Dekubitus Grad 2 bis 4: erkennen und richtig beschreiben

Merkmale von Dekubitus Grad 2, 3 und 4 nach internationaler Leitlinie und DNQP-Expertenstandard, mit Abgrenzung zur IAD, Wunddokumentation und Formulierungsbeispielen.
Ein Dekubitus Grad 2 ist ein Teilverlust der Haut bis in die Dermis: eine flache, offene Wunde mit rosa-rotem Wundgrund ohne Beläge oder eine serumgefüllte Blase. Bei Grad 3 fehlt die Haut vollständig und Fettgewebe kann sichtbar sein. Bei Grad 4 liegen Knochen, Sehnen oder Muskeln frei oder sind direkt tastbar.
Dieser Beitrag zeigt die Merkmale jedes Grades nach der internationalen Leitlinie von EPUAP, NPIAP und PPPIA, die Abgrenzung zu anderen Hautschäden und die Angaben, die in jede Wunddokumentation gehören.
Einteilung: Grad, Kategorie und Stadium
Die internationale Leitlinie von EPUAP, NPIAP und PPPIA unterscheidet 6 Kategorien: Kategorie 1 bis 4, nicht klassifizierbar und vermutete tiefe Gewebeschädigung. Sie spricht von "Kategorie/Stadium". Im Pflegealltag ist "Grad" üblich. Die ICD-10-GM (L89) verwendet "Stadium". Gemeint ist jeweils dasselbe: das Ausmaß des sichtbaren Gewebeverlusts.
Die 3. Auflage der Leitlinie erschien 2019 und liegt auf Deutsch als Kurzfassung vor. Das Kapitel zur Klassifikation der 4. Auflage wurde im September 2026 veröffentlicht. Es behält die 6 Kategorien bei. Der DNQP-Expertenstandard Dekubitusprophylaxe in der Pflege (2. Aktualisierung 2017) übernimmt die Definition der internationalen Leitlinie: Ein Dekubitus ist eine lokal begrenzte Schädigung der Haut und/oder des darunterliegenden Gewebes, typischerweise über knöchernen Vorsprüngen, infolge von Druck oder Druck in Verbindung mit Scherkräften.
Wie Sie eine Rötung im Anfangsstadium sicher einordnen, erklärt der Beitrag Dekubitus im Anfangsstadium erkennen und richtig handeln.
Merkmale von Dekubitus Grad 2 bis 4 im Überblick
| Grad | Gewebe | Typisches Bild | Abgrenzung |
|---|---|---|---|
| Grad 1 (zur Einordnung) | Haut intakt | Nicht wegdrückbare Rötung, meist über einem Knochenvorsprung | Wegdrückbare Rötung ist kein Dekubitus. Entlasten Sie die Stelle trotzdem und prüfen Sie sie erneut. Eine violette oder kastanienbraune Verfärbung spricht für eine tiefe Gewebeschädigung. |
| Grad 2 | Teilverlust der Haut bis in die Dermis | Flache, offene Wunde mit rosa-rotem, feuchtem oder glänzendem Wundgrund ohne Beläge und ohne Bluterguss oder intakte bzw. offene serumgefüllte Blase | Keine Beläge, kein Fettgewebe sichtbar. Hautrisse, Pflasterschäden und IAD sind kein Grad 2. Ein Bluterguss spricht für eine tiefe Gewebeschädigung. |
| Grad 3 | Vollständiger Verlust der Haut | Fettgewebe kann sichtbar sein, Beläge möglich, Unterminierung und Taschen möglich | Knochen, Sehnen und Muskeln sind nicht sichtbar und nicht tastbar |
| Grad 4 | Vollständiger Gewebeverlust | Knochen, Sehnen oder Muskeln liegen frei oder sind direkt tastbar, oft Beläge, Nekrosen, Unterminierung, Tunnel | Freiliegende tiefe Strukturen unterscheiden Grad 4 von Grad 3 |
| Nicht klassifizierbar | Vollständiger Gewebeverlust, Tiefe unbekannt | Wundgrund von Belägen oder Schorf bedeckt | Erst nach Freilegung des Wundgrunds einstufbar, meist Grad 3 oder 4 |
| Vermutete tiefe Gewebeschädigung | Schaden im Weichgewebe unter der Haut, Tiefe unbekannt | Nicht wegdrückbare, livide, dunkelrote oder rötlich-braune Verfärbung intakter Haut oder blutgefüllte Blase | Blutgefüllte Blase ist kein Grad 2 |
Merkmale je Grad im Detail
Dekubitus Grad 2: Teilverlust der Haut
Die Haut ist bis in die Dermis geschädigt. Die Wunde ist flach und offen. Der Wundgrund ist rot bis rosa, feucht oder glänzend. Beläge, Nekrosen und Fettgewebe sind nicht zu sehen. Ein Dekubitus Grad 2 kann sich auch als intakte oder aufgeplatzte Blase mit klarer Flüssigkeit zeigen.
Die internationale Leitlinie (4. Auflage 2026) weist auf eine Ausnahme hin: Gelegentlich ist der Wundgrund bei Grad 2 gelblich-weiß, weil die untere Schicht der Dermis freiliegt. Das kann mit Belägen bei Grad 3 verwechselt werden. Haarfollikel im Wundgrund und die geringe Tiefe sprechen dann für Grad 2. Grad 2 heilt in der Regel durch Epithelisierung. Granulationsgewebe gehört zu tieferen Wunden.
Dekubitus Grad 3: Vollständiger Verlust der Haut
Alle Hautschichten fehlen. Subkutanes Fettgewebe kann sichtbar sein. Knochen, Sehnen und Muskeln liegen nicht frei und sind nicht direkt tastbar. Beläge können vorhanden sein, verdecken aber nicht die Tiefe der Wunde. Unterminierungen und Taschen sind möglich.
Dekubitus Grad 4: Vollständiger Gewebeverlust
Knochen, Sehnen oder Muskeln liegen frei oder sind direkt tastbar. Beläge oder Schorf können auf Teilen des Wundgrunds liegen. Unterminierungen und Tunnel sind häufig. Die Wunde kann sich auf Faszie, Sehnen oder Gelenkkapsel ausdehnen. Dann ist eine Osteomyelitis möglich.
Nicht klassifizierbar: Tiefe unbekannt
Beläge (gelb, hellbraun, grau, grün oder braun) oder Schorf bedecken den Wundgrund. Die wirkliche Tiefe und damit der Grad lassen sich nicht feststellen. Die Leitlinie nennt diese Kategorie "keiner Kategorie/keinem Stadium zuordenbar". Stabiler Schorf an der Ferse (trocken, fest haftend, intakt, ohne Rötung und ohne Fluktuation) dient als natürlicher Schutz. Er wird weder aufgeweicht noch entfernt. Das gilt auch für schlecht durchblutete Beine. Bei Zeichen einer Infektion entscheidet die Ärztin oder der Arzt über das Vorgehen. Bei Wunden an Fuß und Ferse gehört eine Abklärung der Durchblutung dazu.
Vermutete tiefe Gewebeschädigung
Die Haut ist intakt und nicht wegdrückbar livide, dunkelrot oder rötlich-braun verfärbt, oder es zeigt sich eine blutgefüllte Blase. Das Gewebe kann vorher schmerzhaft, fest, weich, wärmer oder kühler sein als die Umgebung. Die Wunde kann sich auch bei guter Versorgung schnell verändern und tiefere Schichten freilegen. Auf dunkler Haut ist die Verfärbung schwerer zu erkennen.
Regeln für die Einstufung
- Das sichtbare Gewebe bestimmt den Grad. Die Tiefe in Zentimetern reicht als Kriterium nicht aus. Nasenrücken, Hinterkopf, der Bereich hinter dem Ohr, Kreuzbein und Knöchel haben wenig Fettgewebe. Ein Grad 4 kann dort flach sein. Am Gesäß kann ein Grad 3 sehr tief sein.
- Nicht zurückstufen. Granulationsgewebe ersetzt keinen Muskel und keinen Knochen. Ein heilender Grad 4 bleibt "heilender Dekubitus Grad 4".
- Neu einstufen, wenn der Wundgrund sichtbar wird. Nach einem Débridement wird ein nicht klassifizierbarer Dekubitus nach dem sichtbaren Gewebe eingestuft. Das gilt auch für eine vermutete tiefe Gewebeschädigung, die aufbricht.
- Dekubitus durch Hilfsmittel wie Sonden, Katheter oder Schienen werden nach demselben System eingestuft.
- Schleimhaut wird nicht eingestuft. Ein Druckschaden an Lippe, Nase innen oder Harnröhre wird dokumentiert, aber keinem Grad zugeordnet.
- Ein Klassifikationssystem verwenden. Die Leitlinie empfiehlt, in der Einrichtung durchgehend dasselbe Klassifikationssystem zu verwenden.
Abgrenzung zur inkontinenzassoziierten Dermatitis
Die inkontinenzassoziierte Dermatitis (IAD) wird leicht mit Dekubitus Grad 2 verwechselt. Die IAD entsteht von außen: Urin, Stuhl, Feuchtigkeit und Reibung schädigen die oberste Hautschicht. Ein Dekubitus entsteht überwiegend von innen: Druck und Scherkräfte schädigen das tiefere Gewebe.
| Merkmal | Dekubitus | IAD |
|---|---|---|
| Ursache | Druck, Scherkräfte | Kontakt mit Urin oder Stuhl |
| Lage | Über Knochenvorsprüngen oder unter Hilfsmitteln | Damm, Genitalbereich, um den After, Gesäßfalte, Gesäß, Leisten, Oberschenkel. Kann sich über das Kreuzbein und die Rückseite der Oberschenkel ausdehnen. |
| Form und Rand | Meist umschrieben, klar begrenzt | Diffus, fleckig, unscharf begrenzt |
| Tiefe | Von intakter Haut bis zum vollständigen Gewebeverlust | Oberflächlich, von Rötung bis zur nässenden, offenen Haut |
| Beschwerden | Schmerz | Brennen, Stechen, Juckreiz, Schmerz |
Beide Schäden können an derselben Stelle gleichzeitig auftreten. Dann zeigt oft erst der Verlauf unter Behandlung über einige Tage, zum Beispiel 3 bis 5 Tage, was vorliegt. Die internationale Best-Practice-Empfehlung zur IAD (2026) rät bei unklarer Ursache, sofort Maßnahmen gegen beide Schäden umzusetzen: Hautschutz, weniger Feuchtigkeit, weniger Reibung, Druckentlastung.
Fingertest: Rötung prüfen
Der Fingertest gehört zur Einschätzung von Grad 1. Drücken Sie kurz mit dem Finger auf die Rötung und lassen Sie los. Wird die Stelle blass und rötet sich dann wieder, ist die Rötung wegdrückbar. Bleibt sie rot, ist sie nicht wegdrückbar und spricht für einen Dekubitus Grad 1. Alternativ drücken Sie eine durchsichtige Scheibe oder einen Glasspatel auf die Stelle. Auf dunkler Haut ist eine Rötung oft nicht sichtbar. Achten Sie dort auf Temperatur, Schwellung, Festigkeit des Gewebes und Schmerz.
Was bei Verdacht auf Dekubitus Grad 2 bis 4 zu tun ist
- Sofort entlasten. Die betroffene Stelle vollständig freilagern und die Position regelmäßig wechseln. Bei Bedarf ein geeignetes druckverteilendes Hilfsmittel einsetzen.
- Ärztin oder Arzt informieren. Diagnose, Wundart und Therapie werden ärztlich festgelegt. Bei Infektionszeichen oder Verschlechterung zeitnah informieren.
- Pflegerische Fachexpertise hinzuziehen. Der DNQP-Expertenstandard Pflege von Menschen mit chronischen Wunden empfiehlt, für die erste Einschätzung pflegerische Fachexpertise hinzuzuziehen, zum Beispiel eine Wundexpertin. Der Standard definiert chronische Wunden als Wunden, die innerhalb von 8 Wochen nicht abheilen, und nennt den Dekubitus als eine der Wundarten.
- Risiko neu einschätzen. Mobilität, Ernährung, Kontinenz und Hautzustand prüfen und die Maßnahmenplanung anpassen.
- Schmerz einschätzen. Schmerzen bei Verbandwechsel und Positionierung erfragen und dokumentieren.
- Wunde beschreiben und dokumentieren. Mit den Angaben aus dem nächsten Abschnitt.
Diese Angaben gehören in die Wunddokumentation
Die Leitlinie empfiehlt, bei jeder Beurteilung Wundgrund, Wundumgebung und Weichgewebe zu beschreiben. Folgende Angaben empfehlen sich für jeden Eintrag:
- Datum, Uhrzeit, Handzeichen
- Wundart und Grad nach dem System der Einrichtung, bei Heilung "heilender Dekubitus Grad 3" oder "Grad 4"
- Lokalisation genau benennen, zum Beispiel "Sakrum", "Ferse links", "Trochanter major rechts"
- Entstehungsort: Pflegeeinrichtung, Krankenhaus, zuhause vor dem Einzug oder woanders. Dazu das Datum der Erstfeststellung und später das Datum der Abheilung.
- Größe: Länge × Breite × Tiefe in cm, immer mit derselben Methode. Eine übliche Methode: Länge in Kopf-Fuß-Richtung, Breite im rechten Winkel dazu. Legen Sie die Methode im Wundstandard der Einrichtung fest. Messen Sie immer in derselben Lagerung.
- Unterminierung und Tunnel mit Tiefe in cm und Richtung nach der Uhr (12 Uhr zeigt zum Kopf)
- Wundgrund: Gewebeart in Prozent, zum Beispiel Granulation, Fibrin, Nekrose, sichtbares Fettgewebe, Knochen oder Sehne
- Exsudat: Menge, Farbe, Konsistenz
- Geruch
- Wundrand: zum Beispiel intakt, mazeriert, gerötet, unterminiert
- Wundumgebung: zum Beispiel Rötung, Überwärmung, Schwellung, Verhärtung
- Infektionszeichen
- Schmerz mit Skala, zum Beispiel NRS 0 bis 10
- Maßnahmen: Wundversorgung nach Anordnung, Entlastung, Information von Arzt und Wundexpertin
Beurteilen Sie einen Dekubitus nach der Leitlinie mindestens 1-mal pro Woche. Zeigt er trotz passender Versorgung innerhalb von 2 Wochen keine Heilungszeichen, ist eine umfassende Neubeurteilung nötig. Der DNQP-Expertenstandard Pflege von Menschen mit chronischen Wunden sieht vor, die Wirksamkeit aller Maßnahmen spätestens nach 4 Wochen zu überprüfen. Für die halbjährliche Erhebung der Qualitätsindikatoren in der vollstationären Pflege brauchen Sie aus der Dokumentation 3 Angaben: das maximale Stadium im Erhebungszeitraum, Beginn und Ende jedes Dekubitus und den Entstehungsort (Pflegeeinrichtung, Krankenhaus, zuhause vor dem Einzug oder woanders). Ein nicht klassifizierbarer Dekubitus und eine vermutete tiefe Gewebeschädigung werden dort als "unbekannt" erfasst. Wie Sie Veränderungen im Zeitverlauf formulieren, lesen Sie im Beitrag Wundverlauf beschreiben.
Formulierungsbeispiele je Grad
Dekubitus Grad 2
"Dekubitus Grad 2 an der rechten Ferse, in der Einrichtung entstanden. Länge 2,5 cm, Breite 1,8 cm, flach. Wundgrund rosa-rot, feucht, keine Beläge, keine Nekrose. Geringes seröses Exsudat, geruchlos. Wundrand intakt, keine Mazeration. Wundumgebung leicht gerötet, wegdrückbar. Schmerz NRS 3. Ferse freigelagert, Hausärztin informiert."
Als Blase: "Intakte Blase an der linken Ferse, 2,0 × 1,5 cm, mit klarer Flüssigkeit gefüllt. Umgebung reizlos. Einstufung Dekubitus Grad 2." Ist die Blase mit Blut gefüllt, lautet die Einstufung "vermutete tiefe Gewebeschädigung".
Dekubitus Grad 3
"Dekubitus Grad 3 am Sakrum. Länge 5,2 cm, Breite 4,1 cm, Tiefe 2,0 cm. Subkutanes Fettgewebe sichtbar, keine Knochen, Sehnen oder Muskeln sichtbar oder tastbar. Wundgrund 50 % rot granulierend, 50 % gelb fibrinbelegt. Mäßiges Exsudat, serös-blutig, kein Geruch. Wundrand zwischen 5 und 7 Uhr mazeriert, keine Unterminierung. Wundumgebung trocken, leicht schuppig. Schmerz NRS 5."
Dekubitus Grad 4
"Dekubitus Grad 4 am linken Trochanter major. Länge 7,5 cm, Breite 6,0 cm, Tiefe 4,5 cm, Unterminierung 2 cm zwischen 3 und 5 Uhr. Knochen im Wundgrund tastbar. Wundgrund 30 % rot granulierend, 40 % gelb belegt, 30 % schwarz nekrotisch. Starkes Exsudat, eitrig, übelriechend. Wundrand mazeriert. Wundumgebung gerötet und überwärmt, Rötung 2 cm über den Wundrand hinaus. Schmerz NRS 7. Verdacht auf Infektion, Arzt um 10:30 Uhr informiert. Knochen tastbar, Verdacht auf Osteomyelitis ärztlich abklären lassen."
Nicht klassifizierbar
"Dekubitus Ferse links, nicht klassifizierbar. Wundgrund vollständig von trockener, fest haftender schwarzer Nekrose bedeckt, 3,0 × 2,5 cm. Kein Exsudat, Umgebung ohne Rötung und ohne Schwellung. Ferse freigelagert, Nekrose nicht entfernt, Arzt und Wundexpertin informiert. Fußpulse und Durchblutung ärztlich abklären lassen."
Häufige Fehler bei der Einstufung und Beschreibung
| Fehler | Richtig |
|---|---|
| IAD im Gesäßbereich als Dekubitus Grad 2 eingestuft | Lage, Form und Rand prüfen. Diffuse, unscharfe Rötung in der Gesäßfalte spricht für IAD. |
| Blutgefüllte Blase als Grad 2 eingestuft | Als vermutete tiefe Gewebeschädigung einstufen |
| Grad nur nach Tiefe in cm bestimmt | Nach dem sichtbaren Gewebe einstufen und die Körperstelle berücksichtigen |
| Nekrose bedeckt den Wundgrund, trotzdem Grad 3 oder 4 geschätzt | Als nicht klassifizierbar dokumentieren, bis der Wundgrund sichtbar ist |
| Heilende Wunde zurückgestuft ("jetzt Grad 2") | "Heilender Dekubitus Grad 4" schreiben |
| Hautriss oder Pflasterschaden als Grad 2 dokumentiert | Als eigene Wundart dokumentieren |
| Vage Begriffe wie "sieht besser aus" oder "nässt" | Maße, Gewebeanteile und Exsudat nach Menge, Farbe und Konsistenz angeben |
| Messmethode wechselt zwischen den Einträgen | Immer dieselbe Methode und dieselbe Lagerung beim Messen |
| Wundrand und Wundumgebung fehlen | Bei jedem Eintrag mitbeschreiben |
Häufige Fragen zu Dekubitus Grad 2 bis 4
Woran erkenne ich einen Dekubitus Grad 2?
An einer flachen, offenen Wunde mit rosa-rotem Wundgrund ohne Beläge oder an einer Blase mit klarer Flüssigkeit. Die Wunde liegt meist über einem Knochenvorsprung. Fettgewebe ist nicht sichtbar.
Was ist der Unterschied zwischen Dekubitus Grad 3 und Grad 4?
Bei Grad 3 ist höchstens Fettgewebe sichtbar. Bei Grad 4 liegen Knochen, Sehnen oder Muskeln frei oder sind direkt tastbar. Die Tiefe in Zentimetern allein entscheidet nicht, weil die Gewebedicke je nach Körperstelle stark schwankt.
Heißt es Grad, Kategorie oder Stadium?
Alle 3 Begriffe meinen dasselbe. Die internationale Leitlinie spricht von Kategorie/Stadium, die ICD-10-GM von Stadium, der Pflegealltag meist von Grad. Wichtig ist, dass Ihre Einrichtung ein System einheitlich verwendet.
Darf ein Dekubitus bei der Heilung herabgestuft werden?
Nein. Die Leitlinie rät von einer Rückstufung ab. Ein Dekubitus Grad 4, der granuliert, wird als "heilender Dekubitus Grad 4" dokumentiert.
Wie oft muss ein Dekubitus neu beurteilt werden?
Nach der internationalen Leitlinie mindestens 1-mal pro Woche und bei jeder Veränderung. Der DNQP-Expertenstandard Pflege von Menschen mit chronischen Wunden sieht zusätzlich die regelmäßige Einschätzung der Wundsituation beim Verbandwechsel vor. Zeigen sich nach 2 Wochen keine Heilungszeichen, folgt eine umfassende Neubeurteilung.
Quellen
- NPIAP, EPUAP, PPPIA: Classification. In: Prevention and Treatment of Pressure Ulcers/Injuries: Clinical Practice Guideline. The International Guideline, 4. Auflage, 2026
- EPUAP, NPIAP, PPPIA: Prävention und Behandlung von Dekubitus: Kurzfassung der Leitlinie 2019 (deutsche Übersetzung)
- EPUAP, NPIAP, PPPIA: Prevention and Treatment of Pressure Ulcers/Injuries: Quick Reference Guide, 2019 (englisches Original, Empfehlung 12.4 zu stabilem Schorf)
- DNQP: Expertenstandard Dekubitusprophylaxe in der Pflege, 2. Aktualisierung 2017 (Auszug)
- DNQP: Expertenstandard Pflege von Menschen mit chronischen Wunden, 2. Aktualisierung 2025 (Auszug)
- Beeckman D et al.: Incontinence-Associated Dermatitis: Moving prevention forward. Best Practice Update 2026, Wounds International
- BfArM: ICD-10-GM 2026, L89 Dekubitalgeschwür und Druckzone
- Geschäftsstelle Qualitätsausschuss Pflege: FAQ zu den Maßstäben und Grundsätzen
- Geschäftsstelle Qualitätsausschuss Pflege: Anlage 3 der Maßstäbe und Grundsätze nach § 113 SGB XI in der vollstationären Pflege (Erhebungsbogen, Frage 7 Dekubitus)
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Mit dexter.mobile sprechen Pflegekräfte eine Wundbeschreibung wie in den Beispielen oben direkt nach der Beurteilung ein. Die Angaben landen strukturiert in der Pflegedokumentation.






