränkungen und Potenziale werden analysiert.
  3. Pflegeziele festlegen: Ziele werden definiert, die auf die individuellen Bedürfnisse abgestimmt sind.
  4. Maßnahmen planen: Konkrete Schritte zur Zielerreichung werden formuliert.
  5. Maßnahmen durchführen: Die geplanten Maßnahmen werden umgesetzt.
  6. Evaluation: Die Wirksamkeit der Maßnahmen wird überprüft und gegebenenfalls angepasst.

Die ATL spielen vor allem in den ersten beiden Phasen – der Datenerhebung und der Problem-/Ressourcenanalyse – eine entscheidende Rolle. Sie bieten eine strukturierte Grundlage, um sowohl Einschränkungen als auch Stärken der Bewohner zu erkennen.

Beispiel: Pflegeplanung mit den ATL

Zur Veranschaulichung, wie die ATL in der Praxis genutzt werden können, betrachten wir das Fallbeispiel des 21-jährigen Jonas, der nach einem Fahrradunfall mehrere Einschränkungen erlebt.

Einschränkungen und Probleme identifizieren

Durch die Analyse der ATL bei Jonas wurden folgende Pflegeprobleme erkannt:

  1. Sich waschen und kleiden: Jonas ist unzufrieden, da er mit seinem Gips nicht duschen kann.
  2. Essen und Trinken: Jonas leidet unter Übelkeit und hat einen hohen Flüssigkeitsverlust.
  3. Sich bewegen: Die verordnete Bettruhe schränkt seine Bewegungsfreiheit stark ein und birgt ein Thromboserisiko.
  4. Für Sicherheit sorgen: Der periphere Venenkatheter (PVK) erhöht das Infektionsrisiko.

Struktur: Das PESR-Schema

Um die Pflegeprobleme klar zu definieren, bietet sich das PESR-Schema an:

  • P (Problem): Was ist die Einschränkung oder das Risiko?
  • E (Einflussfaktoren): Welche Ursachen stehen hinter dem Problem?
  • S (Symptome): Welche Anzeichen zeigen das Problem?
  • R (Ressourcen): Welche Fähigkeiten oder Stärken hat die pflegebedürftige Person?

Beispiel: Erhöhtes Infektionsrisiko durch den PVK

  • Problem: Der PVK birgt ein erhöhtes Infektionsrisiko.
  • Einflussfaktoren: Die Schutzfunktion der Haut ist an der Einstichstelle nicht gegeben.
  • Symptome: Momentan keine Entzündungszeichen (positiver Zustand).
  • Ressourcen: Jonas versteht die Gefahr und setzt Anweisungen des Pflegepersonals um.

Pflegeziele und Maßnahmen formulieren

Nach der Identifikation der Probleme werden Pflegeziele festgelegt und Maßnahmen geplant, um diese Ziele zu erreichen.

Pflegeproblem: Erhöhtes Infektionsrisiko durch den PVK

  • Ziel: Die Einstichstelle bleibt reizlos und frei von Entzündungszeichen.
  • Maßnahme: Die Bezugspflegekraft führt jeden Morgen die Pflege des PVK nach Standard durch.

Pflegeproblem: Einschränkung bei der Körperpflege

  • Ziel: Jonas kann seine Körperpflege als ausreichend erleben und äußert Zufriedenheit.
  • Maßnahme: Die Bezugspflegekraft bietet Jonas in jeder Frühschicht teilkompensatorische Unterstützung bei der Körperpflege.

Für beide Pflegeprobleme wird ein Evaluationsdatum festgelegt, um sicherzustellen, dass die Maßnahmen regelmäßig überprüft und angepasst werden.

Warum sind die ATL in der Pflegeplanung so hilfreich?

Die ATL bieten eine klare Struktur, um die komplexen Bedürfnisse von Pflegebedürftigen zu erfassen. Sie helfen dabei, nichts Wesentliches zu übersehen und eine ganzheitliche Sicht auf die pflegebedürftige Person zu entwickeln. Darüber hinaus fördern sie die Zusammenarbeit im Team, da alle Pflegekräfte dieselbe Grundlage für die Planung und Durchführung von Maßnahmen nutzen.

Key Takeaways

  • Die 12 ATL: Sie bieten eine systematische Grundlage, um den Pflegebedarf zu analysieren und Pflegeziele zu definieren.
  • Pflegeprozess: Ein klar strukturierter Prozess, der von der Datenerhebung bis zur Evaluation reicht, erleichtert die Pflegeplanung.
  • PESR-Schema: Dieses Schema hilft, Probleme und Ressourcen klar zu benennen und Pflegeplanung zu standardisieren.
  • Praxisnähe: Pflegeprobleme und Maßnahmen sollten stets spezifisch und überprüfbar formuliert werden.
  • Regelmäßige Evaluation: Eine kontinuierliche Beurteilung der Maßnahmen ist entscheidend für die Qualität der Pflege.

Die Anwendung der ATL und des Pflegeprozesses macht es möglich, individuellen Pflegebedarf systematisch zu erfassen, Pflegeprobleme gezielt anzugehen und gleichzeitig die Pflegequalität zu steigern. Mit der richtigen Planung und regelmäßigen Evaluationen können Pflegefachkräfte nicht nur den Qualitätsansprüchen gerecht werden, sondern auch dazu beitragen, die Lebensqualität ihrer Bewohner nachhaltig zu verbessern.

Source: "Pflegeplanung mit ATL - Pflegeprozess nach Fiechter und Meier" - Pflegerelevant, YouTube, Dec 6, 2023 - https://www.youtube.com/watch?v=xnQmbMDjFbY

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