Erfahren Sie, wie Mobilität und Beweglichkeit im SIS Themenfeld 2 dokumentiert und bewertet werden, inklusive Beispiele und Tipps.
Die strukturierte Informationssammlung (SIS) ist in der Pflege ein unverzichtbares Instrument zur Planung und Dokumentation individueller Bedürfnisse und Ressourcen von Bewohnerinnen und Bewohnern. In diesem Artikel widmen wir uns dem Themenfeld 2: Mobilität und Beweglichkeit der SIS. Wir zeigen auf, wie dieses Themenfeld effektiv bearbeitet werden kann, worauf zu achten ist und wie eine zielgerichtete Pflegeplanung auf Basis der SIS gelingt. Mit praktischen Beispielen und fundierten Analysen wird klar, wie essenziell die korrekte Bearbeitung dieses Themenfeldes für die Pflegequalität ist.
Was beinhaltet das Themenfeld "Mobilität und Beweglichkeit"?
Das Themenfeld 2 der SIS teilt sich in zwei zentrale Aspekte: Mobilität und Beweglichkeit. Während "Mobilität" sich auf die Fähigkeit bezieht, sich räumlich zu bewegen (z. B. innerhalb eines Zimmers oder außerhalb des Hauses), umfasst "Beweglichkeit" die motorischen Fähigkeiten des Körpers, wie die Beweglichkeit einzelner Gelenke oder Gliedmaßen.
Fokus 1: Mobilität
Die Mobilität eines Menschen beschreibt, wie gut er sich innerhalb seines Umfelds bewegen kann. Hierbei kommen verschiedene Faktoren zum Tragen:
Ist der Bewohner mobil oder immobil? Die erste Aufgabe in diesem Abschnitt der SIS ist die Festlegung, ob die Person mobil ist oder ob sie teilweise bzw. vollständig ans Bett gebunden ist.
Ressourcen und Defizite: Welche Fähigkeiten hat die pflegebedürftige Person? Kann sie sich eigenständig bewegen, und wenn nein, woran liegt es? Gibt es Gleichgewichtsstörungen, Sturzgefahr oder andere Einschränkungen?
Hilfsmittel: Welche Hilfsmittel (Rollator, Gehstock, Rollstuhl, etc.) stehen zur Verfügung, und werden sie genutzt? Falls nein, warum nicht?
Wohnumgebung: Gibt es Stolperfallen, wie Teppiche oder ungeeignete Möbelstücke, die die Mobilität gefährden könnten? Auch das Schuhwerk oder die Kleidung (z. B. zu enge oder weite Kleidung) spielen hier eine Rolle.
Außerhäusliche Mobilität: Kann sich die Person außerhalb ihrer Wohnung oder des Pflegeheims bewegen? Ist sie in der Lage, öffentliche Verkehrsmittel zu nutzen? Benötigt sie Begleitung oder andere Unterstützungen?
Ein Beispiel aus der Praxis: Herr K hat eine künstliche Hüfte und stolpert häufig über seinen Teppich. Trotz mehrfacher Empfehlungen lehnt er es ab, den Teppich zu entfernen oder seinen Rollator zu verwenden, da er diesen als "Hilfsmittel für alte Menschen" empfindet. Hier zeigt sich, wie wichtig es ist, nicht nur Probleme zu erkennen, sondern auch die Akzeptanz von Maßnahmen zu berücksichtigen.
Fokus 2: Beweglichkeit
"Beweglichkeit" bezieht sich auf die motorischen Fähigkeiten, die für grundlegende Tätigkeiten erforderlich sind, wie das Anziehen, Essen oder Greifen. Einschränkungen in der Beweglichkeit können weitreichende Auswirkungen auf die Selbstständigkeit und Lebensqualität haben.
Gelenkprobleme und Schmerzen: Probleme wie Arthrosen, Paresen oder Versteifungen der Gelenke sollten detailliert dokumentiert werden.
Alltagsrelevante Bewegungen: Kann die Person ihre Arme heben, sich beugen oder greifen? Dies kann z. B. beim Treppensteigen, Bezahlen im öffentlichen Verkehr oder Essen eine Rolle spielen.
Kontrakturen und andere Risiken: Einschränkungen der Beweglichkeit erhöhen das Risiko für Folgeprobleme wie Kontrakturen oder Dekubitus. Diese müssen ebenfalls in der SIS erfasst und präventive Maßnahmen geplant werden.
Psychologische und soziale Aspekte: Einschränkungen in der Beweglichkeit können nicht nur physische, sondern auch soziale und psychologische Auswirkungen haben. Ein Bewohner könnte sich z. B. isolieren, weil er sich nicht mehr sicher fortbewegen kann.
Ein anderes Beispiel: Frau M wurde nach einer Knieoperation bettlägerig. Trotz vorhandener Hilfsmittel wie Lagerungskissen und Rollstuhl bewegt sie sich kaum und verändert ihre Liegeposition nicht. Ihr Gatte wurde geschult und unterstützt bei der Lagerung, doch die Gefahr für Dekubitus bleibt hoch. Dies zeigt, wie wichtig regelmäßige Kontrollen und eine engmaschige Dokumentation in der Pflegeplanung sind.
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Praktische Tipps zur Bearbeitung des Themenfelds 2
Die strukturierte Bearbeitung des Themenfelds "Mobilität und Beweglichkeit" erfordert nicht nur Fachwissen, sondern auch ein genaues Beobachten und Verstehen der individuellen Bedürfnisse. Hier sind einige zentrale Ansatzpunkte:
Erhebung von Ressourcen und Defiziten: Bewerten Sie, was die Bewohnerin oder der Bewohner selbstständig leisten kann und wo Unterstützung notwendig ist.
Hilfsmittelintegration: Stellen Sie sicher, dass geeignete Hilfsmittel vorgeschlagen und akzeptiert werden. Dies umfasst auch Schulungen für Angehörige oder das Pflegepersonal.
Risikobewertung: Identifizieren Sie Gefahren wie Sturzrisiken oder Dekubitusgefahr und dokumentieren Sie präventive Maßnahmen.
Individuelle Pflegeplanung: Passen Sie die Maßnahmen an die persönlichen Präferenzen und Möglichkeiten der betroffenen Person an. Beispielsweise kann der Einsatz von Physiotherapie oder moderaten Bewegungsübungen helfen.
Umgebungsprüfung: Analysieren Sie die räumlichen Gegebenheiten der Pflegeeinrichtung oder Wohnung und entfernen Sie potenzielle Hindernisse.
Key Takeaways
Mobilität und Beweglichkeit sind essenziell für die Lebensqualität von Bewohnern. Sie bestimmen maßgeblich die Selbstständigkeit und das Wohlbefinden.
Hilfsmittel müssen individuell angepasst und akzeptiert sein. Die Akzeptanz der betroffenen Person ist ein entscheidender Faktor für den Erfolg von Maßnahmen.
Risikodokumentation ist unerlässlich. Sturzgefahr, Dekubitusrisiko und Kontrakturen sollten frühzeitig erkannt und adressiert werden.
Wohnumgebung und Kleidung beeinflussen die Mobilität direkt. Stolperfallen, ungeeignete Möbel und falsches Schuhwerk müssen berücksichtigt und angepasst werden.
Pflegeplanung sollte Ressourcenorientierung und Prävention verbinden. Dabei sollten individuelle Bedürfnisse stets im Fokus stehen.
Fazit
Das Themenfeld 2 der SIS ermöglicht eine umfassende Beurteilung der Mobilität und Beweglichkeit von Bewohnern in stationären Pflegeeinrichtungen. Die gezielte Bearbeitung dieses Bereichs trägt entscheidend zur Qualität der Pflege und zur Lebensqualität der Bewohner bei. Das Wissen über physische, psychische und soziale Aspekte der Mobilität und Beweglichkeit erlaubt es Pflegenden, präventive und ressourcenorientierte Maßnahmen zu entwickeln. Mit einer sorgfältigen Dokumentation und Pflegeplanung kann nicht nur die Sicherheit, sondern auch die Zufriedenheit der Bewohner nachhaltig gefördert werden.