SIS Pflegeplanung: Einführung in das Strukturmodell

Erfahren Sie alles zur strukturierten Informationssammlung (SIS) im Pflegebereich – Einführung, Themenfelder und Anwendung im Strukturmodell.
Die strukturierte Informationssammlung (SIS) hat die Pflegeplanung in stationären Pflegeeinrichtungen revolutioniert. Als zentraler Bestandteil des Strukturmodells wurde die SIS entwickelt, um die Bürokratie zu reduzieren und die Pflegekräfte in ihrem anspruchsvollen Alltag zu entlasten. Doch wie funktioniert die SIS? Welche Bestandteile umfasst sie? Und wie lässt sie sich effektiv in den Pflegealltag integrieren? Dieser Artikel bietet eine fundierte Einführung in die Grundlagen der SIS und zeigt auf, wie sie auf die spezifischen Bedürfnisse von Pflegeheimen zugeschnitten ist.
Warum das Strukturmodell und die SIS eingeführt wurden
Das klassische Pflegeplanungsmodell, wie es zum Beispiel durch die AEDL-Liste nach Krohwinkel bekannt ist, kam mit einem hohen Dokumentationsaufwand und teils redundanten Prozessen einher. Das Strukturmodell wurde eingeführt, um diese Herausforderungen zu adressieren, indem es die Dokumentation vereinfacht und die Qualität der pflegerischen Versorgung verbessert. Die SIS ist dabei das Herzstück dieses Ansatzes und dient der strukturierten Erfassung von Informationen, die für die Pflegeplanung essenziell sind.
Ziel der SIS
Die SIS verfolgt das Ziel, pflegerelevante Informationen in sechs klar definierten Themenfeldern zu erfassen. Dies ermöglicht eine präzise und individuelle Pflegeplanung, die sich an den Bedürfnissen und Ressourcen der Bewohner orientiert. Gleichzeitig reduziert sie den Dokumentationsaufwand, indem überflüssige und doppelte Einträge vermieden werden.
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Die sechs Themenfelder der SIS
Die SIS gliedert sich in sechs zentrale Themenfelder, die jeweils einen spezifischen Aspekt der Pflegebedürftigkeit abdecken:
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Kognitive und kommunikative Fähigkeiten
Hier wird erfasst, wie gut ein Bewohner in der Lage ist, sich auszudrücken, zu verstehen und mit seiner Umgebung zu interagieren. Aspekte wie Orientierung, Sprachfähigkeit oder Demenzsymptome spielen eine wichtige Rolle. -
Mobilität und Beweglichkeit
Dieses Themenfeld erfasst, inwieweit der Bewohner sich bewegen kann, sei es eigenständig oder mit Unterstützung. Es wird beurteilt, ob Mobilitätshilfen nötig sind und welche Risiken (z. B. Sturzgefahr) bestehen. -
Krankheitsbezogene Anforderungen und Belastungen
Hier geht es um die medizinischen und pflegerischen Bedürfnisse, die sich aus Erkrankungen oder Behinderungen ergeben. Auch der Umgang mit speziellen Therapien oder Medikamenten wird betrachtet. -
Selbstversorgung
Dieses Themenfeld untersucht die Fähigkeit des Bewohners, grundlegende Aktivitäten wie Körperpflege, Ernährung oder Toilettengänge eigenständig auszuführen. Hier steht die Förderung der Selbstständigkeit im Mittelpunkt. -
Leben in sozialen Beziehungen
Sozialer Rückhalt, Kontakte zu Angehörigen oder Mitbewohnern sowie die Teilhabe am Gemeinschaftsleben werden in diesem Themenfeld berücksichtigt. -
Wohnen/Häuslichkeit
In der stationären Pflege geht es hier um die Gestaltung und Ausstattung des neuen Lebensraums. Die Person nennt ihre Wünsche, das Team bespricht, was sich in der Einrichtung umsetzen lässt.
Das zusätzliche Feld: "Was bewegt Sie im Augenblick?"
Bevor die sechs Themenfelder bearbeitet werden, beginnt die SIS mit einer offenen Frage. Sie lautet in der SIS stationär: "Was bewegt Sie im Augenblick? Was brauchen Sie? Was können wir für Sie tun?". Diese Frage soll den Bewohner dazu anregen, seine aktuelle Gefühlslage, Wünsche und Bedürfnisse mitzuteilen. Allerdings zeigt die Praxis, dass diese Frage nicht immer leicht zu beantworten ist, insbesondere bei Bewohnern mit kognitiven Einschränkungen oder bei älteren Menschen, die sich mit solchen philosophischen Fragestellungen schwer tun. Hier empfiehlt es sich, die Frage anzupassen – beispielsweise durch gezielte, offene Alternativfragen wie "Was wünschen Sie sich aktuell?" oder "Was können wir für Sie tun?".
Offene versus geschlossene Fragen: Ein entscheidender Unterschied
Ein zentraler Aspekt der SIS-Arbeit ist die Formulierung offener Fragen. Offene Fragen ermöglichen es, umfassende und individuelle Antworten zu erhalten, die für die Pflegeplanung essenziell sind. Ein Beispiel:
- Offene Frage: "Was essen Sie gerne zum Frühstück?" Dies ermöglicht dem Bewohner, seine Präferenzen in eigenen Worten darzulegen.
- Geschlossene Frage: "Mögen Sie Eier oder ein Sandwich zum Frühstück?" Hier wären die Antwortmöglichkeiten begrenzt, was wertvolle Informationen einschränkt.
Pflegekräfte sollten stets darauf achten, offene Fragen zu stellen, um ein möglichst vollständiges Bild des Bewohners zu erhalten.
Integration der SIS in den Pflegealltag
Die erfolgreiche Anwendung der SIS erfordert nicht nur technisches Wissen, sondern auch ein tiefergehendes Verständnis des Strukturmodells und der klassischen Pflegeplanung. Trotz der Vereinfachung durch das Strukturmodell bleibt das Wissen über ältere Modelle wie die AEDL nach Krohwinkel essenziell, um die SIS korrekt und effizient umzusetzen. Ein fundiertes Verständnis der Ressourcen, Ziele und Maßnahmen bleibt weiterhin von großer Bedeutung.
Herausforderungen in der Praxis
Obwohl das Strukturmodell entwickelt wurde, um Pflegekräfte zu entlasten, zeigt die Praxis, dass die Implementierung nicht immer reibungslos verläuft. Zeitdruck, unzureichende Schulungen oder der hohe Anspruch an offenes und einfühlsames Fragenstellen sind häufige Hürden. Dennoch hat sich die SIS in vielen Pflegeeinrichtungen als praktikabel und effektiv erwiesen, insbesondere für Prüfungen durch den Medizinischen Dienst.
Key Takeaways
- Ziel der SIS: Reduzierung des Dokumentationsaufwands und Fokussierung auf pflegerelevante Informationen.
- Sechs Themenfelder: Kognitive Fähigkeiten, Mobilität, krankheitsbezogene Anforderungen, Selbstversorgung, soziale Beziehungen, Wohnen/Häuslichkeit.
- Der Einstieg: Die Frage "Was bewegt Sie im Augenblick?" bietet wertvolle Einblicke, ist jedoch oft schwer zu beantworten.
- Offene Fragen: Unverzichtbar für eine individuelle und umfassende Pflegeplanung.
- Praktische Anwendung: Fundierte Kenntnisse der klassischen Pflegeplanung (z. B. AEDL) sind notwendig, um die SIS effektiv zu nutzen.
- Herausforderungen: Zeitdruck und mangelnde Schulungen können die Implementierung erschweren.
Fazit
Die SIS ist ein leistungsstarkes Instrument, das Pflegekräfte dabei unterstützt, individualisierte und qualitativ hochwertige Pflegepläne zu erstellen. Sie erfordert jedoch eine sorgfältige und fundierte Anwendung, um ihr volles Potenzial auszuschöpfen. Für stationäre Pflegeeinrichtungen bietet die SIS eine Möglichkeit, Bürokratie abzubauen, den Überblick über die Pflegebedürftigkeit der Bewohner zu behalten und gleichzeitig die Anforderungen des Medizinischen Dienstes zu erfüllen. Mit einer gezielten Schulung und der richtigen Haltung kann die SIS nicht nur die Qualität der Pflege verbessern, sondern auch den Alltag der Pflegekräfte nachhaltig erleichtern.
Source: "Strukturierte Informationssammlung | Pflege Modelle | Pflege Kanal" - Pflege Kanal, YouTube, Feb 4, 2024 - https://www.youtube.com/watch?v=K48D1PCAMO0
Themenfelder und Eingangsfrage nach: EinSTEP Informations- und Schulungsunterlagen zum Strukturmodell, Version 3.1 (Februar 2026) und SIS stationär, Version 2.0/2017 (Konzept Beikirch/Roes), ein-step.de.






