POP-Pflegediagnostik: Aufbau, Anwendung und Beispiele

Erklärt POP/POP2: Diagnosearten, 9 Domänen und 8 Schritte für Pflegeplanung; Praxisbeispiel, Vergleich zu NANDA‑I und Softwareeinsatz.
POP hilft mir, Pflegeplanung in klare Schritte zu bringen: Einschätzung, Pflegediagnose, Ziel, Maßnahme und Evaluation. Der Kern ist einfach: Ich beschreibe nicht die Krankheit, sondern was sie für die Pflege bedeutet.
Für mich lässt sich der Beitrag auf 5 Punkte runterbrechen:
- POP ist das Gesamtsystem, POP2 die überarbeitete Diagnosenfassung.
- POP arbeitet mit 3 Diagnosearten: aktuelle Diagnose, Risikodiagnose und Gesundheitsdiagnose.
- POP2 ordnet Inhalte in 9 Domänen ein, von Luft bis Soziales Umfeld.
- Die Formulierung folgt festen Mustern wie P / Ä / S / R oder P / RF / R.
- In der Praxis läuft es über 8 Schritte: Informationen sammeln, einordnen, Diagnose formulieren, Ziele setzen, Maßnahmen planen und am Termin prüfen.
Kurz gesagt: Wenn ich in einem Pflegeheim mit POP arbeite, bekomme ich eine feste Logik für die Doku. Das hilft mir, Probleme, Risiken und Ressourcen sauber festzuhalten und Entscheidungen im Team klar zu begründen.
Schnellvergleich
| Punkt | POP | POP2 |
|---|---|---|
| Bedeutung | Gesamtsystem der praxisorientierten Pflegediagnostik | Überarbeitete Diagnosenfassung im System |
| Fokus | Ablauf von Assessment bis Evaluation | Einordnung und Benennung der Diagnosen |
| Einsatz | Pflegeplanung und Doku | Arbeit mit Domänen und Diagnosearten |
Dazu kommt noch der Blick nach außen: Der Beitrag grenzt POP von NANDA-I ab, nennt Stärken und Grenzen und zeigt, wie Software die Dokumentation stützen kann, ohne die pflegefachliche Entscheidung abzunehmen.
Wie POP aufgebaut ist: Ressourcenmodell, Diagnosearten und Domänen
Das POP-Ressourcenmodell und der Unterschied zur medizinischen Diagnose
POP beschreibt nicht die Krankheit selbst, sondern die pflegerische Reaktion darauf. Genau darin liegt der Kern des Systems.
Erfasst werden Ressourcen, Probleme, Risiken und Potenziale aus drei Blickwinkeln:
- körperlich-funktionell
- psychisch
- sozial sowie umgebungsbezogen
Man kann es so sehen: Die medizinische Diagnose sagt, was jemand hat. POP zeigt, was das für die Pflege bedeutet.
Das Ressourcenmodell gibt also die Perspektive vor, die Diagnosearten helfen bei der Einordnung, und die Domänen sortieren den Inhalt. Auf dieser Grundlage leitet POP drei Diagnosearten ab.
Die drei POP-Diagnosearten und ihre Formate
| Diagnoseart | Schema | Typischer Einsatz |
|---|---|---|
| Aktuelle Pflegediagnose | P / Ä / S / R | Problem mit Ursache und Symptomen |
| Risikopflegediagnose | P / RF / R | Gefährdung ohne aktuelle Symptome |
| Gesundheitspflegediagnose | P / R | Gesundheitsförderung oder Entwicklungspotenzial |
Die Abkürzungen stehen für:
- P = Pflegephänomen
- Ä = Ursache aus pflegerischer Sicht
- S = Symptome oder Merkmale
- RF = Risikofaktoren
- R = Ressourcen
So sieht das in der Praxis aus:
Aktuelle Pflegediagnose: „Eingeschränkte Mobilität bei postoperativen Schmerzen mit unsicherem Gangbild."
Risikopflegediagnose: „Risiko für Dekubitus bei eingeschränkter Lageveränderung."
Gesundheitspflegediagnose: „Bereitschaft zur Verbesserung der Mobilität bei vorhandener Trainingsmotivation."
Die neun POP2-Domänen
POP2 ordnet Pflegediagnosen neun Domänen zu:
- Luft
- Wasser
- Nahrung
- Ausscheidung
- Aktivität und Ruhe
- Alleinsein und soziale Interaktion
- Abwendung von Gefahren
- Integrität der Person
- Soziales Umfeld
Im nächsten Abschnitt geht es um die Anwendung in acht klaren Schritten – von der Informationssammlung bis zur Evaluation.
Von der Einschätzung zur Evaluation: POP Schritt für Schritt anwenden
POP-Pflegeprozess: 8 Schritte von der Einschätzung zur Evaluation
Nach dem Aufbau von POP geht es im Pflegeprozess an die Anwendung in der Praxis.
Schritte 1 bis 5: Informationen erheben und die Diagnose formulieren
Im Pflegealltag folgt auf das Assessment die Einordnung von Ressourcen, Problemen und Risiken. Danach wird die Diagnose formuliert. Diese ersten fünf Schritte gehören eng zusammen und laufen oft wie in einem Zug ab.
Dabei werden Informationen aus Anamnese, Beobachtung und Gespräch zusammengeführt. Anschließend prüfen Pflegende, welche Ressourcen vorhanden sind, wo Probleme bestehen und welche Risiken beachtet werden müssen. Danach wird die passende Diagnoseart gewählt und die Diagnose mit Ursache, Merkmalen und Ressourcen formuliert.
Wichtig ist: Die erfassten Ressourcen bleiben nicht bei der Einschätzung stehen. Sie fließen direkt in Ziel, Maßnahme und Evaluation ein.
Schritte 6 bis 8: Ziele festlegen, Maßnahmen ableiten, Evaluation planen
Ein POP-Ziel beschreibt einen beobachtbaren, realistischen und terminierten Zustand oder ein Verhalten. Es baut auf vorhandenen Ressourcen auf. Anders gesagt: Das Ziel setzt nicht nur beim Defizit an, sondern auch bei dem, was die pflegebedürftige Person schon kann.
Die Maßnahmen werden aus der pflegerelevanten Ursache abgeleitet und müssen zur Person passen. Was auf dem Papier gut klingt, bringt im Alltag wenig, wenn es nicht zur Situation, zu den Fähigkeiten oder zum Umfeld passt.
Die Evaluation prüft zum festgelegten Datum anhand klarer Kriterien, ob das Ziel erreicht wurde. Geplant wird sie mit Datum, Kriterien und erwarteten Ergebnissen.
Wie das in der Dokumentation aussieht, zeigt das folgende Praxisbeispiel.
Wie diese Schritte in der Praxis zusammenspielen, zeigt das folgende Beispiel.
Praxisbeispiel: Eingeschränkte Mobilität nach Hüftoperation
POP im Vergleich mit NANDA-I, Grenzen und digitale Unterstützung

POP vs. NANDA-I: Struktur und praktischer Einsatz
Nach dem Praxisbeispiel kommt schnell die nächste Frage auf: Welches Diagnosesystem lässt sich in der Pflegeplanung am besten nutzen? Neben POP ist auch die Pflegeplanung mit ATL ein verbreiteter Ansatz.
POP und NANDA-I verfolgen unterschiedliche Ansätze. POP ist deutschsprachig und stärker auf die Pflegeplanung im Alltag ausgerichtet. NANDA-I ist international verbreitet und deutlicher standardisiert. Am Ende zählt vor allem, dass das gewählte System zur Sprache, zum Pflegeprozess und zum Team passt.
Der Unterschied im Einsatz zeigt sich vor allem bei drei Punkten:
- Sprache: POP arbeitet mit deutschsprachiger Terminologie, was den Zugang im Pflegealltag oft erleichtert.
- Standardisierung: NANDA-I ist stärker normiert und wird auch international öfter genutzt.
- Dokumentationslogik: POP ist näher an der praktischen Pflegeplanung, während NANDA-I meist stärker über feste diagnostische Strukturen läuft.
Vorteile und Grenzen von POP in der stationären Pflege
Pflegefachpersonen müssen jeden Einzelfall fachlich beurteilen und Ziele sowie Maßnahmen passend zur Situation anpassen. Genau da zeigt sich auch, was POP gut kann – und wo Grenzen liegen.
| Vorteile | Grenzen |
|---|---|
| Unterstützt die strukturierte Ableitung von Zielen und Maßnahmen | Erfordert Schulung und bleibt auf fachliche Beurteilung angewiesen |
| Klarer Vorteil gegenüber NANDA-I durch direkten Alltagsbezug | Gefahr schematischer Dokumentation |
| Deutschsprachige Terminologie | Individuelle Anpassung erforderlich |
| Unterstützt digitale Pflegedokumentation | Schnittstellen und Auswertbarkeit müssen berücksichtigt werden |
POP hilft also dabei, Pflegeplanung nah am Alltag zu formulieren. Das ist im stationären Bereich oft ein Pluspunkt, weil Teams schneller mit der Begriffswelt arbeiten können. Gleichzeitig gilt: Kein System nimmt die fachliche Entscheidung ab. Wer nur Bausteine anklickt, dokumentiert zwar etwas – plant aber noch nicht automatisch gut.
Wie Software die POP-Dokumentation unterstützen kann
Digitale Systeme können Assessment, Diagnosen, Ressourcen, Ziele und Maßnahmen in einem Ablauf zusammenführen. Das spart Wege in der Doku und macht Zusammenhänge schneller sichtbar. Gute Systeme zeigen dabei klar, welche Angaben direkt dokumentiert wurden und welche Vorschläge die Software ergänzt hat [1]. So bleibt die fachliche Entscheidung bei der Pflegefachperson.
dexter health unterstützt Pflegeeinrichtungen dabei, strukturierte Pflegedokumentation und Pflegeplanung in einem Ablauf abzubilden – von der POP-Diagnose über Ressourcen und Ziele bis zur Evaluation.
Mehr dazu, wie digitale Pflegedokumentation POP-Strukturen abbildet, zeigt unsere Lösung für die Pflegeplanung.
FAQs
Was ist POP?
POP ist das Gesamtsystem der Pflegediagnostik.
Es hilft Pflegefachkräften, Ressourcen, Beeinträchtigungen, Risiken und Entwicklungsmöglichkeiten systematisch zu erfassen. Auf dieser Basis lassen sich passende Pflegeziele und Maßnahmen ableiten.
Was ist POP2?
POP2 ist die überarbeitete Fassung der Pflegediagnosen im POP-System. Es ist kein eigenes System, sondern ein Teil des Gesamtsystems POP.
Wichtig ist auch dieser Punkt: Eine neue Buchauflage heißt nicht automatisch, dass es auch eine neue Klassifikationsversion gibt.
Welche Diagnosearten gibt es?
Es gibt drei Diagnosearten:
- aktuelle Pflegediagnose
- Risikopflegediagnose
- Gesundheitspflegediagnose
Sie sind nicht alle gleich aufgebaut. Genau da liegt oft der Knackpunkt.
Die aktuelle Pflegediagnose folgt dem Schema P/Ä/S/R.
Die Risikopflegediagnose wird nach P/RF/R formuliert.
Die Gesundheitspflegediagnose nutzt P/R.
Kurz gesagt: Je nach Diagnoseart ändern sich die Bausteine der Formulierung.
Wie ist eine POP-Pflegediagnose aufgebaut?
Eine POP-Pflegediagnose ist je nach Diagnoseart unterschiedlich aufgebaut:
- Aktuelle Pflegediagnose: P/Ä/S/R
- Risikopflegediagnose: P/RF/R
- Gesundheitspflegediagnose: P/R
Dabei steht:
- P für Pflegephänomen
- Ä für pflegerelevante Ursache
- S für Symptome oder Merkmale
- RF für Risikofaktoren
- R für Ressourcen
Kurz gesagt: Je nach Art der Pflegediagnose werden andere Bausteine genutzt. So lässt sich die Situation klar und sauber beschreiben.
Was unterscheidet POP von NANDA-I?
POP und NANDA-I sind nicht dasselbe, sondern zwei verschiedene Systeme der Pflegediagnostik.
NANDA-I ist ein international genutztes Klassifikationssystem für Pflegediagnosen. Es liefert standardisierte Begriffe und Definitionen, mit denen Pflegende Probleme, Ressourcen und Risiken klar benennen können.
POP wird dagegen als eigenes Strukturierungs- oder Dokumentationsmodell in der Pflege genutzt, je nach Einrichtung und Kontext. Es verfolgt also einen anderen Ansatz als NANDA-I und ist kein Synonym dafür.
Kurz gesagt:
- NANDA-I = standardisierte Pflegediagnosen
- POP = anderes System bzw. anderes Modell der pflegerischen Erfassung und Darstellung
Wenn eine FAQ die Frage nach dem Unterschied zwischen POP und NANDA-I beantworten soll, muss sie sich auf Pflegediagnostik beziehen und nicht auf fachfremde Themen wie Klimawandel.
Kann Software bei der Anwendung helfen?
Ja. Software kann die Anwendung dabei unterstützen, Informationen aus Code, Dokumentation, Bildern und anderen Dateien zu ordnen und als abfragbaren Wissensgraphen bereitzustellen.
Dadurch lassen sich Inhalte gezielt per Abfrage nutzen, zum Beispiel um Zusammenhänge nachzuverfolgen oder Konzepte zu erklären. Die fachliche Anwendung selbst ersetzt die Software aber nicht.






