SIS Themenfeld 6: Wohnen und Häuslichkeit mit Beispielen

23.09.2026

Praxisleitfaden für SIS Themenfeld 6 mit Formulierungen, Beispielen, Prüfliste und klarer Maßnahmenableitung.

Bei SIS-Themenfeld 6 in der stationären Langzeitpflege dokumentiere ich nicht die allgemeine Zimmerreinigung, sondern die persönliche Wohnsituation der Bewohnerinnen und Bewohner: Privatsphäre, eigene Gegenstände, Routinen, Mitwirkung und nötige Hilfe. Für die Praxis heißt das: knapp, beobachtbar und aus Bewohnersicht formulieren. Daraus leite ich dann den Maßnahmenplan ab.

  • In Feld B halte ich Wünsche, Gewohnheiten und Prioritäten fest.
  • In Feld C1 beschreibe ich meine Beobachtung fachlich und konkret.
  • Im Maßnahmenplan steht die Umsetzung im Alltag.
  • Im Berichteblatt notiere ich vor allem Abweichungen und besondere Ereignisse.

Worauf ich achte: Themenfeld 6 meint den persönlichen Wohnalltag im Heim. Dazu gehören Zimmergestaltung, Ordnung, Rückzug, Anklopfen, feste Plätze für Dinge, Mithilfe bei Wäsche oder Aufräumen und der Umgang mit persönlichen Sachen.

Was ich vermeide: pauschale Sätze wie „Zimmer wird gereinigt“ oder „Bewohner ist ordentlich“. Solche Einträge helfen weder dem Team noch bei der Nachvollziehbarkeit.

Für eine brauchbare Formulierung reichen meist vier Punkte:

  1. Was ist der Bewohnerin oder dem Bewohner wichtig?
  2. Was gelingt selbstständig?
  3. Wobei ist Hilfe nötig?
  4. Wann oder wodurch tritt der Bedarf auf?

Kurzbeispiele für die Dokumentation:

  • „Bewohner wünscht Anklopfen vor dem Betreten des Zimmers und reagiert bei unangekündigtem Eintreten angespannt.“
  • „Bewohnerin faltet kleine Wäschestücke selbst, benötigt Hilfe beim Tragen des Wäschekorbs wegen unsicherem Gang.“
  • „Brille und Fernbedienung sollen immer auf dem Nachttisch rechts liegen. Veränderungen führen zu Suchverhalten und Unruhe.“
  • „Bewohnerin möchte ihren Nachttisch selbst ordnen. Pflegematerial soll dort nicht abgelegt werden.“

Für die Prüfung und interne Kontrolle schaue ich vor allem auf drei Punkte:
Bewohnersicht erkennbar, Beobachtung konkret, Maßnahme passend abgeleitet. Spätestens nach 6 Monaten oder früher bei Veränderungen prüfe ich den Eintrag erneut. Auch der Medizinische Dienst (MD, früher MDK) achtet darauf, ob SIS, Maßnahmenplan und Berichte zueinander passen.

Mein Fazit: Themenfeld 6 ist dann stimmig, wenn der Eintrag zeigt, wie jemand wohnen möchte, was er selbst noch tut und welche Unterstützung im Wohnalltag gebraucht wird. Genau das macht die Pflegeplanung im Team nutzbar.

Was gehört in SIS-Themenfeld 6 in der stationären Pflege?

In der stationären Langzeitpflege heißt Themenfeld 6 „Wohnen und Häuslichkeit". Im ambulanten Bereich lautet der Begriff „Haushaltsführung". In der stationären SIS geht es um die persönliche Wohnsituation der Bewohnerin oder des Bewohners. Im Blick stehen der Raum, gewohnte Abläufe und persönliche Dinge.

Bewohnerperspektive, Routinen und persönlicher Wohnraum

Im Mittelpunkt steht die individuelle Gestaltung des Zimmers. Welche eigenen Möbel oder Gegenstände sind vorhanden? Welche Fotos, Erinnerungsstücke oder vertrauten Alltagsgegenstände haben für die Bewohnerin oder den Bewohner Bedeutung? Wie wichtig sind Ordnung und Sauberkeit im persönlichen Umfeld? Soll die Zimmertür eher offen oder geschlossen sein? Gibt es feste Zeiten, in denen Rückzug gewünscht ist?

Auch Routinen im Alltag der Einrichtung gehören dazu. Hilft die Bewohnerin oder der Bewohner zum Beispiel beim Falten der Wäsche oder beim Aufräumen mit? Daran lassen sich Unterstützungsbedarf und biografische Bezüge gut erkennen. So wird klar, welche Hilfe im Wohnalltag gebraucht wird und wobei Eigenständigkeit möglich ist.

Was nicht allein in der SIS-Dokumentation stehen sollte

Formulierungen wie „Zimmer wird regelmäßig gereinigt" beschreiben eine Leistung der Einrichtung, nicht die persönliche Situation.

Auch pauschale Aussagen wie „Bewohnerin oder Bewohner ist ordentlich" sind zu ungenau. Für eine fundierte Pflegeplanung reicht das nicht aus. Solche Formulierungen zeigen weder Ressourcen noch Unterstützungsbedarf oder individuelle Mitwirkung. Eine SIS-Dokumentation in Themenfeld 6 muss deutlich machen, wie die Bewohnerin oder der Bewohner den Wohnraum erlebt und gestaltet. [1]

Wie Sie diese Punkte im SIS-Gespräch gezielt erheben, folgt im nächsten Abschnitt.

Wie Sie Wohnen und Häuslichkeit im SIS-Gespräch erheben

Im Gespräch klären Sie, wie die Bewohnerin oder der Bewohner den persönlichen Wohnraum nutzt, welche Routinen wichtig sind und wobei Unterstützung nötig ist.

Fragen für die Ersterhebung

Gliedern Sie das Gespräch in drei Blöcke:

  • Wohnraum
    „Welche eigenen Gegenstände oder Möbel sind Ihnen besonders wichtig?"
    „Wie soll Ihr Zimmer eingerichtet sein, damit Sie sich wohlfühlen?"
  • Routinen und Mitwirkung
    „Welche Gewohnheiten aus Ihrem früheren Zuhause möchten Sie hier beibehalten?"
    „Welche Tätigkeiten im Wohnalltag übernehmen Sie selbst, zum Beispiel Wäsche sortieren, zusammenlegen oder Pflanzen gießen?"
  • Privatsphäre
    „Soll vor dem Betreten geklopft werden?"
    „Wann möchten Sie ungestört sein?"

Halten Sie getrennt fest, was die Bewohnerin oder der Bewohner selbst möchte, was eigenständig gelingt und wobei Hilfe nötig ist.

Beobachtung, Angehörige und Anlässe für eine Neuerhebung

Kann die Bewohnerin oder der Bewohner nicht selbst Auskunft geben, können Angehörige oder rechtliche Betreuungspersonen Angaben machen. Kennzeichnen Sie das klar als Fremdangabe, zum Beispiel: „Laut Tochter ..."

Die eigene Beobachtung gehört in Abschnitt C1. Beschreiben Sie dort konkret, was Sie sehen. Genau das ist später für stimmige Formulierungen in der Dokumentation wichtig. Statt „unkooperativ" passt zum Beispiel besser:

„Bewohnerin schiebt den Wäschekorb weg, wenn er in Reichweite gestellt wird."

Wenn Wunsch und Beobachtung nicht zusammenpassen, dokumentieren Sie das Ergebnis der Abstimmung.

Themenfeld 6 prüfen Sie zudem erneut, wenn sich die Situation deutlich ändert:

Auslöser Beispiel
Veränderung des Gesundheitszustands Deutliche Veränderung des körperlichen oder kognitiven Zustands
Verhaltensänderung Neu auftretender Rückzug oder wiederkehrende Abweichungen vom Pflegeplan
Geänderter Wunsch Neue Vorstellungen zur Zimmergestaltung oder zu Alltagsroutinen
Umgebungsveränderung Zimmerwechsel oder Veränderungen in der Wohngruppe
Regelmäßige Überprüfung Nach dem internen Prüfrhythmus

Die erhobenen Angaben übertragen Sie anschließend in kurze, klare SIS-Formulierungen.

Klare und nützliche SIS-Formulierungen für Themenfeld 6

Aus den Angaben aus dem Gespräch entstehen jetzt kurze, auswertbare SIS-Sätze.

Was eine starke Formulierung enthält

Benennen Sie den Wunsch oder die Gewohnheit, die Selbstständigkeit, die konkrete Hilfe sowie den Auslöser oder die Bedingung. Nutzen Sie den O-Ton der Bewohnerin oder des Bewohners, wenn er genauer ist. Die SIS soll die Sicht der Bewohnerin oder des Bewohners abbilden, nicht die fachliche Zusammenfassung.

Vermeiden Sie wertende Begriffe wie „unkooperativ". Solche Wörter sind nicht nachprüfbar und helfen nicht bei der Planung von Maßnahmen. Beschreiben Sie stattdessen beobachtbares Verhalten, den Zeitpunkt und den Kontext. Das gilt auch bei herausforderndem Verhalten. Halten Sie die abgestimmte Lösung kurz fest.

Schwach vs. klar: Beispiele

So werden aus vagen Aussagen Einträge, mit denen Ihr Team arbeiten kann.

Schwache Formulierung Klare, personenzentrierte Formulierung
Bewohner ist unruhig im Zimmer. Bewohner läuft zwischen 18:00 und 20:00 Uhr wiederholt zwischen Bett und Fenster. Er sagt, er warte auf den Bus.
Braucht Unterstützung bei der Wäsche. Bewohnerin sortiert Wäsche selbstständig nach Farben, braucht aber beim Tragen des Korbs zur Waschküche körperliche Unterstützung wegen Ganginstabilität.
Zimmer ist unordentlich. Bewohner lässt Kleidung auf dem Boden liegen. Er sagt, ihm fehle die Kraft zum Aufhängen. Er wünscht, dass Pflegekräfte die Kleidung in den Schrank hängen.
Bewohnerin verweigert Reinigung. Bewohnerin lehnt das Abwischen ihres Nachttischs ab. Sie möchte, dass ihre Briefe liegen bleiben.
Der eigene Sessel und Fotos der Enkelkinder in Sichtweite sind für das Wohlbefinden wichtig. Der eigene Sessel und Fotos der Enkelkinder in Sichtweite sind für das Wohlbefinden der Bewohnerin wichtig. Sie beschreibt beides als Voraussetzung, sich wie zu Hause zu fühlen.

Die folgenden Beispiele zeigen typische Formulierungen zu Zimmer, Privatsphäre, Routinen und Unterstützung.

Formulierungsbeispiele für die stationäre Pflegedokumentation

Die Beispiele zeigen typische SIS-Formulierungen für Feld B und Feld C1 in der stationären Langzeitpflege. Sie machen deutlich, wie Sie Themenfeld 6 kurz, beobachtbar und aus Sicht der Bewohnerin oder des Bewohners festhalten.

Beispiele zu Zimmer, persönlichen Gegenständen, Privatsphäre und Ordnung

Persönliche Möbel und Fotos

„Bewohnerin besteht auf der festen Stellung von Sessel und Kommode. Familienfotos dürfen nicht umgestellt werden; Änderungen verunsichern sie."

Anklopfen und Warten

„Bewohner bittet um Anklopfen und Warten auf Aufforderung vor dem Betreten des Zimmers. Ohne Ankündigung wird er unruhig."

Nachttisch

„Bewohnerin ordnet den Nachttisch selbst. Pflegematerial soll dort nicht abgestellt werden. Brille und Fernbedienung liegen griffbereit."

Neben Raum und Ordnung gehören auch Mitwirkung, feste Abläufe und Hilfe im Alltag zu diesem Themenfeld.

Beispiele zu Teilhabe, Routinen, Wäsche und kognitiver Beeinträchtigung

Wäsche

„Bewohnerin faltet kleinere Wäschestücke selbstständig. Den schweren Wäschekorb zur Wäschesammlung transportiert sie nur mit Unterstützung."

Persönliche Kleidung

„Bewohner lehnt den Wäscheservice der Einrichtung für seine Strickpullover ab. Er gibt an, dass nur seine Tochter diese Wäsche übernimmt. Die Tochter bringt die gewaschenen Kleidungsstücke wöchentlich mit."

Kognitive Beeinträchtigung

„Bewohner sucht Gegenstände und wird unruhig, wenn Dinge im Zimmer während der Reinigung umgestellt werden. Brille und Fernbedienung müssen immer auf dem gleichen Platz auf dem Nachttisch liegen."

Doppelzimmer

„Bewohnerin nutzt den Sichtschutzvorhang als Abgrenzung ihres Bereichs. Der Vorhang bleibt bei pflegerischen Maßnahmen geschlossen."

Aus diesen Formulierungen leiten Sie im nächsten Schritt passende Maßnahmen ab.

Vom SIS-Eintrag zu Maßnahmen und Qualitätsprüfung

SIS Themenfeld 6: Vom Gespräch zur Maßnahme – Schritt für Schritt

SIS Themenfeld 6: Vom Gespräch zur Maßnahme – Schritt für Schritt

Im stationären Bereich ist Themenfeld 6 die Grundlage für den Maßnahmenplan. Hier halten Sie Wünsche, Gewohnheiten, Ressourcen und Unterstützungsbedarf fest. Der Maßnahmenplan übersetzt das in die Praxis: wie, wann, wie oft und durch wen etwas umgesetzt wird. So bleibt die SIS auf der Ebene der Begründung, der Maßnahmenplan auf der Ebene der Umsetzung.

Wie SIS-Informationen zu Maßnahmen werden

Ein Beispiel: In der SIS steht, dass eine Bewohnerin vor dem Betreten ihres Zimmers angeklopft haben möchte. Im Maßnahmenplan beschreiben Sie dann die Handlung: anklopfen, auf eine Reaktion warten und erst danach eintreten. Die Begründung gehört in die SIS, nicht in den Maßnahmenplan. So bleibt der Maßnahmenplan ein Arbeitsinstrument für das Team.

Wenn Bewohnerwunsch und fachliche Einschätzung nicht zusammenpassen, dokumentieren Sie die Abweichung und die vereinbarte Lösung. Im Maßnahmenplan steht anschließend die konkrete Umsetzung. Damit bleibt nachvollziehbar, warum welche Unterstützung geplant ist.

Jeder benannte Unterstützungsbedarf muss zu einer konkreten Maßnahme führen. Im Berichteblatt dokumentieren Sie vor allem Abweichungen und besondere Vorkommnisse. Maßnahmen, die wie geplant durchgeführt wurden, müssen dort nicht jeden Tag ausführlich beschrieben werden. Wenn Abweichungen wiederholt auftreten, ziehen Sie die Evaluation vor und passen SIS und Maßnahmenplan an. Prüfen Sie die Aktualität spätestens nach 6 Monaten oder früher bei relevanten Veränderungen erneut [2][3]. Dies gilt gleichermaßen für andere Bereiche wie das SIS Themenfeld 4 zur Selbstversorgung. Das ist auch für die Prüfung durch den Medizinischen Dienst (MD, früher MDK) wichtig.

Der MD prüft, ob die SIS aktuell ist, ob der Maßnahmenplan die tatsächlich erbrachte Pflege abbildet und ob Abweichungen nachvollziehbar dokumentiert sind [2].

Prüfcheckliste für Pflegefachkräfte, PDL und QM

Prüfpunkt Leitfrage
Bezeichnung Ist die Feldbezeichnung „Wohnen und Häuslichkeit" korrekt verwendet?
Perspektive Ist die Sicht der Bewohnerin oder des Bewohners (Feld B) klar von der fachlichen Einschätzung (Feld C1) getrennt?
Routinen und Gewohnheiten Sind konkrete häusliche Gewohnheiten, etwa Wäscheabläufe oder Zimmerordnung, erfasst?
Privatsphäre und Besitz Sind Wünsche zu persönlichem Raum und eigenen Gegenständen dokumentiert?
Unterstützungsbedarf Sind Einschränkungen benannt, die Hilfe erfordern?
Konsistenz Lässt sich jeder Unterstützungsbedarf aus Themenfeld 6 als konkrete Maßnahme im Maßnahmenplan wiederfinden?
Aktualität Wurde der SIS-Eintrag nach relevanten Veränderungen aktualisiert, und hat das eine Anpassung des Maßnahmenplans ausgelöst?
Formale Anforderungen Sind Einträge ohne subjektive Wertungen, mit Datum und Handzeichen versehen?

Vollständige und stimmige Dokumentation ist prüfrelevant.

FAQs

Was gehört nicht in Themenfeld 6?

In der stationären Langzeitpflege umfasst Themenfeld 6 Wohnen und Häuslichkeit. Gemeint ist dabei nicht die Haushaltsführung. Dieser Bereich gehört zur ambulanten Pflege.

In der stationären Pflege dokumentieren Sie das Wohnumfeld, persönliche Gewohnheiten und individuelle Bedürfnisse der Bewohnerinnen und Bewohner in der Einrichtung. Im Blick stehen Wohlbefinden, Sicherheit und Orientierung.

Wie trenne ich Feld B und C1 sauber?

Feld B beschreibt die aktuelle Situation, Wünsche und Gewohnheiten der Bewohnerin oder des Bewohners zu Wohnen und Häuslichkeit. C1 leitet daraus den pflegerischen Unterstützungsbedarf und die Maßnahmen ab.

Kurz gesagt: In B steht, was ist und was gewünscht wird. In C1 steht, was sich daraus für die Pflege ergibt und was zu tun ist.

Wann muss ich Themenfeld 6 aktualisieren?

Sie aktualisieren Themenfeld 6, wenn sich im stationären Bereich Wohnen und Häuslichkeit etwas ändert oder wenn neue Wünsche entstehen. Maßgeblich sind Veränderungen, die das Wohlbefinden, die Orientierung, die Sicherheit oder die Selbstbestimmung im Wohnumfeld betreffen.

Eine tägliche Anpassung ist nicht nötig. Im Strukturmodell schreiben Sie nur dann fort, wenn es Abweichungen vom geplanten Ablauf gibt oder wenn sich etwas Relevantes verändert.

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