ABEDL-Modell von Krohwinkel: Pflegeplanung leicht erklärt
January 21, 2026
Erfahre, wie das ABEDL-Modell von Monika Krohwinkel die Pflegeplanung vereinfacht. Inkl. Beispiele für Pflegeprobleme und Lösungen.
Einführung
Das ABEDL-Strukturmodell von Monika Krohwinkel hat sich in den letzten Jahrzehnten als essenzielles Werkzeug in der Pflege etabliert. In einer Branche, die zunehmend durch Zeitdruck, Personalnot und hohe Anforderungen an die Dokumentationsqualität geprägt ist, bietet das Modell eine strukturierte und praxisnahe Grundlage für die Pflegeplanung. Aber was genau verbirgt sich hinter den 13 Lebensaktivitäten und existenziellen Erfahrungen des Lebens? Dieser Artikel beleuchtet das Modell, seine Entwicklung und seine Anwendung in der stationären Pflege, um Ihnen als Pflegefachkraft oder Entscheidungsträger in Pflegeheimen einen klaren und umsetzbaren Überblick zu bieten.
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Herkunft und Entwicklung des ABEDL-Strukturmodells
Das ABEDL-Modell hat eine lange historische Entwicklung durchlaufen, die auf wichtigen pflegetheoretischen Grundlagen basiert.
Maslows Bedürfnispyramide: Die erste Inspiration für strukturierte Ansätze zur Erfassung menschlicher Bedürfnisse. Maslow kategorisierte Bedürfnisse hierarchisch, von physiologischen Grundbedürfnissen bis hin zur Selbstverwirklichung.
Virginia Henderson und ihre 14 Grundbedürfnisse (1966): Henderson übertrug Maslows Konzept auf die Pflege und legte damit den Grundstein für die heutige prozessorientierte Pflegeplanung.
RLT-Modell der Lebensaktivitäten: Roper, Logan und Tierney fokussierten sich in den 70er- und 80er-Jahren auf die Aktivität des Menschen als aktives Wesen, das nur bei Einschränkungen Pflege benötigt.
Monika Krohwinkel (1993): Aufbauend auf dem RLT-Modell erweiterte Krohwinkel die zwölf Lebensaktivitäten um existenzielle Erfahrungen und die Bedeutung zwischenmenschlicher Beziehungen, wodurch das heutige ABEDL-Strukturmodell mit 13 Bereichen entstand.
Das zentrale Ziel des Modells ist es, die Fähigkeiten, Bedürfnisse und Ressourcen der zu pflegenden Personen zu erfassen, um eine individuelle Pflegeplanung zu ermöglichen.
Das ABEDL-Strukturmodell: Aufbau und Kategorien
ABEDL steht für Aktivitäten, Beziehungen und existenzielle Erfahrungen des Lebens. Diese drei Hauptkategorien bilden die Grundlage für 13 spezifische Lebensbereiche, die in der Pflegeplanung detailliert beurteilt werden. Jeder Bereich betrachtet individuelle Fähigkeiten und mögliche Einschränkungen der pflegebedürftigen Person.
Die 13 Bereiche im Überblick
Kommunizieren können
Kommunikation umfasst verbale und nonverbale Ausdrucksformen sowie Sinneswahrnehmung wie Hören, Sehen und Fühlen. Einschränkungen in diesem Bereich können z. B. durch Sprachbarrieren oder sensorische Defizite entstehen.
Sich bewegen können
Dieser Bereich betrachtet Mobilität, Gleichgewicht und Bewegungsfähigkeiten. Pflegeprobleme können durch Lähmungen, Spastiken oder postoperativen Einschränkungen auftreten.
Vitale Funktionen des Körpers aufrechterhalten können
Fokus auf Atmung, Kreislaufregulation und Stoffwechselprozesse. Prophylaxen wie Dekubitus- und Pneumonievorbeugung gehören hier ebenfalls dazu.
Sich pflegen können
Körperpflege, Hautzustand und Selbständigkeit bei der Hygiene sind hier zentral. Eingeschränkte Selbstpflege, z. B. durch Verletzungen, ist ein häufiges Pflegeproblem.
Essen und trinken können
Ernährung, Flüssigkeitszufuhr und das Kauen oder Schlucken sind entscheidend. Pflegekräfte müssen hier oft auf individuelle Diäten oder Hilfsmittel achten.
Ausscheiden können
Kontinenz und Ausscheidungsmuster werden betrachtet. Inkontinenzmaterialien oder Toilettentraining können hier unterstützend wirken.
Sich kleiden können
Hilfe bei der Auswahl und dem An- und Auskleiden, insbesondere bei motorischen Einschränkungen, steht hier im Vordergrund.
Ruhen und schlafen können
Schlafqualität, Schlafrhythmus und Ruhephasen werden analysiert. Schlafstörungen können z. B. durch Stress oder ungewohnte Umgebungen entstehen.
Sich beschäftigen können
Die Fähigkeit, Hobbys nachzugehen oder den Tag aktiv zu gestalten, wird betrachtet. Rückzug und Antriebslosigkeit können auf Pflegeprobleme hinweisen.
Sich als Mann oder Frau fühlen können
Geschlechteridentität, Intimsphäre und Sexualität spielen hier eine Rolle. Pflegekräfte sollten sensibel mit Themen wie Scham umgehen.
Für Sicherheit in der Umgebung sorgen können
Physische und psychische Sicherheit, Orientierungshilfen und die Vermeidung von Gefahren stehen im Fokus.
Soziale Bereiche des Lebens sichern können
Beziehungen, Integration in soziale Netzwerke und Beziehungsfähigkeit werden hier analysiert.
Mit existenziellen Erfahrungen des Lebens umgehen können
Die Auseinandersetzung mit Verlusten, Trauer und Hoffnung stützt sich hier auf Toleranz und die Berücksichtigung individueller Lebenskonzepte.
Anwendung in der Pflegepraxis
Das ABEDL-Strukturmodell bietet Pflegekräften und Entscheidern eine klare Grundlage für die Erstellung individueller Pflegepläne. Doch wie kann es konkret angewendet werden? Hier einige bewährte Ansätze:
Ganzheitliche Einschätzung: Pflegeprobleme sollten stets individuell erfasst werden, aber bestimmte Einschränkungen wie Mobilitätsverluste oder kognitive Beeinträchtigungen treten häufig auf und können als Grundlage für standardisierte Pflegepläne dienen.
Interdisziplinäre Zusammenarbeit: Die verschiedenen Kategorien des Modells erfordern oft die Einbindung von Fachkräften aus mehreren Bereichen, z. B. Physiotherapeuten oder Ernährungsexperten.
Flexibilität und Wechselwirkungen: Die 13 Bereiche sind nicht hierarchisch angeordnet. Einschränkungen in einem Bereich wie "Mobilität" wirken sich häufig auf mehrere andere Bereiche aus (z. B. "Selbstpflege" oder "Kleidung").
Dokumentation für den Medizinischen Dienst: Eine strukturierte Anwendung des ABEDL-Modells kann die Qualität der Pflegeplanung nachweislich verbessern und den Anforderungen des Medizinischen Dienstes gerecht werden.
Schlüssel zur erfolgreichen Umsetzung: Tipps aus der Praxis
Individualität beachten: Pflegepläne sollten immer auf die spezifischen Bedürfnisse der Person abgestimmt sein.
Erfahrung nutzen: Viele Pflegeprobleme folgen wiederkehrenden Mustern. Pflegende können von früheren Fällen und Standardlösungen profitieren, um Zeit zu sparen.
Regelmäßige Schulungen: Ein tiefes Verständnis des Modells ist essenziell für die qualitativ hochwertige Pflegeplanung und -durchführung.
Kommunikation mit Bewohnern: Die Zusammenarbeit mit den zu pflegenden Personen ist der Schlüssel, um deren Wünsche und Präferenzen in die Planung einzubeziehen.
Key Takeaways
Das ABEDL-Strukturmodell bietet eine umfassende Grundlage zur Einschätzung von Fähigkeiten, Bedürfnissen und Ressourcen in der Pflege.
13 Kategorien decken alle wichtigen Lebensbereiche ab und ermöglichen eine systematische Pflegeplanung.
Wechselwirkungen zwischen den Kategorien erfordern eine ganzheitliche Betrachtung der Bewohner.
Regelmäßige Anwendung des Modells kann die Qualität der Pflegeplanung und die Dokumentationsergebnisse verbessern.
Praxisorientierte Tipps wie die Nutzung standardisierter Pflegepläne oder die interdisziplinäre Zusammenarbeit erleichtern die Umsetzung.
Fazit
Das ABEDL-Strukturmodell von Monika Krohwinkel ist mehr als nur ein theoretisches Konzept – es ist ein praktisches Werkzeug, das Pflegekräften in Pflegeheimen dabei hilft, den individuellen Bedürfnissen der Bewohner gerecht zu werden. Durch eine strukturierte, aber flexible Anwendung können Pflegefachkräfte nicht nur die Qualität der Pflege steigern, sondern auch den oftmals stressigen Alltag im Pflegeheim effizienter gestalten. Möge dieses Modell Sie dabei unterstützen, Ihre Arbeit zu erleichtern und gleichzeitig die Lebensqualität Ihrer Bewohner zu verbessern.