
PESR macht aus SIS‑Beobachtungen prüfbare Pflegediagnosen: Problem, Ursachen, messbare Symptome und Ressourcen klar trennen.
Kurz gesagt: Mit dem PESR-Schema formuliere ich Pflegediagnosen so, dass sie im Team nutzbar, in der Doku prüfbar und für den Medizinischen Dienst nachvollziehbar sind. Ich halte dabei immer vier Punkte fest: Problem, Einflussfaktoren, Symptome und Ressourcen. Der Punkt mit den Ressourcen wird oft vergessen - in 34 % fehlerhafter Pflegepläne fehlt er ganz oder ist zu schwach.
Wenn ich PESR sauber nutze, trenne ich:
Das hilft mir vor allem bei Themen wie:
Worauf ich achte:
Ein einfacher Merksatz ist:
Ich formuliere: [Name] hat [Problem] aufgrund von [E], erkennbar an [S], und hat als Ressource [R].
Typische Fehler sind:
Auch digitale Hilfe spielt hier eine Rolle: In einer Studie mit 52 Pflegefachkräften in 14 Einrichtungen sank die Dokumentationszeit bei sprachbasierter Doku im Schnitt um 27 %.
Im Kern gilt für mich: PESR macht aus einzelnen Beobachtungen eine klare Pflegediagnose. Genau darum geht es im Artikel.
PESR-Schema: 4 Schritte zur richtigen Pflegediagnose
Aus den SIS-Ergebnissen lassen sich die vier PESR-Bausteine gut ableiten: P = Problem, E = Einflussfaktoren, S = Symptome, R = Ressourcen. Die SIS-Befunde werden dabei Schritt für Schritt in diese vier Teile übersetzt.
Das Problem ist der Diagnosetitel. Er bleibt kurz, fachlich sauber und kommt ohne Begründung aus. Typische Formulierungen sind eingeschränkte Mobilität, erhöhtes Sturzrisiko oder Risiko der Dehydration. Medizinische Diagnosen gehören nur dann an diese Stelle, wenn daraus ein Pflegeproblem entsteht, zum Beispiel Schmerz oder ein Selbstversorgungsdefizit.
Die Einflussfaktoren erklären, warum das Problem vorliegt. Sie leiten sich aus SIS-Befunden, Assessments und der Pflegeanamnese ab. Dazu zählen zum Beispiel Arthrose, Sturzangst oder Muskelschwäche. Wichtig ist: Jeder Einflussfaktor muss erkennbar zum Problem passen. Pauschale Angaben helfen hier nicht weiter.
So werden aus einzelnen SIS-Infos vollständige PESR-Sätze, die im Pflegealltag tragen.
Symptome sind alle Anzeichen, die das Team direkt sehen, messen oder dokumentieren kann. Aussagen wie „läuft schlecht“ oder „trinkt kaum“ sind dafür zu ungenau. Besser sind klare Formulierungen wie Transfer vom Bett zum Stuhl nur mit Unterstützung von 1 Pflegekraft möglich, tägliche Trinkmenge durchschnittlich 700–900 ml oder NRS-Schmerzskala 6/10 bei Belastung. Auch Zeiträume und Häufigkeiten machen Einträge besser nachvollziehbar, etwa 3 Stürze seit April 2026.
Die Ressourcen zeigen, was die Bewohnerin oder der Bewohner trotz des Problems noch kann oder wobei Hilfe aus dem Umfeld da ist. Formuliert werden sie als positive, nutzbare Stärken: setzt Rollator sicher ein, trinkt gerne warmen Tee am Nachmittag, Tochter bringt täglich Lieblingsgetränke mit, kooperativ bei Mobilisationsmaßnahmen. Genau darauf bauen passende Pflegemaßnahmen auf.
Die Übersicht zeigt auf einen Blick, was in welchen Teil gehört – und was nicht.
| Bestandteil | Worum es geht | Typische Formulierung | Nicht hier |
|---|---|---|---|
| P | Pflegeproblem/Diagnosetitel | „eingeschränkte Mobilität" | Ursachen oder Maßnahmen |
| E | Einflussfaktoren/Ursachen | „bedingt durch Schmerzen bei Arthrose" | Symptome oder Ressourcen |
| S | Symptome/Anzeichen | „Transfer nur mit 1 Pflegekraft möglich" | allgemeine Vermutungen |
| R | Ressourcen/Stärken | „nutzt Rollator sicher" | Defizite statt Fähigkeiten |
Die PESR-Pflegediagnose entsteht in drei Schritten: SIS-Befunde sammeln, nach Pflegeproblem ordnen und dann als PESR-Satz formulieren. Die Reihenfolge ist klar. Das macht die Sache im Alltag viel leichter.
Zuerst werden alle Hinweise zu demselben Pflegeproblem zusammengezogen. Dazu können zum Beispiel Gangunsicherheit, Sturzangst und bereits dokumentierte Stürze gehören. Wenn diese Infos gebündelt sind, lässt sich daraus der Satz im PESR-Schema bilden.
Ein einfaches Satzmuster sieht so aus:
[Name/Initialen] hat [Problem] aufgrund von [E], erkennbar an [S], und hat als Ressource [R].
So kann das in der Praxis klingen:
Frau S. hat ein erhöhtes Risiko für Dehydratation aufgrund verminderten Durstempfindens und Kau-/Schluckbeschwerden, erkennbar an Trinkmengen unter 800 ml pro Tag und trockener Mundschleimhaut; Ressourcen sind ihre gute Kooperation beim angeleiteten Trinken und die motivierende Unterstützung der Tochter.
Der Satz bringt alles an einen Ort: das Pflegeproblem, die Gründe dafür, die beobachtbaren Zeichen und das, worauf die Pflege aufbauen kann. Genau das ist der Punkt.
Danach folgt nur noch ein kurzer Plausibilitätscheck. Prüfen Sie:
Schwammige Formulierungen wie „trinkt wenig“ oder „läuft unsicher“ helfen kaum weiter. Erst konkrete Angaben machen ein Symptom prüfbar. Zum Beispiel: „tägliche Trinkmenge durchschnittlich 700–900 ml“, „zwei dokumentierte Stürze in den letzten sechs Wochen“ oder „Schmerzangabe 6/10 nach NRS bei Belastung“.
Solche Angaben aus Pflegebericht oder Pflegedokumentation machen die Diagnose nachvollziehbar und prüfbar[1][2]. So steht am Ende nicht nur ein korrekter Satz, sondern auch eine Formulierung, die in der Doku trägt.
Im Pflegealltag zeigt PESR besonders gut, was es leisten kann. Das Schema bleibt gleich, aber die Formulierungen passen sich der jeweiligen Situation an. So werden aus SIS-Befunden klare und nutzbare PESR-Aussagen.
P: eingeschränkte Mobilität mit erhöhtem Sturzrisiko bei Transfers und beim Gehen.
E: Arthrose, Schmerzen, Muskelschwäche, Schwindel, Sturzangst.
S: breitbasiger, verlangsamter Gang, Festhalten an Möbeln, Schonhaltung, NRS 7/10 bei Belastung.
Wichtig dabei: Bei Risikodiagnosen sollten keine Symptome dazuerfunden werden. Stattdessen gehören die Risikofaktoren und die Auslöser in die Formulierung.
R: Rollator-Nutzung, Mobilisationsbereitschaft, ausreichende Oberkörperkraft, Klingeln bei Bedarf.
Das gleiche Muster funktioniert auch bei Ernährung und Kognition. Die Beobachtungen ändern sich, die PESR-Struktur nicht.
Bei Ernährung und Flüssigkeit kommt es auf messbare Angaben, den Verlauf und klare Beobachtungszeichen an.
P: Gefährdung des Ernährungszustands und Dehydrationsrisiko durch stark verminderte Nahrungs- und Flüssigkeitsaufnahme.
E: nachlassender Essantrieb, fehlendes Durstempfinden, Schluckstörungen.
S: unter 50 % der Portionen, Trinkmenge unter 800 ml/Tag, Gewichtsverlust 2 kg in 4 Wochen, trockene Mundschleimhäute.[3]
Bei kognitiven Einschränkungen kommen oft noch andere Zeichen dazu: zeitliche und örtliche Desorientierung, wiederholtes Verlaufen im Wohnbereich, fehlende Gefahreneinschätzung bei Wegstrecken oder Schwellen.
R: Vorlieben für bestimmte Speisen, positive Reaktionen auf vertraute Tagesrituale, nonverbale Kommunikationsfähigkeit, Angehörige unterstützen regelmäßig.
Die folgende Tabelle fasst häufige Formulierungen für S und R zusammen.
| Thema | Typische Symptome (S) | Typische Ressourcen (R) |
|---|---|---|
| Mobilität / Schmerzen | Schonhaltung, NRS 7/10, breitbasiger Gang | Rollator-Nutzung, Mobilisationsbereitschaft, Oberkörperkraft |
| Sturzrisiko | Gangunsicherheit, Schwindel, Sturzangst | Klingeln bei Bedarf, sitzende Position halten, Mitarbeit |
| Ernährung / Flüssigkeit | unter 50 % der Portionen, unter 800 ml/Tag, Gewichtsverlust | Lieblingsspeisen, Essroutine, Hilfestellung akzeptiert |
| Kognition / Demenz | Desorientierung, Verlaufen im Wohnbereich, fehlende Gefahreneinschätzung | Vertraute Routinen, Angehörige, einfache Anweisungen verstehen |

Beim Übertragen von SIS-Befunden in PESR tauchen vor allem drei Fehler immer wieder auf – ähnlich wie bei der Pflegeplanung mit ATL.
Am häufigsten ist das Problem zu ungenau formuliert. Aussagen wie „erhöhter Pflegebedarf" oder „allgemein unruhig" benennen kein pflegerisches Phänomen, das sich sauber planen oder bewerten lässt. Besser ist eine klare Formulierung wie: erhöhtes Sturzrisiko bei eingeschränkter Mobilität.
Auch das Vermischen von medizinischen und pflegerischen Diagnosen passiert oft. Herzinsuffizienz NYHA III gehört nicht als Pflegediagnose in die Pflegeplanung. Die Pflegediagnose soll zeigen, was das im Alltag bedeutet, zum Beispiel: Belastungsdyspnoe mit eingeschränkter Aktivität. Genauso schwierig ist es, mehrere Probleme in eine einzige PESR-Aussage zu packen. Wenn Mobilität, Schmerz und Kognition in einer Diagnose landen, wird später unklar, was sich gebessert hat und was nicht.
Besonders oft fehlt der Teil zu den Ressourcen. In 34 % der fehlerhaften Pflegepläne ist er gar nicht oder nur unzureichend enthalten. Psychische Ressourcen werden in 72 % der Fälle nicht im Pflegeziel verankert.[4] Statt „Ressourcen: keine" sollte die Doku genau benennen, was ein Bewohner noch kann und was er möchte. Zum Beispiel: motiviert, täglich zu üben oder kann mit Erinnerung den Hausnotruf nutzen.
An genau dieser Stelle kann digitale Hilfe den Alltag spürbar entlasten.
dexter health ist eine KI-gestützte Dokumentationslösung für stationäre Pflegeeinrichtungen in Deutschland. Pflegekräfte diktieren ihre Beobachtungen direkt nach dem Kontakt mit dem Bewohner per Sprache. Der SIS-Assistent ordnet die Angaben automatisch den vier PESR-Bestandteilen zu.
Ein einfaches Beispiel: Eine Pflegefachkraft sagt, dass eine Bewohnerin unsicher beim Aufstehen ist, Schmerzen im Knie hat und trotzdem in den Speisesaal gehen möchte. Das System schlägt daraus eine PESR-Formulierung mit P, E, S und R vor.
Fehlt ein Baustein, gibt das System einen Hinweis. Es erinnert dann daran, Ressourcen oder weitere Beobachtungen zu ergänzen. So werden lückenhafte Einträge abgefangen, bevor sie gespeichert werden. Das System merkt auch, wenn ein medizinischer Begriff als Pflegediagnose eingetragen wird, und schlägt eine pflegerisch passende Alternative vor. Die Einträge lassen sich ohne Doppeldokumentation übernehmen.
Eine Charité-Studie mit 52 Pflegefachkräften in 14 stationären Einrichtungen über 770 Arbeitsstunden zeigte, dass sprachbasierte Dokumentation die Dokumentationszeit im Schnitt um 27 % senkt.[6][5]
PESR macht Pflegediagnosen klar, nachvollziehbar und für das Team gut nutzbar. Wer Problem, Einflussfaktoren, Symptome und Ressourcen sauber trennt und konkret formuliert, erstellt Pflegepläne, die im Alltag verständlich bleiben, Prüfungen des Medizinischen Dienstes standhalten und aktivierende Pflege sichtbar machen. Digitale Unterstützung hilft, diese Regeln im Tagesgeschäft konsequent umzusetzen.
Das PESR-Schema nutzen Sie, wenn Sie ein pflegerisches Problem dokumentieren. Damit halten Sie Ursachen, Anzeichen und vorhandene Ressourcen klar und geordnet fest.
Für tägliche Routineaufgaben ist es dagegen nicht gedacht, wenn diese bereits im Basismaßnahmenplan stehen. Im SIS-Modell geht es vor allem um Abweichungen vom geplanten Pflegeprozess - nicht darum, jeden einzelnen Handgriff doppelt zu beschreiben.
Bei Risikodiagnosen geht es um Vorbeugung. Es liegt noch kein aktuelles Problem vor. Im Bereich Problem wird deshalb die mögliche Gefahr benannt, zum Beispiel Sturzgefahr oder Dekubitusgefahr.
Die Einflussfaktoren beschreiben, wodurch dieses Risiko entsteht. Dazu zählen etwa eine eingeschränkte Mobilität oder Gleichgewichtsstörungen. Bei den Symptomen werden die Anzeichen genannt, die das Risiko stützen, zum Beispiel ein unsicheres Gangbild. Die Ressourcen zeigen Stärken der betroffenen Person, die das Risiko senken können.
Auch bei stark eingeschränkten Bewohnern gehört es zur aktivierenden Pflege, die Ressourcen genau zu erfassen. Schauen Sie dabei nicht nur auf das, was jemand nicht mehr kann. Achten Sie auch auf nonverbale Signale wie Mimik, Gestik und Körpersprache. Halten Sie fest, wie die Person auf Reize reagiert.
Beziehen Sie außerdem Angehörige oder frühere Pflegepersonen ein. Sie kennen oft kleine Gewohnheiten, Reaktionen und Fähigkeiten, die im Alltag leicht untergehen.
Dokumentieren Sie verbliebene Teilfunktionen so objektiv wie möglich, zum Beispiel:
So entsteht ein klareres Bild davon, was noch möglich ist und woran die Pflege anknüpfen kann.
KI für die Pflege. Von Sprachdokumentation bis zu KI-Dienstplanung. Wir sorgen dafür, dass Pflegekräfte mehr Zeit haben.