
Pflegeprozess einfach erklärt: Erfahren Sie mehr über die 4 Schritte nach Juchli und Walch sowie ihre Bedeutung für eine hochwertige Pflege.
In der Welt der stationären Pflegeheime spielt der Pflegeprozess eine zentrale Rolle. Er bildet die Grundlage für eine strukturierte, patientenzentrierte und qualitativ hochwertige Pflege und dient gleichzeitig als Unterstützung im Umgang mit den vielfältigen Herausforderungen, denen Pflegeeinrichtungen gegenüberstehen: Zeitdruck, Personalmangel und wachsende Dokumentationsanforderungen. In diesem Artikel wird der Pflegeprozess – basierend auf dem Modell von Juchli und Walch – in seinen vier Hauptphasen vorgestellt, mit besonderem Fokus auf die Praxisrelevanz für deutsche Pflegefachkräfte.
Der Pflegeprozess ist ein dynamisches und kontinuierliches Instrument, das Pflegefachkräfte dabei unterstützt, die Bedürfnisse der Bewohner systematisch zu erfassen, individuelle Pflegeziele zu entwickeln, geeignete Maßnahmen umzusetzen und die Ergebnisse zu evaluieren. Seine Bedeutung liegt in der Standardisierung der Pflegepraxis, der Sicherstellung einer patientenzentrierten Versorgung und der Erleichterung der Pflegedokumentation.
Ein zentrales Ziel des Pflegeprozesses ist es, die Zusammenarbeit in multiprofessionellen Teams im Schichtbetrieb zu koordinieren. Ohne klare Strukturen riskieren Teams, wichtige Aspekte der Versorgung zu übersehen. Der Pflegeprozess hilft, dieses Risiko zu minimieren, und stellt sicher, dass die Pflegebedürfnisse jedes Bewohners individuell berücksichtigt werden.
Der Pflegeprozess gliedert sich in vier Hauptphasen, die systematisch aufeinander aufbauen. Jede Phase erfüllt eine spezifische Funktion, um eine optimale Versorgung zu gewährleisten.
In der ersten Phase sammeln Pflegefachkräfte umfassende Informationen über den Bewohner. Hierzu gehören unter anderem die medizinische Vorgeschichte, der aktuelle Gesundheitszustand, psychosoziale Faktoren sowie die Umweltbedingungen. Ziel ist es, eine fundierte Grundlage für die Pflegeplanung zu schaffen und mögliche Probleme zu identifizieren.
Besonderer Wert wird auf die Erstellung von Pflegediagnosen gelegt, die die individuellen Pflegeprobleme aus pflegerischer Perspektive beschreiben. Dies unterscheidet sich von medizinischen Diagnosen und ermöglicht es, spezifische Schwerpunkte für die Versorgung zu setzen.
Auf Basis des Assessments wird ein individueller Pflegeplan erstellt, der die Pflegeziele und die geplanten Maßnahmen umfasst. Die Ziele werden in enger Abstimmung mit dem Bewohner entwickelt, um seine individuellen Bedürfnisse und Präferenzen zu berücksichtigen.
Ein Beispiel: Bei einem Bewohner mit eingeschränkter Mobilität könnte das Pflegeziel sein, die Eigenständigkeit beim Aufstehen zu fördern. Daraus resultieren Maßnahmen wie unterstützende Mobilitätsübungen oder die Bereitstellung geeigneter Hilfsmittel.
In dieser Phase werden die geplanten Pflegemaßnahmen in die Praxis umgesetzt. Gleichzeitig überwachen die Pflegekräfte den Zustand des Bewohners und dokumentieren die durchgeführten Interventionen sowie Beobachtungen. Diese Dokumentation ist nicht nur Grundlage für die Evaluation, sondern auch ein wichtiger Bestandteil, um den Anforderungen des Medizinischen Dienstes gerecht zu werden.
Am Ende des Pflegeprozesses steht die Bewertung der Wirksamkeit der durchgeführten Pflege. Wurden die definierten Ziele erreicht? Gibt es Anpassungsbedarf? Die Evaluation ist ein entscheidender Schritt, um die Pflege kontinuierlich zu verbessern und auf Veränderungen im Zustand des Bewohners flexibel zu reagieren.
Der Pflegeprozess nach Juchli und Walch ist eines von mehreren Modellen, die in der Praxis Anwendung finden. Ein häufig verwendetes Modell ist das sechsphasige Modell nach Fichter und Meier. Dieses unterscheidet sich primär durch eine kleinschrittigere Unterteilung der Phasen, beispielsweise werden Pflegeziele und Pflegediagnosen als eigene Schritte definiert. Diese detailliertere Struktur bietet eine vertiefte Analyse, was in der Praxis je nach Bedarf Vor- oder Nachteile haben kann.
Für Pflegefachkräfte in stationären Einrichtungen bietet der Pflegeprozess mehrere entscheidende Vorteile:
Der Pflegeprozess ist mehr als eine Methode – er ist ein unverzichtbares Werkzeug, das Pflegefachkräften den Alltag erleichtert und die Qualität der Versorgung stärkt. Gerade in der stationären Pflege, wo Zeitdruck und Personalmangel herrschen, bietet der strukturierte Ansatz erhebliche Vorteile. Durch die systematische Erfassung und Anpassung der Pflegebedürfnisse wird nicht nur den Bewohnern, sondern auch den Pflegekräften selbst geholfen. Indem der Pflegeprozess aktiv gelebt wird, wird die Pflege sowohl effizienter als auch menschlicher gestaltet.
Source: "Pflegeprozess kurz & einfach" - Pflegerelevant, YouTube, Jul 26, 2023 - https://www.youtube.com/watch?v=QO-z8kQnyHg