Prophylaxen in der Pflege: Übersicht mit Tabelle

28.09.2026

Klare Einordnung der 12 Prophylaxen in der stationären Pflege: Risiken, Maßnahmen, DNQP-Bezug und Dokumentationsstruktur.

In der stationären Langzeitpflege gilt: Prophylaxen leiten sich nicht pauschal ab, sondern aus dem individuellen Risiko der Bewohnerin oder des Bewohners. Für den Alltag heißt das für mich vor allem: Risiko einschätzen, passende Maßnahmen planen, umsetzen, Wirkung prüfen und sauber dokumentieren. Eigene DNQP-Expertenstandards gibt es nur für wenige Themen; viele andere Prophylaxen stützen sich auf verwandte Standards und interne Vorgaben.

  • Nicht jede Prophylaxe passt für alle.
  • Dekubitus und Sturz haben eigene DNQP-Standards.
  • Andere Themen brauchen eine saubere Risikologik und interne Regelungen.
  • Für den Medizinischen Dienst (MD, früher MDK) zählt die Nachvollziehbarkeit in der Dokumentation.

Wer in der Pflege plant oder prüft, braucht vor allem einen klaren Überblick über die 12 typischen Risikobereiche: Dekubitus, Sturz, Thrombose, Pneumonie, Aspiration, Kontrakturen, Obstipation, Dehydration, Mangelernährung, Intertrigo, Soor/Parotitis und Infektionen.

Statt jede Maßnahme isoliert zu sehen, ordne ich sie im Alltag nach drei Fragen:

  1. Worin liegt das konkrete Risiko?
  2. Welche Maßnahme passt dazu?
  3. Woran sehe ich, ob sie wirkt?

Das ist der rote Faden des Beitrags. Er macht klar: Viele Prophylaxen greifen ineinander. Weniger Mobilität kann zugleich das Risiko für Dekubitus, Sturz, Obstipation, Thrombose und Pneumonie erhöhen. Dysphagie betrifft nicht nur die Ernährung, sondern auch Aspiration, Mundgesundheit und Atemwege.

Für die Praxis ist vor allem diese Einordnung hilfreich:

  • Mobilitätsbezogene Risiken: Dekubitus, Sturz, Thrombose, Pneumonie, Kontrakturen
  • Ernährungs- und Flüssigkeitsrisiken: Dehydration, Mangelernährung, Obstipation, Aspiration
  • Haut- und Mundbezogene Risiken: Intertrigo, Soor/Parotitis, Infektionen

Der Beitrag zeigt zudem sauber die Grenze zwischen eigenem DNQP-Expertenstandard und Themen, die über andere Standards mitgeregelt werden. Das hilft bei Pflegeplanung im Strukturmodell, QM und internen Audits.

Besonders nützlich finde ich die Hinweise zur Dokumentation. Für jede Prophylaxe sollten dieselben Punkte erkennbar sein:

  • Risiko
  • Ziel
  • Maßnahme
  • Durchführung
  • Evaluation
  • Eskalation bei Auffälligkeiten

Damit bleibt die Dokumentation knapp, aber schlüssig. Genau das brauchen Pflegefachkräfte, PDL und QM-Verantwortliche im Alltag.

Wichtig ist auch die sachliche Klarstellung zu den DNQP-Bezügen. Der Text benennt, wo es einen eigenen Standard gibt und wo nicht. Das vermeidet Missverständnisse, etwa bei Thrombose-, Aspirations- oder Obstipationsprophylaxe. Gerade dort sind interne Verfahrensanweisungen auf Basis des aktuellen pflegefachlichen Wissens nötig.

Ein weiterer starker Punkt ist der Blick auf Warnzeichen. Der Beitrag bündelt, worauf Teams achten sollten, zum Beispiel:

  • Husten beim Essen oder Trinken
  • nicht wegdrückbare Rötungen
  • reduzierte Trinkmenge
  • Gewichtsverlust
  • Verwirrtheit
  • Atemveränderungen
  • Hautreizungen in Falten

So wird aus einem Überblick kein bloßes Nachschlagewerk, sondern eine Arbeitshilfe für Übergaben, Fallbesprechungen und Pflegevisiten.

Mein kurzes Fazit: Der Artikel ordnet die 12 Prophylaxen für die stationäre Langzeitpflege klar ein. Er trennt sauber zwischen Risiko, Maßnahme und Standardbezug. Für Teams, PDL und QM ist das vor allem dann nützlich, wenn sie Pflegeplanung und Dokumentation einheitlich aufbauen wollen.

Prophylaxen in der Pflege: Übersicht

12 Prophylaxen in der Pflege: Risiken, Maßnahmen & DNQP-Standards im Überblick

12 Prophylaxen in der Pflege: Risiken, Maßnahmen & DNQP-Standards im Überblick

Die Tabelle fasst die 12 Prophylaxen dieser Serie an einer Stelle zusammen. Sie ordnet sie nach typischen Risikofaktoren, Kernmaßnahmen und dem Bezug zu DNQP-Expertenstandards.

Prophylaxe Typische Risikofaktoren Kernmaßnahmen DNQP-Bezug
Dekubitus Immobilität, Druck, Reibung Lagerung, druckentlastende Hilfsmittel, Hautinspektion Ja
Sturz Mobilitätseinschränkung, Umgebung, Medikamente Bewegungsförderung, Umgebungsanpassung, geeignetes Schuhwerk Ja
Thrombose Immobilität, Dehydration, postoperativ Mobilisation, Kompression, ausreichende Flüssigkeitszufuhr Nein
Pneumonie Immobilität, flache Atmung, Schluckstörungen Atemübungen, Mobilisation, Mundpflege Nein
Aspiration Dysphagie, Bewusstseinsstörungen Oberkörperhochlagerung, angepasste Kostform Nein
Kontrakturen Immobilität, Schmerz, Lähmung Aktive und passive Bewegung, Lagerung Ja, über den Expertenstandard Erhaltung und Förderung der Mobilität
Obstipation Bewegungsmangel, ballaststoffarme Kost, Flüssigkeitsmangel Ballaststoffreiche Ernährung, Flüssigkeit, Bewegung Nein
Dehydration Vermindertes Durstgefühl, Hitze, Medikamente Trinkplan, Erinnerungshilfen, geeignete Trinkhilfen Nein
Mangelernährung Appetitlosigkeit, Dysphagie, Demenz Screening, eiweißreiche Kost, Anreicherung Ja, über den Expertenstandard Ernährungsmanagement
Intertrigo Hautfalten, Feuchtigkeit, Adipositas Hautfalten trocken halten, saugende Einlagen, schonende Pflege Ja, über den Expertenstandard Erhaltung und Förderung der Hautintegrität
Mundsoor und Parotitis Mundtrockenheit, mangelhafte Mundhygiene Speichelstimulation, regelmäßige Mundpflege, Flüssigkeit Ja, über den Expertenstandard Förderung der Mundgesundheit
Infektionen Immunschwäche, Wunden Händehygiene, Desinfektion, Impfungen Nein

Die Übersicht ersetzt keine individuelle Risikoeinschätzung und keine Pflegeplanung. Welche Prophylaxe nötig ist, richtet sich immer nach der konkreten Situation der Bewohnerin oder des Bewohners.

Für Themen ohne eigenen DNQP-Expertenstandard gelten einrichtungsinterne Verfahrensanweisungen auf Basis aktueller Leitlinien [1][2][4].

Im nächsten Abschnitt folgt die praktische Strukturierung jeder Prophylaxe.

1. Dekubitusprophylaxe

Ziel der Prophylaxe

Die Dekubitusprophylaxe entlastet gefährdete Hautareale und beugt Druckschäden vor.

Bewohnerspezifische Risikofaktoren

Ein erhöhtes Risiko besteht vor allem bei Immobilität, Bettlägerigkeit, eingeschränkter Wahrnehmung, Mangelernährung, Dehydration, Inkontinenz und geschwächter Immunabwehr [1][4]. Daraus leiten sich drei pflegerische Schwerpunkte ab: Hautkontrolle, Lagerung und Mobilisation.

Pflegerische Kernmaßnahmen

Im Pflegealltag kommt es auf einen klaren Blick und verlässliches Handeln an. Dazu gehören die systematische Hautinspektion auf nicht wegdrückbare Rötungen, individuell geplante Lagerungswechsel und kleine Lageveränderungen zur Druckentlastung [1][4].

Druckverteilende Hilfsmittel wie Spezialmatratzen oder Sitzkissen können diese Maßnahmen unterstützen. Sie ersetzen die pflegerischen Maßnahmen aber nicht. Auch Mobilisation entlastet gefährdete Körperstellen und gehört daher fest in die Prophylaxe.

Für die Risikoeinschätzung empfiehlt der Expertenstandard die klinische Beurteilung durch eine Pflegefachkraft. Skalen wie Braden, Norton oder Waterlow können dabei helfen, sie ersetzen das pflegefachliche Urteil jedoch nicht [4]. Ebenso gilt: Ohne Dokumentation fehlt der Nachweis. Entscheidend sind die konsequente Umsetzung im Alltag und eine nachvollziehbare Dokumentation.

DNQP-Expertenstandard

Für die praktische Umsetzung gilt der DNQP-Standard als verbindlicher Rahmen. Für die Dekubitusprophylaxe gibt es einen eigenen DNQP-Expertenstandard, der seit 2008 nach § 113a SGB XI für alle zugelassenen Pflegeeinrichtungen verbindlich ist [2][4].

Die aktuelle Fassung ist das 2. Update aus dem Jahr 2017. Seit 2026 läuft das 3. Update unter Federführung der Charité Berlin [2][4].

2. Sturzprophylaxe

Bei der Sturzprophylaxe stehen drei Punkte im Mittelpunkt: Risiken früh erkennen, das Umfeld sicher gestalten und Mobilität erhalten.

Ziel der Prophylaxe

Die Sturzprophylaxe soll Stürze vermeiden und Folgen wie Frakturen oder Prellungen mindern. Zugleich geht es darum, Mobilität und Selbstständigkeit der Bewohnerinnen und Bewohner so weit wie möglich zu erhalten.

Bewohnerspezifische Risikofaktoren

Das Sturzrisiko steigt unter anderem bei Gang- und Gleichgewichtsstörungen, Muskelschwäche, kognitiver Beeinträchtigung, Seheinschränkungen, Sturzangst und Polypharmazie. Die Risikoeinschätzung erfolgt bei der Aufnahme und bei jeder relevanten Zustandsveränderung [3][4].

Für die Einschätzung können die Morse Fall Scale, die Hendrich-Skala und der TUG eingesetzt werden. Der Timed Up and Go Test (TUG) prüft knapp gesagt, wie sicher sich eine Person beim Aufstehen, Gehen und Hinsetzen bewegt. Diese Instrumente ergänzen die pflegefachliche Beobachtung von Gangbild, Bewegung und Orientierung [3][6].

Aus den erkannten Risiken werden die pflegerischen Maßnahmen abgeleitet.

Pflegerische Kernmaßnahmen

Zu den Kernmaßnahmen gehören:

  • Kraft- und Gleichgewichtsübungen
  • eine sichere Umgebung mit guter Beleuchtung und ohne Stolperfallen
  • geeignetes Schuhwerk
  • passende Gehhilfen
  • ein Medikationscheck auf sturzfördernde Wirkstoffe

Nach jedem Sturz ist ein Sturzprotokoll zu erstellen. Schwere Sturzverletzungen sind als Qualitätsindikator zu erfassen [1][3][4].

DNQP-Expertenstandard

Für die Sturzprophylaxe gibt es einen eigenen DNQP-Expertenstandard. Die aktuelle Fassung ist das 2. Update aus 2022. Der Standard ist nach § 113a SGB XI für alle zugelassenen Pflegeeinrichtungen verbindlich. Der Medizinische Dienst (MD, früher MDK) prüft die Umsetzung im Rahmen der Qualitätsprüfungen [2][4].

3. Thromboseprophylaxe

Ziel der Prophylaxe

Die Thromboseprophylaxe soll Bewohnerinnen und Bewohner vor der Bildung von Blutgerinnseln schützen [1].

Bewohnerspezifische Risikofaktoren

Das Risiko steigt vor allem bei eingeschränkter Mobilität, Wahrnehmung oder Selbstversorgung. Der zentrale Risikofaktor ist Immobilität, weil der venöse Rückfluss dabei abnimmt [1].

Pflegerische Kernmaßnahmen

Im Mittelpunkt stehen regelmäßige Mobilisation, Bewegungsübungen, Lagewechsel bei Bettlägerigkeit, eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr und ärztlich angeordnete Kompression. Bei hohem Risiko beziehen Sie die Ärztin oder den Arzt früh ein [1][3].

DNQP-Expertenstandard

Einen eigenen DNQP-Expertenstandard zur Thromboseprophylaxe gibt es nicht. Fachlich wird das Thema am ehesten dem Standard zur Mobilität zugeordnet [2][4].

Danach folgt die Pneumonieprophylaxe. Auch dort spielt Mobilität eine wichtige Rolle.

4. Pneumonieprophylaxe

Nach Thromboseprophylaxe und Mobilisation geht es nun um die Atemwegsprophylaxe.

Ziel der Prophylaxe

Die Pneumonieprophylaxe soll Lungenentzündungen vorbeugen und das Risiko akuter Komplikationen senken.

Bewohnerspezifische Risikofaktoren

Bei Immobilität atmen Bewohnerinnen und Bewohner oft flacher. Sekret bleibt eher in den Atemwegen liegen. Dazu kommen ein geschwächter Hustenreflex, Dysphagie und ein geschwächtes Immunsystem. Auch eine schlechte Mundgesundheit erhöht das Risiko, weil Keime aus der Mundhöhle in die Atemwege gelangen können [1][3].

Pflegerische Kernmaßnahmen

Wichtige Maßnahmen sind Mobilisation, Oberkörperhochlagerung und atemunterstützende Pflege. Gezielte Atemübungen und eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr ergänzen dies. Auch die Mundpflege gehört dazu: Sie senkt die Keimlast und damit das Risiko einer Aspirationspneumonie [1][3].

Achten Sie im Alltag auf frühe Warnzeichen. Dazu zählen:

  • veränderte Atemgeräusche
  • verstärkter Husten beim Essen
  • Atemnot
  • mehr Sekret
  • Fieber
  • erhöhter Puls
  • plötzliche Verwirrtheit [1]

DNQP-Expertenstandard

Einen eigenen DNQP-Expertenstandard zur Pneumonieprophylaxe gibt es nicht. Das Thema ist in den Expertenstandards zur Förderung der physiologischen Mundgesundheit, zur Erhaltung und Förderung der Mobilität und zum Ernährungsmanagement verankert [2][4]. Diese Standards greifen die Pneumonieprophylaxe mit auf.

Im nächsten Abschnitt folgt die Aspirationsprophylaxe. Sie steht in engem Zusammenhang mit der Pneumonieprophylaxe.

5. Aspirationsprophylaxe

Nach der Pneumonieprophylaxe geht es hier um sicheres Schlucken und darum, Atemwege frei zu halten.

Ziel der Prophylaxe

Ziel ist, dass Speichel, Nahrung oder Flüssigkeit nicht in die Atemwege gelangen. Eine Aspiration kann eine Aspirationspneumonie auslösen. Besonders wichtig sind dabei Lagerung, angepasste Kost und Mundpflege.

Bewohnerspezifische Risikofaktoren

Das Hauptrisiko ist eine Dysphagie, also eine Schluckstörung. Dazu kommen ein geschwächter oder fehlender Hustenreflex sowie eine reduzierte Bewusstseinslage, etwa bei Demenz oder nach einem Schlaganfall [1][3].

Achten Sie im Alltag auf typische Hinweise:

  • Husten oder Räuspern beim Essen und Trinken
  • feuchte oder gurgelnde Stimme nach dem Essen oder Trinken
  • Nahrungsreste im Mund
  • Atemnot oder plötzliche Verwirrtheit während der Mahlzeit [1]

Pflegerische Kernmaßnahmen

Die wichtigste Maßnahme ist eine aufrechte Sitzposition während und nach den Mahlzeiten. Bei bettlägerigen Bewohnerinnen und Bewohnern ist eine regelmäßige aufrechte Lagerung wichtig [1].

Bei Schluckstörungen sollte die Konsistenz der Kost angepasst werden, zum Beispiel durch pürierte Speisen oder angedickte Flüssigkeiten. Auch angeleitete Schlucktechniken und eine sorgfältige Mundpflege gehören dazu. Bei neurologischen Erkrankungen sollte eine logopädische Mitbeurteilung einbezogen werden [1][3].

DNQP-Expertenstandard

Einen eigenen DNQP-Expertenstandard zur Aspirationsprophylaxe gibt es nicht. Das Thema ist vor allem im Expertenstandard Ernährungsmanagement zur Sicherung und Förderung der oralen Ernährung in der Pflege sowie im Expertenstandard Förderung der Mundgesundheit verankert [2][4].

6. Kontrakturprophylaxe

Kontrakturen entstehen vor allem bei längerer Immobilität. Deshalb kommt es in der stationären Langzeitpflege vor allem auf frühe Aktivierung und eine durchgehende Bewegungsförderung an.

Ziel der Prophylaxe

Ziel ist, Kontrakturen und bleibende Bewegungseinschränkungen zu vermeiden, bevor sie entstehen.

Bewohnerspezifische Risikofaktoren

Das Risiko steigt bei eingeschränkter Mobilität, eingeschränkter Wahrnehmung oder Selbstversorgung, Bettlägerigkeit, Lähmungen und Schonhaltungen [1].

Pflegerische Kernmaßnahmen

Im Alltag zählen vor allem Maßnahmen, die Bewegung immer wieder anstoßen und erhalten. Dazu gehören:

  • Aktivierung zur Eigenbewegung
  • regelmäßige Positionswechsel
  • abgestimmtes Vorgehen mit der Physiotherapie
  • Bewegungsübungen als Teil der Grundpflege [1][4]

Kinästhetik unterstützt natürliche Bewegungsmuster. Wöchentliche Beobachtungen von Gangbild, Bewegungsabläufen und Schonhaltungen helfen, nachlassende Mobilität früh zu erkennen [1].

DNQP-Expertenstandard

Für die Praxis ist vor allem die mobilitätsfördernde Pflege maßgeblich. Einen eigenen DNQP-Expertenstandard zur Kontrakturprophylaxe gibt es nicht. Das Thema ist im Standard Erhaltung und Förderung der Mobilität in der Pflege verankert [2][4].

7. Obstipationsprophylaxe

Ziel der Prophylaxe

Ziel ist, eine regelmäßige Darmentleerung zu erhalten und einer Verstopfung vorzubeugen [1].

Bewohnerspezifische Risikofaktoren

Das Risiko für Obstipation steigt vor allem bei:

  • Immobilität
  • zu geringer Flüssigkeitszufuhr
  • ballaststoffarmer Ernährung
  • Medikamenten mit obstipierender Wirkung [1]

Pflegerische Kernmaßnahmen

Im Pflegealltag stehen Mobilisierung, Essen und Trinken sowie feste Beobachtungsroutinen im Mittelpunkt. Zu den zentralen Maßnahmen gehören Mobilisierung, ballaststoffreiche Kost, ausreichende Flüssigkeit und regelmäßige, individuell abgestimmte Toilettenzeiten [1].

Passen Sie die Maßnahmen an den Gesundheitszustand, an Grunderkrankungen und an den Pflegebedarf der Bewohnerinnen und Bewohner an [1]. Ein Ausscheidungsprotokoll mit Häufigkeit und Stuhlkonsistenz hilft, die Wirkung der Maßnahmen nachzuvollziehen [1].

DNQP-Expertenstandard

Einen eigenen DNQP-Expertenstandard zur Obstipationsprophylaxe gibt es nicht. Fachlich nah liegt der Expertenstandard Kontinenzförderung in der Pflege. Deshalb arbeiten Einrichtungen meist mit internen Standards und Verfahrensanweisungen auf Grundlage des anerkannten pflegewissenschaftlichen Stands [2][4].

Im nächsten Abschnitt geht es um Dehydration. Flüssigkeitsmangel kann eine Obstipation zusätzlich verstärken.

8. Dehydrationsprophylaxe

Ziel der Prophylaxe

Ziel ist, einen Flüssigkeitsmangel zu vermeiden und die Körperfunktionen zu erhalten.

Bewohnerspezifische Risikofaktoren

Das Risiko steigt bei vermindertem Durstgefühl, Demenz, Dysphagie, eingeschränktem Zugang zu Getränken, bewusstem Trinkverzicht wegen Inkontinenz sowie bei Hitze, Fieber, Durchfall und Diuretika [1].

Pflegerische Kernmaßnahmen

Wichtig sind regelmäßige Trinkerinnerungen, passende Trinkhilfen und eine strukturierte Flüssigkeitsbilanz [1]. Getränke sollten jederzeit gut erreichbar sein und in den bevorzugten Gefäßen angeboten werden. Das unterstützt die selbstständige Flüssigkeitsaufnahme [1]. Bei Hitzephasen gehören einrichtungsweite Hitzeschutzpläne zur Prophylaxe [1].

Pflegefachkräfte sollten die Flüssigkeitsbilanz regelmäßig prüfen und auf diese Warnzeichen achten [1]:

Warnzeichen Beobachtung
Deutlich reduzierte Trinkmenge Ablehnung von Getränken oder deutlich geringere Aufnahme
Akute Verwirrtheit Plötzliche Desorientiertheit als mögliches Zeichen von Flüssigkeitsmangel
Trockene Mundschleimhaut Sichtbare Trockenheit oder verminderter Speichelfluss
Auffällige Puls- oder Blutdruckwerte Auffällige Schwankungen bei Puls oder Blutdruck
Stehende Hautfalten Verminderter Hautturgor

Trinkmenge, Ablehnung und Auffälligkeiten sollten knapp dokumentiert werden.

DNQP-Expertenstandard

Einen eigenen DNQP-Expertenstandard gibt es dazu nicht. Das Thema ist im Expertenstandard „Ernährungsmanagement zur Sicherung und Förderung der oralen Ernährung in der Pflege" verankert [2][4].

Im nächsten Abschnitt geht es um Mangelernährung, da Flüssigkeitsmangel und unzureichende Ernährung oft zusammen auftreten.

9. Mangelernährungsprophylaxe

Ziel der Prophylaxe

Ziel ist, Nährstoffdefizite früh zu erkennen und passende Maßnahmen einzuleiten. So lässt sich Mangelernährung vorbeugen, und Gesundheit sowie Lebensqualität der Bewohnerinnen und Bewohner bleiben möglichst erhalten [1].

Bewohnerspezifische Risikofaktoren

Das Risiko für Mangelernährung steigt bei eingeschränkter Mobilität, Dysphagie, geschwächtem Immunsystem, chronischen Wunden und unbeabsichtigtem Gewichtsverlust [1]. Frühzeichen sind eine deutlich verminderte Nahrungsaufnahme, Appetitlosigkeit und unbeabsichtigter Gewichtsverlust [1]. Auch plötzlich auftretende Verwirrtheit kann auf ein Ernährungsdefizit hinweisen [1].

Daraus ergeben sich drei pflegerische Schwerpunkte: ein frühes Screening, eine angepasste Kostform und eine engmaschige Verlaufskontrolle.

Pflegerische Kernmaßnahmen

Die Grundlage ist ein systematisches Screening bei Einzug und bei jeder relevanten Veränderung des Gesundheitszustands [4]. Dafür werden in der Praxis unter anderem der Mini Nutritional Assessment (MNA), das Nutritional Risk Screening (NRS-2002) und das PEMU-Screening genutzt [6][3][4].

Auf das Screening folgt ein individueller Ernährungsplan. Die Ernährung wird daran ausgerichtet und nachvollziehbar dokumentiert. Eiweiß- und vitaminreiche Kost unterstützt die Versorgung. Bei Dysphagie kann auch pürierte Kost nötig sein.

Regelmäßig kontrolliert werden:

  • Gewicht
  • Nahrungsaufnahme
  • Hautzustand

Diese Beobachtungen sind für die pflegerische Steuerung wichtig [1][4]. Für das Qualitätsmanagement ist zudem der MD-Indikator zum unbeabsichtigten Gewichtsverlust von mehr als 10 % in 6 Monaten bedeutsam [4].

DNQP-Expertenstandard

Für die Mangelernährungsprophylaxe gilt der DNQP-Expertenstandard „Ernährungsmanagement zur Sicherung und Förderung der oralen Ernährung in der Pflege" in der 1. Aktualisierung von 2017 [2][4]. Nach § 113a SGB XI ist die Umsetzung in allen zugelassenen Pflegeeinrichtungen verbindlich. Geprüft wird dies durch den Medizinischen Dienst (MD, früher MDK). Für PDL und QM kommt es dabei vor allem darauf an, dass die Umsetzung im Pflegealltag klar nachvollziehbar ist [2][4].

10. Intertrigo-Prophylaxe

Ziel der Prophylaxe

Ziel ist, die Haut in Körperfalten vor Reizung und Entzündung zu schützen.

Bewohnerspezifische Risikofaktoren

Das Risiko steigt bei Adipositas, Inkontinenz, Immobilität und starkem Schwitzen. In der Praxis heißt das: Die Haut braucht eine verlässliche Kontrolle und einen guten Schutz vor Feuchtigkeit.

Pflegerische Kernmaßnahmen

Im Rahmen der täglichen Pflege kontrollieren Sie Hautfalten auf Rötungen, Mazeration und andere Reizzeichen. Mazeration meint das Aufweichen der Haut durch anhaltende Feuchtigkeit. Halten Sie die betroffenen Bereiche sauber und trocken.

Hautschutzprodukte und Barrierepräparate können die Pflege sinnvoll unterstützen. Bei Inkontinenz sind passende Inkontinenzhilfsmittel und ein regelmäßiger Wechsel wichtig. Ohne Dokumentation gelten die Maßnahmen in der MD-Prüfung nicht als nachgewiesen [1]. Deshalb ist die Intertrigo-Prophylaxe eng mit der Pflege der Hautintegrität verbunden.

DNQP-Expertenstandard

Für die Intertrigo-Prophylaxe gibt es keinen eigenen DNQP-Expertenstandard. Sie ist im Standard „Erhaltung und Förderung der Hautintegrität in der Pflege" verankert. Dieser Standard ist nach § 113a SGB XI für alle zugelassenen Pflegeeinrichtungen verbindlich [2][4].

11. Mundsoor- und Parotitisprophylaxe

Nach Atmung und Schlucken rückt nun die Mundgesundheit als eigener Risikobereich in den Blick.

Ziel der Prophylaxe

Ziel ist, Mundsoor und Parotitis zu verhindern. Eine gute Mundgesundheit senkt zudem das Risiko für Folgeerkrankungen wie Pneumonie [3].

Bewohnerspezifische Risikofaktoren

Das Risiko steigt vor allem bei Xerostomie, Dysphagie, Immunschwäche, eingeschränkter Selbstpflege und geringer Flüssigkeitszufuhr. Auch fehlendes Kauen, zum Beispiel bei Sondenernährung, erhöht das Risiko für Parotitis [1].

Pflegerische Kernmaßnahmen

Im Pflegealltag sind drei Punkte zentral: Mundpflege, Förderung des Speichelflusses und die Kontrolle der Mundhöhle.

Zähne, Zahnprothesen, Zunge und Schleimhäute sollten mindestens zweimal täglich gereinigt werden [1]. Eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr hilft, die Schleimhäute feucht zu halten [1]. Den Speichelfluss können Sie zum Beispiel mit zuckerfreien Lutschpastillen oder Kaugummi anregen.

Kontrollieren Sie die Mundhöhle mindestens einmal pro Woche. Weiße oder cremige Beläge auf Zunge oder Schleimhaut können auf Soor hinweisen. Schwellungen oder Schmerzen im Bereich der Ohrspeicheldrüse können auf eine Parotitis hindeuten [1].

Nutzen Sie bei der Aufnahme und bei Veränderungen ein strukturiertes Mundgesundheits-Screening, zum Beispiel das R4-Screening [3]. Die Ergebnisse gehen direkt in die Pflegeplanung ein. Der Expertenstandard fordert zudem die Zusammenarbeit mit Zahnärztinnen und Zahnärzten [4].

DNQP-Expertenstandard

Für diese Prophylaxe gibt es einen eigenen DNQP-Expertenstandard: „Förderung der Mundgesundheit in der Pflege". Er beschreibt die Pflegeplanung auf Basis eines Assessments sowie die Kooperation mit Zahnärztinnen und Zahnärzten [4].

Danach folgt die Infektionsprophylaxe.

12. Infektionsprophylaxe

Infektionsprophylaxe schützt Bewohnerinnen und Bewohner sowie Mitarbeitende vor Erregern und deren Folgen. In der stationären Langzeitpflege ist das Thema an vielen Stellen präsent. Besonders oft geht es um Wunden, Atemwege, Mundraum und invasive Zugänge. Damit besteht ein direkter Bezug zu den vorherigen Risikofeldern dieses Artikels, vor allem zu Haut, Mund, Atemwegen und Ausscheidung.

Bewohnerspezifische Risikofaktoren

Das Infektionsrisiko ist erhöht bei geschwächtem Immunsystem, chronischen Wunden, Kathetern oder anderen invasiven Zugängen, Dysphagie, Immobilität und Inkontinenz. Gerade bei Inkontinenz können Hautschäden entstehen. Solche Hautschäden bilden Eintrittspforten für Erreger [1].

Pflegerische Kernmaßnahmen

Zu den zentralen Maßnahmen gehören eine konsequente Händehygiene, passende persönliche Schutzausrüstung sowie die fachgerechte Versorgung von chronischen Wunden und Kathetern [1]. Damit knüpft die Infektionsprophylaxe unmittelbar an die Haut-, Mund- und Pneumonieprophylaxe an.

Auch die Mundpflege spielt eine wichtige Rolle. Ein guter Speichelfluss und eine ausreichende Trinkmenge unterstützen die körpereigene Abwehr. Eine eiweiß- und vitaminreiche Ernährung kann die Immunfunktion zusätzlich stärken [1].

Prüfen Sie mindestens einmal pro Woche Haut, Atmung und Flüssigkeitshaushalt auf Hinweise für eine Infektion. Dazu zählen zum Beispiel:

  • Rötung
  • Wärme
  • Sekret
  • Schmerzen
  • Fieber
  • Atemnot

Diese Beobachtungen sollten Sie in den Pflegealltag einordnen und bei Veränderungen zeitnah weitergeben [1].

DNQP-Expertenstandard

Einen eigenen DNQP-Expertenstandard zur Infektionsprophylaxe gibt es nicht. Das Thema ist in den Expertenstandards zu Mundgesundheit, Hautintegrität, chronischen Wunden und Harnkontinenz verankert [2][4].

Die Hygieneregeln ergeben sich aus dem IfSG und den KRINKO-Empfehlungen des RKI [6]. Jede Einrichtung braucht einen Hygieneplan nach IfSG. Die Umsetzung gehört in den Hygieneplan, in die Pflegeplanung und in die QM-Prüfung.

Prophylaxen in der Pflege strukturiert umsetzen

Nach der Übersicht geht es um die gemeinsame Umsetzungslogik im Pflegealltag. Jede Prophylaxe folgt demselben Ablauf: Risiko erkennen, Maßnahmen planen, durchführen, dokumentieren und auswerten. Bei Prophylaxen mit eigenem DNQP-Expertenstandard gibt der Standard den Rahmen vor. Für alle anderen brauchen Sie interne Standards auf Basis des aktuellen pflegewissenschaftlichen Wissens.

Ein Expertenstandard ist keine Schritt-für-Schritt-Anleitung. Er beschreibt den Rahmen für Struktur-, Prozess- und Ergebnisqualität [2][3]. Am Anfang steht immer die Risikoeinschätzung. Sie ist die Grundlage jeder weiteren Planung.

Validierte Skalen wie die Braden-Skala bei Dekubitus oder die Morse-Skala bei Sturz helfen bei der Einschätzung. Sie geben Orientierung, ersetzen aber nicht das klinische Urteil der Pflegefachkraft. Ändert sich der Zustand einer Bewohnerin oder eines Bewohners in pflegerisch bedeutsamer Weise, muss die Einschätzung erneut erfolgen. Erst eine saubere Dokumentation macht die Maßnahme für QM und Prüfung nachvollziehbar.

Nicht dokumentierte Maßnahmen sind in der Prüfung nicht nachweisbar. Halten Sie deshalb Risiko, Maßnahmen, Durchführung und Auswertung knapp, aber vollständig fest. Wichtig ist auch: Maßnahmen müssen zum jeweiligen Risiko passen. Pauschale Standardlösungen für alle Bewohnerinnen und Bewohner sind nicht zulässig [4].

Für das QM folgt danach die Wirksamkeitskontrolle. Prüfen Sie regelmäßig, ob die Maßnahmen greifen, und passen Sie sie bei Bedarf an. Seit 2019 müssen stationäre Einrichtungen halbjährlich Qualitätsindikatoren erheben. Dazu gehören unter anderem die Dekubitusrate und Stürze mit schweren Folgen [4]. Diese Indikatoren verknüpfen die Umsetzung im Alltag mit der Ergebniskontrolle, besonders bei Dekubitus und Sturz.

Atemwege, Schlucken und Vitalzeichen: Was Sie beachten müssen

Diese drei Prophylaxen greifen im Pflegealltag oft direkt ineinander. Deshalb sollten Sie sie zusammen betrachten.

Thrombose-, Pneumonie- und Aspirationsprophylaxe hängen häufig miteinander zusammen. Immobilität, Dysphagie und ein reduzierter Allgemeinzustand erhöhen oft mehrere Risiken gleichzeitig.

Für Thrombose, Pneumonie und Aspiration gibt es keinen eigenen DNQP-Expertenstandard. Planen Sie Maßnahmen deshalb individuell und nach aktuellem pflegewissenschaftlichem Stand [1][2].

Indirekt geben die Expertenstandards zu Mobilität und Mundgesundheit Orientierung. Auch Vitalzeichen helfen dabei, Veränderungen von Atmung und Kreislauf früh einzuordnen [2][3].

Im Alltag heißt das vor allem:

  • Bringen Sie bettlägerige Bewohnerinnen und Bewohner mehrmals täglich in eine sitzende Position.
  • Achten Sie beim Essen und Trinken auf Husten, Räuspern, Atemnot, erhöhten Puls und plötzliche Verwirrtheit.
  • Dokumentieren Sie Indikation, Durchführung und Beobachtungen in der Pflegeplanung [1][3][4].

Mobilität, Ausscheidung und Flüssigkeitshaushalt: Was Sie beachten müssen

Kontraktur-, Obstipations- und Dehydrationsprophylaxe greifen im Alltag eng ineinander. Wenn die Mobilität abnimmt, steigen oft mehrere Risiken zugleich: Gelenke versteifen leichter, die Darmtätigkeit wird träger, und ein Flüssigkeitsmangel entsteht eher. Das gilt besonders bei Bewohnerinnen und Bewohnern, die ihren Bedarf nicht klar äußern können.[1]

Schmerzen, kognitive Einschränkungen und Polypharmazie verschärfen die Lage und machen die Beobachtung anspruchsvoller. Wer Schmerzen hat, bewegt sich meist weniger. Das wirkt sich oft direkt auf Darmtätigkeit und Trinkverhalten aus.[1]

Legen Sie Trinkmengen nicht pauschal fest. Bei Herzinsuffizienz oder Nierenerkrankung gelten die ärztlichen Vorgaben. Für die Obstipationsprophylaxe sind vor allem Ernährung, Bewegung und eine verlässliche Tagesstruktur wichtig. Die Kontrakturprophylaxe ist im Mobilitätsstandard verankert, die Dehydrationsprophylaxe im Ernährungsmanagement. Für Obstipation arbeiten Einrichtungen in der Regel mit internen Standards.[2][4]

Prüfen Sie wöchentlich:

  • Hautturgor, Stuhlverhalten und Beweglichkeit
  • Schonhaltungen sowie andere Abweichungen

Dokumentieren Sie Auffälligkeiten jeweils mit Maßnahme und Wirkung.[1][4]

Im nächsten Abschnitt geht es um Ernährung, Hautfalten und Mundgesundheit, weil diese Risiken oft gemeinsam auftreten.

Ernährung, Hautfalten und Mundgesundheit: Was Sie beachten müssen

Mangelernährung senkt den Hautturgor und begünstigt Hautfalten. Das erhöht das Risiko für Intertrigo. Umgekehrt kann ein trockener Mund das Kauen und Schlucken erschweren, den Appetit mindern und so eine Mangelernährung begünstigen. Deshalb ist es sinnvoll, diese drei Prophylaxen im Alltag zusammen zu betrachten.

Achten Sie auf Appetit, Kauvermögen, Schluckakt und unbeabsichtigten Gewichtsverlust. Für die erste Einschätzung genügen oft wenige Kernfragen. MNA oder NRS-2002 helfen bei der Einordnung des Risikos.

Intertrigo entsteht vor allem durch Feuchtigkeit, Reibung und Inkontinenz. Besonders wichtig sind passend ausgewählte Inkontinenzmaterialien und eine sorgfältige Hautpflege.

Xerostomie fördert Soor und Parotitis. Viele Medikamente, die in der stationären Langzeitpflege eingesetzt werden, verringern den Speichelfluss. Schlecht sitzende Zahnprothesen können Druckstellen verursachen, Schmerzen auslösen und als Reservoir für Krankheitserreger wirken. Regelmäßige Prothesenreinigung und Maßnahmen zur Speichelanregung sind deshalb wichtig. [1]

Zur Orientierung im Pflegealltag hilft der Blick in die DNQP-Expertenstandards:

  • Mangelernährung ist im Standard Ernährungsmanagement zur Sicherung und Förderung der oralen Ernährung verankert.
  • Intertrigo ist im Standard Erhaltung und Förderung der Hautintegrität berücksichtigt.
  • Soor und Parotitis sind im Standard Förderung der Mundgesundheit verankert.
  • Für Intertrigo sowie Soor und Parotitis gibt es keine eigenen DNQP-Expertenstandards, wie es bei Dekubitus oder Sturz der Fall ist. [2][4]

Dokumentieren Sie Hautbefunde, Gewichtsverlauf und eingeleitete Maßnahmen vollständig und nachvollziehbar.

Danach folgt die Infektionsprophylaxe in der stationären Langzeitpflege.

Infektionsprophylaxe in der stationären Langzeitpflege

Für Dokumentation und QM ist bei der Infektionsprophylaxe vor allem die klare Trennung wichtig: zwischen allgemeinen Hygieneregeln und individuellen Maßnahmen. In der stationären Langzeitpflege gibt es damit zwei Ebenen: allgemeine Hygienemaßnahmen für alle Bewohnerinnen und Bewohner sowie zusätzliche Maßnahmen bei erhöhtem Risiko. Händehygiene, persönliche Schutzausrüstung, Atemhygiene und der sichere Umgang mit Medizinprodukten gehören in den Hygieneplan der Einrichtung. Individuelle Maßnahmen wie Mundpflege oder Pneumonieprophylaxe gehören in die Pflegeplanung und in die laufende Dokumentation. [1][4][6]

Für PDL und QM ist danach die rechtliche Einordnung wichtig und die Frage, wo der Nachweis geführt wird. Rechtsgrundlagen sind das IfSG und § 113a SGB XI. Meldepflichtige Infektionen und Ausbrüche müssen dem Gesundheitsamt gemeldet werden. Der Medizinische Dienst (MD, früher MDK) prüft, ob Risiken bei der Aufnahme und bei Zustandsveränderungen erfasst wurden und ob die Maßnahmen in der Dokumentation schlüssig nachvollziehbar sind. [3][4]

Im Alltag hilft ein fester Blick auf frühe Infektzeichen. Prüfen Sie wöchentlich Haut, Atmung und Allgemeinzustand. Plötzliche Verwirrtheit, Fieber, Veränderungen der Atmung oder Hautrötungen können frühe Hinweise sein. Solche Beobachtungen sollten zeitnah ärztlich abgeklärt werden. [1][3]

Zur Prophylaxe gehört auch das Thema Schutzimpfungen. Die Einrichtung informiert über empfohlene Impfungen und unterstützt beim Zugang, zum Beispiel bei Terminorganisation oder Aufklärung. Die Entscheidung trifft die Bewohnerin oder der Bewohner selbst oder die rechtliche Vertretung. [1][3]

Dokumentation und Qualitätsmanagement: Eine praktische Checkliste

Damit Prophylaxen im Alltag prüffest bleiben, braucht jede Maßnahme dieselbe Dokumentationslogik. Für den MD muss jede Prophylaxe vom Risiko bis zur Evaluation nachvollziehbar festgehalten sein. Nicht belegte Maßnahmen gelten in der Prüfung nicht als nachgewiesen. [4]

Für alle 12 Prophylaxen gilt dieselbe Grundstruktur: Risiko, Ziel, Maßnahme, Durchführung und Evaluation müssen lückenlos dokumentiert sein. Die folgende Checkliste fasst die Punkte zusammen, die in jeder Prophylaxe-Dokumentation stehen sollten.

Dokumentationselement Inhaltliche Anforderung
Risiko Ergebnis aus validiertem Instrument, z. B. Braden oder Morse, und klinischer Beobachtung
Hinweise Konkrete Zeichen wie Hautrötung, reduzierte Trinkmenge, Husten beim Essen oder Verwirrtheit [1]
Ziel Aus Bewohnerperspektive formuliert, z. B. „Bewohnerin bleibt frei von Druckschäden"
Maßnahmen Spezifische Interventionen, z. B. „2-stündliche Umlagerung" oder „Einsatz von Trinkhilfen" [1]
Zuständigkeit Klare Zuordnung, wer die Maßnahme durchführt, z. B. Fachkraft oder Hilfskraft
Nachweis Abzeichnung mit Begründung bei Abweichungen, nicht nur Auslassung
Evaluation Prüfung, ob die Maßnahme das Ziel erreicht hat und das Risiko noch aktuell ist
Prüfdatum Bei Aufnahme, in festen Abständen, z. B. alle 3 Monate, und bei jeder Zustandsveränderung [4]
Eskalation Definierte Handlungsanlässe, z. B. plötzlicher Gewichtsverlust von mehr als 10 % in 6 Monaten, neue Druckstellen oder akute Verwirrtheit [1][4]

Interne Audits helfen dabei, Schwachstellen früh zu sehen. Sie zeigen, wo Einträge unvollständig sind, wo der Risikobezug fehlt oder wo Maßnahmen nicht sauber nachgewiesen wurden. So lassen sich Dokumentationslücken oft schon vor einer externen Prüfung erkennen und bearbeiten. [4][5]

Weiterführende Artikel

Für die praktische Umsetzung und eine prüffeste Dokumentation vertiefen diese Beiträge die wichtigsten Punkte:

  • Dekubitusprophylaxe: DNQP-Standard, Risikoeinschätzung und Dokumentation
  • Sturzprophylaxe: Standard, Risikoeinschätzung und Maßnahmen im Alltag
  • SIS: Prophylaxebedarfe früh erfassen und in die Pflegeplanung übernehmen
  • Risikoassessment und Qualitätsmanagement: Instrumente, Umsetzung und Prüffestigkeit

Digital kann dexter health die laufende Dokumentationsprüfung und die QM-Auswertung unterstützen.

Hinweis zur digitalen Dokumentationsunterstützung

Für die tägliche Arbeit mit Dokumentation und QM kann digitale Unterstützung helfen, Abläufe besser nachzuvollziehen. dexter.qm wertet vorhandene Pflegedaten in festen Abständen aus und zeigt QM sowie PDL, wo Dokumentationslücken bestehen und an welcher Stelle Handlungsbedarf entsteht.

dexter.mobile unterstützt die sprachbasierte Dokumentation auf dem Smartphone. Laut Erhebung der Rummelsberger Diakonie sparte das dort rund 20 Minuten Dokumentationszeit pro Tag. Dieser Wert gilt für die dortige Einrichtung und ist einrichtungsspezifisch.

FAQ

Die wichtigsten Praxisfragen zur Einordnung, Dokumentation und Abgrenzung von Prophylaxen sind hier kurz gebündelt.

Welche Prophylaxen haben einen DNQP-Expertenstandard?

Eigene DNQP-Expertenstandards gibt es vor allem für Dekubitus und Sturz. Weitere für die Prophylaxe relevante Standards betreffen unter anderem Ernährungsmanagement, Mobilität, Mundgesundheit, Hautintegrität und Kontinenzförderung. Für Thrombose, Pneumonie, Aspiration, Obstipation, Dehydration und Intertrigo gibt es keinen eigenen Standard [1][2].

Gilt jede Prophylaxe automatisch für alle Bewohnerinnen und Bewohner?

Nein. Entscheidend ist immer das individuelle Risiko. Erst eine systematische Einschätzung, zum Beispiel mit Braden oder Morse, bildet die Grundlage für passende Maßnahmen [3][4].

Was gehört in die Prophylaxe-Dokumentation?

Dokumentieren Sie das Risiko, die geplante Maßnahme, die Durchführung und die Wirkung. Im Prüfkontext gilt: Was nicht dokumentiert ist, ist nicht nachgewiesen [4].

Wie oft müssen Risiken neu bewertet werden?

Bei Aufnahme, bei jeder relevanten Zustandsveränderung und in festgelegten Abständen [3][4].

Was ist der Unterschied zwischen Infektionsprophylaxe und bewohnerspezifischer Prophylaxe?

Infektionsprophylaxe meint allgemeine Hygienemaßnahmen für alle. Bewohnerspezifische Prophylaxen beruhen auf einem individuellen Risikobefund und richten sich an einzelne Bewohnerinnen und Bewohner [1].

Fazit

Prophylaxen in der Pflege sind keine Standardroutine für alle Bewohnerinnen und Bewohner. Sie leiten sich aus einer individuellen Risikoeinschätzung ab.[1][4]

Von den hier vorgestellten Prophylaxen haben nur die Dekubitusprophylaxe und die Sturzprophylaxe einen eigenen DNQP-Expertenstandard. Andere vorbeugende Maßnahmen sind in verwandten DNQP-Standards verankert, zum Beispiel im Ernährungsmanagement, in der Förderung der Mundgesundheit oder in der Erhaltung der Mobilität.[2][3] Für die DNQP-Expertenstandards gilt der verbindliche Rahmen nach § 113a SGB XI.[2][4]

Die Tabelle bündelt Risiken, Kernmaßnahmen und Links zur Serie. Sie ordnet Risiken und passende Prophylaxen zu. Risikoeinschätzung, Maßnahme, Durchführung und Wirkungskontrolle müssen nachvollziehbar dokumentiert sein.[1][4]

Grundsatz: Risiko erkennen, gezielt handeln, dokumentieren, neu bewerten.

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