Pflegebericht schreiben: 15 Beispiele & Formulierungshilfen

Formulierungshilfen für den Pflegebericht zum Kopieren: Satzbausteine nach Bereich und 15 Beispiele von Sturz bis Schmerz, schwach vs. präzise.
Ein Pflegebericht beschreibt was sich verändert hat, was Sie getan haben und wie die Bewohnerin oder der Bewohner darauf reagiert hat. Halten Sie auch fest, was die nächste Schicht prüfen oder übernehmen soll. Was wie geplant läuft, gehört nicht in den Pflegebericht.
Gehen Sie bei jedem Eintrag von der konkreten Beobachtung aus: Was haben Sie gesehen, gehört oder festgestellt? Trennen Sie eigene Befunde von Aussagen der Bewohnerinnen und Bewohner sowie Angaben von Angehörigen. Schreiben Sie knapp und ohne Wertung.
Unten finden Sie Formulierungshilfen zum Kopieren, geordnet nach Bereich, und 15 Beispiele. Sie zeigen, wie Sie ungenaue Formulierungen durch nachvollziehbare Angaben ersetzen und offenen Handlungsbedarf benennen.
Pflegebericht schreiben: Beobachtung bis nächster Schritt
Das Wichtigste in Kürze
- In den Pflegebericht gehören Abweichungen vom geplanten Ablauf, Veränderungen im Zustand und besondere Ereignisse. Was wie geplant läuft, steht dort nicht.
- Jeder Eintrag folgt dem Muster Beobachtung, Maßnahme, Wirkung, weiteres Vorgehen.
- Schreiben Sie beobachtbare Fakten mit Uhrzeit, Mengen und Messwerten, zum Beispiel 150 ml oder NRS 6/10. Ersetzen Sie Wertungen wie „verwirrt“ durch das beobachtete Verhalten.
- Wörtliche Aussagen stehen in Anführungszeichen. Angaben von Angehörigen kennzeichnen Sie mit der Quelle.
- Halten Sie fest, wen Sie informiert haben und was die nächste Schicht prüfen soll.
Was in den Pflegebericht gehört
In den Pflegebericht gehören Abweichungen vom Pflegeplan: Beobachtung, Maßnahme, Wirkung und weiterer Bedarf.[1] Der Eintrag beschreibt die Veränderung so knapp wie nötig, damit der nächste Schritt für Kolleginnen und Kollegen nachvollziehbar bleibt.
Routineleistungen gehören nicht in den Pflegebericht. Dort steht, was vom Plan abweicht, zum Beispiel eine Verweigerung, eine Zustandsänderung oder ein unerwartetes Ereignis. Dazu kommen befristete Beobachtungsaufträge und pflegerelevante Informationen von Angehörigen und anderen Berufsgruppen.[1]
Arbeitet Ihre Einrichtung mit dem Strukturmodell, brauchen Sie in der stationären Pflege für regelmäßig wiederkehrende Pflege- und Betreuungsmaßnahmen keinen Einzelleistungsnachweis. Ärztlich verordnete Behandlungspflege weisen Sie weiter im Durchführungsnachweis nach, ebenso Positionswechsel bei Dekubitusrisiko im Bewegungsprotokoll.[1] Arbeitet Ihre Einrichtung mit einem anderen System, gilt der Dokumentationsstandard Ihrer Einrichtung.
Vitalzeichen, Wundmaße und Stürze dokumentieren Sie in den jeweiligen Spezialformularen. Im Pflegebericht steht der Verlauf: Beobachtung, Sofortmaßnahme, Reaktion. Verweisen Sie dort auf das passende Formular, statt Angaben doppelt zu dokumentieren.
| Gehört in den Pflegebericht | Gehört nicht in den Pflegebericht |
|---|---|
| Zustandsveränderungen (z. B. neu aufgetretener Schmerz, veränderter Bewusstseinszustand) | Routineleistungen, die wie geplant erbracht wurden |
| Unerwartete Ereignisse (z. B. Sturz, Fieber, Krankenhausentlassung) | Vitalzeichenwerte und andere bereits separat dokumentierte Daten |
| Abweichungen vom Pflegeplan mit Begründung (z. B. Maßnahme abgelehnt) | Detaillierte Wundmaße und Fotos (gehören in die Wunddokumentation) |
| Wirkung einer Maßnahme oder Bedarfsmedikation | Subjektive Bewertungen oder Etikettierungen der Person |
| Relevante Äußerungen der Bewohnerin oder des Bewohners im Wortlaut | Inhalte, die bereits vollständig in einem Spezialformular erfasst sind |
Tägliche Einträge sind nicht automatisch nötig, wenn die Pflege plangemäß verläuft. Der Pflegebericht erfasst aktuell auftretende Probleme, ihren Verlauf und das Befinden der Bewohnerin oder des Bewohners. Ohne Anlass braucht es keinen Eintrag. Bei stabiler Pflegesituation sind auch längere Zeiträume ohne Eintrag möglich. Für solche Phasen kann die Einrichtung einen festen Termin zur Überprüfung von SIS und Maßnahmenplan festlegen.[1] Nach § 113 SGB XI soll der Aufwand für die Pflegedokumentation in einem angemessenen Verhältnis zu den Aufgaben der pflegerischen Versorgung stehen.[2]
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Checkliste für jeden Eintrag
Prüfen Sie vor dem Abschluss eines Eintrags, ob die folgenden Bestandteile enthalten sind, soweit sie zum Anlass passen.
| Bestandteil | Anforderung |
|---|---|
| Datum und Uhrzeit | Exaktes Datum und genaue Uhrzeit, bei Bedarf Schichtangabe |
| Beobachtung | Konkrete, neutrale Beschreibung der Veränderung oder des Ereignisses |
| Äußerung der Bewohnerin / des Bewohners | Wörtliche Aussage, wenn relevant |
| Messbare Befunde | Konkrete Werte, z. B. Schmerz NRS 6/10, Temperatur 39,6 °C |
| Maßnahme | Eingeleitete Sofortmaßnahme |
| Wirkung | Reaktion auf die Maßnahme |
| Informationsweitergabe | Wen informiert? |
| Weiteres Vorgehen | Nächster Schritt oder Beobachtungsauftrag |
| Handzeichen | Handzeichen oder Signatur nach Hausstandard |
Korrekturen dürfen nicht mit Tipp-Ex unkenntlich gemacht oder durch Überschreiben unleserlich werden. Streichen Sie Fehler einmal lesbar durch und kennzeichnen Sie die Korrektur mit Ihrem Handzeichen. Bleistift ist unzulässig.
Nutzen Sie diese Checkliste nur bei Einträgen mit Anlass. Routine gehört nicht in den Pflegebericht.
Schreibregel: Von der Beobachtung zum weiteren Vorgehen
Ein guter Pflegebericht folgt einer klaren Reihenfolge: Beobachtung, Maßnahme, Wirkung, weiteres Vorgehen.
Als Satzrahmen hilft:
„[Beobachtung oder Messwert] festgestellt. [Maßnahme] eingeleitet. [Wirkung]. [Weiteres Vorgehen]."
Nicht jeder Eintrag muss alle 4 Schritte enthalten. Benennen Sie Abweichungen vom Plan knapp und halten Sie den nächsten Schritt klar fest.
Formulieren Sie sachlich und ohne Wertung.
Nicht: „Bewohnerin ist verwirrt und aggressiv."
Stattdessen: „Bewohnerin läuft umher, ruft laut nach Hause, schlägt um sich."
Nicht: „Bewohner hat starke Schmerzen."
Stattdessen: „Bewohner gibt Knieschmerz NRS 6/10 an."
So werden ungenaue Aussagen klarer:
| Schritt | Präzise Formulierung | Vage Formulierung (vermeiden) |
|---|---|---|
| Maßnahme | „Wundversorgung wegen Durchfeuchtung erneuert." | „Wundpflege durchgeführt." |
| Wirkung | „Bewohnerin schlief 30 Minuten nach Medikamentengabe ein." | „Medikament hat gewirkt." |
| Weiteres Vorgehen | „Arzt informieren, wenn Rötung morgen unverändert." | „Wunde beobachten." |
Formulierungshilfen zum Kopieren
Ersetzen Sie die Platzhalter in eckigen Klammern und passen Sie die Bausteine an die Situation an. Tragen Sie nur ein, was Sie selbst beobachtet, gemessen oder gehört haben.
Körperpflege und Duschen
| Anlass | Satzbaustein |
|---|---|
| Duschen abgelehnt | Bewohnerin lehnt Duschen um [Uhrzeit] ab und sagt: „[Wortlaut]“. Waschen am Waschbecken angeboten, [angenommen/abgelehnt]. Duschen um [Uhrzeit] erneut anbieten. |
| Abbruch | Duschen nach [x] Minuten abgebrochen. Grund: [Beobachtung oder Aussage]. [Maßnahme]. Nach [x] Minuten [Reaktion]. |
| Hautbefund | Bei der Körperpflege Rötung an [Körperstelle], ca. [x] cm, [wegdrückbar/nicht wegdrückbar]. [Pflegefachkraft] informiert. Bei nicht wegdrückbarer Rötung Verlauf in der Wunddokumentation. |
| Schmerz bei der Pflege | Beim Waschen der Beine gibt Bewohner Schmerz im [Körperstelle] an, NRS [x]/10. Pflege in [Position] fortgesetzt. Nach Abschluss NRS [x]/10. |
| Mehr Selbstständigkeit | Wäscht heute Gesicht und Oberkörper ohne Unterstützung, laut Maßnahmenplan bisher Teilübernahme. In den nächsten [x] Tagen beobachten, ob das so bleibt. |
| Mundpflege | Bewohnerin gibt beim Einsetzen der Zahnprothese Schmerz an. Rötung am [Ort] sichtbar. Prothese nach Rücksprache mit [Name/Funktion] vorerst nicht eingesetzt. Zahnärztliche Abklärung angefragt. |
Mobilisation und Lagerung
| Anlass | Satzbaustein |
|---|---|
| Mehr Hilfebedarf | Transfer vom Bett in den Rollstuhl heute nur mit 2 Pflegepersonen möglich, bisher mit 1. Bewohner knickt im [rechten/linken] Knie ein. Pflegefachkraft informiert. |
| Gehstrecke | Gehstrecke heute [x] m mit Rollator, bisher [x] m. Pause nach [x] m, Bewohnerin sagt: „[Wortlaut]“. |
| Abbruch | Mobilisation in den Sessel um [Uhrzeit] abgebrochen: Bewohnerin wird [blass/schwitzt] und sagt: „[Wortlaut]“. Zurück ins Bett, [Maßnahme]. Nach [x] Minuten [Reaktion]. |
| Lagerung abgelehnt | Lagewechsel um [Uhrzeit] abgelehnt, Bewohner sagt: „[Wortlaut]“. Haut an [Körperstelle]: [Befund]. Erneutes Angebot um [Uhrzeit]. |
| Verbesserung | Bewohner steht seit [Datum] ohne Hilfe aus dem Sessel auf. Maßnahmenplan und Sturzrisiko bei der nächsten Evaluation prüfen. |
Ernährung und Trinken
| Anlass | Satzbaustein |
|---|---|
| Geringe Trinkmenge | Trinkmenge bis [Uhrzeit]: [x] ml. Bewohner sagt: „[Wortlaut]“. [Getränk] angeboten, [x] ml getrunken. |
| Wenig gegessen | Mittagessen: [Anteil, z. B. ein Viertel] gegessen. Bewohnerin sagt: „[Wortlaut]“. Ersatz [Speise] angeboten, [angenommen/abgelehnt]. |
| Mahlzeit abgelehnt | Frühstück um [Uhrzeit] abgelehnt. Grund laut Bewohner: [Aussage]. [Maßnahme]. Nächste Schicht: Essmenge beobachten. |
| Husten beim Trinken | Hustet beim Trinken von [Getränk] [x]-mal, Stimme danach [belegt/unverändert]. Getränk abgesetzt, Oberkörper aufgerichtet. Pflegefachkraft informiert. Bei der nächsten Mahlzeit Schlucken beobachten. |
| Gewicht | Gewicht laut Gewichtsverlauf [x] kg, am [Datum] [x] kg. Pflegefachkraft informiert, Ernährungssituation wird neu eingeschätzt. |
Führen Sie ein Trink- oder Ernährungsprotokoll, steht im Pflegebericht nur die Abweichung und was Sie daraufhin getan haben.
Schmerz und Wohlbefinden
| Anlass | Satzbaustein |
|---|---|
| Neuer Schmerz | [Uhrzeit]: Bewohnerin gibt Schmerz im [Körperstelle] an, NRS [x]/10, [Qualität, z. B. stechend]. Beginn: [Zeitpunkt oder Anlass]. |
| Bedarfsmedikation | Bedarfsmedikation nach ärztlicher Anordnung um [Uhrzeit] gegeben. Nach [x] Minuten NRS [x]/10. |
| Keine Selbstauskunft | Keine Selbstauskunft möglich. Fremdeinschätzung mit [BESD/ZOPA] um [Uhrzeit]: [Ergebnis]. Beobachtet: [Verhalten, z. B. Stöhnen bei Bewegung]. |
| Keine Wirkung | Schmerz trotz [Maßnahme] unverändert NRS [x]/10. [Ärztin/Arzt] um [Uhrzeit] informiert, Rückruf [erfolgt/ausstehend]. |
| Wohlbefinden | Bewohner sitzt [x] Minuten im Garten, lacht und erzählt von [Thema]. Sagt: „[Wortlaut]“. |
| Niedergeschlagenheit | Bewohnerin weint beim Frühstück und sagt: „[Wortlaut]“. Gespräch angeboten, [Reaktion]. |
Ausscheidung
| Anlass | Satzbaustein |
|---|---|
| Kein Stuhlgang | Kein Stuhlgang seit [Datum]. Bewohner gibt [Völlegefühl/keine Beschwerden] an, Bauch [weich/gebläht]. Pflegefachkraft informiert. |
| Veränderter Urin | Urin [dunkel/trüb], Geruch [auffällig/unauffällig]. Bewohnerin gibt Brennen beim Wasserlassen an. Trinkmenge bis [Uhrzeit]: [x] ml. [Ärztin/Arzt] informiert. |
| Durchfall | Seit [Uhrzeit] [x]-mal flüssiger Stuhl. Trinkmenge [x] ml. [Maßnahme]. Pflegefachkraft und [Ärztin/Arzt] informiert. |
| Neues Einnässen | Nachts [x]-mal eingenässt, bisher kontinent. Bewohner sagt: „[Wortlaut]“. Toilettengang um [Uhrzeit] angeboten. Kontinenz in den nächsten [x] Nächten beobachten. |
| Haut im Intimbereich | Haut im Intimbereich gerötet, [nässend/trocken]. Hautschutz nach Hausstandard aufgetragen. Hautzustand bei jedem Wechsel beobachten. |
Orientierung und Verhalten
| Anlass | Satzbaustein |
|---|---|
| Desorientierung | Bewohnerin fragt um [Uhrzeit] [x]-mal nach [Person/Ort] und findet ihr Zimmer nicht. Bisher im Wohnbereich orientiert. Pflegefachkraft informiert. |
| Unruhe | Seit [Uhrzeit] läuft Bewohner im Flur auf und ab und zupft an der Kleidung. Toilettengang und Getränk angeboten, danach [Reaktion]. |
| Abwehr bei der Pflege | Bewohner ruft „[Wortlaut]“ und schlägt bei der Körperpflege nach der Pflegekraft. Pflege unterbrochen, [Maßnahme]. Nach [x] Minuten [Reaktion]. |
| Hinlaufen | Bewohnerin steht um [Uhrzeit] angezogen an der Ausgangstür und sagt: „[Wortlaut]“. Zurück begleitet, [Getränk/Gespräch] angeboten. [Reaktion]. |
| Akute Veränderung | Bewohner antwortet heute verzögert und schläft tagsüber mehrfach ein, bisher wach und gesprächig. [Ärztin/Arzt] um [Uhrzeit] informiert. |
Nachtdienst
| Anlass | Satzbaustein |
|---|---|
| Wach in der Nacht | Bewohnerin ab [Uhrzeit] wach, sitzt auf der Bettkante und sagt: „[Wortlaut]“. [Getränk/Gespräch] angeboten. Schläft ab [Uhrzeit] wieder. |
| Toilettengang | Um [Uhrzeit] Toilettengang nur mit Hilfe möglich, bisher selbstständig mit Rollator. Bewohner sagt: „[Wortlaut]“. Schläft ab [Uhrzeit] wieder. |
| Am Boden aufgefunden | Um [Uhrzeit] neben dem Bett auf dem Boden sitzend aufgefunden. Bewohnerin sagt: „[Wortlaut]“. [Befund, z. B. Rötung an Körperstelle, Schmerz NRS x/10]. [Sofortmaßnahme]. Sturzprotokoll ausgefüllt. Übergabe an Frühdienst: [Beobachtungsauftrag]. |
| Atmung verändert | Atmung um [Uhrzeit] [beschleunigt/rasselnd], Bewohner sagt: „[Wortlaut]“. Oberkörper hochgelagert. [Ärztlicher Bereitschaftsdienst] um [Uhrzeit] informiert. |
| Bedarfsmedikation | Bedarfsmedikation gegen [Anlass] nach ärztlicher Anordnung um [Uhrzeit] gegeben. Um [Uhrzeit]: [Wirkung]. |
| Übergabe | Übergabe an Frühdienst: [Beobachtungsauftrag, z. B. Trinkmenge und Atmung prüfen]. |
Angehörige
| Anlass | Satzbaustein |
|---|---|
| Information | Tochter, Frau [Name], am [Datum] um [Uhrzeit] telefonisch über [Anlass] informiert. Einwilligung der Bewohnerin liegt vor. |
| Nicht erreicht | Sohn um [Uhrzeit] telefonisch nicht erreicht, Rückrufbitte hinterlassen. Nächster Versuch um [Uhrzeit] durch [Schicht/Name]. |
| Angabe der Angehörigen | Ehemann berichtet, die Bewohnerin habe [Beobachtung]. Eigene Prüfung: [Befund]. |
| Rückrufwunsch | Tochter wünscht Rückruf der Hausärztin wegen [Thema]. Wunsch an [Name/Funktion] weitergegeben, Rückruf ausstehend. |
| Anliegen | Tochter sagt: „[Wortlaut]“. Anliegen an [Wohnbereichsleitung] weitergegeben, Gespräch am [Datum] vereinbart. |
Messwerte wie Blutdruck, Puls oder Sauerstoffsättigung nennen Sie im Pflegebericht nur, wenn sie nicht separat erfasst sind. Sonst verweisen Sie auf das Formular.
1. Veränderung der Mobilität
Eine Veränderung der Mobilität gehört in den Pflegebericht, wenn es zu einer Abweichung kommt, eine geplante Mobilisation abgebrochen wird oder neuer Unterstützungsbedarf entsteht. Wichtig sind die konkrete Einschränkung, die getroffene Maßnahme und die Reaktion der Bewohnerin oder des Bewohners.
Dokumentieren Sie dabei so genau wie nötig: Hilfebedarf, Gangbild, Pausen, einen möglichen Abbruch und die wörtliche Äußerung. Vermeiden Sie Deutungen und ungenaue Sammelbegriffe.
Schwacher Eintrag: „Mobilisation durchgeführt. Keine Besonderheiten."
Präziser Eintrag: „Geplanter Spaziergang entfällt, da die Bewohnerin nach dem Duschen die Beine nicht mehr heben kann und sich am Handlauf festhält. Transfer in den Sessel. Bewohnerin ruht im Sessel."
Für das weitere Vorgehen reicht eine kurze, klare Notiz, zum Beispiel: „Rollator bei nächster Mobilisation einsetzen. Nächste Schicht: Mobilisation erneut anbieten und Reaktion dokumentieren."
2. Veränderung der Orientierung
Eine Veränderung der Orientierung gehört in den Pflegebericht, wenn das Verhalten vom gewohnten Zustand abweicht. Das kann zum Beispiel eine räumliche oder zeitliche Desorientierung sein.
Dokumentationsanlass ist die Abweichung vom bisherigen Zustand. Das gilt in beiden Fällen: bei einer bisher orientierten Person, die erstmals desorientiert wirkt, und bei einer Bewohnerin mit bekannter Demenz, deren Orientierung sich deutlich verschlechtert.
Beschreiben Sie die konkrete Beobachtung: was Sie sehen, hören oder unmittelbar feststellen. Lassen Sie Wertungen weg.
Schwacher Eintrag: „Bewohnerin ist verwirrt und unruhig."
Präziser Eintrag: „Bewohnerin steht um 3:00 Uhr mit gepacktem Koffer im Flur und sagt, sie müsse zur Arbeit."
Wörtliche Aussagen ergänzen Sie nur dann, wenn sie den Zustand genau zeigen.
Auch Maßnahmen und Reaktion gehören kurz dazu. Zum Beispiel: Ruhiges Orientierungsgespräch geführt, warmes Getränk angeboten. Bewohnerin nimmt das Getränk an und legt sich hin. Die Desorientierung bezüglich des aktuellen Jahres besteht weiter.
Dokumentieren Sie dabei knapp:
- welche Auffälligkeit Sie beobachtet haben
- was Sie getan haben
- wie die Bewohnerin oder der Bewohner darauf reagiert hat
Zusätzliche Befunde nennen Sie nur, wenn sie für den Verlauf wichtig sind.
In der nächsten Schicht sollte die Orientierung erneut geprüft werden. Bei neuer oder stärkerer Desorientierung nennen Sie in der Übergabe auch mögliche somatische Auslöser, zum Beispiel Harnwegsinfekt oder Medikamentennebenwirkung. Bei anhaltender oder neuer Desorientierung veranlassen Sie eine ärztliche Abklärung.
3. Veränderung bei Essen und Trinken
Bei Essen und Trinken zeigen sich Abweichungen häufig früh. Dokumentieren Sie deshalb Auffälligkeiten wie reduzierte Trinkmenge, abgelehnte Mahlzeiten oder Schluckbeschwerden. Reine Routineangaben gehören nicht in den Pflegebericht.
Schwacher Eintrag: „Hat heute wenig getrunken."
Präziser Eintrag: „Trinkmenge bis 14:00 Uhr lediglich 150 ml Tee; Bewohner gibt an, keinen Durst zu haben."
Halten Sie sich an beobachtbare Fakten. Eintragungen werden erst mit Mengenangaben nutzbar, zum Beispiel „Trinkmenge bis 14:00 Uhr lediglich 150 ml Tee“. Bei Speisen nennen Sie den verzehrten Anteil, zum Beispiel ein Viertel der Hauptmahlzeit. Wenn die Bewohnerin oder der Bewohner selbst etwas zum Zustand sagt, nehmen Sie diese Aussage wörtlich oder sinngemäß auf. Das erleichtert der nächsten Schicht die Einschätzung.
Treten mehrere Punkte zugleich auf, gehören sie in denselben Eintrag. Lehnt ein Bewohner das Mittagessen ab und hat zugleich Fieber, dokumentieren Sie beides zusammen. Notieren Sie auch die Maßnahme und was danach passiert ist. Wenn Sie ungesüßten Tee anbieten und der Bewohner anschließend 150 ml trinkt, gehört beides in die Dokumentation. Wird auch das Ersatzangebot abgelehnt, halten Sie das ebenfalls fest, am besten mit der genannten Begründung.
Bei Risiko auf Dehydratation oder Mangelernährung sowie bei nicht durchführbarer Maßnahme ist der Eintrag übergaberelevant. Schreiben Sie klar dazu, was die nächste Schicht prüfen soll, zum Beispiel:
- „Flüssigkeitszufuhr weiter beobachten; bei anhaltender Ablehnung die zuständige Fachkraft informieren.“
- Kostform prüfen lassen.
- Nächste Schicht: Trinkmenge, Ablehnung und Verträglichkeit weiter beobachten.
4. Veränderung des Hautzustands
Bei Hautveränderungen ist der Vorwert besonders wichtig. Dokumentieren Sie so, dass die nächste Schicht den Verlauf sofort einordnen kann.
Dokumentationsanlass: Abweichungen vom bisherigen Hautzustand, zum Beispiel neue Rötungen, Hämatome, Schwellungen oder Veränderungen an einer Wunde.
Beschreiben Sie, was Sie sehen, tasten und riechen. Dazu gehören:
- Lokalisation
- Ausmaß im Vergleich zum Vorbefund
- Farbe
- Feuchtigkeit
- Exsudat
- Geruch
Schmerzen erfassen Sie mit NRS 0 bis 10. Ist keine Selbsteinschätzung mit NRS möglich, nutzen Sie ein validiertes Fremdeinschätzungsinstrument.[3]
Schwacher Eintrag: „Wunde sieht schlechter aus."
Präziser Eintrag: „Wundrand gerötet, Exsudat gelblich, Geruch auffällig. Rötung am Oberschenkel unverändert zum Vorwert. Bewohnerin gibt Schmerz NRS 4/10 an. Wundversorgung nach Anordnung erneuert. Bewohnerin äußert Erleichterung nach Kühlung. Wundarzt informiert. Nächste Beurteilung morgen Frühdienst; Verlauf im Wunddokumentationsblatt."
Wenn sich der Befund verschlechtert, dokumentieren Sie auch, wen Sie informiert haben. Gibt es eine separate Wunddokumentation, genügt im Pflegebericht ein kurzer Verweis auf das Wunddokumentationsblatt.
5. Unbeobachteter Sturz
Ist ein Sturz erst im Nachhinein erkennbar, dokumentieren Sie Uhrzeit, Fundort, Körperlage, sichtbare Verletzungszeichen und die wörtliche Aussage der Bewohnerin oder des Bewohners.
Schwacher Eintrag: Bewohnerin lag auf dem Boden, wirkte verwirrt.
Präziser Eintrag: 10:15 Uhr auf dem Badezimmerboden in Rückenlage aufgefunden. Bewohnerin sagt, sie habe zur Toilette gehen wollen und sei ausgerutscht. Rötung sichtbar, keine offene Wunde. Schmerz NRS 3/10.
Formulierungen wie „wirkte verwirrt“ sollten Sie streichen. Beschreiben Sie stattdessen das beobachtete Verhalten konkret.
Sofortmaßnahmen und Ergebnis
Dokumentieren Sie die Sofortmaßnahmen klar und knapp:
- Vitalzeichen kontrolliert
- Erste Hilfe geleistet
- Arzt und bei Bedarf Angehörige informiert
- Reaktion der Bewohnerin oder des Bewohners festgehalten
Übergabe und weitere Beobachtung
Verweisen Sie auf das Sturzprotokoll. Notieren Sie, wer informiert wurde und was die nächste Schicht prüfen soll, zum Beispiel: Mobilität in der nächsten Schicht engmaschig beobachten.
6. Beobachteter Sturz beim Transfer
Anlass und Ablauf
Beim beobachteten Transfersturz sehen Sie den Ablauf und den Auslöser direkt. Dokumentieren Sie deshalb den Ausgangspunkt, das Ziel, eingesetzte Hilfsmittel und die konkrete Ursache des Sturzes. Wichtig ist eine klare Abfolge von Beobachtung, Sofortmaßnahme und Wirkung.
Beobachtbare Fakten und Aussage der Bewohnerin / des Bewohners
Halten Sie Ausgangspunkt, Ziel, Sturzverlauf und sichtbare Verletzungen fest. Ergänzen Sie die wörtliche Aussage der Bewohnerin oder des Bewohners in Anführungszeichen.
Schwacher Eintrag: Bewohnerin stürzte beim Transfer, wurde versorgt.
Präziser Eintrag: 14:30 Uhr, Transfer von Bett in Rollstuhl. Bewohnerin sagt: „Das Knie gibt nach." Sturz auf den Boden. Hämatom lateral linker Oberschenkel, ca. 3 cm. Schmerz NRS 5/10.
Sofortmaßnahmen und Wirkung
Nennen Sie jede Maßnahme einzeln, zum Beispiel:
- Vitalzeichen kontrolliert
- Kühlung angelegt
- Arzt informiert
Halten Sie auch die Wirkung fest, etwa: Schmerz nach 30 Minuten Kühlung auf NRS 3/10 reduziert.
Füllen Sie danach das Sturzprotokoll aus, informieren Sie den Arzt und beobachten Sie Mobilität und Schmerz in der nächsten Schicht weiter.
7. Nachbeobachtung nach einem Sturz
Folgeeinträge nach einem Sturz halten den Zustand bis zur Stabilisierung fest. Dokumentieren Sie nur dann, wenn sich etwas verändert hat oder wenn Sie einen stabilen Befund festhalten.
Anlass
Ein Anlass liegt nur vor, wenn sich seit dem letzten Eintrag etwas geändert hat, zum Beispiel mehr Schwellung, anhaltender Schmerz oder bessere Mobilität. Ohne Veränderung genügt eine kurze, genaue Formulierung:
„Hämatom lateral linker Oberschenkel unverändert, ca. 3 cm."
Beobachtung
Dokumentieren Sie nur neue Befunde, Vitalzeichen, den Schmerzwert und eine relevante Aussage der Bewohnerin oder des Bewohners wörtlich. Wenn keine Selbstauskunft möglich ist, nutzen Sie ein Fremdeinschätzungsinstrument wie BESD oder ZOPA.[3]
Schwacher Eintrag: Bewohnerin geht es besser, keine Auffälligkeiten.
Präziser Eintrag: 08:15 Uhr, Folgebeobachtung nach Sturz vom Vortag. Bewohnerin sagt, das Bein tue kaum noch weh. Hämatom lateral linker Oberschenkel, ca. 3 cm, keine Zunahme. Schmerz NRS 2/10. RR 128/78 mmHg, Puls 72/min.
Nennen Sie Maßnahme und Wirkung kurz und konkret, zum Beispiel:
Kühlung fortgesetzt, Schmerz nach 30 Minuten auf NRS 1/10 reduziert.
Nächster Schritt
Halten Sie fest, ob Arzt und Angehörige informiert wurden, und verweisen Sie auf das Sturzprotokoll. Planen Sie die nächste Beobachtung so konkret wie möglich, zum Beispiel:
Mobilität und Schmerz in der Spätschicht erneut einschätzen.
8. Neu aufgetretener Schmerz
Neu aufgetretenen Schmerz dokumentieren Sie zeitnah und genau. Anlass, Beobachtung, Maßnahme und Wirkung gehören in denselben Eintrag.
Anlass und Schmerzangabe
Halten Sie fest, wann und in welchem Zusammenhang der Schmerz erstmals aufgetreten ist. Nennen Sie Ort, Qualität und Beginn des Schmerzes. Wenn die Bewohnerin oder der Bewohner sich äußern kann, dokumentieren Sie die Schmerzstärke mit NRS 0 bis 10. Ist bei Demenz keine verlässliche Selbstauskunft möglich, nutzen Sie ein Fremdeinschätzungsinstrument wie BESD oder ZOPA.[3]
Schwacher Eintrag: Bewohnerin hat Schmerzen.
Präziser Eintrag: 14:30 Uhr, Bewohnerin berichtet erstmals über stechenden Schmerz in der rechten Hüfte, NRS 6/10.
Beobachtbare Fakten und Aussage der Bewohnerin
Dokumentieren Sie sichtbare Zeichen wie Schonhaltung, Mimik oder Unruhe. Halten Sie die wörtliche Aussage der Bewohnerin oder des Bewohners fest. Vermeiden Sie Deutungen wie „Bewohnerin übertreibt" oder „wirkt unruhig", wenn keine genaue Beschreibung folgt.
Statt „Bewohnerin klagt über Schmerzen" schreiben Sie zum Beispiel: Bewohnerin äußert wörtlich: ‚Es zieht die ganze Zeit in der rechten Hüfte.'
Maßnahme und unmittelbare Wirkung
Nennen Sie jede ungeplante Intervention, zum Beispiel:
- Lagerungsanpassung
- Bedarfsmedikation nach ärztlicher Anordnung
- Information an die Ärztin oder den Arzt
Dokumentieren Sie die Wirkung mit einem konkreten Ergebnis und einer Zeitangabe.
14:35 Uhr diensthabenden Arzt informiert. Bedarfsmedikation nach ärztlicher Anordnung gegeben. Nach 45 Minuten Schmerz NRS 2/10, keine Schonhaltung mehr.
Übergabe und Folgebeobachtung
Vermerken Sie, wer informiert wurde, und legen Sie den nächsten Beobachtungszeitpunkt fest. Wenn eine geplante Maßnahme wegen des Schmerzes nicht durchgeführt werden kann, nennen Sie den Grund und den neuen Zeitpunkt.
Zum Beispiel: Ganzkörperpflege verschoben, da Schmerz zu stark. Erneute Einschätzung in der Spätschicht.
9. Schmerz nach einer Intervention
Tritt Schmerz während oder direkt nach einer Pflegemaßnahme auf, halten Sie Auslöser, Reaktion, Maßnahme und Wirkung fest.
Auslöser
Benennen Sie die konkrete Maßnahme, die dem Schmerz vorausging. Das kann zum Beispiel ein Verbandwechsel, eine Umlagerung oder ein Transfer sein.
Schwacher Eintrag: Bewohnerin hat nach der Pflege Schmerzen. Präziser Eintrag: 09:15 Uhr: Während des Verbandwechsels am Sakrum äußert die Bewohnerin brennenden Schmerz (NRS 7/10) und zieht sich zurück.
Beobachtbare Fakten und Aussage der Bewohnerin
Dokumentieren Sie die wörtliche Aussage der Bewohnerin oder des Bewohners. Ergänzen Sie sichtbare Reaktionen wie Grimassieren, Anspannen oder Abwehrbewegungen. Wenn keine Selbstauskunft möglich ist, nutzen Sie BESD oder ZOPA. Die NRS geben nur Betroffene selbst an.[3]
Maßnahme und unmittelbares Ergebnis
Aus dem Eintrag muss klar hervorgehen, ob Sie die Maßnahme abgebrochen, angepasst oder später fortgesetzt haben. Konnte sie nicht beendet werden, nennen Sie den Grund und den neuen Zeitpunkt.
Maßnahme 10 Minuten unterbrochen, dann in Seitenlage fortgesetzt. Schmerz nach 20 Minuten auf NRS 2/10 zurückgegangen.
Übergabe und Folgebeobachtung
Halten Sie fest, wen Sie informiert haben, zum Beispiel die diensthabende Pflegefachkraft und den Arzt. Notieren Sie auch, wann die nächste Einschätzung erfolgen soll, etwa in der Spätschicht. Treten Schmerzen beim Verbandwechsel wiederholt auf, gehört das in die Übergabe und bei Bedarf in die Pflegeplanung.
10. Anhaltender oder zunehmender Schmerz
Im Verlaufseintrag halten Sie fest, wie sich der zuletzt erfasste Schmerz entwickelt hat: besser, unverändert oder schlechter.[4] Dokumentieren Sie, wenn der Schmerz nach einer Maßnahme oder nach Bedarfsmedikation anhält, zunimmt oder eine geplante Pflegehandlung deshalb nicht durchgeführt werden kann.
Beobachtbare Fakten und Aussage des Bewohners
Nennen Sie den aktuellen NRS-Wert und die Veränderung zum letzten Eintrag. Wenn keine Selbstauskunft möglich ist, nennen Sie das verwendete Fremdeinschätzungsinstrument.[3]
Schwacher Eintrag: Schmerzen haben zugenommen, Bewohner unruhig. Präziser Eintrag: 14:30 Uhr: Bewohner gibt an: Rücken schmerzt stärker als am Morgen. NRS 7/10, zuvor NRS 4/10 um 08:00 Uhr. Bewohner unruhig.
Vermeiden Sie Formulierungen wie „Schmerzen haben zugenommen“ ohne Bezugswert. Erst der Vergleich von 2 NRS-Werten mit Uhrzeit macht die Verschlechterung nachvollziehbar.
Maßnahme und Wirkung
Halten Sie fest, welche Maßnahme Sie eingeleitet haben, zum Beispiel:
- Lagerungsanpassung
- Gabe der Bedarfsmedikation nach Anordnung
- Information der Ärztin oder des Arztes
Schreiben Sie immer mit Zeitangabe und Bezug zum Vorwert. Dokumentieren Sie danach auch die Wirkung, zum Beispiel: „45 Minuten nach Gabe der Bedarfsmedikation gibt der Bewohner NRS 3/10 an.“ Bleibt die Wirkung aus, gehört das ebenso in den Eintrag.[4]
Übergabe und Folgebeobachtung
Notieren Sie, wen Sie informiert haben. Halten Sie auch konkrete Beobachtungsaufträge der Ärztin oder des Arztes fest, damit die Folgeschicht gezielt weiterdokumentieren kann.
11. Pflegerelevante Informationen von Angehörigen
Bei Angaben von Angehörigen kommt es zuerst auf die Quelle an. Dokumentieren Sie nur das, was für die Pflege wichtig ist, plus Ihre eigene Prüfung. Ein Eintrag ist nötig, wenn aus der Information eine Beobachtung, eine Maßnahme oder eine Anpassung der Pflegeplanung folgt.[1]
Beobachtbare Fakten, Aussage der Angehörigen und eigene Prüfung
Kennzeichnen Sie die Quelle klar und nennen Sie die Person, zum Beispiel: „Sohn berichtet, dass ...“. Halten Sie daneben fest, was Sie selbst geprüft haben. Wenn möglich, ergänzen Sie auch die direkte Aussage der Bewohnerin oder des Bewohners.
Schwacher Eintrag: Angehörige haben Bedenken wegen der Ernährung geäußert. Präziser Eintrag: 16:15 Uhr: Sohn berichtet, die Bewohnerin habe wenig gegessen und Übelkeit angegeben. Bewohnerin bestätigt Übelkeit. Ärztliche Rücksprache. Trinkmenge bis Schichtende weiter beobachten.
Nach dem Gespräch dokumentieren Sie knapp, was Ihre Prüfung ergeben hat und welche Schicht oder Fachdisziplin die Information erhalten hat. So bleibt nachvollziehbar, wer was mitgeteilt hat und was daraus pflegerisch gefolgt ist.
12. Gespräch über ein Pflegeanliegen
Ein Gespräch mit der Bewohnerin oder dem Bewohner dokumentieren Sie, wenn daraus eine Abweichung vom Pflegeplan, eine neue Maßnahme oder eine Anpassung entsteht. Ohne pflegerische Folge ist kein Eintrag nötig.
Für diese Gespräche gilt dieselbe Logik wie sonst auch: Anlass, Beobachtung, Maßnahme, Wirkung, nächster Schritt.
Anlass
Dokumentieren Sie den Anlass so konkret wie möglich. Halten Sie fest, welche Aussage oder Beobachtung das Gespräch ausgelöst hat. Wenn möglich, notieren Sie die Formulierung der Bewohnerin oder des Bewohners möglichst wortnah.
Sichtbare Zeichen und Aussage der Bewohnerin
Ergänzen Sie die Aussage um sichtbare Zeichen und konkrete Beobachtungen. Schreiben Sie, was Sie sehen, hören oder feststellen. Vermeiden Sie Deutungen wie „erschöpft“ oder „überfordert“, wenn diese nicht durch beobachtbare Zeichen belegt sind.
Maßnahme und unmittelbares Ergebnis
Schwacher Eintrag: Gespräch geführt, Wünsche berücksichtigt. Präziser Eintrag: 08:40 Uhr: Bewohnerin äußert, sie sei heute zu schwach für eine vollständige Ganzkörperwäsche. Bewohnerin wirkt blass, Atmung angestrengt. Gesicht und Hände gewaschen, Oberkörperpflege auf später verschoben. Bewohnerin gibt danach an, sich besser zu fühlen.
Dokumentieren Sie klar, wie der Plan abgewichen ist und warum. Beschreiben Sie danach kurz das unmittelbare Ergebnis der Maßnahme.
Übergabe und Weiterverfolgung
Ändert sich etwas auf Dauer, halten Sie die Anpassung in der Pflegeplanung fest. Informieren Sie außerdem die Folgeschicht über die neue Regelung.
13. Telefonische Information an Angehörige
Halten Sie knapp fest, wen Sie telefonisch informiert haben und mit welchem Ergebnis.
Anlass des Anrufs
Dokumentieren Sie Anlass, Datum und Uhrzeit des Anrufs sowie Name und Beziehung der kontaktierten Person zur Bewohnerin oder zum Bewohner. Anlass kann etwa ein Sturz, eine akute Veränderung oder der Wunsch der Bewohnerin oder des Bewohners sein.
Mitgeteilte Inhalte und Einwilligung
Prüfen Sie vor der Auskunft die Identität und Auskunftsberechtigung der kontaktierten Person. Halten Sie die Einwilligung der Bewohnerin oder des Bewohners oder eine andere Berechtigungsgrundlage fest.
Notieren Sie konkret, welche Beobachtungen und Maßnahmen Sie mitgeteilt haben. Begleitet die Bewohnerin oder der Bewohner den Anruf oder nimmt dazu Stellung, dokumentieren Sie die Aussage sachlich und möglichst wortnah.
Reaktion und Vereinbarung
Schwacher Eintrag: „Angehörige informiert.“
Präziser Eintrag: 15:20 Uhr: Tochter, Frau M., telefonisch über den Sturz um 14:30 Uhr informiert. Einwilligung der Bewohnerin zur Auskunft liegt vor. Mitgeteilt: Hämatom am linken Oberschenkel, Schmerz nach Kühlung NRS 3/10, Hausarzt informiert. Tochter bittet um ärztlichen Rückruf. Bitte an die Hausarztpraxis weitergegeben, Rückruf ausstehend. Tochter kommt morgen Nachmittag zu Besuch.
Beschreiben Sie die Reaktion der Angehörigen und die getroffene Vereinbarung. Einen Wunsch nach ärztlichem Rückruf dokumentieren Sie als Wunsch, solange der Rückruf nicht erfolgt ist.
Übergabe und Weiterverfolgung
War der Anruf erfolglos, schreiben Sie „nicht erreicht“. Halten Sie fest, wer den nächsten Kontaktversuch übernimmt und wann dieser erfolgen soll.
Bei einem gewünschten Rückruf dokumentieren Sie, an wen Sie die Bitte weitergegeben haben und was noch offen ist.
14. Bewohner lehnt eine Pflegemaßnahme ab
Pflegerelevanter Anlass
Benennen Sie die abgelehnte Maßnahme, zum Beispiel die geplante Körperpflege oder einen Positionswechsel. Dokumentieren Sie den Grund nur, wenn er bekannt ist.
Beobachtbare Fakten und Aussage der Bewohnerin / des Bewohners
Beschreiben Sie das beobachtbare Verhalten und halten Sie die Aussage im genauen Wortlaut fest. Wertungen wie „stur“ oder „uneinsichtig“ gehören nicht in den Eintrag.
Schwach: Bewohner ist unkooperativ.
Präziser: Bewohner wendet den Kopf ab, schiebt den Waschlappen weg und sagt: „Heute nicht.“
Halten Sie anschließend fest, was Sie angeboten haben und wie die Bewohnerin oder der Bewohner darauf reagiert hat.
Maßnahme und Ergebnis
Dokumentieren Sie, wie Sie die Maßnahme erklärt und welche Alternative Sie angeboten haben. Halten Sie fest, ob die Alternative angenommen wurde und ob durch die Ablehnung eine Hautbeobachtung entfällt.
Bleibt die Ablehnung pflegerelevant, informieren Sie die zuständige Pflegefachkraft und die nächste Schicht.
Übergabe und Weiterverfolgung
Halten Sie fest, wen Sie informiert haben und wann die Maßnahme erneut angeboten wird. Prüfen Sie bei wiederholter Ablehnung die Maßnahmenplanung.[1]
15. Erhöhte Körpertemperatur oder Fieber
Dokumentieren Sie eine erhöhte Temperatur wie in den vorherigen Beispielen: Beobachtung, Maßnahme, Wirkung und Weitergabe.
Pflegerelevanter Anlass
Ein Eintrag ist nötig, wenn die Temperatur vom gewohnten Wert abweicht oder Begleitzeichen auftreten. Nennen Sie Uhrzeit und Messort, zum Beispiel Ohr oder Stirn. Messen Sie bei Kontrollen am selben Ort, sonst sind die Werte nicht vergleichbar.
Beobachtbare Fakten und Aussage der Bewohnerin / des Bewohners
Beschreiben Sie Begleitzeichen: Frieren oder Zittern, Schwitzen, Hautfarbe, Trinkmenge, Bewusstseinslage, Atmung, Schmerzen und Auffälligkeiten beim Wasserlassen. Ergänzen Sie die Aussage der Bewohnerin oder des Bewohners im Wortlaut.
Steht der Messwert bereits im Vitalzeichenblatt, verweisen Sie darauf. Eine vermutete Ursache nennen Sie nur als Verdacht bei der Weitergabe an die Ärztin oder den Arzt.
Maßnahme und unmittelbares Ergebnis
Halten Sie fest, wen Sie wann informiert haben, welche Anordnung vorliegt und was Sie umgesetzt haben. Dokumentieren Sie bei der Kontrollmessung Uhrzeit, Messort und Ergebnis.
Schwacher Eintrag: Bewohnerin hat Fieber, Arzt informiert.
Präziser Eintrag: 07:30 Uhr: Bewohnerin bleibt beim Wecken liegen und sagt: „Mir ist so kalt.“ Zittert, Stirn heiß. Temperatur 38,6 °C (Ohr). Trinkmenge seit gestern 18:00 Uhr ca. 300 ml. Gibt Brennen beim Wasserlassen an, Urin trüb. 07:45 Uhr Hausarztpraxis informiert, Anordnung: fiebersenkendes Medikament wie verordnet, Hausbesuch heute Vormittag. 08:00 Uhr Medikament nach Anordnung gegeben, Getränk angeboten, 200 ml getrunken. 09:00 Uhr Temperatur 37,9 °C (Ohr), Bewohnerin sagt: „Jetzt geht es besser.“
Übergabe und Weiterverfolgung
Notieren Sie, was die Folgeschicht übernimmt, zum Beispiel Temperatur am Nachmittag erneut messen, Trinkmenge weiter erfassen und Ergebnis des Hausbesuchs nachtragen.
Vage Formulierungen und präzise Alternativen
Beschreiben Sie im Pflegebericht konkret, was Sie beobachtet haben, statt das Verhalten oder den Zustand zu bewerten.
Vage Formulierung Präzisere Alternative „unruhig“ „Bewohner läuft wiederholt im Flur auf und ab und zupft an seiner Kleidung.“ „verwirrt“ Bewohnerin fragt wiederholt nach ihrem Ehemann und findet ihr Zimmer nicht. „aggressiv“ „Bewohner schlägt während der Körperpflege um sich und ruft laut.“ „schlecht gegessen“ „Bewohner hat 3 Löffel Suppe gegessen. Hauptspeise und Nachtisch lehnt er ab.“ „alles okay“ Bewohner sagt: „Mir geht es gut.“ „stabil“ Vitalzeichen unverändert: Blutdruck 120/80 mmHg, Puls 72/min. „Angehörige beschwert sich“ Tochter sagt: „Die Wäsche wird aus meiner Sicht zu selten gewechselt.“
Verwenden Sie diese Formulierungen nur, wenn sie zur tatsächlichen Beobachtung passen. Einzelne Messwerte beschreiben den jeweiligen Parameter, nicht den Gesamtzustand.
Anführungszeichen stehen nur bei tatsächlich geäußerten Worten. Kennzeichnen Sie sinngemäße Wiedergaben und Angaben von Angehörigen entsprechend. Dokumentieren Sie Beobachtung, Reaktion und Maßnahme. Behaupten Sie dabei keine Motive, Diagnosen oder Ursachen.
Selbstprüfung vor dem Signieren
Prüfen Sie Ihren Eintrag vor dem Signieren auf 4 Punkte:
- Zuordnung und Vollständigkeit: Ist der Eintrag pflegerelevant und eindeutig zuzuordnen? Sind Datum, Uhrzeit sowie Unterschrift oder Initialen vorhanden? In digitalen Systemen muss die Zuordnung über Benutzerrechte und Zeitstempel nachvollziehbar sein.
- Sachlichkeit: Streichen Sie Floskeln und unbelegte Deutungen. Trennen Sie Beobachtungen, Aussagen der Bewohnerin oder des Bewohners und Ihre fachliche Einschätzung klar voneinander.
- Verlauf und Handlungsbedarf: Sind Beobachtung, Maßnahme, Reaktion und Wirkung erkennbar? Prüfen Sie auch, welcher Handlungsbedarf noch besteht. Ist die Wirkung noch offen, dokumentieren Sie die nötige Nachbeobachtung.
- Abgleich: Gleichen Sie den Eintrag mit dem Dokumentationsstandard Ihrer Einrichtung ab. Wiederholen Sie keine Angaben aus dem Medikamentennachweis oder Ereignisprotokoll.
Digitale Dokumentation in der Praxis
Mit dexter.mobile können Sie Pflegeeinträge während des Pflegeablaufs per Spracheingabe auf dem Smartphone erfassen. Das unterstützt kurze, sachliche und prüfbare Pflegeberichte. Über Schnittstellen lässt sich dexter.mobile an bestehende Pflegedokumentationssysteme anbinden.
dexter.qm wertet vorhandene Pflegedaten regelmäßig aus und zeigt Dokumentationslücken sowie noch offenen Nachverfolgungsbedarf an. So unterstützt es Sie dabei, Beobachtung, Maßnahme, Wirkung und Weitergabe auch digital nachvollziehbar zu dokumentieren.
Fazit
Ein guter Pflegebericht hält Beobachtung, Maßnahme, Wirkung und nächsten Schritt fest. So sieht die nächste Schicht auf einen Blick, was sich verändert hat und was als Nächstes zu tun ist. Der Bericht ergänzt die Pflegeplanung: Seine Einträge zeigen, wann Maßnahmen überprüft und angepasst werden müssen.[1] Wie Sie eine Pflegeplanung nach ATL aufbauen, lesen Sie im Beitrag Pflegeplanung mit ATL.
FAQs
Was schreibt man in den Pflegebericht?
In den Pflegebericht schreiben Sie Abweichungen vom geplanten Ablauf, Veränderungen im Zustand und besondere Ereignisse. Jeder Eintrag nennt Beobachtung, Maßnahme, Wirkung und weiteres Vorgehen mit Datum und Uhrzeit. Was wie geplant läuft, gehört nicht hinein.
Welche Beispiele gibt es für Pflegeberichte?
Typische Anlässe sind Sturz, neu aufgetretener Schmerz, abgelehnte Pflegemaßnahmen, veränderte Orientierung, geringe Trinkmenge, Hautveränderungen und Fieber. Dieser Beitrag zeigt 15 solcher Situationen, jeweils mit schwachem und präzisem Eintrag. Dazu kommen Satzbausteine zum Kopieren für Körperpflege, Mobilisation, Ernährung, Schmerz, Ausscheidung, Orientierung, Nachtdienst und Angehörige.
Wie dokumentiere ich nachträglich einen vergessenen Eintrag?
Ergänzen Sie den fehlenden Eintrag mit Datum, Uhrzeit und Handzeichen. Halten Sie sachlich und genau fest, was passiert ist, welche Maßnahmen durchgeführt wurden und welches Ergebnis sie hatten. Beschreiben Sie beobachtbare Fakten oder verwenden Sie wörtliche Zitate statt eigener Deutungen. Formulieren Sie so, dass alle Beteiligten den Eintrag verstehen.
Was schreibe ich, wenn die Wirkung einer Maßnahme noch offen ist?
Halten Sie fest, was passiert ist, welche Maßnahme Sie durchgeführt haben und welche Reaktionen Sie bislang beobachtet haben. Vermerken Sie ausdrücklich, dass die Wirkung noch offen ist. Beschreiben Sie nur beobachtbare Fakten, ohne ein Ergebnis vorwegzunehmen.
Dokumentieren Sie zeitnah, knapp und präzise. Achten Sie darauf, dass die zeitliche Reihenfolge eindeutig nachvollziehbar ist.
Wann muss ich zusätzlich die Pflegeplanung anpassen?
Passen Sie die Pflegeplanung an, wenn dokumentierte Veränderungen, Reaktionen auf Maßnahmen oder Abweichungen vom geplanten Pflegeprozess dies erfordern. Der Pflegebericht bildet die Grundlage für diese Entscheidung.
Halten Sie kurz und nachvollziehbar fest, was passiert ist, welche Maßnahmen Sie durchgeführt haben und welches Ergebnis diese hatten. Anhand dieser Angaben lässt sich beurteilen, ob die geplante Pflege angepasst werden muss.
Muss ich jeden Tag einen Eintrag in den Pflegebericht schreiben?
Nein, wenn die Pflege wie geplant verläuft und Ihre Einrichtung mit dem Strukturmodell arbeitet. Einträge entstehen bei Abweichungen, Veränderungen und Ereignissen. Bei stabiler Situation sind auch längere Zeiträume ohne Eintrag möglich, für diese Phasen kann ein fester Termin zur Überprüfung von SIS und Maßnahmenplan festgelegt werden. Gibt Ihr Hausstandard eine Mindesthäufigkeit vor, gilt diese.
Gelten die Beispiele auch für ambulante Pflege und Krankenhaus?
Der Aufbau aus Beobachtung, Maßnahme, Wirkung und weiterem Vorgehen passt in allen Bereichen. Die Beispiele sind für die stationäre Langzeitpflege geschrieben. In der ambulanten Pflege bleiben Leistungsnachweise für wiederkehrende Leistungen als Abrechnungsgrundlage nötig. Im Krankenhaus gelten eigene Formulare und Abläufe, richten Sie sich dort nach dem Standard Ihres Hauses.
Quellen
- Medizinischer Dienst des Spitzenverbandes Bund der Krankenkassen (MDS), Sozialmedizinische Expertengruppe Pflege: Hinweise zur Umsetzung des Strukturmodells zur Effizienzsteigerung der Pflegedokumentation im Zusammenhang mit Qualitätsprüfungen in Pflegeeinrichtungen nach den QPR, Oktober 2019, Abschnitte 2.3 und 2.4.
- § 113 SGB XI: Maßstäbe und Grundsätze zur Sicherung und Weiterentwicklung der Pflegequalität, Absatz 1.
- Deutsche Schmerzgesellschaft, Deutsche Gesellschaft für Geriatrie, UVSD SchmerzLOS: S3-Leitlinie Schmerzmanagement bei geriatrischen Patient:innen in allen Versorgungssettings (GeriPAIN), Langfassung, AWMF-Register-Nr. 145/005, 2025, Kapitel Schmerzassessment.
- Deutsches Netzwerk für Qualitätsentwicklung in der Pflege (DNQP): Expertenstandard Schmerzmanagement in der Pflege, Aktualisierung 2020, Auszug.
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Marc Margulan hat Humanmedizin an der Universität Duisburg-Essen studiert und während des Studiums selbst in der Pflege gearbeitet. In der Klinik hat er erlebt, wie viel Zeit Pflegekräfte mit Dokumentation verbringen. 2021 hat er dexter health gegründet. Heute arbeiten über 10.000 Pflegekräfte mit dexter.
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