SMART-Regel in der Pflege: Pflegeziele mit Beispielen

SMART-Pflegeziele formulieren: Struktur, Checkliste und 10 praxisnahe Beispiele (Mobilität, Schmerz, Ernährung, Kontinenz) mit Bewertungszeitpunkten.
Mit der SMART-Regel formuliere ich Pflegeziele so, dass sie im Alltag prüfbar sind: als gewünschter Zustand der Bewohnerin oder des Bewohners, mit klarem Kriterium, vereinbartem Ziel und festem Prüftermin. Für die stationäre Langzeitpflege heißt das vor allem: kein vager Wunsch, keine Maßnahme im Zieltext und keine Bewertung ohne Datum.
- Ziel statt Maßnahme schreiben
- Beobachtbar oder messbar formulieren
- Mit der Person abstimmen
- An Ressourcen anknüpfen
- Bewertungstermin direkt festlegen
Die Kernaussage des Beitrags ist einfach: SMART hilft nicht beim „schönen Formulieren“, sondern bei der Steuerung des Pflegeprozesses. Das zeigt sich in allen gezeigten Bereichen, von Mobilität über Schmerz bis Kontinenz.
Worauf ich beim Lesen besonders achte:
-
Das Ziel beschreibt den Zustand der Person.
Nicht: „Pflegekraft mobilisiert täglich.“
Sondern: „Bewohner geht 10 m mit Rollator.“ -
Messbarkeit braucht ein klares Kriterium.
Das kann eine Zahl sein, etwa 1.500 ml, NRS ≤ 3 oder 10 m.
Es kann aber auch ein beobachtbares Verhalten sein, etwa das Betätigen der Rufanlage. -
Das „A“ ist in der Pflege mehr als ein Formpunkt.
Gemeint ist die Abstimmung mit der pflegebedürftigen Person oder ihrer Vertretung. Ohne diese Vereinbarung bleibt das Ziel im Alltag oft ohne Bezug. -
Nahziel und Fernziel sollten getrennt werden.
Das ist für die Praxis oft der Punkt, der die Evaluation erst sauber macht. Beide brauchen einen eigenen Prüftermin. -
Die Bewertung gehört fest in den Verlauf.
Ein Ziel ist nicht mit dem Eintrag abgeschlossen. Es muss später als erreicht, teilweise erreicht oder nicht erreicht eingeordnet werden.
Der Beitrag ist für die stationäre Langzeitpflege nützlich, weil er typische Formulierungsfehler knapp auflöst. Statt allgemeiner Aussagen wie „besser essen“, „nicht stürzen“ oder „ruhiger werden“ zeigt er, wie ich konkrete Zielzustände formuliere.
Besonders hilfreich finde ich dabei die Linie, die sich durch alle Beispiele zieht:
- Assessment zuerst
- Ressourcen benennen
- positiv formulierten Zielzustand festlegen
- Zeitraum bestimmen
- im Verlauf auswerten
Fachlich wichtig ist auch die Abgrenzung zur Maßnahme. Das wird im Alltag noch oft vermischt. Wenn im Ziel steht, wer was tut, ist es meist keine Zielbeschreibung, sondern schon der Maßnahmenplan. Diese Trennung macht die Dokumentation klarer und die Auswertung einfacher.
Für die Praxis in der Einrichtung lässt sich der Beitrag auf einen kurzen Prüfrahmen verdichten:
- Was genau soll die Person können oder erreichen?
- Woran erkenne ich das sicher?
- Ist das Ziel abgesprochen?
- Passt es zu den Ressourcen?
- Wann prüfe ich es erstmals?
Der rechtliche Teil ordnet das sauber in den Pflegeprozess ein: Pflegeplanung schreiben, Zielsetzung und Evaluation liegen bei qualifizierten Pflegefachkräften. Für Prüfungen durch den Medizinischen Dienst (MD, früher MDK) zählt dann nicht eine allgemeine Aussage, sondern die Frage, ob Ziel, Maßnahmen und Bewertung zusammenpassen.
Mein Fazit: Der Text macht klar, wie aus einer ungenauen Formulierung ein prüfbares Pflegeziel wird. Genau das spart später Rückfragen in der Übergabe, macht Verlaufsbewertungen klarer und hält die Pflegeplanung näher an der tatsächlichen Situation der Bewohnerinnen und Bewohner.
Was SMART in der Pflegeplanung bedeutet
SMART-Pflegeziele: Unscharfe vs. prüfbare Formulierungen
Ein Pflegeziel beschreibt den gewünschten Zustand der pflegebedürftigen Person, nicht die Handlung der Pflegefachkraft.
„Die Pflegefachkraft mobilisiert Herrn M.“ ist eine Maßnahme.
„Herr M. geht täglich 5 Meter mit dem Rollator“ ist ein Ziel.
Die folgenden fünf Punkte helfen Ihnen, Ziele in der Pflegeplanung kurz, klar und prüfbar zu formulieren. Darauf bauen auch die weiteren Beispiele für Pflegeziele auf.
Die 5 SMART-Elemente geben dafür eine klare Struktur:
| SMART-Element | Frage für die Pflegeplanung | Beispiel |
|---|---|---|
| Spezifisch | Was genau soll sich für die Person verändern oder erhalten bleiben? | „Geht 10 Meter mit dem Rollator“ |
| Messbar | Woran erkennen Sie, dass das Ziel erreicht ist? | NRS-Wert ≤ 3, Strecke in Metern, Trinkmenge in ml |
| Akzeptiert | Ist das Ziel mit der Person vereinbart? | Ziel ist mit der Person abgestimmt |
| Realistisch | Ist das Ziel mit den vorhandenen Ressourcen der Person erreichbar? | Erreichbar trotz Hemiplegie, weil hohe Motivation vorhanden ist |
| Terminiert | Bis wann wird das Ziel erstmals bewertet? | „Innerhalb von 14 Tagen“ |
Beim A lohnt sich ein genauer Blick. Wenn die Vereinbarung mit der Person fehlt, bleibt das Ziel fachlich dünn und im Alltag oft schwer umzusetzen. Deshalb gilt: [2]
„Die professionelle Pflege hat das Ziel, die individuelle Autonomie des zu Pflegenden zu erhalten, fördern oder wiederherzustellen!"
Für die Verlaufskontrolle ist diese Art zu formulieren besonders hilfreich. Schreiben Sie das Ziel im Präsens des erreichten Zustands.
„Frau K. steht 10 Sekunden frei ohne Schwindel“ ist klarer als „Gleichgewicht soll besser werden“.
So können Sie später ohne Umwege prüfen und dokumentieren, ob das Ziel erreicht wurde.
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Checkliste: SMART-Pflegeziele formulieren
Bevor Sie die 10 Beispiele nutzen, prüfen Sie jedes Pflegeziel mit dieser kurzen Checkliste. So erkennen Sie unklare oder zu allgemeine Formulierungen schneller.
| Prüfpunkt | Kurzfrage |
|---|---|
| Spezifisch | Was genau soll die Person tun, oder welcher Zustand soll erreicht werden? |
| Messbar | Woran erkennen Sie objektiv, dass das Ziel erreicht ist? |
| Akzeptiert | Ist das Ziel mit der Person abgestimmt? |
| Realistisch | Knüpft das Ziel an die vorhandenen Ressourcen der Person an? |
| Terminiert | Gibt es ein konkretes Datum oder einen klaren Zeitraum für die Bewertung? |
Akzeptiert bedeutet: Das Ziel ist mit der Person oder mit ihrer gesetzlichen Vertretung abgestimmt.
Für die kurze Prüfung helfen vier Punkte:
- aktuelles Assessment
- positiv formulierter Zielzustand
- vorhandene Ressourcen
- Zustimmung
Nahziele beschreiben den nächsten erreichbaren Schritt. Fernziele benennen den angestrebten Zielzustand. Für beide brauchen Sie jeweils ein eigenes Bewertungsdatum.
1. Mobilitätsziel: vom vagen Wunsch zum überprüfbaren Ziel
Am Beispiel Mobilität zeigt sich gut, wie aus einer unklaren Formulierung ein Ziel wird, das sich später sauber prüfen lässt.
„Die Mobilität von Frau S. soll verbessert werden" ist zu ungenau. Es fehlt, was genau erreicht werden soll, woran Sie den Erfolg erkennen und bis wann die Einschätzung erfolgt.
SMART: Frau S. geht innerhalb von 14 Tagen 10 m mit dem Rollator 3-mal täglich, Schmerz NRS ≤ 3.
| Unscharf | SMART |
|---|---|
| „Mobilität verbessern" | „Frau S. geht 10 m mit Rollator 3-mal täglich, Schmerz NRS ≤ 3, Bewertung in 14 Tagen." |
Beziehen Sie nur Ressourcen und Risiken ein, die das Ziel direkt beeinflussen. Dazu zählen zum Beispiel Motivation, sichere Abstützung und Sturzrisiko. [3][4]
Bei der Zielplanung hilft die Trennung in Nahziel und Fernziel:
- Nahziel: 10 Sekunden sicher am Bettrand stehen
- Fernziel: selbstständig mit Rollator gehen
Wichtig ist: Beide Ziele brauchen jeweils ein eigenes Bewertungsdatum.
So bleibt das Ziel klar von der Maßnahme getrennt. Angaben dazu, wer mobilisiert, wie oft mobilisiert wird und welches Hilfsmittel eingesetzt wird, gehören in den Maßnahmenplan.
2. Sturzprophylaxe-Ziel: Sicherheit konkret beschreiben
Nach dem Mobilitätsziel zeigt sich beim Sturzrisiko besonders gut, wie Sie ein Sicherheitsziel SMART formulieren.
In der Sturzprophylaxe wird das Ziel oft als bloßes Ausbleiben eines Sturzes beschrieben: „Herr K. soll nicht stürzen." Das ist weder spezifisch noch messbar.
Sinnvoller ist es, vom Wunsch und von den Ressourcen der Person auszugehen. Wenn Herr K. nachts selbstständig zur Toilette gehen möchte, sollte genau daraus das Ziel entstehen. So wird aus einer Alltagssituation ein klares Pflegeziel. Dies ist ein zentraler Bestandteil der Pflegeplanung mit ATL.
Messbar wird das Ziel über beobachtbares Verhalten oder über eine Skala wie den Tinetti-Index.
SMART: Herr K. betätigt vor dem nächtlichen Aufstehen zur Toilette selbstständig die Rufanlage; Überprüfung in 14 Tagen.[3]
| Unscharf | SMART |
|---|---|
| „Herr K. soll nicht stürzen." | „Herr K. betätigt vor dem nächtlichen Aufstehen selbstständig die Rufanlage; Überprüfung in 14 Tagen." |
| „Stabilität verbessern." | „Herr K. erreicht innerhalb von 4 Wochen einen Tinetti-Wert von ≥ 18 Punkten durch tägliches Gleichgewichtstraining." |
Damit wird aus einem Risiko ein prüfbares Verhaltensziel. Das beobachtbare Kriterium ist hier das Betätigen der Rufanlage. Sie können es im Pflegealltag direkt dokumentieren und bei der Evaluation klar prüfen. Hilfsmittel gehören in den Maßnahmenplan.
Wichtig ist auch das Bewertungsdatum. Es ist verbindlich. Ohne ein festes Datum fehlt das „T" in SMART.
3. Flüssigkeitsziel: Menge und Zeitraum festlegen
Wie bei Mobilität und Sturzprophylaxe gilt auch hier: Nur ein klarer Zielwert lässt sich prüfen. Beim Flüssigkeitsziel gehören deshalb drei Angaben dazu: Menge, Zeitraum und Prüfkriterium.
Die Formulierung „Auf ausreichende Flüssigkeitszufuhr achten" bleibt zu ungenau. Es fehlt die Zielgröße. Wenn Herr Müller Apfelschorle bevorzugt, das Glas selbst halten kann und ein Risiko für Dehydratation hat, sollten diese Angaben im Ziel stehen. Die Trinkmenge geben Sie in Millilitern an. Der Nachweis erfolgt über ein Trinkprotokoll.
SMART: Herr Müller trinkt täglich mindestens 1.500 ml Flüssigkeit, bevorzugt Apfelschorle und Wasser. Bewertung nach 14 Tagen anhand des Trinkprotokolls.[3]
Die Gegenüberstellung zeigt den Unterschied direkt:
| Unscharf | SMART |
|---|---|
| „Auf ausreichende Flüssigkeitszufuhr achten." | „Herr Müller trinkt täglich mindestens 1.500 ml (Apfelschorle/Wasser); Bewertung in 14 Tagen." |
| „Bewohner soll mehr trinken." | „Herr Müller erreicht täglich 1.500 ml im Trinkprotokoll." |
Die tägliche Dokumentation ist die Grundlage für die spätere Bewertung. Liegt der Tagesdurchschnitt unter 1.500 ml, prüfen Sie Ziel, Maßnahmen und mögliche Ursachen erneut. Ärztlich angeordnete Trinkmengenbegrenzungen kennzeichnen Sie separat.[2][4]
4. Ernährungsziel: Ressourcen dokumentieren, nicht nur Defizite
Wie beim Flüssigkeitsziel braucht auch das Ernährungsziel einen Messwert und einen Zeitraum. Beim Essen geht es nicht nur um Defizite. Halten Sie auch vorhandene Ressourcen fest, zum Beispiel einen intakten Schluckreflex, selbstständiges Essen oder die Motivation zu Mahlzeiten.
Wenn Frau K. mit angepasstem Besteck selbstständig essen kann und das Gewicht stabil bleiben soll, gehört das direkt ins Ziel.
SMART: Frau K. nimmt täglich mindestens 1.500 kcal zu sich; ihr Gewicht bleibt innerhalb von ± 0,5 kg stabil. Bewertung nach 14 Tagen anhand von Kalorienaufnahme und Gewichtsentwicklung.[3]
| Unscharf | SMART |
|---|---|
| „Für ausreichende Ernährung sorgen." | „Frau K. nimmt täglich mindestens 1.500 kcal zu sich; Bewertung nach 14 Tagen." |
| „Bewohnerin soll besser essen." | „Frau K. isst 75 % ihrer Mittagsmahlzeit selbstständig mit angepasstem Besteck; Bewertung zum 30.04." |
Wird der Zielwert nicht erreicht, prüfen Sie Ziel, Maßnahmen und mögliche Ursachen neu.
5. Körperpflege-Ziel: Selbstständigkeit sichtbar machen
Bei der Körperpflege kommt es auf den konkreten Grad der Selbstständigkeit an. Wie bei Mobilität und Ernährung steht auch hier im Mittelpunkt, was die Person selbst kann und was erhalten werden soll. Das Ziel beschreibt deshalb den Pflegezustand der Bewohnerin oder des Bewohners, nicht die Tätigkeit der Pflegekraft.
Ein ungenaues Ziel wie „Person bei der Körperpflege unterstützen“ sagt weder etwas über den Umfang der Hilfe noch über das gewünschte Ergebnis aus. Es ist nicht prüfbar und gibt dem Pflegealltag keine klare Richtung.
Gerade bei der Körperpflege zeigt sich schnell, ob ein Ziel auf Selbstständigkeit ausgerichtet ist oder nur Unterstützung benennt. Formulieren Sie daher den erreichten Zustand, nicht die Maßnahme. Wünsche der Person können Sie kurz mit aufnehmen, wenn sie für die Pflege wichtig sind.
SMART: Herr M. wäscht Gesicht und Oberkörper jeden Morgen selbstständig im Sitzen am Waschbecken. Die Pflegefachkraft wäscht und trocknet den Rücken. Bewertung in 14 Tagen.
Das Ziel benennt klar die Selbstständigkeit, die nötige Hilfe und die Frist.
| Unscharf | SMART |
|---|---|
| „Person bei der Körperpflege unterstützen." | „Herr M. wäscht Gesicht und Oberkörper täglich selbstständig im Sitzen am Waschbecken; die Pflegekraft wäscht und trocknet den Rücken. Bewertung in 14 Tagen." |
| „Für tägliche Körperpflege sorgen." | „Frau K. führt die tägliche Körperpflege selbst durch; Unterstützung erhält sie nur bei den nicht erreichbaren Körperbereichen. Bewertung in 14 Tagen." |
Wenn das Ziel nicht erreicht wird, prüfen Sie die Ursache. War das Ziel zu hoch angesetzt? Haben Schmerzen oder Erschöpfung die Mitarbeit eingeschränkt? Halten Sie den Grund in der Dokumentation fest und passen Sie Ziel sowie Unterstützung entsprechend an.
6. Schmerzziel: Skala und Zielwert festlegen
Auch beim Schmerzziel braucht es drei klare Angaben: Ausgangswert, Zielwert und Prüfzeitpunkt. Ein Ziel wie „Die Bewohnerin soll weniger Schmerzen haben" ist dafür zu ungenau. Es fehlt, wie stark der Schmerz aktuell ist, welcher Wert erreicht werden soll und wann Sie das prüfen.
Bei kommunikationsfähigen Bewohnerinnen und Bewohnern eignet sich die NRS von 0 bis 10. Damit lassen sich Ausgangs- und Zielwert klar festhalten. Bei kognitiver Beeinträchtigung oder eingeschränkter Kommunikation dokumentieren Sie Mimik, Körperhaltung und Verhaltensänderungen. Ergänzend nutzen Sie validierte Fremdbeurteilungsinstrumente nach dem DNQP-Expertenstandard Schmerzmanagement.
Wichtig ist auch die Unterscheidung zwischen Ruheschmerz und Belastungsschmerz. Legen Sie den Zielwert immer für die Alltagssituation fest, auf die es ankommt, zum Beispiel beim Sitzen an der Bettkante oder bei der Mobilisation. So wird später klar, ob die Maßnahme im Pflegealltag etwas verändert hat.
Die Beispiele zeigen den Unterschied zwischen einer unklaren Formulierung und einem prüfbaren Ziel:
| Unscharf | SMART |
|---|---|
| Schmerzen reduzieren. | Frau B. berichtet innerhalb von 7 Tagen über einen Ruheschmerz von NRS ≤ 3/10 (aktuell NRS 6). Bewertung nach 7 Tagen. [3] |
| Bewohnerin soll weniger Kopfschmerzen haben. | Herr XY gibt 30 Minuten nach der Maßnahme Kopfschmerzen mit NRS ≤ 3 an; Bewertung nach 7 Tagen. [2] |
Stimmen Sie den Zielwert mit der Bewohnerin oder dem Bewohner ab. Was als tolerabel gilt, ist individuell.
7. Schlaf- und Ruheziel: Beobachtbares festlegen
Wie bei Schmerz, Mobilität und Flüssigkeitsversorgung braucht auch ein Schlafziel drei klare Punkte: Ausgangswert, Zielwert und Prüftermin. Schlaf hängt oft direkt mit Schmerz, Unruhe oder nächtlichem Aufstehen zusammen. Das sollte sich in der Zielbeschreibung wiederfinden.
Die Formulierung „Die Bewohnerin soll besser schlafen" ist nicht prüfbar. Es fehlt, woran Sie das erkennen und bis wann das Ziel erreicht sein soll.
Schreiben Sie statt „schläft gut" zum Beispiel: „liegt um 1:00 Uhr und 4:00 Uhr beim Nachtrundgang ruhig im Bett". Das lässt sich beobachten und später prüfen. Auch die eigene Angabe der Bewohnerin oder des Bewohners ist geeignet. Gleiches gilt für einen Skalenwert, wenn Sie ihn als klaren Zielwert festhalten. Beschreiben Sie dabei den gewünschten Zustand, nicht die Maßnahme.
Wenn nächtliches Aufstehen mit einem Risiko verbunden ist, sollte auch die Sicherheit Teil derselben Zielbeschreibung sein.
Die folgenden Beispiele zeigen den Unterschied zwischen einer unklaren Wunschformulierung und einem beobachtbaren Ziel:
| Unscharf | SMART |
|---|---|
| Bewohnerin soll besser schlafen. | Frau M. schläft an mindestens 5 von 7 Nächten mindestens 6 Stunden, mit höchstens 1 Unterbrechung pro Nacht; Überprüfung nach 14 Tagen. |
| Nächtliches Umherlaufen reduzieren. | Herr K. bleibt zwischen 23:00 Uhr und 5:00 Uhr im Bett oder klingelt bei Bedarf; Überprüfung nach 7 Tagen. |
| Schmerzen sollen den Schlaf nicht stören. | Frau L. gibt innerhalb von 7 Tagen einen Nachtschmerz von NRS ≤ 2 an, ausgehend von NRS 5; Überprüfung nach 7 Tagen. |
Legen Sie den Zielwert gemeinsam mit der Bewohnerin oder dem Bewohner fest.
8. Orientierungs- und Kommunikationsziel: Konkrete Fähigkeiten benennen
Nach Schlaf und Ruhe geht es jetzt um Fähigkeiten, die im Alltag erst in konkreten Handlungen sichtbar werden. Orientierung und Kommunikation zeigen sich nicht abstrakt, sondern ganz praktisch: beim Sprechen, Hören, Sehen oder im Umgang mit Hilfsmitteln wie einem Hörgerät. Ein Ziel wie „Orientierung verbessern“ bleibt zu offen. Es sagt nicht, welche Fähigkeit gemeint ist, woran Sie Fortschritte erkennen oder bis wann das Ziel geprüft werden soll.
Formulieren Sie deshalb eine beobachtbare Fähigkeit als Ziel.
Stimmen Sie das Ziel mit der Bewohnerin oder dem Bewohner ab und knüpfen Sie es an eine vorhandene Ressource.
Die folgende Tabelle zeigt, wie aus einer unscharfen Formulierung ein SMART-Ziel wird:
| Unscharf | SMART |
|---|---|
| Orientierung verbessern. | Herr F. findet seinen Weg vom Speisesaal in sein Zimmer anhand des farbigen Leitsystems in 4 von 5 Versuchen selbstständig; Überprüfung nach 14 Tagen. |
| Bewohnerin soll besser kommunizieren. | Frau S. wählt täglich zwischen 2 Speisen verbal oder durch Zeigen; Überprüfung nach 14 Tagen. |
| Hörversorgung sicherstellen. | Herr B. setzt sein Hörgerät jeden Morgen nach dem Frühstück mit verbaler Anleitung ein; Überprüfung nach 14 Tagen. |
Dokumentieren Sie plötzliche Veränderungen sofort und lösen Sie eine außerplanmäßige Zielevaluation aus.
Darauf aufbauend folgt das Ziel zur sozialen Teilhabe.
9. Soziale Teilhabe: Teilnahme konkret und individuell beschreiben
Nach Orientierung und Kommunikation geht der Blick nun auf die konkrete Teilhabe im Alltag.
Soziale Teilhabe braucht ein Ziel, das klar und prüfbar formuliert ist. Dazu gehören die Aktivität, die Häufigkeit, die Dauer und ein fester Termin zur Überprüfung. Erst wenn diese Punkte benannt sind, lässt sich später nachvollziehen, ob das Ziel erreicht wurde.
Entscheidend ist nicht nur, dass jemand teilnimmt. Wichtig ist, welche Bedeutung die Aktivität für die Bewohnerin oder den Bewohner hat. Knüpfen Sie das Ziel deshalb an die Biografie und an geäußerte Wünsche an. Das Ziel sollte mit der Person abgestimmt sein und für sie einen erkennbaren Sinn haben. [2][3]
Auch die Beobachtungskriterien sollten individuell vereinbart werden. Geeignet sind zum Beispiel Anwesenheit, Gesprächsbeiträge oder das selbstständige Aufsuchen einer Aktivität. [2][3]
Die folgende Tabelle zeigt, wie aus einer ungenauen Formulierung ein SMART-Ziel wird:
| Unscharf | SMART |
|---|---|
| Soziale Isolation vermeiden. | Herr Z. nimmt bis zum 01.11.2026 5-mal pro Woche am gemeinsamen Mittagessen im Speisesaal teil. |
| Soziale Kontakte fördern. | Frau Y. besucht 2-mal pro Woche für 1 Stunde das Café der Einrichtung, um ihre Tochter zu treffen; Überprüfung in 4 Wochen. |
| Mehr an Angeboten teilnehmen. | Herr X. nimmt jeden Donnerstag für mindestens 30 Minuten am Singkreis teil und beteiligt sich aktiv an mindestens 2 Liedern; Überprüfung am 30.10.2026. |
Wird das Ziel zum Evaluationstermin nicht erreicht, halten Sie die Ursache fest. Prüfen Sie, ob das Ziel zu hoch angesetzt war, ob die Maßnahmen nicht gegriffen haben oder ob neue Barrieren hinzugekommen sind, etwa gesundheitliche Veränderungen oder soziale Ängste. Diese Einordnung führt direkt zurück in die Informationssammlung des Strukturmodells und hilft dabei, die Pflegeplanung nachvollziehbar anzupassen. [3]
Im nächsten Abschnitt geht es um Kontinenz und Toilettengänge.
10. Kontinenz und Toilettengänge: Situation und Unterstützungsbedarf benennen
Nach Mobilität, Schmerz und Teilhabe geht es nun um ein Thema, bei dem Intimsphäre und Hilfebedarf eng zusammenhängen.
Bei Kontinenz und Toilettengängen ist ein SMART-Ziel dann präzise, wenn es die aktuelle Situation, den Hilfebedarf und den messbaren Zielzustand klar benennt. In der Pflegeplanung gehört das Thema zum ABEDL-Modell von Krohwinkel (ABEDL 6: „Ausscheiden können“). [3] Das Ziel beschreibt die Art der Inkontinenz oder den Toilettenbedarf, den Einsatz von Inkontinenzhilfen, den Hilfebedarf und den messbaren Zielzustand. Dabei wird zwischen kompensativen, präventiven und rehabilitativen Zielen unterschieden. [2]
Die folgenden Beispiele zeigen, wie Sie Ziele zur Kontinenz in der täglichen Dokumentation prüfbar formulieren.
| Unscharf | SMART |
|---|---|
| Inkontinenzversorgung verbessern. | Herr M. wird alle 4 Stunden von einer Pflegekraft beim Wechsel von Inkontinenzhilfsmitteln unterstützt; die Haut im Genitalbereich bleibt intakt und zeigt keine Rötungen; Überprüfung in 14 Tagen. |
| Toilettengänge unterstützen. | Frau K. sucht mit verbaler Aufforderung alle 3 Stunden die Toilette auf; sie betätigt selbstständig die Klingel, wenn sie Harndrang verspürt; die Haut bleibt trocken und reizfrei; Überprüfung in 14 Tagen. |
| Verstopfung vermeiden. | Herr L. hat spätestens alle 3 Tage einen weichen Stuhlgang ohne Laxanzien; Überprüfung in 14 Tagen. |
Messbar werden solche Ziele über den Hautzustand, die Häufigkeit der Toilettengänge, unkontrollierte Urin- oder Stuhlverluste und den Umgang mit Hilfsmitteln. [2] [3]
Stimmen Sie das Ziel mit der Bewohnerin oder dem Bewohner ab und verbinden Sie es mit Selbstständigkeit und Intimsphäre. Der Wunsch nach Privatsphäre und Eigenständigkeit beeinflusst, ob ein Ziel angenommen wird. Frau K. nutzt die Toilette mit dem Rollator selbstständig, weil ihr die Wahrung der Intimsphäre wichtig ist.
Häufige Fehler beim Formulieren von SMART-Pflegezielen
Die 10 Beispiele oben zeigen typische Schwachstellen in der Pflegeplanung. Besonders oft werden Ziel und Maßnahme verwechselt. Ein Pflegeziel beschreibt den angestrebten Zustand der Bewohnerin oder des Bewohners, nicht die Handlung des Teams. Als einfache Prüffrage hilft: Beschreibt der Satz einen Zustand oder eine Maßnahme?
Ein weiterer häufiger Fehler ist Defizitorientierung. SMART-Ziele knüpfen an vorhandene Fähigkeiten an und nicht nur an das, was fehlt. Das macht Ziele alltagsnah und besser prüfbar.
Fehlt ein konkretes Datum zur Überprüfung, lässt sich ein Ziel nicht verlässlich bewerten.
Auch unrealistische oder übernommene Formulierungen sind problematisch. Sie passen oft nicht zur tatsächlichen Lebenssituation der Bewohnerinnen und Bewohner und sollten angepasst werden.
Die folgende Tabelle zeigt weitere typische Formulierungsfehler und passende SMART-Korrekturen:
| Fehlerhaft | SMART-Formulierung |
|---|---|
| Wundversorgung sicherstellen. | Frau R. hat innerhalb von 14 Tagen eine reizfreie, trockene Wunde ohne Rötung; Überprüfung nach 14 Tagen. |
| Bewohner soll ruhiger werden. | Herr T. schläft an mindestens 5 von 7 Nächten mindestens 6 Stunden ohne Weglauftendenzen; Überprüfung nach 14 Tagen. |
| Soziale Kontakte fördern. | Frau N. nimmt jeden Dienstag für mindestens 30 Minuten an der Gesprächsrunde teil; Überprüfung am 30.11.2026. |
| Hautpflege verbessern. | Herr P. hat im Steißbereich keine Rötung Grad I oder höher; Überprüfung in 7 Tagen. |
Danach zählt die regelmäßige Bewertung in der laufenden Dokumentation. Nur so wird sichtbar, ob das Ziel erreicht wurde, angepasst werden muss oder nicht mehr passend ist.
SMART-Pflegeziele in der laufenden Dokumentation bewerten
Nach der Zielformulierung folgt die Bewertung im Alltag. Dabei vergleichen Sie den Ist-Zustand mit den im Ziel festgelegten Messwerten.
Ordnen Sie das Ergebnis in drei Stufen ein: erreicht, teilweise erreicht oder nicht erreicht.
Ein nicht erreichtes Ziel ist ein fachlicher Hinweis. Prüfen Sie dann Ziel, Maßnahmen und Zeitrahmen erneut. Passen Sie bei Bedarf die Einschätzung, die Maßnahmen oder den Zeitrahmen an. Legen Sie außerdem ein neues Überprüfungsdatum fest.
Bewerten Sie auch nach einem Sturz, einem Krankenhausaufenthalt oder bei einer deutlichen Zustandsänderung sofort neu. Das Ergebnis fließt direkt in die weitere Pflegeplanung ein.
Im Pflegebericht steht der Ist-Wert, nicht die Maßnahme. Validierte Skalen liefern objektive Werte und machen die Bewertung nachvollziehbar [3].
Diese drei Ergebnisse steuern den nächsten Schritt in der Pflegeplanung:
| Bewertungsergebnis | Nächster Schritt | Dokumentation |
|---|---|---|
| Ziel erreicht | Problem abschließen oder Folgeziel formulieren | Zielerreichung und Wirksamkeit der Maßnahmen festhalten |
| Ziel teilweise erreicht | Maßnahmen anpassen oder Zeitrahmen verlängern | Aktuellen Ist-Wert dem Zielwert gegenüberstellen |
| Ziel nicht erreicht | Ursachen analysieren, Neubewertung ab Schritt 1 | Abweichungsgründe und neuen Plan dokumentieren |
Rechtlicher und fachlicher Rahmen in Deutschland 2026
Nach der Zielformulierung folgt der rechtliche Rahmen. Er klärt Zuständigkeit, Bewertung und Dokumentation.
§ 113 SGB XI ist die Grundlage der Pflegeplanung.[1] Gefordert ist ein nachvollziehbarer und auswertbarer Pflegeprozess. Die Dokumentation soll zum tatsächlichen Pflegeaufwand passen. SMART-Ziele fügen sich gut ein, weil sie prüfbar formuliert sind.
Seit § 5 Abs. 3 PflBG zählen Planung, Organisation und Steuerung des Pflegeprozesses zu den vorbehaltenen Tätigkeiten.[3][4] Diese Aufgaben dürfen nur qualifizierte Pflegefachkräfte übernehmen. Das betrifft auch das Festlegen und Anpassen von Pflegezielen. Die fachliche Verantwortung liegt damit klar bei qualifizierten Pflegefachkräften. In der Einrichtung sollten die Zuständigkeiten eindeutig geregelt sein.
Der Medizinische Dienst (MD, früher MDK) prüft in den QPR vor allem die Ergebnisqualität.[3] Entscheidend ist dabei:
- Sind die Ziele individuell formuliert?
- Passen die Maßnahmen zum dokumentierten Zustand?
- Wurde die Bewertung zum vereinbarten Zeitpunkt durchgeführt?
Standardformulierungen und Copy-paste werden in der Prüfung negativ bewertet.
Neben der MD-Prüfung geben die DNQP-Expertenstandards den fachlichen Rahmen für Zielwerte vor.[2] In diesem Artikel betrifft das vor allem Schmerz, Mobilität, Sturz, Ernährung und Kontinenz. Ein Ziel wie „NRS ≤ 3" macht den Zielwert messbar und bindet ihn an eine validierte Skala.
Für die tägliche Dokumentation ist vor allem ein fester Prüfzeitpunkt wichtig. Prüfen Sie Ziele in der Regel alle 3 bis 6 Monate sowie nach einem Krankenhausaufenthalt, bei neuer Diagnose oder nach einer Pflegegradänderung.[3] Das Datum gehört in den Zieltext. Es ist damit ein Teil von SMART. Nennen Sie das Prüfdatum direkt im Ziel.
Vertiefende Lektüre zur Pflegeplanung
Nach den Beispielen finden Sie drei kurze Vertiefungen zu Formulierung, Dokumentation und Bewertung.
Für präzise SMART-Ziele sind Formulierungshilfen zu Ressourcen, Risiken und Maßnahmen nützlich: Pflegeplanung: Formulierungshilfen für Ressourcen, Risiken, Ziele und Maßnahmen.
Die SIS liefert die Ausgangsdaten, aus denen sich SMART-Ziele ableiten lassen.
Für die Umsetzung im Pflegealltag sind vor allem diese drei Themen hilfreich:
- SIS-Strukturmodell: Entbürokratisierung in der täglichen Dokumentation
- Evaluation in der Pflege: Wann und wie Ziele angepasst werden müssen
- Das PESR-Schema: Präzise Pflegediagnosen als Grundlage für SMART-Ziele
dexter.qm prüft vorhandene Pflegedaten regelmäßig auf Auffälligkeiten und dokumentationsbezogenen Handlungsbedarf. Die fachliche Bewertung durch Pflegefachkräfte ersetzt das nicht.
Im FAQ folgen die häufigsten Fragen aus der Praxis.
FAQ
Die folgenden Kurzantworten bündeln häufige Praxisfragen zu SMART-Pflegezielen. Sie ergänzen die 10 Beispiele und helfen bei Formulierung und Auswertung im Alltag.
Was bedeutet das „A" in SMART bei Pflegezielen?
In der Pflege ist vor allem wichtig, dass das Ziel mit der betroffenen Person abgestimmt ist und sich im Alltag nachvollziehbar umsetzen lässt.
Muss jedes Pflegeziel eine Zahl enthalten?
Nein. Messbar bedeutet: Das Ziel ist eindeutig überprüfbar. Das kann über eine Zahl geschehen oder über einen klar beobachtbaren Zustand.
Was ist der Unterschied zwischen einem Pflegeziel und einer Pflegemaßnahme?
Das Pflegeziel beschreibt den angestrebten Zustand. Die Pflegemaßnahme beschreibt den Weg dorthin.
Ziel: „Herr M. trinkt täglich 1.500 ml."
Maßnahme: „Alle 2 Stunden zwischen 8:00 und 20:00 Uhr 200 ml anbieten."
Wie oft müssen SMART-Ziele überprüft werden?
Zum festgelegten Zeitpunkt und sofort bei deutlichen Veränderungen, zum Beispiel nach einem Sturz oder einem Krankenhausaufenthalt. Planung und Auswertung im Pflegeprozess gehören zu den Aufgaben qualifizierter Pflegefachkräfte.
Was tun, wenn ein Ziel nicht erreicht wurde?
Prüfen Sie Ziel und Maßnahme. Benennen Sie die Ursache. Passen Sie das Ziel an oder ändern Sie die Maßnahme.
Fazit
SMART-Pflegeziele dienen nicht der Form, sondern der Steuerung des Pflegeprozesses. Ohne Bezug zum Assessment, ohne benannte Ressourcen und ohne Termin für die Auswertung bleibt ein SMART-Ziel fachlich unvollständig. Deshalb bleibt die fachliche Bewertung durch die Pflegefachkraft unverzichtbar.
SMART gibt Struktur, ersetzt aber keine pflegefachliche Entscheidung. Welche Zielart passt, entscheidet die Pflegefachkraft aus der aktuellen Situation heraus. Das ist nach § 5 Abs. 3 PflBG eine vorbehaltene Tätigkeit [3][4]. Erst dadurch wird ein Ziel im Pflegeprozess arbeitsfähig.
Die 10 Beispiele zeigen, wie aus vagen Aussagen prüfbare Ziele werden. Ein gut formuliertes Ziel trägt durch alle Schichten. So wird Pflegeplanung nicht nur dokumentiert, sondern im Alltag geführt.