
Leitfaden zur Einführung von KI‑gestützter Pflegedokumentation: Zeitplan, Kosten, Rollen, Technik und Datenschutz.
Pflegekräfte verbringen täglich bis zu 90 Minuten mit Dokumentation – Zeit, die bei der Versorgung fehlt. KI-basierte Dokumentationssysteme helfen, diesen Aufwand zu reduzieren, indem sie Spracheingaben direkt in Pflegesoftware umwandeln. So können Pflegekräfte effizienter arbeiten, während die Dokumentationsqualität steigt. Bis 2028 sollen 70 % aller Pflegeeinrichtungen in Deutschland KI nutzen.
Die Einführung erfordert anfänglich mehr Einsatz, zahlt sich aber durch langfristige Entlastung und bessere Pflegequalität aus. Jetzt starten und von Zeit- und Kosteneinsparungen profitieren.
Bevor Sie mit der Einführung starten, sollten Sie drei zentrale Aspekte analysieren: Ihre Ziele, die bestehende IT-Infrastruktur und die Menschen, die das Projekt tragen sollen. Diese Schritte schaffen die Basis für einen erfolgreichen Implementierungsprozess und erleichtern den Einstieg in die KI-gestützte Dokumentation, die den Pflegealltag effizienter gestalten kann.
Überlegen Sie, wo in Ihrem Arbeitsalltag aktuell die meiste Zeit verloren geht. Konzentrieren Sie sich auf konkrete Anwendungsfälle, die schnell greifbare Verbesserungen bringen – beispielsweise die Einführung der KI-Sprachdokumentation in der Grundpflege. Setzen Sie von Anfang an messbare Ziele, wie etwa:
Diese Zielsetzungen helfen, den Erfolg der Einführung zu bewerten und die Akzeptanz im Team zu fördern.
Ein zentraler Punkt ist die technische Kompatibilität: Kann die KI-Lösung nahtlos in Ihre bestehende Pflegesoftware integriert werden? Ohne diese Verbindung droht eine doppelte Dokumentation, wodurch der gewünschte Zeitgewinn verloren geht [2].
Weitere wichtige Punkte:
„KI strukturiert die Eingabe, aber die Pflegekraft bleibt inhaltlich verantwortlich. Jede Dokumentationszeile muss der Mitarbeiterin oder dem Mitarbeiter zugeordnet werden können, die bzw. der sie freigegeben hat." – Dr. Jens Aichinger, Geschäftsführer, SkillSprinters [2]
Technologie allein reicht nicht aus – der Erfolg hängt maßgeblich von den Menschen ab, die sie nutzen. Binden Sie alle relevanten Akteure frühzeitig ein und verteilen Sie klare Rollen:
| Beteiligte | Hauptaufgabe |
|---|---|
| Einrichtungsleitung | Freigabe des Budgets, strategische Planung und rechtliche Verantwortung |
| Pflegedienstleitung (PDL) | Auswahl der Tools, Anpassung der Prozesse und Qualitätskontrolle |
| Pflegekräfte | Testen der Sprachdokumentation und Feedback zur Verbesserung |
| Datenschutzbeauftragte/r | Prüfung der Auftragsverarbeitungsverträge (AVV), Durchführung der Datenschutz-Folgenabschätzung (DSFA) und Sicherstellung der DSGVO-Konformität |
| IT / Softwareanbieter | Integration der Schnittstellen, Bereitstellung der Infrastruktur und technischer Support |
Ein weiterer wichtiger Punkt: Der Betriebsrat muss von Beginn an eingebunden werden. Systeme, die Arbeitszeiten oder die Vollständigkeit von Dokumentationen erfassen, fallen unter die Mitbestimmung gemäß § 87 Abs. 1 Nr. 6 BetrVG und erfordern eine formelle Betriebsvereinbarung [2].
Indem Sie alle Beteiligten frühzeitig ins Boot holen, stellen Sie sicher, dass sowohl technische als auch organisatorische Voraussetzungen erfüllt werden. So schaffen Sie die Grundlage für eine erfolgreiche Einführung.
KI-Dokumentation in der Pflege: 4-Phasen-Einführungsplan
Nachdem die Grundlagen gelegt sind, folgt ein klarer Zeitplan, um die Einführung strukturiert anzugehen. Ein vierstufiger Prozess hat sich dabei als effektiv erwiesen. Insgesamt erstreckt sich die Einführung über mehrere Monate, wobei Phase 4 bis zu sieben Monate dauern kann.
Die ersten vier Wochen dienen der Auswahl der passenden Lösung und der Klärung rechtlicher Grundlagen. Dabei sollten Sie Anbieter anhand von drei Hauptkriterien bewerten: technische Integration in Ihre bestehende Software, Qualität der Spracherkennung (besonders bei regionalen Dialekten) und Klarheit des Auftragsverarbeitungsvertrags (AVV) gemäß Art. 28 DSGVO [2].
Parallel dazu sollte Ihr Datenschutzbeauftragter die Datenschutz-Folgenabschätzung (DSFA) nach Art. 35 DSGVO einleiten, da die Verarbeitung von Gesundheitsdaten strengen Vorgaben unterliegt [2]. Prüfen Sie auch, ob Fördermittel über das Qualifizierungschancengesetz (QCG) für Schulungskosten beantragt werden können [1].
„Die Datenschutz-Folgenabschätzung (DSFA) nach Art. 35 DSGVO ist Pflicht, weil Pflegedaten im großen Maßstab verarbeitet werden. Den Text schreibt der Datenschutzbeauftragte – nicht die Marketingabteilung des KI-Anbieters." – Dr. Jens Aichinger, Geschäftsführer, SkillSprinters [2]
Nach der Entscheidung für eine Lösung beginnt die technische Umsetzung. Die KI wird in Ihre bestehende Pflegesoftware integriert, sodass Spracheingaben direkt in strukturierte Felder wie Vitalwerte oder Berichte übertragen werden [4]. Zusätzlich sollten mobile Endgeräte angeschafft werden – für eine Einrichtung mit 76 Plätzen werden beispielsweise etwa 12 Smartphones benötigt [4].
Definieren Sie einen Pilotbereich und wählen Sie interne Multiplikatoren aus. Diese Mitarbeitenden spielen eine Schlüsselrolle bei der Einführung und unterstützen ihre Kolleginnen und Kollegen bei der Nutzung des Systems [4]. Sobald die technischen Voraussetzungen geschaffen sind, kann der Pilotbetrieb starten.
Im Pilotbetrieb wird getestet, wie gut die Lösung im Alltag funktioniert. Führen Sie einstündige Schulungen während der Schichtwechsel durch und dokumentieren Sie diese, um die Anforderungen der KI-Kompetenzpflicht zu erfüllen [4]. Dies ist besonders wichtig, da auch der Medizinische Dienst spezifische Erwartungen an die KI-Pflegeplanung stellt.
Überwachen Sie wichtige Kennzahlen wie die Anzahl der täglich erstellten Einträge, die Zeit für die SIS-Dokumentation mit KI und die Zahl offener Maßnahmen. Diese Daten helfen Ihnen zu entscheiden, wann der Rollout auf die gesamte Einrichtung sinnvoll ist. Einrichtungen konnten in der Praxis ihre Dokumentationseinträge innerhalb von zwei Monaten verdreifachen [4].
Nach einem erfolgreichen Pilot wird die Lösung schrittweise auf alle Wohnbereiche ausgeweitet. Die geschulten Multiplikatoren unterstützen neue Kolleginnen und Kollegen direkt im Arbeitsalltag. Planen Sie regelmäßige Auffrischungsschulungen ein, insbesondere für neue Mitarbeitende oder nach Software-Updates. Das Ziel: Die Dokumentationszeit pro Schicht soll sich um 30 bis 50 Prozent verringern, sobald das System routiniert genutzt wird [1].
In den ersten drei Monaten sollten Sie mit einem erhöhten Koordinationsaufwand rechnen. Dieser reicht von Datenschutzabstimmungen bis hin zur Auswertung von Feedback. Nach dieser Phase nimmt der Aufwand spürbar ab. Auf Stationsebene ist es wichtig, feste Ansprechpersonen zu benennen, die das Team unterstützen und dabei helfen, neue Arbeitsroutinen zu etablieren.
Für Pflegekräfte bedeutet die Einführung einer neuen Dokumentationsmethode anfangs mehr Disziplin: Statt die Dokumentation später am PC nachzuholen, erfolgt die Erfassung direkt während der Pflege oder Aufnahme per Spracheingabe. Diese Umstellung zahlt sich jedoch aus. Langfristig kann die Dokumentationszeit um bis zu 45 % reduziert werden – das entspricht 6,25 Stunden pro Tag oder rund 1,5 zusätzlichen Vollzeitstellen [3].
Nach der Klärung des Zeitaufwands ist es entscheidend, die technische Ausstattung entsprechend anzupassen, um diese Effizienzgewinne zu ermöglichen.
Die technischen Anforderungen sind überschaubar, aber entscheidend. Im Zentrum stehen Smartphones oder Tablets mit lokaler Spracherkennung, um sicherzustellen, dass Gesundheitsdaten nicht in die Cloud gelangen und datenschutzrechtliche Vorgaben eingehalten werden. Für eine reibungslose Synchronisierung mit der zentralen Pflegesoftware ist ein stabiles WLAN oder LTE/5G in allen Wohnbereichen notwendig.
Die KI-Lösung sollte so integriert werden, dass Spracheingaben direkt in die strukturierten Felder der Pflegesoftware übertragen werden. Dadurch werden Doppeleingaben vermieden. Langfristig können stationäre PC-Arbeitsplätze reduziert werden, was zusätzliche Einsparungen ermöglicht [3].
Diese technischen Voraussetzungen schaffen die Grundlage für eine erfolgreiche Implementierung. Doch auch die finanziellen Aspekte dürfen nicht außer Acht gelassen werden.
Nachdem Zeit und Technik geplant sind, folgt die detaillierte Budgetplanung. Typische Kostenblöcke sowie mögliche Förderungen lassen sich wie folgt zusammenfassen:
| Kostenblock | Details | Förderung |
|---|---|---|
| Softwarelizenzen | Ca. 12–15 € pro Nutzer/Monat [5] | ROI durch 30–60 Min. Zeitersparnis pro Schicht |
| Hardware | Smartphones oder Tablets für das Personal | – |
| Schulungen | Ca. 60 Stunden pro Pflegekraft [2] | 25–100 % über das Qualifizierungschancengesetz (§ 82 SGB III) |
| Datenschutz & Recht | DSFA, Betriebsvereinbarung, DSB-Beratung | Vermeidet Bußgelder bis zu 20 Mio. € |
| Technische Integration | Einmalige Einrichtung der Schnittstelle zur Pflegesoftware | Reduziert Nachbearbeitungsaufwand dauerhaft |
Ein Beispiel aus der Praxis: Die Berger Pflege gGmbH in Bayreuth begann im Februar 2026 mit der Einführung ihrer Lösung für 80 Pflegeplätze. 24 Pflegekräfte erhielten jeweils 60 Stunden Schulung, die über das Qualifizierungschancengesetz gefördert wurde. Bereits bis Mai 2026 konnte die Dokumentationszeit von 75 auf 35 Minuten pro Schicht gesenkt werden [2].
Nachdem die technischen und organisatorischen Voraussetzungen geklärt sind, rückt das Team in den Mittelpunkt. Ohne die aktive Einbindung und Unterstützung der Mitarbeitenden bleibt jede Veränderung ein schwieriges Unterfangen.
Damit die Einführung von KI-Dokumentation gelingt, müssen Führungskräfte das Projekt nicht nur unterstützen, sondern auch sichtbar vorantreiben. Der Schwerpunkt sollte dabei stets auf dem Vorteil für die Pflegekräfte liegen: weniger Zeit für Dokumentation, mehr Zeit für die Bewohnerinnen und Bewohner. Regelmäßige Befragungen helfen dabei, Bedenken frühzeitig zu erkennen. Tatsächlich hat sich die Mitarbeiterzufriedenheit in Einrichtungen, die KI-Dokumentation eingeführt haben, messbar verbessert [3]. Die bereits erläuterten Einsparungen machen den Fortschritt für alle greifbar und schaffen Vertrauen.
Darauf aufbauend ist es entscheidend, das Team durch gezielte Schulungen und eine kontinuierliche Begleitung im Alltag zu stärken.
Kurze, praxisnahe Schulungseinheiten haben sich als besonders effektiv erwiesen. Diese können direkt zum Schichtwechsel stattfinden, ohne den Dienstbetrieb wesentlich zu beeinträchtigen. Wie in Phase 3 beschrieben, reichen dafür oft 60 Minuten pro Pflegekraft aus [4]. Dabei geht es nicht nur darum, die Bedienung der KI zu erklären, sondern auch den Sinn dahinter zu vermitteln: Die Freigabe der Einträge durch die Mitarbeitenden ist essenziell. Laut § 113 SGB XI darf kein Eintrag ohne menschliche Prüfung in die Pflegedokumentation übernommen werden [1].
Ein weiterer Erfolgsschlüssel liegt in der Ernennung sogenannter „Champions“ innerhalb der Teams. Diese Ansprechpersonen in den Wohnbereichen helfen bei Fragen, fördern neue Routinen und nehmen Kolleginnen und Kollegen mit weniger Technikaffinität die Berührungsängste. Ein Pilotprojekt der Protestantischen Altenhilfe Westpfalz zeigt, wie effektiv das sein kann: Durch die Unterstützung von QM-Beauftragtem Stephan Späth konnte die Anzahl der Dokumentationseinträge innerhalb von zwei Monaten verdreifacht werden. Außerdem reduzierte sich die Zeit für das Ausfüllen der SIS von einem halben Tag auf nur 1,5 Stunden [4].
„Besonders überrascht hat mich die intuitive Anwendung im Alltag. Alles wird schnell und zuverlässig verarbeitet, was die Akzeptanz bei den Mitarbeitenden deutlich erhöht." – Stephan Späth, QM-Beauftragter, Protestantische Altenhilfe Westpfalz [4]
Parallel dazu müssen IT und Datenschutz von Beginn an aktiv in den Prozess eingebunden werden.
IT-Verantwortliche und der betriebliche Datenschutzbeauftragte (DSB) spielen eine zentrale Rolle bei der Einführung von KI-Dokumentation. Ihre Einbindung sollte frühzeitig erfolgen, um technische Probleme und rechtliche Risiken zu vermeiden. Zu den wichtigsten Aufgaben gehören:
Hinzu kommt die Vorbereitung auf den EU AI Act, der ab 2025 in Kraft tritt. Dieser verpflichtet Einrichtungen dazu, nachzuweisen, dass Mitarbeitende die Funktionsweise, Grenzen und Risiken der eingesetzten KI-Tools verstehen. Dokumentierte Schulungsnachweise sind dabei unerlässlich [1].
Die in diesem Artikel beschriebenen Phasen, Rollen und Maßnahmen verdeutlichen: Ein schrittweiser Rollout, klare Verantwortlichkeiten und die frühzeitige Einbindung von IT und Datenschutz sind entscheidend für einen erfolgreichen Wandel. Interne Ansprechpartner zu benennen und regelmäßig Arbeitszeiten sowie die Zufriedenheit der Mitarbeitenden zu überprüfen, schafft eine solide Basis für nachhaltige Verbesserungen.
Die Zahlen sprechen für sich: Einsparungen von bis zu 6,25 Stunden täglich – das entspricht 1,5 Vollzeitstellen in der direkten Pflege – und eine gesteigerte Attraktivität als Arbeitgeber um 9 % [3]. Diese Ergebnisse zeigen, dass der nächste Schritt gut vorbereitet ist.

Mit diesen Erkenntnissen ist der nächste logische Schritt, die besprochenen Maßnahmen in die Praxis umzusetzen. dexter health bietet maßgeschneiderte Beratung für Pflegeeinrichtungen – von Sprachdokumentation bis hin zu einem intelligenten SIS-Assistenten, der sich nahtlos in bestehende Dokumentationssysteme einfügt.
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Um erfolgreich zu starten, sollten Sie zunächst Ihre bestehenden Prozesse genau unter die Lupe nehmen. Das Ziel? Herausfinden, welche Aufgaben besonders zeitaufwendig sind und wo Optimierungspotenzial besteht. Gleichzeitig ist es wichtig, die technische Infrastruktur zu prüfen. Sind beispielsweise das WLAN stabil und die mobilen Geräte auf dem neuesten Stand?
Ein weiterer wichtiger Schritt ist die Auswahl eines Tools, das den Anforderungen entspricht. Achten Sie darauf, dass es DSGVO-konform ist und sich nahtlos in Ihre bestehenden Systeme integrieren lässt.
Beginnen Sie mit einem Pilotprojekt, um erste Erfahrungen zu sammeln. Dabei ist es hilfreich, das Team in kurzen, praxisnahen Schulungseinheiten auf das neue Tool vorzubereiten. Setzen Sie auf sogenannte Multiplikatoren – engagierte Teammitglieder, die ihre Kollegen unterstützen und dabei helfen, mögliche Ängste abzubauen. So schaffen Sie nicht nur Verständnis, sondern fördern auch die Akzeptanz innerhalb der gesamten Belegschaft.
Der Einsatz von KI-gestützten Dokumentationssystemen bietet zwar viele Vorteile, birgt jedoch erhebliche Risiken, wenn Datenschutz und Compliance nicht sorgfältig beachtet werden. Hier sind einige zentrale Punkte, die Einrichtungen unbedingt berücksichtigen sollten:
Die Einhaltung dieser Anforderungen ist entscheidend, um rechtliche Probleme zu vermeiden und das Vertrauen von Bewohnern sowie Mitarbeitern zu sichern.
Der Erfolg kann in drei Hauptbereichen bewertet werden: