Schritt-für-Schritt-Anleitung zur richtigen Anwendung des Pütter-Kompressionsverbands für optimale Kompressionstherapie.
Anleitung für die fachgerechte Anlage eines Kompressionsverbands nach Pütter: Schritt für Schritt erklärt
Die sachgerechte Anwendung eines Kompressionsverbands – insbesondere nach der Methode von Pütter – ist für Pflegekräfte in stationären Pflegeeinrichtungen eine essenzielle Kompetenz. Diese Technik gehört zur Kompressionstherapie und dient der Behandlung von venösen Erkrankungen sowie der Vorbeugung von Thrombosen. In diesem Artikel erfahren Pflegefachkräfte, wie ein Pütterverband bei bettlägerigen Patienten korrekt angelegt wird, welche Schritte dabei besonders beachtet werden müssen und wie sich typische Fehler vermeiden lassen.
Warum ist die korrekte Anwendung eines Kompressionsverbands wichtig?
Ein falsch angelegter Verband kann nicht nur seine therapeutische Wirkung verlieren, sondern auch gesundheitliche Risiken wie Druckschäden, Hautirritationen und sogar eine Verschlechterung des venösen Rückflusses hervorrufen. Daher ist ein standardisiertes Vorgehen notwendig, das den individuellen Zustand des Patienten berücksichtigt und auf ärztlichen Anordnungen basiert.
sbb-itb-929f354
Schritt für Schritt: Pütterverband fachgerecht anlegen
1. Vorbereitung des Pflegepersonals und des Patienten
Begrüßung und Information: Der Patient wird freundlich angesprochen und über die bevorstehende Maßnahme informiert. Dabei wird nach seinem Wohlbefinden gefragt, um Vertrauen aufzubauen.
Händedesinfektion: Vor Beginn des Prozesses ist eine gründliche Händedesinfektion obligatorisch.
Anlegen von Einmalhandschuhen: Dies dient sowohl dem Infektionsschutz als auch der wirtschaftlichen Handhabung des kostenintensiven Verbandmaterials.
2. Hautinspektion und Schutzmaßnahmen
Hautinspektion: Bevor der Verband angelegt wird, ist eine sorgfältige Überprüfung der Haut auf Verletzungen, Rötungen oder andere Auffälligkeiten notwendig.
Unterpolsterung anlegen: Eine weiche Polsterung schützt die Haut vor allergischen Reaktionen und Druckstellen. Besonders gefährdete Bereiche wie Gelenke und Schienbeine werden durch die Polsterung zusätzlich unterstützt.
3. Anlegen des Kompressionsverbands
Fußstellung beachten: Der Fuß des Patienten wird in einem 90-Grad-Winkel positioniert, um eine Spitzfußbildung zu verhindern. Je nach ärztlicher Anordnung wird der Verband bis knapp unter die Kniescheibe oder bis zum Gesäß gewickelt.
Erste Binde (von rechts nach links):
Beginn unterhalb des Großzehengrundgelenks mit zwei kreisförmigen Fixierwicklungen.
Der Verband wird über den Fußrücken, die Achillessehne, den Außenknöchel und die Ferse geführt.
Wichtig: Die Ferse wird vollständig bedeckt, um eine gleichmäßige Kompression zu gewährleisten.
Zweite Binde (von links nach rechts):
Diese wird entgegengesetzt zur ersten Binde gewickelt, wodurch die Stabilität des Verbands erhöht wird.
Die Binde wird ohne Zug eng am Bein geführt. Zu viel Spannung kann zu venösen Stauungen und einem erhöhten Thromboserisiko führen.
4. Abschluss und Fixierung
Nach dem letzten Wickelgang wird das Ende der Binde entweder mit einem Pflaster fixiert oder in den Verband eingeschoben. Metallklammern sollten nicht verwendet werden, da sie die Haut verletzen und den Verband beschädigen können.
Abschlusskontrolle: Nach Abschluss wird der Patient gefragt, ob der Verband bequem sitzt oder als zu eng empfunden wird.
Händedesinfektion und Dokumentation: Abschließend werden die Hände erneut desinfiziert, und die Durchführung der Maßnahme wird sorgfältig dokumentiert.
Häufige Fehler und wie man sie vermeidet
Ungleichmäßige Spannung: Wird die Binde zu stark gezogen, entstehen ungleiche Druckverhältnisse. Die Binde sollte daher stets nur aufgewickelt und nicht gespannt werden.
Unzureichendes Einbeziehen des Patienten: Der Patient sollte während des Wickelns regelmäßig gefragt werden, ob der Verband angenehm sitzt.
Fehlende Hautinspektion: Die Vernachlässigung der Hautkontrolle kann dazu führen, dass bestehende Verletzungen unerkannt bleiben.
Wichtige Hinweise für die Praxis
Individuelle Anpassung: Jeder Verband sollte an die anatomischen Gegebenheiten und das Wohlbefinden des Patienten angepasst werden.
Regelmäßige Schulungen: Pflegekräfte sollten regelmäßig Fortbildungen zur korrekten Anwendung von Kompressionsverbänden besuchen, um Fehler zu vermeiden und die Dokumentation zu optimieren.
Dokumentation als Qualitätssicherung: Eine vollständige und präzise Dokumentation ist die Grundlage für eine erfolgreiche Bewertung durch den Medizinischen Dienst.
Key Takeaways
Vorbereitung ist alles: Gründliche Händedesinfektion, Handschuhe und eine klare Kommunikation mit dem Patienten sind essenziell.
Schutz der Haut: Die Unterpolsterung dient der Prävention von Druck- und Hautschäden.
Richtige Technik: Der Verband wird kontrolliert und eng am Bein geführt, ohne übermäßige Spannung auszuüben.
Regelmäßige Kontrolle: Der Patient sollte während und nach dem Wickeln auf sein Wohlbefinden angesprochen werden.
Dokumentation: Jede Anwendung muss detailliert dokumentiert werden, um Pflegequalität und rechtliche Absicherung zu gewährleisten.
Ein korrekt angelegter Pütterverband ist nicht nur ein Zeichen für professionelle Pflege, sondern auch ein wichtiger Beitrag zur Gesundheit und zum Wohlbefinden der Patienten. Mit der richtigen Technik und einem strukturierten Vorgehen können Pflegekräfte sicherstellen, dass der Verband optimal wirkt und gleichzeitig den hohen Anforderungen an die Dokumentation und Qualitätssicherung entspricht.