
Wie Pflegekräfte KI nutzen, um aus kurzen Stichpunkten DSGVO-konforme, persönliche Biografien für bessere Betreuung zu erstellen.
Lebensgeschichten spielen in der Altenpflege eine zentrale Rolle, besonders bei der Betreuung von Menschen mit Demenz. Sie helfen Pflegekräften, das Verhalten besser zu verstehen und die Pflege individueller zu gestalten. Doch die manuelle Erstellung solcher Biografien ist zeitaufwendig und oft unvollständig. Hier kommt KI ins Spiel: Mithilfe von Tools wie dexter health können aus wenigen Stichpunkten in Minuten komplette Lebensgeschichten entstehen – DSGVO-konform und direkt in die Pflegeplanung integriert. Das spart Zeit und ermöglicht eine persönlichere Betreuung.
Das Wichtigste auf einen Blick:
KI-gestützte Biografiearbeit macht die Pflege effizienter und menschlicher – und schafft Raum für echte Begegnungen.
Bevor Sie mit der Erstellung einer KI-gestützten Biografie beginnen, sollten Sie zunächst alle relevanten Informationen aus den Bewohnerakten zusammentragen. Starten Sie mit grundlegenden Fakten wie Geburtsdatum, Geburtsort und Familienstand, um eine solide Basis zu schaffen. Danach können Sie sich auf persönliche und emotionale Erinnerungen konzentrieren.
Eine chronologische Strukturierung der Daten – etwa nach Lebensphasen wie Kindheit, Jugend, Erwachsenenleben und Berufsleben – erleichtert es der KI, eine zusammenhängende und lebendige Lebensgeschichte zu generieren. Tools wie dexter health können dabei helfen, diese strukturierten Daten effizient zu verarbeiten.
Bei Gesprächen mit den Bewohnern sollten Sie sowohl objektive Fakten als auch subjektive Erlebnisse und deren emotionale Bedeutung erfassen. Stellen Sie Fragen zu Lieblingsaktivitäten, Abneigungen und prägenden Momenten. Fotos, Tagebucheinträge oder Hinweise auf Lieblingsmusik können als wertvolle Gedächtnisstützen dienen. Halten Sie die Gespräche kurz und prägnant – etwa 10 Minuten pro Sitzung – um Überforderung zu vermeiden und die Biografie schrittweise zu erweitern.
Sobald alle wichtigen Daten gesammelt sind, ist es entscheidend, die datenschutzrechtlichen Bestimmungen anhand einer DSGVO-Checkliste für Pflegeheime zu prüfen und einzuhalten, um eine sichere Verarbeitung der Informationen zu gewährleisten.
Die Erstellung von Biografien unterliegt den Vorgaben der Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) und dem Prinzip der informationellen Selbstbestimmung. Bewohnerinnen und Bewohner haben das Recht, selbst zu entscheiden, welche persönlichen Informationen sie teilen möchten. Vor der digitalen Verarbeitung ist eine ausdrückliche Einwilligung der betroffenen Person oder ihres gesetzlichen Vertreters erforderlich. Die gesammelten Daten dürfen ausschließlich zur Verbesserung der Pflege genutzt und nur intern gespeichert werden. Eine Weitergabe an Dritte ist ohne zusätzliche Genehmigung nicht erlaubt.
Bei Bewohnern mit fortgeschrittener Demenz können Gespräche mit Angehörigen helfen, fehlende Informationen zu ergänzen. Alle Daten sollten streng vertraulich behandelt und ausschließlich innerhalb des Pflegekreises verwendet werden. Eine sorgfältige Archivierung ist essenziell, um die Privatsphäre der Bewohner zu schützen und den gesetzlichen Anforderungen gerecht zu werden.

KI-gestützte Biografieerstellung in 3 Schritten: Von Stichpunkten zur fertigen Lebensgeschichte
Die Einrichtung von dexter health ist unkompliziert und effizient. Nach der Registrierung erhalten Sie Zugang zur Plattform, die sich problemlos in bestehende Pflegedokumentationssysteme einfügt. Dank der Verbindung mit Ihrer SIS-basierten Software können Biografiedaten direkt in die Pflegeplanung integriert werden.
Ein durchdachtes Onboarding-Programm führt Ihr Team schnell in alle wichtigen Funktionen ein. Während des Einrichtungsprozesses legen Sie fest, welche Mitarbeiter auf die Biografiefunktion zugreifen dürfen, und definieren die Speicherung der Daten innerhalb Ihrer Einrichtung – selbstverständlich unter Berücksichtigung der aktuellen Datenschutzrichtlinien. Anschließend beginnt die systematische Eingabe der gesammelten Stichpunkte.
Nach der Einrichtung folgt die strukturierte Erfassung der Bewohnerdaten. Diese können entweder per Texteingabe oder über eine Spracherkennung hinzugefügt werden. Auch der Import bestehender Dokumente ist möglich. Die Sprachdokumentation erweist sich als besonders praktisch, wenn Sie direkt nach einem Gespräch mit einem Bewohner Notizen festhalten möchten – etwa während eines Spaziergangs oder nach einer Pflegesituation.
Um die bestmöglichen Ergebnisse zu erzielen, ist eine präzise und strukturierte Erfassung der Stichpunkte entscheidend. Kurze, klar formulierte Notizen, die nach Lebensphasen gegliedert sind, helfen der KI, eine lebendige Biografie zu erstellen [3]. Beispiele könnten sein: „Kindheit in Hamburg, 1945–1955“, „Beruf: Schneiderin, 40 Jahre im eigenen Atelier“ oder „Lieblingsmusik: Schlager der 1960er Jahre“. Je detaillierter Ihre Angaben sind, desto authentischer wird die generierte Lebensgeschichte. Mit diesen strukturierten Daten können Sie die KI-gestützte Erstellung der Biografie starten und später verfeinern.
Nach der Eingabe der Stichpunkte erstellt die KI einen ersten Entwurf der Biografie. Dieser Entwurf sollte anschließend auf Stil und Tonalität überprüft und bei Bedarf angepasst werden [4]. dexter health bietet Ihnen die Möglichkeit, einzelne Abschnitte gezielt zu bearbeiten. Sie können Passagen umformulieren, kürzen oder erweitern, bis die Biografie den individuellen Charakter des Bewohners treffend widerspiegelt.
Die fertige Biografie wird direkt in Ihrem Dokumentationssystem gespeichert, sodass autorisierte Pflegekräfte jederzeit darauf zugreifen können. Neue Informationen lassen sich problemlos ergänzen, wodurch die Lebensgeschichte stets aktuell bleibt. Durch die Integration in die SIS-basierte Pflegeplanung fließen biografische Details automatisch in die tägliche Betreuung ein. So wird die Pflege noch persönlicher und besser auf die Bedürfnisse der Bewohner abgestimmt.
Die Qualität der KI-generierten Biografien hängt stark von der Präzision der Eingaben ab. Fokussieren Sie sich auf wichtige Lebensbereiche wie Familie, Hobbys oder die Schulzeit [5]. Diese Themen helfen der KI, detaillierte und persönliche Texte zu erstellen.
Ein guter Ansatz sind sogenannte Story-Starter. Das können einleitende Sätze oder Fragen sein, die den Schreibprozess erleichtern. Beispiele wären: „Beschreiben Sie Ihren ersten Arbeitstag“ oder „Erzählen Sie von Ihrem Lieblingsfest in der Kindheit“ [6][7]. Es empfiehlt sich, die Prompts nach Lebensphasen zu strukturieren, wie frühe Kindheit, Ausbildung, Berufsleben und persönliche Beziehungen [8][10]. Verwenden Sie dabei klare, einfache Sprache und Übergangswörter wie zunächst, außerdem oder zusammenfassend, damit die KI die Ereignisse logisch verknüpfen kann [9].
Nach einer klaren Eingabe ist die Überprüfung der Ergebnisse der nächste wichtige Schritt.
Sobald die KI eine Biografie erstellt hat, sollte der Text auf Authentizität geprüft werden. Es ist wichtig, dass die Biografie die persönlichen Werte und Erfahrungen der Person widerspiegelt – etwa Eigenschaften wie Fleiß und Loyalität, die für viele ältere Menschen in Deutschland von großer Bedeutung sind [2]. Regionale und historische Details, wie die Erwähnung bestimmter Landschaften oder industrieller Hintergründe, können der Lebensgeschichte zusätzliche Tiefe verleihen [2].
Ein Beispiel aus der Praxis: Zwischen 2024 und 2025 nutzte der 94-jährige Wolfgang Kunst, Bewohner des Lutherhofs in Eisleben, eine KI-App, um seine 76-seitige Autobiografie zu erstellen. Unterstützt wurde das Projekt von Tobias Gantner, Gründer der Healthcare Futurists. Die KI verwandelte Kunsts Eingaben in ein professionelles Buch, das sein Leben im Mansfelder Land sowie seine Werte „Fleiß und Loyalität“ dokumentierte [2].
„Es ist mein Vermächtnis, ein Teil von mir, der weiterlebt, wenn ich eines Tages nicht mehr da bin.“ – Wolfgang Kunst, 94-jähriger Bewohner [2]
Es ist entscheidend, dass die Biografie nicht nur ein Dokument ist, sondern auch als persönliches Vermächtnis für Angehörige dient [2]. Bewohner sollten aktiv in den Überarbeitungsprozess eingebunden werden, um sicherzustellen, dass ihre Stimme und Lebensphilosophie korrekt wiedergegeben werden [2].
Eine gründliche Überprüfung und Anpassung spart nicht nur Zeit, sondern stellt auch sicher, dass alle Compliance-Vorgaben eingehalten werden.
Durch präzise Eingaben und sorgfältige Anpassungen lassen sich erhebliche Zeitvorteile erzielen. KI reduziert den manuellen Aufwand erheblich und ermöglicht die Erstellung hochwertiger Lebensgeschichten auch für Menschen mit eingeschränkten kognitiven oder körperlichen Fähigkeiten [2]. Die Plattform dexter health integriert biografische Daten direkt in die SIS-basierte Pflegeplanung, sodass alle relevanten Informationen für Prüfungen durch den Medizinischen Dienst jederzeit griffbereit sind.
Ein weiterer Vorteil: Mithilfe der Sprachdokumentation können Notizen direkt nach Gesprächen festgehalten werden. Das spart Zeit und stellt sicher, dass keine wichtigen Details verloren gehen. So bleibt mehr Raum für die persönliche Betreuung, während die KI die zeitaufwendige Textarbeit übernimmt.
Mit diesen Praktiken lassen sich lebendige und persönliche Biografien erstellen, die die Pflege noch individueller gestalten können.
Nach der Betrachtung der Herausforderungen und Möglichkeiten sowohl der manuellen als auch der KI-gestützten Biografiearbeit wird klar, wie diese Technologien den Pflegealltag nachhaltig verändern können.
Die Einbindung von KI in die Biografiearbeit erleichtert nicht nur die Arbeit der Pflegekräfte, sondern spart auch wertvolle Zeit. Sie ermöglicht es, Lebensgeschichten effizient zu erstellen und biografische Informationen mühelos in die Pflegeplanung zu integrieren – und das ohne zusätzlichen Dokumentationsaufwand.
Die Vorteile gehen jedoch weit über die Zeitersparnis hinaus. Sie schaffen die Grundlage für eine persönliche und bedürfnisorientierte Betreuung. Ein Beispiel hierfür ist das im Januar 2026 vorgestellte Forschungsprojekt „Claire“, eine Kooperation der Hochschule Flensburg und der soventec GmbH. Claire erkennt biografische Hinweise und liefert Pflegekräften über eine mobile App hilfreiche Zusammenfassungen [1].
„Ziel ist es, die Person hinter den Symptomen sichtbarer zu machen und Pflegekräften Hinweise zu geben, die sie dabei unterstützen, Biografiearbeit gezielter, persönlicher und ressourcenschonender in den Alltag zu integrieren." – Eileen Heydenreich, Projektmitarbeiterin, Hochschule Flensburg [1]
Wenn Pflegekräfte verstehen, warum ein Bewohner plötzlich still wird oder bestimmte Routinen bevorzugt, können sie schneller auf Verhaltensänderungen reagieren, Angehörige besser einbeziehen und unnötige Belastungen vermeiden. Gleichzeitig entsteht ein digitales Vermächtnis, das die Identität der Bewohner bewahrt – besonders für Menschen mit Demenz von unschätzbarem Wert.
Diese neuen Ansätze verbinden die biografische Erfassung mit einer effektiven Pflegeplanung und setzen damit neue Standards in der Betreuung. Mit Lösungen wie dexter health wird Biografiearbeit zu einem festen Bestandteil des Pflegealltags. Aus einfachen Stichpunkten entstehen kraftvolle Lebensgeschichten, die Pflegekräfte in die Lage versetzen, noch empathischer und gezielter auf die Bedürfnisse der Bewohner einzugehen – und gleichzeitig mehr Raum für echte menschliche Begegnungen zu schaffen.
Eine gelungene Biografiearbeit in der Pflege berücksichtigt die wichtigsten Lebensabschnitte, Erfahrungen und persönlichen Ressourcen einer Person. Dabei spielen folgende Aspekte eine zentrale Rolle:
Diese Stichpunkte sollten immer individuell und an die jeweilige Situation angepasst werden, um eine persönliche und wertschätzende Betreuung zu ermöglichen. Solche Details helfen dabei, eine Verbindung zur Lebensgeschichte der Person herzustellen und die Pflegebedürftigen in ihrer Einzigartigkeit zu unterstützen.
In der Praxis wird die Einwilligung gemäß DSGVO in der Regel durch eine informierte Zustimmung der betroffenen Person oder ihres gesetzlichen Vertreters eingeholt. Dabei ist es entscheidend, dass die Pflegekraft sicherstellt, dass die betroffene Person umfassend über die Verarbeitung ihrer Daten informiert wurde. Dies gilt insbesondere, wenn es sich um sensible biografische Informationen handelt. Ebenso wichtig ist, dass die erteilte Zustimmung korrekt dokumentiert wird, um den rechtlichen Anforderungen gerecht zu werden.
Wenn Menschen Schwierigkeiten haben, sich an Details ihres Lebens zu erinnern, kann Biografiearbeit eine wertvolle Unterstützung sein. Besonders spannend: KI-gestützte Tools können aus Stichpunkten oder Sprachaufnahmen persönliche Geschichten erstellen. Diese Geschichten helfen dabei, Erinnerungen lebendig zu halten und wichtige Momente des Lebens zu bewahren.
Der Einsatz solcher Technologien geht jedoch über das reine Erzählen hinaus. Sie schaffen eine emotionale Brücke zwischen Pflegepersonal, Bewohnern und Angehörigen. Das Ergebnis? Eine stärkere Bindung, die die Würde und Identität der Bewohner erhält – selbst wenn die Erinnerungen langsam verblassen.