Qualitätsindikatoren der stationären Pflege verständlich erklärt

Die zehn Qualitätsindikatoren der stationären Pflege: Erhebung, MD‑Prüfungen, Transparenzberichte und konkrete Maßnahmen zur Qualitätsverbesserung.
Qualitätsindikatoren sind zentrale Messgrößen, um die Pflegequalität in deutschen Pflegeeinrichtungen objektiv zu bewerten. Seit 2019 ersetzen sie das alte Notensystem und konzentrieren sich auf messbare Pflegeergebnisse wie Mobilitätserhaltung, Vermeidung von Druckgeschwüren oder ungewolltem Gewichtsverlust.
Das Bewertungssystem basiert auf drei Säulen:
- Interne Datenerhebung: Pflegeheime erfassen halbjährlich Daten zu ihren Bewohnern und übermitteln sie an die Datenauswertungsstelle (DAS).
- Externe Prüfungen: Der Medizinische Dienst (MD) prüft die Pflegequalität vor Ort, in der Regel jährlich und bei guten Ergebnissen alle 2 Jahre.
- Transparenzberichte: Ergebnisse werden öffentlich zugänglich gemacht, z. B. über den AOK Pflegenavigator.
Diese Indikatoren helfen, die tatsächliche Versorgungsqualität sichtbar zu machen, Schwachstellen zu identifizieren und Pflegeeinrichtungen bei Verbesserungen zu unterstützen. Pflegeheime können durch gezielte Maßnahmen wie präventive Strategien, optimierte Dokumentation und Benchmarking ihre Ergebnisse verbessern und gleichzeitig die Lebensqualität der Bewohner steigern.
Die 10 wichtigsten Qualitätsindikatoren erklärt
Seit Herbst 2019 nutzt das deutsche Pflegesystem zehn spezifische Qualitätsindikatoren, um die Ergebnisqualität in stationären Pflegeeinrichtungen zu bewerten [5]. Die Indikatoren sind in 3 Qualitätsbereiche unterteilt. Sie messen Pflegeergebnisse, etwa die erhaltene Mobilität oder die Vermeidung von Druckgeschwüren. Mehrere Indikatoren werden getrennt für 2 Risikogruppen ausgewertet. Deshalb ergeben die 10 Indikatoren insgesamt 15 Kennzahlen.
| Qualitätsbereich | Indikator |
|---|---|
| 1. Erhalt und Förderung der Selbstständigkeit | Erhaltene Mobilität Erhaltene Selbstständigkeit bei alltäglichen Verrichtungen (z. B. Körperpflege) Erhaltene Selbstständigkeit bei der Gestaltung des Alltagslebens und sozialer Kontakte |
| 2. Schutz vor gesundheitlichen Schädigungen und Belastungen | Dekubitusentstehung Schwerwiegende Sturzfolgen Unbeabsichtigter Gewichtsverlust |
| 3. Unterstützung bei spezifischen Bedarfslagen | Durchführung eines Integrationsgesprächs nach dem Einzug Anwendung von Gurten Anwendung von Bettseitenteilen Aktualität der Schmerzeinschätzung |
Quelle: GKV-Spitzenverband, Qualitätssystem in der stationären Pflege.
„Das neue System der Qualitätsbewertung bietet die Möglichkeit, Qualitätsdiskussionen und Qualitätssicherungspraktiken auf eine fachlich fundierte Basis zu stellen." (Universität Bielefeld, IPW) [5]
International gelten Druckgeschwüre, Stürze, freiheitsentziehende Maßnahmen und Gewichtsverlust als zentrale Qualitätsindikatoren in der Langzeitpflege [4]. Die folgenden Abschnitte erläutern 5 der 10 Indikatoren genauer.
Erhaltung der Mobilität
Dieser Indikator misst, wie gut Bewohner ihre Beweglichkeit und eigenständigen Positionswechsel beibehalten können. Grundlage sind die Kriterien des Moduls Mobilität aus dem Begutachtungsinstrument (NBA), etwa Positionswechsel im Bett, Transfer und Fortbewegen im Wohnbereich. Die Mobilitätserhaltung ist wichtig, um Stürze und andere Komplikationen zu vermeiden und gleichzeitig die Autonomie der Bewohner zu fördern. Einrichtungen vergleichen ihre Ergebnisse mit nationalen Benchmarks, um Verbesserungsmöglichkeiten zu erkennen [5] [4].
Erhaltung der Selbstständigkeit bei Alltagsaktivitäten
Hier wird erfasst, inwieweit Bewohner alltägliche Aufgaben wie Essen, Körperpflege oder Ankleiden eigenständig bewältigen können. Veränderungen in diesen Fähigkeiten werden dokumentiert, um Pflegepläne frühzeitig anzupassen. Dieser Indikator trägt maßgeblich zur Lebensqualität und Würde der Bewohner bei, da er hilft, individuelle Pflegebedarfe rechtzeitig zu erkennen.
Dekubitus-Inzidenz
Die Häufigkeit neuer Druckgeschwüre zeigt, wie gut Risiken eingeschätzt und präventive Maßnahmen umgesetzt werden [4]. Für den Indikator zählen nur Druckgeschwüre, die in der Einrichtung entstanden sind. Standardisierte Hautbeurteilungen und eine systematische Dokumentation der Druckentlastung gehören deshalb zum Alltag. Zur Einstufung lesen Sie den Beitrag Dekubitus Grad 2 bis 4.
Unbeabsichtigter Gewichtsverlust
Dieser Indikator erfasst signifikante, ungeplante Gewichtsverluste, um frühzeitig auf Ernährungsrisiken und allgemeine Gesundheitsprobleme aufmerksam zu werden [4]. Ein unbeabsichtigter Gewichtsverlust kann auf Mangelernährung oder einen allgemeinen Gesundheitsverfall hinweisen. Regelmäßige Gewichtskontrollen und Ernährungsscreenings sollten daher fester Bestandteil der Pflegeplanung sein.
Zeitnahe Schmerzerfassung
Hier wird gemessen, wie schnell und regelmäßig Schmerzbewertungen mit standardisierten Instrumenten durchgeführt werden [4]. Eine zeitnahe Schmerzerfassung ist entscheidend für ein effektives Schmerzmanagement und stellt sicher, dass Bewohner nicht unter unbehandelten Schmerzen leiden. Schulungen für Pflegekräfte sind besonders wichtig, um Schmerzen auch bei kognitiv eingeschränkten Bewohnern zuverlässig zu erkennen und zu dokumentieren.
Wie Qualitätsindikator-Daten erfasst und gemeldet werden
Seit Herbst 2019 bildet die systematische Erfassung und Meldung von Qualitätsdaten die Grundlage für die Qualitätssicherung in Pflegeeinrichtungen. Im Unterschied zum früheren Notensystem basiert das aktuelle Verfahren auf messbaren Pflegeergebnissen, die halbjährlich erhoben und veröffentlicht werden. Grundlage sind § 113 Abs. 1a und 1b SGB XI, die Maßstäbe und Grundsätze für die Qualität in der vollstationären Pflege und die Qualitätsdarstellungsvereinbarung. Diese rechtlichen Vorgaben gewährleisten eine kontinuierliche Überprüfung der Qualität und ermöglichen einen transparenten Vergleich zwischen Pflegeeinrichtungen.
Halbjährliche Datenerhebung (Vollerhebung)
Pflegeeinrichtungen führen zweimal im Jahr eine Vollerhebung durch. Dabei werden Daten zu allen einbezogenen Bewohnern in einem Zeitraum von 14 Tagen nach dem Stichtag erfasst. Mobilität und Selbstständigkeit werden nach den Kriterien des Begutachtungsinstruments eingeschätzt. Die Erhebung konzentriert sich auf pflegesensitive Ergebnisse, also auf Aspekte, die die Pflege direkt beeinflusst. Wie Sie den Stichtag vorbereiten, steht im Abschnitt zur Ergebniserfassung.
Die erhobenen Daten werden in der Pflegedokumentation festgehalten und bilden die Grundlage für die weitere Übermittlung. Zur Sicherstellung der Datenqualität führen der Medizinische Dienst (MD) oder Careproof jährlich externe Prüfungen durch. Diese beinhalten Befragungen von Bewohnern und Pflegekräften sowie stichprobenartige Kontrollen der Dokumentation [1]. Dieser umfassende Prozess gewährleistet eine verlässliche Datengrundlage für die anschließende elektronische Übermittlung.
Übermittlung an die Datenauswertungsstelle (DAS)

Nach der Erhebung werden die Daten elektronisch an die Datenauswertungsstelle (DAS) übermittelt. Dort werden sie verarbeitet und nationale Benchmarks erstellt. Diese Vergleichswerte ermöglichen es Pflegeeinrichtungen, ihre Ergebnisse mit bundesweiten Durchschnittswerten zu messen und gezielte Verbesserungsmaßnahmen abzuleiten [8].
Die Ergebnisse fließen in öffentlich zugängliche Qualitätsberichte (Transparenzberichte) ein, die auf Plattformen wie dem Pflegenavigator oder Pflegelotse abrufbar sind [1]. Diese Transparenz unterstützt Verbraucher bei fundierten Entscheidungen und fördert gleichzeitig den Wettbewerb um eine bessere Pflegequalität [8].
Ergebniserfassung und Stichtag vorbereiten
Die Ergebniserfassung für die Qualitätsindikatoren findet zweimal im Jahr statt. Jede Einrichtung wählt bei der Registrierung im Webportal der Datenauswertungsstelle (DAS) einen Stichtag. Das Portal berechnet daraus den zweiten Stichtag 6 Monate später. Die Stichtage sind verbindlich und lassen sich nicht ändern (FAQ der DAS).
Ablauf rund um den Stichtag
- Erfassungszeitraum: Am Tag nach dem Stichtag beginnen 14 Tage, in denen Sie die Daten aller einbezogenen Bewohner erfassen und zur Auswertung freigeben.
- Plausibilitätskontrolle der DAS: Die DAS prüft die Daten auf Vollständigkeit und statistische Plausibilität. In einem anschließenden Korrekturzeitraum können Sie fehlerhafte Datensätze korrigieren und fehlende nachliefern.
- Feedbackbericht: Die DAS wertet die Indikatoren aus und stellt der Einrichtung einen Feedbackbericht zur Verfügung. Er vergleicht Ihre Ergebnisse mit dem Bundesdurchschnitt.
- Veröffentlichung: Die Indikatorergebnisse fließen in die Qualitätsdarstellung der Einrichtung ein.
Wer in die Erhebung einbezogen wird
Grundsätzlich gehören alle Bewohner dazu, die am Stichtag in der Einrichtung versorgt werden. Die Geschäftsstelle des Qualitätsausschusses Pflege nennt unter anderem diese Ausschlüsse (FAQ der Geschäftsstelle Qualitätsausschuss Pflege):
- Einzug weniger als 14 Tage vor dem Stichtag
- Kurzzeit- oder Verhinderungspflege
- Bewohner, die sich seit mindestens 21 Tagen vor dem Stichtag nicht mehr in der Einrichtung aufhalten
- Bewohner mit schwersten Schädigungen des Gehirns und apallischem Syndrom (Wachkoma)
Die vollständige Liste steht in den Maßstäben und Grundsätzen (Anlage 3, Kapitel 2.4.1). Halten Sie die Ausschlussgründe je Bewohner fest. So können Sie bei Rückfragen nachweisen, warum ein Datensatz fehlt.
Checkliste: Datenbasis vor dem Stichtag prüfen
Die Indikatoren werden aus Ihrer Pflegedokumentation erfasst. Lücken in der Dokumentation werden deshalb zu Lücken in der Erhebung. Prüfen Sie in den Wochen vor dem Stichtag:
- Pseudonyme und Zuordnungsliste: Jeder Bewohner erhält ein Pseudonym aus der 6-stelligen Einrichtungs-ID und einer 6-stelligen Bewohnernummer. Die Zuordnungsliste bleibt immer in der Einrichtung. Der Medizinische Dienst braucht sie bei der Qualitätsprüfung, um die Stichprobe zuzuordnen.
- Mobilität und Selbstständigkeit: Die Einschätzung folgt den Kriterien des Begutachtungsinstruments (Module Mobilität, Selbstversorgung, Gestaltung des Alltagslebens und soziale Kontakte). Ist die Einschätzung in der Dokumentation aktuell?
- Dekubitus: Ist für jeden Dekubitus dokumentiert, wann und wo er entstanden ist? Für den Indikator zählen nur Druckgeschwüre, die in der Einrichtung entstanden sind.
- Stürze: Sind Stürze mit ihren Folgen (zum Beispiel Fraktur, ärztliche Behandlung) im Sturzprotokoll vollständig erfasst?
- Gewicht: Liegen regelmäßige Gewichtsmessungen vor, damit ein unbeabsichtigter Gewichtsverlust nachvollziehbar ist?
- Gurte und Bettseitenteile: Sind Anwendung, Genehmigung oder Einwilligung und die Prüfung von Alternativen dokumentiert?
- Schmerz: Wann wurde die Schmerzeinschätzung zuletzt aktualisiert?
- Integrationsgespräch: Ist bei neu eingezogenen Bewohnern das Integrationsgespräch nach dem Einzug dokumentiert?
- SIS und Maßnahmenplan: Ist bei jedem Risiko, das in der Risikomatrix markiert ist, eine passende Maßnahme im Maßnahmenplan hinterlegt? Mehr dazu im Beitrag SIS ausfüllen.
Organisation: Benennen Sie pro Wohnbereich eine geschulte Person für die Erfassung und eine zentrale Koordination, die Fristen und Freigabe überwacht. Tragen Sie den Erfassungszeitraum frühzeitig in die Dienstplanung ein. Gleichen Sie vor der Freigabe einige Datensätze stichprobenartig mit der Dokumentation und dem Eindruck aus der Pflegevisite ab.
Warum die Datenqualität bei der Prüfung zählt
Bei der Regelprüfung untersucht der Medizinische Dienst 9 Bewohner. Bei 6 von ihnen prüft er, ob die Indikatordaten, die die Einrichtung an die DAS übermittelt hat, zur Dokumentation und zum tatsächlichen Zustand passen (Medizinischer Dienst Bund). Saubere Daten zum Stichtag erleichtern diese Plausibilitätskontrolle. Mehr zur Prüfung selbst lesen Sie im Beitrag Wie läuft eine MD-Prüfung ab?
Wie der Medizinische Dienst Qualitätsindikatoren nutzt

Im Rahmen des 3-Säulen-Systems spielen die Prüfungen des Medizinischen Dienstes (MD) eine zentrale Rolle in der externen Qualitätssicherung. Die halbjährlich erhobenen Qualitätsindikatoren helfen dem MD dabei, gezielt Bewohner für externe Prüfungen auszuwählen. Bei den Regelprüfungen werden insgesamt neun Bewohner untersucht, wobei ein Teil anhand der Indikatordaten ausgewählt wird. Für sechs dieser Bewohner erfolgt eine Plausibilitätsprüfung. Dabei werden die von der Einrichtung gemeldeten Indikatordaten mit der tatsächlichen Dokumentation und dem Pflegezustand abgeglichen [12][11]. Diese Vorgehensweise ermöglicht eine gezielte und detaillierte externe Prüfung.
Qualitätsindikatoren bei Einrichtungsprüfungen
Der Prüfungsansatz des MD hat sich über die Jahre verändert. Der Fokus liegt heute stärker auf den tatsächlichen Pflegeergebnissen. Dieser beratende Ansatz wird durch ein Fachgespräch ergänzt, bei dem Pflegekräfte und Prüfer auf Augenhöhe zusammenkommen. Hierbei werden die Versorgungsergebnisse gemeinsam bewertet und mögliche Verbesserungen besprochen [12]. Die Qualitätsindikatoren dienen dabei als Grundlage für eine fachliche Diskussion über konkrete Pflegesituationen [9].
Einrichtungen, die durch gute Indikatorergebnisse und externe Prüfungen eine hohe Qualität nachweisen können, profitieren von einem verlängerten Prüfintervall von zwei Jahren [9][11]. Auf der anderen Seite können bei fehlender Datenerfassung oder -übermittlung unangekündigte Regelprüfungen erfolgen [9]. Die Ergebnisse der Prüfungen werden in vier Kategorien eingeteilt: keine/geringe, moderate, erhebliche oder schwerwiegende Qualitätsdefizite [10]. Diese Ergebnisse fließen direkt in die öffentlichen Transparenzberichte ein.
Öffentliche Transparenz durch Qualitätsberichte
Die Ergebnisse aus den 3 Säulen des Qualitätssystems (interne Indikatoren, externe MD-Prüfungen und Einrichtungsinformationen) werden in öffentlich zugänglichen Qualitätsberichten zusammengeführt [12]. Die MD-Prüfungen liefern dabei eine stichprobenbasierte Tiefenanalyse, während die Indikatordaten eine Vollerhebung aller Bewohner darstellen [12]. Diese Kombination ermöglicht es Verbrauchern, die Ergebnisse einer Einrichtung, beispielsweise bei der Dekubitusinzidenz, mit bundesweiten Durchschnittswerten zu vergleichen [12].
Diese Transparenz bietet Verbrauchern Orientierung. Für Einrichtungen ist sie ein Anreiz, ihre Pflegestandards weiter zu verbessern.
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So verbessern Sie Ihre Qualitätsindikator-Ergebnisse
Die Qualitätsindikatoren zeigen konkrete Ansatzpunkte, um die Pflegequalität zu verbessern. Mit besserer Dokumentation, Prävention und Benchmarking verbessern Pflegeeinrichtungen ihre Ergebnisse und bereiten sich zugleich auf MD-Prüfungen vor.
Dokumentationsprozesse verbessern
Gute Ergebnisse beginnen mit einer vollständigen Dokumentation. Das Strukturmodell reduziert den Dokumentationsaufwand, indem es sich auf pflegerelevante Ereignisse konzentriert und Routineaufzeichnungen minimiert.
Die Digitalisierung bringt weitere Vorteile. Elektronische Dokumentationssysteme, die über mobile Geräte wie Tablets genutzt werden, ermöglichen die Erfassung direkt am Bewohnerbett. Das verbessert die Datenqualität und spart Zeit. Fehlender Zugang zu digitaler Technologie kann jedoch dazu führen, dass wichtige Aspekte der Pflege nicht ausreichend dokumentiert werden. Investitionen in WLAN und mobile Endgeräte können solche Lücken schließen [13].
Regelmäßige Schulungen sind wichtig, eine einmalige Fortbildung reicht meist nicht aus. Eine gleichmäßige Aufgabenverteilung ist ebenfalls wichtig: Wenn Pflegeassistenten, die viel direkte Pflege leisten, nicht in die Dokumentation eingebunden werden, entstehen Informationslücken. Funktionen wie Spracherkennung und mehrsprachige Erklärungen helfen außerdem, Sprachbarrieren bei nicht-muttersprachlichen Mitarbeitern zu überwinden [13].
Neben einer besseren Dokumentation tragen präventive Maßnahmen entscheidend zur Qualitätsverbesserung bei.
Präventive Maßnahmen implementieren
Prävention basiert auf einem Kreislauf aus Risikobewertung, gezielten Interventionen und kontinuierlichem Monitoring [14]. Risikoassessments für Themen wie Dekubitus, Stürze, Mangelernährung und Dehydration schaffen die Grundlage für risikoadjustierte Qualitätsindikatoren und ermöglichen faire Vergleiche zwischen Einrichtungen [14].
Ein wichtiger Schritt ist die Dokumentation des Bewohnerzustands bei Ein- und Auszug. So wird die Wirkung der Pflegeleistungen messbar. Präventionsmaßnahmen wie Sturz- oder Dekubitusprophylaxe sollten während der gesamten Pflegezeit dokumentiert werden, um in den Qualitätsberichten korrekt abgebildet zu sein [14].
Wenn Zielwerte nicht erreicht werden, ist ein Peer-Review der Behandlungsabläufe sinnvoll, um Ursachen zu identifizieren und Verbesserungen einzuleiten. Abrechnungs- und Medizindaten (z. B. ICD-10, OPS-Codes) können ebenfalls genutzt werden, um Qualitätsindikatoren effizient zu berechnen, ohne zusätzlichen Dokumentationsaufwand zu verursachen [7].
Auch Benchmarking spielt eine zentrale Rolle bei der Qualitätssteigerung.
Benchmarking zur Verbesserung nutzen
Benchmarking bietet eine solide Grundlage für das interne Qualitätsmanagement. Pflegeeinrichtungen übermitteln alle 6 Monate ihre Daten an die zentrale Datenauswertungsstelle (DAS), die diese mit dem bundesweiten Durchschnitt vergleicht [10] [11]. Die Ergebnisse werden in 5 Kategorien eingeteilt, von „weit unterdurchschnittlich“ bis „weit überdurchschnittlich“ [10].
Die Berichte der DAS dienen ausschließlich der internen Entwicklung und werden weder veröffentlicht noch an Aufsichtsbehörden weitergegeben [9]. Seit Januar 2023 gibt es außerdem Auswertungen auf Wohnbereichsebene, die es ermöglichen, Qualitätsprobleme gezielt zu analysieren, einrichtungsweit oder in bestimmten Bereichen [9].
Diese Vergleichsdaten sind auch hilfreich für Fachgespräche während der MD-Prüfungen. Bereiten Sie evidenzbasierte Argumente für Ihre Pflegeergebnisse vor. Einrichtungen mit guten Indikatorwerten und positiven externen Prüfungen können von einem verlängerten Prüfintervall von zwei Jahren profitieren [9] [11].
Durch diese Maßnahmen können Pflegeeinrichtungen ihre Qualitätsindikatoren kontinuierlich verbessern und ihre Pflegeleistungen transparenter und effektiver gestalten.
Fazit
Qualitätsindikatoren sind Werkzeuge, um interne Qualitätsprozesse in Pflegeeinrichtungen zu fördern und die Versorgungsqualität systematisch zu verbessern [2][7]. Die Initiative Qualitätsmedizin (IQM) bringt es prägnant auf den Punkt:
„Die Ergebnisqualität ist das eigentliche Ziel der Medizin. Wenn Ergebnisqualität messbar ist, kann Qualitätsmanagement implementiert werden, um Prozesse und Strukturen zu verbessern" [2].
Durch eine gründliche Analyse dieser Indikatoren wird die Ergebnisqualität sichtbar gemacht, was wiederum den Pflegeerfolg messbar macht [5].
Die regelmäßige Erhebung zum Stichtag und der Vergleich mit bundesweiten Referenzwerten schaffen eine solide Basis für Verbesserungen. Gute Ergebnisse entstehen aus konsequenter Prozessanalyse, präventiven Maßnahmen und einer genauen Dokumentation [1][3].
Digitale Werkzeuge können dabei helfen. Mit dexter.mobile dokumentieren Pflegekräfte per Sprache direkt nach dem Bewohnerkontakt. dexter.qm prüft die Pflegedokumentation laufend und weist auf Lücken hin, zum Beispiel auf fehlende Angaben in der Wunddokumentation. So fallen Lücken vor dem Stichtag auf.
Die genannten Ansätze basieren auf den im Artikel erläuterten Prinzipien zur Erhebung und Auswertung von Qualitätsindikatoren. Der gezielte Einsatz solcher Indikatoren ist entscheidend, um medizinische Fehler zu erkennen und die Pflegequalität langfristig zu steigern. Einrichtungen, die ihre Dokumentation verbessern, Prävention umsetzen und Benchmarking-Daten nutzen, sind besser auf externe Prüfungen vorbereitet.
FAQs
Wie können Pflegeeinrichtungen die Qualität ihrer Leistungen verbessern?
Pflegeeinrichtungen können ihre Servicequalität verbessern, indem sie ihre Abläufe regelmäßig überprüfen und gezielt anpassen. Dafür ist es sinnvoll, anerkannte und messbare Qualitätsindikatoren einzusetzen. Diese helfen dabei, Schwachstellen frühzeitig zu erkennen und entsprechende Maßnahmen einzuleiten. Ein gut strukturiertes Qualitätsmanagement, das auf kontinuierlicher Weiterentwicklung basiert, bildet hierfür die Grundlage.
Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die Einhaltung aktueller Standards und gesetzlicher Vorgaben. Pflegeeinrichtungen sollten ihre Prozesse regelmäßig anpassen, um diesen Anforderungen gerecht zu werden. Gleichzeitig ist die Weiterbildung des Pflegepersonals wichtig. Eine offene Fehlerkultur, in der Mitarbeitende ohne Angst vor Konsequenzen über Probleme sprechen können, trägt ebenfalls dazu bei, die Qualität zu verbessern. Durch regelmäßiges Feedback und die aktive Einbindung aller Mitarbeitenden lassen sich langfristig positive Ergebnisse erzielen.
Auch Transparenz spielt eine zentrale Rolle. Wenn Pflegeeinrichtungen ihre Ergebnisse offenlegen und mit Referenzwerten vergleichen, können sie ihre Leistungen objektiver bewerten. Das schafft Vertrauen und zeigt konkrete Ansätze für Verbesserungen. So können Pflegeeinrichtungen ihre Qualität nachhaltig steigern und den Bedürfnissen der Pflegebedürftigen noch besser gerecht werden.
Welche Aufgaben übernimmt der Medizinische Dienst bei der Prüfung der Pflegequalität in Einrichtungen?
Der Medizinische Dienst (MD) übernimmt eine wichtige Aufgabe, wenn es darum geht, die Pflegequalität in deutschen Pflegeeinrichtungen zu sichern. Regelmäßig führt er externe Prüfungen durch, um die Versorgung der Bewohnerinnen und Bewohner zu bewerten. Dabei stehen bestimmte Qualitätskriterien im Fokus, wie etwa Mobilität, die Selbstständigkeit im Alltag, das Risiko für Dekubitus, Folgen von Stürzen oder ungewolltem Gewichtsverlust.
Diese Prüfungen erfolgen stichprobenartig und basieren auf den Qualitätsprüfungsrichtlinien. Ihr Ziel ist es, sicherzustellen, dass Standards eingehalten werden, Transparenz über die Pflegequalität zu schaffen und auf mögliche Verbesserungen hinzuweisen. Die Ergebnisse werden veröffentlicht und leisten einen Beitrag dazu, die Versorgungsqualität langfristig zu erhöhen.
Wie werden Qualitätsindikatoren in Pflegeeinrichtungen erhoben und gemeldet?
In deutschen Pflegeeinrichtungen werden Qualitätsindikatoren systematisch anhand von Routinedaten erhoben. Diese Daten stammen direkt aus der täglichen Dokumentation der Pflege und dienen dazu, die Qualität der erbrachten Leistungen regelmäßig zu überprüfen. Pflegeeinrichtungen erfassen diese Informationen zweimal im Jahr zu einem festen Stichtag und übermitteln sie an die Datenauswertungsstelle (DAS).
Bevor die Daten veröffentlicht werden, prüft die DAS sie auf Vollständigkeit und Plausibilität. Erst danach fließen sie in Berichte ein, die der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Dieser strukturierte Ansatz ermöglicht eine transparente und vergleichbare Bewertung der Pflegequalität. Gleichzeitig bietet er den Einrichtungen die Grundlage, gezielte Verbesserungen umzusetzen und den bestehenden Anforderungen gerecht zu werden.
Wann ist der Stichtag für die Qualitätsindikatoren?
Jede Einrichtung legt ihren Stichtag bei der Registrierung im Webportal der Datenauswertungsstelle (DAS) fest. Der zweite Stichtag liegt 6 Monate später. Am Tag nach dem Stichtag beginnt ein Erfassungszeitraum von 14 Tagen. In dieser Zeit werden die Daten aller einbezogenen Bewohner erfasst und zur Auswertung freigegeben.






